Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1895)
- Date
- 1895-05-03
- Page
- Seite 213 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228113--51746-3272507- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
213 an Ihren der solche licht ohne en werde,! Spuren twickelung Mitarbeiter erkennbar ait, faitm rnft kann st lebende rrt treten absichtigte rng, dann em Unter, labe alles den feit te dagegen in ihrem lt schicken, haben oft t in Achl .reckfuß. r solchen h stellte: schreiben: t daraus, täte nach )ie er am bekannten sie, „Zur und der est füUeii ehmeu zu rlagc zu recht über besondere . Februar ritz einer elches in tnng der jtil 184'. esehensten wärmsten l Rheini 376. wr politischum eine den Ver chte Ans Landtage 196 hi» er schriet entungei' flacht dir . die siä; er Weist silr dahöchste politische Recht zu durchhauen und die doch bei der erneuerten Behandlung der speziellen Frage für Rechtsgleichheit stimmen werden." Er bat den Berliner Freund, ihn häufig über die Verhandlungen zu unterrichten. Wie weit dies geschehen, wissen wir nicht; in dem Briefwechsel finden sich nun große Lücken. Nur je ein Brief aus den Jahren 1851 und 1857 bietet allgemein jüdisches Interesse. In jenem handelte es sich um die traurige, durch die Reaktion verschuldete Lage der Inden. Damals (22. November 1851) schrieb Rießer: „Die schlimmen Aussichten für die Juden in Preußen überraschen mich leider nicht. Ich habe nie geglaubt, daß man den Grundsatz der Gewissensfreiheit achten werde, wenn man erst mit den übrigen, wenn auch nicht verhaßteren, doch störenden Elementen der Verfassung fertig geworden. Daß Letzteres so rasch und leicht gelang, das übertrifft freilich meine schlimmsten Befürchtungen. — Daß man geradezu den Grundsatz ausspricht, Juden nicht anstellen zu wollen, scheint mir — ganz abgesehen davon, ob der Einzelne durch seine Staatsprüfung ein liecht auf Anstellung erlangt oder nicht — ein ganz offener Verfassungsnnd Eidesbruch zu sein. Denn auch auf einem Gebiete, wo die Regierung, was die einzelnen Fälle anlangt, nach ihrem Ermessen handeln lann, darf sie doch für ihre Praxis keine Regeln ausstellen, die den Prinzipien der Verfassung geradezu widerstreiten. Was würde z. B. die Aufhebung der Standesprivilegien helfen, wenn es der Regierung freislände, weite Bereiche von Aemtern im Staats- und Kriegsdienste zu bezeichnen, welche sie nur an Adlige verleihen würde? Bei der Beveutung, welche die Ministerverantwortlichkeit — die politische wie die strafrechtliche — in Preußen in Wirklichkeit hat, hat es freilich mit oiesem Verfassungsbruch, wie mit den übrigen wenig auf sich, allein in einem Votum der Kammern in dem obengedachten Sinn würde ich doch einen moralischen Gewinn sehen, und würde es für sehr verdienstlich halten, ein solches herbeizuführen." Die in bem Briefe des Jahres 1857 behandelte Angelegenheit rührt uns von den bisher meist berührten politischen Verhandlungen ganz ab. Sie leitet auf das Gebiet der Wohlthätigkeit, in das so viele briefliche Unterhaltungen jüdischer Korrespondenten münden. Trotzdem darf sie hier erwähnt werden, weil sie keine Privatbettelei, sondern eine Art öffentliche Unterstützung eines verdienten Mannes, die Abtragung einer Dankesschuld der deutschen Juden an einen der Ihrigen, der freilich seit lange in Frankreich weilte, betrifft. Es handelt sich um Sal. Munk, der damals nach vielen Mühen den ersten Band seiner staunenswerthen Veröffentlichung über Maimonide» „Führer der Verirrten" (arabischer Text, französische Uebersetzung, Kommentar) herausgegeben hatte und zum schwachen Entgelt seiner zeitraubenden und kostspieligen Arbeit einen Verkauf seines Werks auch in Deutschland wünschte. Zu diesem Zwecke wandte er sich an Veit, mit dem er seit 30 Jahren befreundet war. Er hatte in Berlin ftndirt und war mit Veit in nahe Beziehungen getreten. Von diesen geben einige Briefe aus Frankfurt und Bonn 1828 Kunde — in ihnen herrscht das trauliche Du —; auch in Weimar war Munk durch Veit gefördert, selbst bei Goethe eingeführt worden. Seit 1828, da Munk rastlos in Paris arbeitete, wurde die Korrespondenz seltenei, »wenigstens haben sich nur ganz gelegentliche Briefe vorgefunden. Als Veit, wie es scheint, nicht direkt, sondern durch einen in Breslau lebenden Neffen Munks die Aufforderung erhielt, sich für das genanule Werk zu verwenden, dachte er daran, zu diesem Behufe einen Aufruf, von hervorragenden Gelehrten unterschriebe», zu verbreiten. (11. Mai 1852). Mein Vater, der zu der Zahl der Auserlesenen gehörte, wies jedoch, wie ich einem Briefe Lehmanns an Veit entnehme, darauf hin, daß ein von Rabbinern, den hauptsächliche» Vertretern jüdischer Gelehrsamkeit in Deutschland, unterschriebener Ausrus leicht als Parteisache gedeutet werden könnte und machte Lehmann, Rießer und Veit als die Männer namhaft, deren Unterzeichnung für einen solchen Ausruf am wirksamsten sein würde. Diese Ansicht drang durch; Rießer sandte am 11. Juni 1852 seine Unterschrift und wünschte dem Unternehmen den besten Erfolg. Leider brechen Rießers Briefe damit ab, wenigstens soweit sie jüdische Dinge betreffen. Die wenigen »och aus dem Jahre 1859 erhaltenen Schreiben beziehen sich, wie oben auf erwähnt, einen juristischen Artikel und dessen Aufnahme bez. Nichtaufnahme in eine Zeitschrift. Das Abbrechen der Korrespondenz bedeutete jedoch kein Anfhören der Freundschaft. Es erklärt sich, wenn nicht etwa auch hier die Zeugnisse des weiteren Verkehrs verloren sind, vielmehr daraus, daß die jüdischen Verhältnisse eine unmittelbare Besprechung nicht nöthig machten besonders auch daraus, daß beide Männer älter geworden, durch weit auseinanderliegende Beschäftigungen belastet, zur brieflichen Allssprache keine Zeit und Ruhe mehr fanden. Sehr bald »ach Rießers Tode (Juli 1863) bildete sich in Frankfurt a. Main ein Komitee zur Begründung einer Rießer-Stiftung und zur Herausgabe von Rießers Werken. Dieses Komitee, das auch in andern Städten Zweigvereine zu gleichem Zwecke ins Leben zu rufen wünschte' wandte sich zunächst an Veit (Brief von Jak. Weil II. Nov. 1.863), um ihn zum Mitglied des Redaktionskomitees zu macheil und ihn mit der Bildung eines Berliner Zweigvereins zll betrauen. Gewiß begrüßte Beit einen solchen zur Ehrung des verstorbenen Freundes bestimmten Vorschlag mit Freuden; sich an ihm thätig zu betheiligen, hinderte seine bald darauf eintretende Krailkheit und sein früher Tod. Me Bestehungen des Marquis de Fangallerie;u den Juden. Von Prof. Dr. David Kaufmann. II. (>4n seiner neuen hoffnungsfreudigen Stimmung erinnerte sich Langallerie rechtzeitig eines seiner Verwandten, in dem er sich eines besonders geeigneten Werkzeuges seiner Pläne versah. Rene Godefroi Louis Erncst Joseph Le Ha/hard, Landgrave de Linange, Frince du St. Empire et de Cliabanois, Duc d’Angelpont, wie er sich nannte, war wieLangallerie selber, angeblich,weil mau ihn zum Geistlichen erziehen wollte, Frankreich abtrünnig geworden, zur reformirten Kirche übergegangen und in der Armee Peters des Groszen in russische Dienste getreten. Mit ihm, der offenbar gleich ihm abgewirthschaftet hatte, hoffte der neue Religionsstifter den Ausbau seines Werkes rascher betreiben zu können. Er lub ihn ein, nach Amsterdam zu kommen, wo Linange in die neue Lehre eingeweiht werden sollte, in der er sofort, neben der Rolle des zweiten Bekenners, den höchsten Rang nach dem Oberhaupte zu bekleiden sicher war. Wieder waren Langalleries Augen und Hoffnungen auf die Inden und auf die j Reichthümer der Amsterdamer Gemeinde gerichtet. In Frankfurt am Main sollen die Juden, nachdem Langalleries Geldmittel längst wieder aufgebraucht waren, schwach genug gewesen sein, ihn von Neuem zur Reise nach Amsterdam mit Geld auszustatten. Das > Entgegenkommen, das er hier bei den Juden gefunden hat, scheint! nicht sonderlich hoffnungerweckender Art gewesen zu sein. In einem Herrn Limier erwarb er die geistige Kraft, die sein vages System durchdenken und in eine Form bringen half^). Mittlerweile war auch Linange in Amsterdam angekommen, allerdings in einem so jämmerlichen Zustande, daß es einen Augenblick Langallerie vor dem neuen Apostel bange geworden sein mag^). 19) P. 413 f. 20) x». 414.