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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-10 · Heft 19 (10.5.1895) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
Seite 225 (sequence 11)
Language
German
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Wenigstens finden wir ihn schon Ende 1716 in Zell im Hause Jsak Wetzlars mit der llebersetzung43) von Adolf Theobald Overbecks: Der endlich gefundene Hauptschlüssel der doppelten Kunst der hebräischen Acceniuation beschäftigt, der eben 1716 in Braunschweig erschienen war. Es waren ruhigere Accente, zu denen er da glücklich den Uebergang gefunden hatte; nach den wilden Träume», denen seine Seele eine Zeit lang sich hingegeben, konnte er jetzt bei der Wissenschaft seiner Kindheit Ruhe und Reue finden. 1718 sehen wir ihn in Köthen mit einer hebräischen Grammatik “p“I, der Sachkenntnife, Nebersichtlichkeit, Sprachgewandtheit und ein gebildeter Geist nicht abznsprechen ist,44) an die Oeffentlichkeit treten. Dem ausführlichen hebräischen Werke folgt ein Anhang in jüdisch-deutscher Sprache. Der Rabbiner von Dessau. Joseph Jizchak b. Gerson, preist ihn i» seiner Montag den 16. Tebeth 5478, d. i. den 20. Dezember 1717, ausgestellten Approbation als grofeen Grammatiker und rabbiuisch hervorragend gelehrten Mann, wie ihn auch sein Naerdener Freund, Mose di Gaves, in dem im Rotizbnche erhaltenen hebräischen Briefe als Helden im Kampfe der Thora anredet. Alexander Süfekind hatte damals auch bereits eine andere Arbeit unternommen, die ihn zum Vorläufer der Moses Landau und Arsone Darmesteter erhebt, eine Erklärung der französischen Glossen im Bibel- und Talmudkommentar R. Salomo Jizchakis und der Tosafoth,43) von der aber nichts zn Tage gekommen ist. Ausdrücklich dankt er am Schlüsse seiner Vorrede den Gemeinden Halle und Halberstadt, die ihn in Wort und Thal zur Herausgabe seiner grammatischen Werke angetrieben haben. Nur auf eine Frage, die sich hier noch anfdrängt, möchte ich eine Antwort wagen, wenn sie auch nur den Werth einer blofeen Vermnthung für sich in Anspruch nehmen kann. Wie ist das Notizbuch des Amsterdamer jüdischen Kaufmannes in die kaiserliche Hofbibliothek nach Wie» gekommen? Sicheres weife ich darüber nicht. Wie aber, wenn Alexander Süfekind in Langalleries Gefolge sich befunden hat, als er in Stade gefangen genommen wurde, und dieses Notizbuch zn den Papieren uud Akten gehört hat. die bei diesem Gefolge sicherlich konfiszirt wurden, bevor man es verabschiedete? 4») P- 442. 43) ©ob. Oxford 1501 44) Luzzatto, Prolegomena. 45) Vorrede zu “pT 46) Wie ich jetzt (16. Januar 1894) einem Briefe des Kustos der k. und k. Hofbibliothek, Herrn Dr. Alfred Göldlin von Tiefenau, entnehme, sind die daselbst aufbewahrten Manuskripte des Marquis von Langallerie Nr. 6966 bis 6976 und 10777, ebenso wie das Notizbuch Alexander Süßkinds in der That bei beiden Genannten bei ihrer Inhaftnahme konfiszirt und an den kaiserlichen Hof in Wien geschickt worden, von dem sie die k. und k. Hofbibliothek nachträglich zur Verwahrung übernahm. Vgl. Theatrum Europaeum XXI., 1716 p. 100a—101b. I iimmnimiii MINIM! w . .sa’Tüjl kv? il'WHliiüNil I * 1 FEUILLETON üi j syzNiMiirwnimiii MMkMMI --ar-- 1 —i inhifwum MMM 1m Aufgegangene Saat. Ein Zeitbild von Jenny Hirsch. (Fortsetzung.) m stillen Frieden eines schönen Frühlingsnachmittags, unter il/ den frisch grünenden Bäumen auf und abschreitend und dem Gesang der Nachtigallen lauschend, fand May allmälig das Gleichgewicht seiner Seele so weit wieder, daß er den heimkehrenden Töchtern mit gelassener Miene entgegen gehen konnte. Ihre Erzählungen wühlten wie mit spitzen Messern in seinen noch blutenden Wunden; viel, viel schärfer als das eigene Leid empfand er das, welches man diesen harmlosen, unbefangenen Mädchen zugefügt hatte. Eine unaussprechliche Bitterkeit, ein Ekel erfaßte ihn, und trotzdem gewann dieser seltene Manu es über sich, die Erscheinung, die sich als ein verfinsternder Schatten über sein Leben warf, objektiv zu betrachten und sogar zu erwägen, ob und wo die Schuld auf Seiten derjenigen liege, welche man zum Gegenstände einer so boshaften Verfolgung machte. So lange er es hindern konnte, sollten die Seelen seiner Kinder doch nicht durch Hafe und Groll vergiftet werden, und so leicht sollte man auch ihn nicht mürbe machen. „Man nennt unser Volk ja so sehr zähe," sagte er; „ob man das nn» als Lob oder Tadel auffafet, soll mir gleich gelten, ich werde beweisen, das; ich diese Stammeseigenthümlichkeit besitze." — Schon am nächsten Tage meldete der Geschäftsführer, dafe er einige Arbeiter, welche auf die Botschaft des Fabrikherrn mit Schmähnngen in der bekannten Tonart geantwortet, augenblicklich entlassen habe. Mit schwerem Herzen und mit dem Vorsatz, die Familie» der Entlassenen insgeheim zu unterstützen, bestätigte May die Maßregel; sein Verstand sagte ihm, dafe Milde in diesem Falle ganz unangebracht sei und ihm als Schwäche, wenn nicht gar als Beweis eines bösen Gewissens ausgelegt werden würde. Er blieb auch fest, als einige Frauen der Gemaferegelten jammernd zu ihm kamen und um deren Wiedkreinstellnng flehten und, nachdem sie dadurch nichts erreicht, allerlei anzügliche Redensarten und versteckte Drohungen hören ließen. Noch weit weniger stimmte es ihn zur Nachgiebigkeit, daß seine Beamten ihm von einer grofeen Gührung unter den Arbeitern berichteten. Ruhig und fest erklärte er : „Ich habe mich sehr ungern zu der Maßregel entschlossen, nun sie aber einmal angewendet ist, wird sie durchgeführt; wer unter diesen Verhältnissen nicht arbeiten will, der mag gehen; ich halte Niemand." Zwei Tage später verkündeten Maueranschläge, dafe am Abend im großen Saal der „Waldschänke", einem in geringer Entfernung von Altrode gelegenen Gasthof, eine antisemitische Versammlung slattsinden werde. Den Vortrag habe Herr Walhart ans Berlin übernommen. „Das geht gegen Sie, Herr May," sagte der Geschäftsführer, der dem Fabrikbesitzer diese Nachricht brachte; „mich dünkt, der Hetzer ist telegraphisch herbeigerufen worden, und ich zweifle, daß das aus den Köpfen der Arbeiter kommt. Möchten wir nicht Vorkehrungen treffen?"

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