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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-10 · Heft 19 (10.5.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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•>9. Latsrgang. itr. 19. 01!*♦ ^^rlin. 10. Mai 1895. Weiter ge zur „Attgemeinen Zeitung des IuöenLHuins". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 7. Mai. Soeben ist der 10. Jahrgang des „Statistischen Jahrbuchs des deutsch-israelitischen Gemeindebundes" ür 1895 erschienen. Dasselbe enthält auch in diesem Jahre viele wesent- 'iche Verbesserungen. Das geographische Verzeichniß der jüdischen Gemeinden im deutschen Reich ist nach Möglichkeit vervollständigt, die Seelenzahl der einzelnen Gemeinden, ihre Vorsteher, Beamten, Wohllhätigkeitsvereine u. s. w. sind genau angegeben. Das Nachschlagen wird ourch ein alphabetisches Register erleichtert. Von besonderem Werth und die Verzeichnisse des Anhangs, enthaltend die Vereine, Stiftungen und Schulen zur Beförderung des Handwerks unter den Juden, die Merversorgungen und Asyle, die Kranken- und Siechenhäuser, ferner me Rabbiner- und Lehrerseminare, die Präparanden-Anstalten, die Real- und höheren Bürgerschulen, die Waisen- und Erziehungshäuser, die Vereine für Volksbildung und die Bibliotheken, die Vereine von Rabbinern und Lehrern, die Stiftungen und Vereine zu Gunsten von Gemeindebeamten und die für Volksverpflegung. Besonders dankenswerth ist das neu hinzugekommene Verzeichnih der höheren Lehranstalten, an welchen jüdischer Religionsunterricht ertheilt wird (das aber leider für Berlin sehr unvollständig ist, und nicht ohne Interesse ist auch das Verwichniß der Gemeinden, in welchen beim Gottesdienst eine Orgel oder mn Harmonium eingeführt ist. Das Register der Gemeinden hat durch Hinzufügung der postalischen Bezeichnung gewonnen. So erhält man >urch das Jahrbuch ein übersichtliches Bild von dem innern Leben der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Der Preis des Jahrbuchs beträgt;.60 Mark. Dasselbe ist durch das Büreau des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, Berlin W., Sigismundstraße 5, zu beziehen. Berlin, 8. Mai. Der in allen Kreisen unserer Stadt sehr bekannte und beliebte Arzt Sanitätsrath Dr. Eduard Friedberg ist nt 82. Lebensjahre gestern nach längeren Leiden gestorben. CA) Berlin, 6. Mai. Bei der am 29. v. M. stattgehabten Versammlung des Central-Ver eins deutscher Staatsbürger -üdischen Glaubens war der Fürstensaal des „Grand Hotel Alexanderplatz" dicht gefüllt. Der Vortrag des Schriftstellers Alp ho ns e -evp „Zur Geschichte der Juden in Sachsen" bot in gedrängter Form mne Fülle historischen Materials und gipfelte in dem Satze: „Die 'wechselnden Geschicke der Juden zeigen uns die Stufe der Kultur, auf welcher die Völker stehen, unter welchen sie leben". Der Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Dr. M. Horrvitz erstattete hierauf eine Reihe geschäftlicher Mittheilungen, welche die Versammlung wiederholt mit Beifall aufnahm. Herr Dr. Horwitz erläuterte, daß der Verein, der sich nur mit der Vertheidigung der Rechte der deutschen Staatsbürger Mischen Glaubens befasse, an der sogenannten „Umsturzvorlage" kein anderes Interesse habe, als die Bedenken gegen die von der Kommission wrgeschlagene Abänderung des § 166 des St. G. B. Gegen diese der verfassungsmäßigen Parität widersprechende Fassung habe der Vorstand -ich in einer an den Reichstag gerichteten P etiti on ausgesprochen. Bei oer Stadtverordneten-Ersatzwahl in der Dorotheenstadt habe der Vorstand es als Pflicht jedes dort wahlberechtigten Gaubensgenossen bezeichnet, seine Stimme für den Gegner des Antisemitismus abzugeben. Redner erörterte alsdann die angeblichen Mißerfolge und die neuerdings ergangene Entscheidung des Reichsgerichts in der Sache Rethwisch- Hannover, deren Begründung keineswegs das Triumphgeschrei der Antisemiten rechtfertige. Gegen die Freisprechung des der Gotteslästerung angeklagten Redakteurs Hans von Mosch habe der Staatsanwalt von Amtswegen Revision eingelegt. Einer von der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" veröffentlichten Anregung des Herrn Realschullehrers Seifensieder, bezüglich judenfeindlicher Stellen in Schulbüchern, werde gern Folge geleistet werden. Die Vereinsmitglieder würden hoffentlich dieser Sache volle Aufmerksamkeit widmen und Material beisteuern. Eine im vorigen Monat antisemitischen Blättern aus Kreuznach a. N. zugegangene Notiz über Beerdigungen von Selbstmördern habe den Vorstand veranlaßt, Erkundigungen einzuziehen. Durch eine Erklärung des dortigen Bürgermeisters ergab sich, daß hierbei wieder ein harmloser Vorfall zum Zwecke der Erregung von Erbitterung aufgebauscht worden war. Nach weiteren Mittheilungen über das Wachsthum des Vereins und die Thätigkeit in den einzelnen Berliner Gruppen wurde die Versammlung geschlossen. Berlin,7. Mai. Inder Reichstagssihung vom 4. d. M. hat der sreikonservative Abgeordnete Oberregierungsrath v. Gamp häßliche antisemitische Angriffe gegen eine hiesige jüdische Firma mit Entschiedenheit zurückgewieseu. Derselbe sagte: Der Abgeordnete Zimmermann hat in der ersten Lesung gegen die Firma Cäsar Wollheim ehrenrührige Angriffe gerichtet und behauptet, daß sie unsaubere Manipulationen sich habe zu Schulden kommen lassen, daß sie mit der Firma Emanuel Friedländer einen Ring abgeschlossen habe zu unlauterem Zweck, daß der Kommerzienrath Arnhold, der Chef der Firma, einer Reihe von wirthschaftlichen Korporationen angehöre, und daß er diese Stellung in persönlichem Interesse ausnutze. Ich stehe sowohl in geschäftlicher als in freundschaftlicher Beziehung zu dem Chef der Firma, und ich halte mich deshalb für verpflichtet, die Vorwürfe zurückzuweisen. Kommissionsrath Arnold hat dem Abgeordneten Zimmermann am 2. Februar mitgetheilt, daß seine Angaben unrichtig seien, und ich hatte erwartet, daß der Abgeordnete Zimmermann darauf hin die schwer gekränkte Firma von dieser Stelle rehabilitirt hätte. Er hat das nicht gethan. Ich fühle mich deshalb verpflichtet, meinerseis diese ganz ungerechtfertigten Angriffe zurückzuweism. z. Berlin, 7. Mai. Der liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde hielt gestern Abend im Bezirk Norden, in der Brauerei Königstadt, seine erste öffentliche Versammlung ab. Der Vorsitzende des Lokal-Komitees für den Norden, Herr Direktor Friedmann, eröffnete die Sitzung und ertheilte, nach kurzer Begrüßung der zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder, Herrn Rechtsanwalt Breslauer das Wort zu einem Vortrag über: Die Armenverwaltung der jüdischen Gemeinde. „Ich freue mich" — bemerkte der Vortragende in der Einleitung — „in einer liberalen Wahlversammlung über dies Thema sprechen zu können. Zwar steht dies Thema mit den Wahlen in keiner Beziehung, aber die Gemeindeverwaltung hat nicht ihr Augenmerk ausschließlich auf Kultusfragen zu richten; sie soll und muß sich auch mit Verwaltungsfragen befassen, und unter diesen ist es in erster Reihe der Modus der Armenpflege, dem die Gemeindeverwaltung ungetheilte Aufmerksamkeit zuzuwenden hat." Mit beredten Worten schilderte hierauf der Redner die Thätigkeit der für alle Zweige der Wohlthätigkeit organisirten Kommissionen sowie die Arbeitslast des Vorsitzenden der Haupt-Armenkommission, der alle Gesuche zu prüfen, sie an die richtigen Abtheilungen zu weisen und für deren prompte Erledigung zu sorgen hat. Redner entwickelte auf Grund statistischer Zahlen ein sprechendes Bild der seitens der Gemeindeverwaltung für Arme und Nothleidende aller Kategorien bekundeten Fürsorge und wies zum Schluß auf die Nothwendigkeit hin, sämmtliche jüdische Wohlthätigkeitsvereine in Berlin zu einen: Verbände zu organisiren, der zum Segen der Gemeinde und zum Wohle der Armen wirken wird. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen. Hierauf erstattete der Vorsitzende des liberalen Vereins, Herr Rechtsanwalt Dr. Hermann Veit Simon, Bericht über die Begründung und Zwecke des liberalen Vereins und forderte die Anwesenden auf, thatkräftig für die Tendenzen des liberalen Vereins zu wirken. Die darauf folgende Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Beschaffenheit des Religionsunterrichts. Zum Schluß gelangte zur Verlesung und einstimmigen Annahme folgende von Herrn Löwenstein eingebrachte Resolution: „Die am 6. Mai in der Brauerei Königstadt tagende Versammlung von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde

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