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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-03 · Heft 18 (3.5.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 18 (3.5.1895)
Date
1895-05-03
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 nur zweitägigem Krankenlager an Influenza im noch nicht vollendeten > 48. Lebensjahre verstorbene königl. Rechtsanwalt und Notar Siges- : mund Rosen bäum zur letzten Ruhe bestattet. Der Verstorbene wurde; im Jahre 1877 als Richter an das Kreisgericht in Lublinitz berufen, bat dort bis zum Jahre 1881 gewirkt und ist seitdem als Rechtsanwalt j und Notar in Oppeln thätig gewesen. Nicht nur als Richter und An-! walt, sondern auch in seiner Eigenschaft als Mitglied der Stadtverord-; neten- Versammlung, deren stellvertretender Vorsteher er war, hat der : Verstorbene ein umfassendes Wissen, eine ehrenhafte Gesinnung, Liebeus-! Würdigkeit und eifrige Pflichttreue in so reichem Maße bewiesen, daß! sein Andenken ein unvergeßliches bleiben wird. Bei der Beerdigung; gaben dem Verstorbenen u. A. das letzte Geleit der Regierungspräsident j Dr. von Bitter, Landgerichtspräsident Knauff, Erster Staatsanwalt Dr. Jsenbill, Erster Bürgermeister Papels, fast sämmtliche Stadtverordnete, Richter und Subalterndeamte des Amts- und Landgerichts. Eine tief- , ergreifende Grabrede hielt Rabbiner Dr. Wiener. — Vor wenigen Wochen! gab der greise Nestor der schlesischen Rabbinerwelt Rabbiner Dr. Wiener! in Oppeln seiner im Alter von 73 Jahren verstorbenen Gattin das z letzte Geleit. — Der israelitische Armen-Unterstützungsverein in Myslowitz zählt gegenwärtig 75 Mitglieder Die Einnahmell an Beiträgen, Subvention vom Gemeindevorstand und den anderen am Orte bestehenden Wohlthätigkeitsvereiuen betrugen 1560 10 Mark, die Ausgaben 1437.40 Mark, so daß ein Bestand von 122.70 Mark verbleibt. An laufenden Unterstützungen wurden an Ortsarme 370 Mark, an durchreisende inländische Arme 130 Mark und an durchreisende ausländische Arme 730 Mark gezahlt. Der bisherige Vorstand wurde s. Z. durch Akklamation wiedergewählt. — Da die zum Synagogenbau in Myslowitz bereits bewilligte Anleihe von 80,000 Mark noch den Kostenanschlägen zur Ausführung des Baues nicht ausreicht, so ist vom Repräsentanten- Kollegium die Genehmigung zur Aufnahme einer weiteren Anleihe von noch 30,000 Mark ertheilt worden. Sobald vom Bezirksausschuß die Bewilligung hierzu eintrifft, soll unverzüglich mit dem Bau begonnen werden. — Anläßlich des 25 jährigen Jubiläums des israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsvereins in Zabrze hielt am 13. v. M. Rabbiner Dr Blumenthal aus Ratibor in der dortigen Synagoge die Festrede. Dem Akte ging eine Friedhofsfeier voraus. Abends versammelte die Festtheilnehmer, unter welchen Deputationen der Nachbargemeinden erschienen waren, in Schüllers Hotel ein Mahl von 200 Gedecken. Rechtsanwalt Möller-Zabrze brachte den Kaisertoast aus.! Dr. Blumenthal-Ratibor toastete aus die Zabrzer Synagogengemeinde, Amtsgerichtsrath Lewy-Benthen gedachte der Wohlthätigkeitsvereinigungen. Namens der Gemeinde Zabrze überreichte an der Tafel Rabbiner Dr. Rosenthal aus Breslau deren Vorsteher Herr Heinrich Pollack, welcher nun schon 25 Jahre im Dienste der Gemeinde steht, mit längerer 'Ansprache eine kostbar ausgestattete Adresse. Um das Gelingen des schönen Festes hatten sich besonders die Herren Max Böhm, Kaiser und! Engen Pollack bemüht. K. Hannover, 25. April. Eine ernste, stimmungsvolle Feier wurde am!8. d. M. an dem Grabe des seligen Landrabbiners Dr. S. E. Meyer begangen. Als vor Jahresfrist die Gattin des Verstorbenen das Zeitliche segnete, wurde sie auf Beschluß des Vorstandes und der Repräsentanz neben ihrem Gatten auf dem ihm von seiner dankbaren Gemeinde in der Mitte des Begräbnißplatzes ausersehenen Ehrenplätze bestattet, und es wurde die würdige Ausstattung des Grabes durch Gedenkstein und Inschrift übernommen. Ta der Jahrzeitstag, der j 20. Nissan, in die Festtage fiel, erfolgte die feierliche Uebergabe des z Grabes erst am Donnerstag nach dem Feste. Es hatten sich an der Grabstätte neben allen Familiengliedern der Verstorbenen die Vorsteher und Repräsentanten, sowie der Landrabbiner und die Gemeindebeamten eingefunden. Nach dem ergreifenden Gesänge „Adonai mo odom“ von Herrn Oberkantor Linhardt ergriff Herr Laudrabbiner Dr. Gronemann! das Wort. Er wies auf die Bedeunmg dieser Stunde hin, in welcher die Gemeinde ihrem bereits vor zwölf Jahren entschlafenen Führer eine hohe Ehre erweist, und feierte, mit dem Hinweis auf die Inschriften der Grabsteine, in längerer Rede die bleibenden Verdienste des seligen j Landrabbiners Dr. Meyer, der, „ein treuer Hirt seiner Gemeinde, ein! liebevoller Vater seiner Kinder", jetzt mit der ihm im Leben theuren j Gattin im Tode verbunden ist, sowie die hohen Tugenden der Ver- : storbenen, die „eine Frau, klug waltend mit dem Herzen und voller Einsicht, in Ehre und Herrlichkeit ihr Haus ausbaute" und eine treue Gefährtin in guten und in bösen Tagen ihrem Gatten war. Der er?? Vorsteher der Gemeinde, Herr Julius Kauffmann, der viele Jahre n Freundschaft und Eintracht mit dem Hingeschiedenen gelebt und g. rneinsain gearbeitet, schloß sich diesen Ausführungen aus ganzem Herz:, an. Dem Landrabbiner Dr Meyer, seinem versöhnlichen, friedfertig.:! Sinne, seinem unermüdlichen Schaffen und seinem Geiste ist es zu danken, daß unsere Gemeinde in Mitten der Gemeinden Deutschlands geehrt ui ■) geachtet, geeinigt, ohne Spaltung dasteht. Aufs Tiefüe bewegt, dan!? der Sohn der Verstorbenen, Herr Rechtsanwalt Dr. Siegmund Meye, dem Vorstande und der Repräsentanz in seinem Namen und in de, seiner Geschwister für die pietätvolle Ehrung, die ihren geliebten Elte,', hier geworden, so wie Allen, die mitgewirkt, diese Stunde für ihn w > die Seinen zu einer unvergeßlichen zu machen, und schloß mit be=:i Wunsche, daß steter Friede in unserer Gemeinde herrschen möge na dem Wahlspruch seines Vaters, der denselben während seiner ganz.: Amtsthätigkeit geleitet hatte: Friede, Friede dem Fernen wie dem Nahe Gesänge, ausgeführt vom Synagogenchor und von Mitgliedern d??> neuen israelitischen Männergesang-Vereins, schlossen die erhebende Feie — Am 1. und 2 April fand unter Vorsitz des Herrn Geheimen R gierungsraths und Provinzial - Schulraths Dr. Wendland die Ein lassungsprüfung an unserer Lehrer-Bildungsanstalt statt, (m hatten sich fünf Prüflinge gemeldet, die alle bestanden, drei wurden ai ’ Grund ihrer schriftlichen Arbeiten und ihrer guten Führung von d, mündlichen Prüfung dispensirt. So hat sich auch in diesen Jahren d i alte gute Ruf der Anstalt bewährt. s. Meiningen, 29. April. Unser Landesrabbiner Dr. Dessaus ist heute hier gestorben. Diese Nachricht wird nicht verfehlen, überall d., wo der Verblichene bekannt war, schmerzliche Theilnahme zu errege Dr. Moritz Dessauer, aus Neutra in Ungarn gebürtig, stand noch n den besten Lebensjahren. Er war ein Zögling des Breslauer Seminan und zuerst in Köthen, dann in Meiningen als Rabbiner thätig Auße dem hat derselbe sich als Schriftsteller auf populär-philosophischem un pädagogischem Gebiete hervorgethan. Als Seelsorger, wie als Menst: erfreute sich D. wegen seines edlen Charakters und seiner Geistesgab: - allgemeiner Beliebtheit. Der Redakteur d. Bl. verliert in dem Dahigeschiedenen einen theuren Jugendgenossen und Verwandten, fjrie^ seinem Andenken! QD Köln, 22. April. Unser Verein für jüdische Geschick): und Litteratur, der mit an derSpitze aller gleiche Ziele verfolgend Vereine Deutschlands, was seine Mitgliederzahl und seine Leistung: betrifft, steht, hat am 2. April die Wintersaison mit einem vortrefflich: : Vortrag des Herrn Prof. Dr. M. Philippson aus Berlin geschlosst Der große Saal der Lesegesellschaft, einer der schönsten und größte Säle der Stadt, war fast voll; 700—800 Personen waren gekommen, um den noch von einem früheren Vortrag hier bestens empfohlene : Redner zu hören. Das Thema lautete: „Ueber einen jüdischen Leibar: der Königin Elisabeth und Shakespeares Shylock". In klarer, vc; weitem historischen Blick getragener Weise entwarf der Geschichtsforsch ein Bild der Regierung Königin Elisabeths und schilderte die Stellun. die der Maranue Dr. Lopez, Leibarzt am Hofe, unter den Höfling.: einnahm, bis endlich der Günstling, dessen Verbindungen n>: spanischen Verschwörern nicht zu entschuldigen waren, in Ungna fiel und sein Leben auf dem Schaffet verlor. Dieser Vorgan der damals in England großes Aufsehen erregte, mochte wohl den wv. dieselbe Zeit lebenden Shakespeare veranlaßt baben, in seinem „Kaufmai von Venedig" den Juden Shylock zu schildern in seinen Tugenden in Schattenseiten; der Redner verstand es meisterhaft, Licht und Schatte in der Charakterbildung Shylocks gleichmäßig zu verlheilen und de: Ganzen einen befriedigenden Abschluß zu geben. Reicher Beifall wurde dem Redner wohlverdienter Weise zu Theil, dem der Vorsitzende de> Vereins noch ganz besondern Ausdruck verlieh. Anknüpfend an de Vortrag wies der Rabbiner Dr. Frank auf das Verdienst hin, das si der Vater des Redners, der verewigte Dr. Ludwig Philippson, desst, Name seit fast 60 Jahren an der Spitze dieses Blattes steht, um da Judenthum und seine Interessen erworben hat, und wie nun desst Sohn, würdig in die Fußtapfen des Vaters tretend, seine Kenntnisse i:' den Dienst des Judenthums und seiner Geschichte stellt Der Vorsitzend bemerkte, daß der Verein in seiner diesjährigen Thätigkeit keinei: würdigeren Abschluß hätte finden können, als durch den soeben gehörte,>

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