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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-10 · Heft 19 (10.5.1895) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
Seite 227 (sequence 13)
Language
German
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227 n Gesicht itzen hier :ang nach rstürmen. sen, Lina dein noch hielt. Er non den Ihre Ar. bei. das >er. Sic »u Ihren Händen : lauschte anunertc och da!" ard, sind Gärtner llos sein. cwiedertc iner Arsen Wärter fuhr unserer ns doch cg nicht eonhard. dumpfes > immer älzenden Zimmer, welches ch gleich -ließen!" ie offenlkiemand b schritt Julius, do ber- " stellte „Wir sollen doch nicht niiißig hier stehen und uns ausrauben lassen!" versetzte Julius und stürzte fort; der Vater und Max wollten ihm folgen. Die Töchter suchten sie zurückzuhalten. „Bleibt; sie bringen Euch um!" „Sie sollen nicht sagen, daß wir uns verkriechen, daß die Juden lsige sind!" entgegnete Max, und schon waren beide Brüder verschwunden. „Bleiben Sie hier, Herr May/' bat Leonhard seinen Herrn, der aber machte sich los und antwortete: s „Lassen Sie mich, ich muß zuseheil, daß meine Söhne keine j rchorheiten begehen. Seid ruhig, Kinder, der Sturm wird sich noch i beschwören lassen!" tröstete er die Töchter und eilte hinaus. j Das Wohnhaus war durch einen kleineren Vorgarten von der s Ztraße abgeschlossen und durch den größeren Garten und den Park c-on den Fabrikanlagen getrennt, die sich in mehreren drei- und; vierstöckigen Gebäuden auf drei Seiten um einen große» mosaiks >epflasterten Hof zogen. In dem mit der Rückseite an den Park s ^lobenden Gebäude befand sich eine dorthin führende Thür, die jedoch j mr von Herrn May benutzt ward, um aus seiner Wohnung in die? Fabrik zu gelangen. Er nahm jetzt mit seinen Begleitern diesen i Weg, auf welchem sich ihnen noch kein Hindernis; entgegeustellte, und! sie gelangten auch unangefochten in einen zur ebenen Erde gelegenen l Saal, von dessen Fenstern der hell vom Mondlicht beschienene Fabriks ,of zu überschauen war. j Hier sah es schlimm aus. Er war ersüllt von einer tobenden, j chreienden Menge, die sich mit jeder Minute vergrößerte und anscheinend wild durch einander wogte. Splitternd krachten bereits die, wie jeden Abend wohl verwahrten Thüren, gegen welche Axthiebe geführt wurden. „Sie haben Recht," sagte May traurig zu dem alten Leonhard. .Jeder Gedanke an Widerstand ist hier ausgeschlossen." „Aber sollen wir denn unthätig stehen und zuschauen, wie man »nthwitlig zerstört, was Du aufgebaut hast, Vater?" schrie Julius außer sich. „Sind wir denn ganz verlassen? Rührt Niemand von Allen, denen Du Gutes getha», eine Hand für Dich?" „Es giebt wohl noch Leute, die zu uns halten, aber sie sind vereinzelt und zerstreut, Jene da draußen sind planmäßig organisirt!" sagte Leonhard. „Man hat den Schurkenstreich gehörig vorbereitet!" knirschte Max. „Wenn ich zu den Leuten spräche?" Emanuel May machte i einen Schritt gegen das Fenster, um es zu öffnen. „Um Gotteswillen, Herr May. nur das nicht!" flehte der Geschäftsführer. „Die Leute sind bis zur Raserei aufgestachelt, sie haben schwer getrunken — es war sehr reichlich Bier und Branntwein aufgelegt. Noch hat Sie Niemand bemerkt, lassen Sie uns nach dein Wohnhaus zurückkehren. Es kann ja nicht mehr lange dauern, bis Hilfe kommt." Wie als Begleitung zu seinen Worten scholl es jetzt: „Juden raus! Wo steckt die Bande? Sie hat sich verkrochen! Räuchert sie aus!" „Bestien!" knirschte Julins. Ohne in seinem Grimm zu bedenken, was er that, riß er das Fenster auf und schrie: „Elendes, freches Gesindel!" Seine Worte wurden verschlungen von einem Wuthgeheul. Hundert Köpfe wandten sich nach dem bisher unbeachtet gebliebenen,! in einem Winkel belegenen Fenster. „Steinigt die Blutsauger, schlagt ‘ sie tobt."! Ein wahrer Steinhagel richtete sich gegen den Kopf des Verwegenen. Emanuel May stürzte vorwärts und wollte ihn zurückreißen. Da blitzte etwas auf. Das Krachen des gefallenen Schusses ging unter in dem Toben der Menge, aber die Kugel hatte ihren verhängnißvollen Lauf genommen. Noch einige Minuten stand Emanuel May aufrecht, dann griff er mit beiden Händen in die Lnft, wankte und fiel seinem Geschäftsführer in die Arme. Das erste Opfer des frivol hcraufbeschworenen Aufstandes war gefallen. „Fort, fort!" rief Leonhard, „bringen wir nur ihn in Sicherheit!" „Wo giebt es noch Sicherheit für uns?" entgegnete Max mit grenzenloser Bitterkeit, gehorchte aber doch dem Anruf des Geschäftsführers. Jetzt, wo das Leben des geliebten Vaters bedroht erschien, trat für die Söhne alles Anvere in den Hintergrund. Sie dachten nur daran, ihn zu retten. (Fortsetzung folgt.) & Eine Postführt in Äiidlpanicn. Von Julio Levi in Madrid. ^or einigen Wochen noch stampfte ich den Schnee in den Straßen meiner schwäbischen Vaterstadt — heute sitze ich in der Fonda italiana in Algeciras (spanischer Hafen von Gibraltar) auf dem Balkon und blicke auf die in blauer Ferne auftauchende afrikanische Kaste hinüber. Müde und zerschlagen liegeich hier, um mich von der gestrigen Postfahrt zu erholen. Eigentlich hätte ich von Eadix mit bcnt Dampfer hierher fahren tonnen; aber meine Seefahrt von Almena nach Malaga, von welcher mich selbst das denkbar schlechteste Wetter nicht abzuhalten vermocht hatte, liegt mir noch so stark im Magen, daß die leiseste Vorstellung von dessen Miseren jeden Gedanken an das Betreten eines Schiffes weit von sich wies. So entschloß ich mich, den Landweg zu wählen, der nicht viel über 100 Kilometer beträgt. Morgens 4 Uhr — die Sterne glitzerten in südlicher Pracht und Größe — hielt der Postwagen, ein Bretterkasten antedulivianischer Herkunft, mit 8 Maulthieren bespannt, an der Fonda. Ich sicherte mir einen Platz auf dem Bock. Auf der ebenen Straße, die längs der Meeresküste hingeht, ging es in ordentlichem Trab; die kleinste Neigung hingegen wird in gestrecktem Galopp genommen, wobei der Postillon weder Lunge noch Peitsche schont. Die Landschaft bietet nichts Außergewöhnliches. Die südländische Flora ist natürlich in allen ihren Gestaltungen reich vertreten. Fischerdörfer und Küstenwächter-Hütten säumen die sandige Straße wie Meilensteine. Die Wellen des aufgeregten Meeres spritzen oft an die heißen Wände unseres Vehikels. An den zahlreichen Stationen wird mit spanischer Gemüthsruhe Aufenthalt genommen, die Thiere werden gewechselt, man genießt eine Tasse Kaffee, ein Glas Mandelmilch oder etwas Aehnliches, und weiter gehl's. Gegen Mittag wird die Lnft heiß trotz der Nahe des Meeres. Auf einer Station zeigte das Thermometer 40 Grad Celsius. Doch das genirt hier nicht. Man dreht sich mit der größten Gemüthlichkeit seine Cigarette und läßt die Rauchwölkchen hinaus in die feucht-warme Lnft. In einer Fonda am Cap Trafalgar wurde Mittag gemacht. Meine Leibspeise: arroz a laValeueia! Ich habe mir von der gemeinschaftlichen Schmorpfanne, die vom Herd direkt auf den Tisch gestellt wird, zweimal eingeschöpft und mich dadurch meinen Reisegefährten als echten Spanier legitimirt. Als der Kaffee genommen war, blies der Postillon eine andalnsische Melodie, die Thiere zogen an, und weiter rollte unser Postwagen. Die Landschaft wurde öde, und nur das brausende Meer zur Rechten schuf Abwechslung. „Sehen Sie," meinte ein Herr, „dort drüben muß die „Reina Regente" stecken." Ein Anderer gestikulirte heftig nach einem dunklen Punkt im Ozean hin: Dort sei ein Mast des

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