Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-26 · Heft 17 (26.4.1895) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228112--51731-3272491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

3 die seit einem Semester in Kraft steht, ist, daß nicht mehr ein einziger derartiger Versäumnißfall zu konstatiren war, und daß die Rektoren der Schulen über den Besuch des jüdischen Religionsunterrichtes genau so eifrig wie über den Besuch der christlichen Religionsstunden wachen. n. Landsberg a. W., 19. April. Die hiesige jüdische Privat- Armenkasse beging am 6. d. M die Feier ihres hundertjährigen Bestehens. Herr Adolph Nathan, Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde und der Privat-Armenkasse, hat in einer schön aus gestatteten Festschrift die fortschreitende Entwicklungsgeschichte dieses Vereins übersichtlich dargestellt und zur Verkeilung bringen lassen. Zur weihevollen Gestaltung des Festaktes trugen wesentlich der wirkungsvolle Chorgesang und die vom Geiste wahrer Humanität und Nächstenliebe getragene Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Elsaß in der festlich geschmückten Synagoge bei. Am Abend vereinigte ein solennes Mahl eine zahlreiche Festversammlung in dem Saale des Aktientheaters, wobei viele geistvolle Toaste ernsten und humoristischen Inhalts die Stimmung hoben und erheiterten. Hervorzuheben ist die herzliche und kraftvolle Festrede oes Herrn Nathan, der von den Zielen und Zwecken des Vereins und von der patriotischen Gesinnung seiner Mitglieder sprach. Ein dreimaliges Hoch auf den deutschen Kaiser bildete den Schluß seiner eindrucksvollen Rede. Die Aufführung zweier Theaterstücke und Tanz hielten die zahlreiche Gesellschaft in fröhlichstem Zusammensein bis 5 Uhr Morgens bei einander. Seesen a. Harz, 21. April. Der Jahresbericht unserer jüdischen Realschule, der weithin bekannten Jacobson-Schule, ist erschienen. Die von Herrn Direktor Dr. E. Philippson mitgetheilten Schulnachrichten melden, daß mit Schluß des vorigen Schuljahres der bisherige ordentliche Lehrer Herr Dr. Georg Heinitz ausschied, um einem Rufe des Herrn Rudolf Mosse in Berlin zu folgen und die Leitung der von diesem neu gestifteten großen Erziehungsanstalt in Wilmersdorf bei Berlin zu übernehmen. Herr Dr. Heinitz ist acht Jahre im Dienste der Jacobson-Schule thätig gewesen; für die großen Erfolge, die er als Lehrer und Erzieher hier erlangt hat, spricht ihm das Programm Namens der Kollegen Anerkennung aus, und heißt es an dieser Stelle: „Wenn wir auch nur ungern auf seine fernere bewährte Mitarbeit an den Aufgaben unserer Anstalt, für die er ein ebenso reges Interesse und Pflichtgefühl als hervorragendes pädagogisches und didaktisches Geschick mitbrachte, verzichten, so erfüllt es uns auch mit Befriedigung, daß er in dem neuen Amte ein weiteres Feld zur selbstständigen Befähigung seiner Gaben und Fähigkeiten gesunden hat." An Herrn Dr. Heinitz Stelle trat mit Beginn des neuen Schuljahres Herr Dr. G. Sack, bisher wissenschaftlicher Hilfslehrer am Paulinum in Horn bei Hamburg. — lieber das Leben der Schüler im Alumnat theilt der Bericht mit, daß keine nennenswerthe Neuerung eingesührt. Die unter Aufsicht stehenden Schülervereine sind dieselben geblieben, so der Gesangverein. Seitens der Schule wird für die israelitischen Knaben in drei Abtheilungen Synagogengesang geübt. In der Schülerwerkstatt herrschte reges Leben, die Hobelbänke waren stets besetzt, Papparbeit und Kerbschnitt fanden erfreulichen Zulauf. — Den statistischen Mittheilungen ist zu entnehmen, daß die Frequenz am 1. Februar 1895 die Zahl 270 auswies, gegen 257 Schüler am 1. Februar 1894. Unter den Schülern befinden sich gegenwärtig 159 Hausschüler. Israeliten sind 135 in der Anstalt, größtentheils Alumnen. d Wiesbaden, 23. April. Unsere schöne Synagoge ist gelegentlich des Osterfestes in diesen Tagen wieder ihrer Bestimmung übergeben worden, nachdem dieselbe wegen der stattgehabten baulichen Veränderungen den Winter über geschlossen war. - Die Wiederweihe des prächtigen Gotteshauses fand am Montag Abend statt, und der durch Herrn Bezirksrabbiner Dr. Silberstein vollzogene, mit rhetorischer Meisterschaft ausgeführte Weiheakt machte auf die zahlreich erschienenen Zuhörer einen erhebenden Eindruck. Ganz überraschend wirken auf den Besucher des Tempels aber die Veränderungen, die in baulicher und dekorativer Beziehung vorgenommen worden sind. Dem schon längst vorhandenen Bedürfnisse gemäß die inneren Räume zu erneuern und in künstlerischer Weise umzugestalten, wurden im vergangenen Herbste die Arbeiten energisch in Angriff genommen und zur Ausführung eine junge Kraft in Herrn Architekten I. Beitscher gewonnen, dem die Aufgabe gestellt war, zu den beiden Emporen die bisher fehlenden besonderen Eingänge zu beschaffen und die Jnnenräume dekorativ entsprechend umzugestalten. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß diese Aufgabe in zweckdienlicher und künstlerisches Verftändniß bezeugender Weise erfüllt worden ist. mf. Fürth, 18. April. In unserer Gemeinde befindet sich der Centralvorort für den baierischeu Centralverein zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten. Der jetzt ausgegebene Kassenbericht ergiebt an Ausgaben im letztvergangenen Berichtsjahr 23,325 M. Unterstützungen, die an 2502 Personen vertheilt wurden. Im Monat Juli meldeten sich in Fürth 331 Unterstützungsbedürftige. Der höchste Unterstützuugsbetrag betrug 60 M. Die Einnahmen beliefen sich 24,666 M., an denen die Gemeinde Nürnberg mit 12,500 M., andere Gemeinden, wie Ansbach, Sulzbach i. O, Schwabach u. s. w. mit kleineren Beiträgen betheiligt waren. Die Centralkasse Würzburg vertheilte im Berichtsjahr an 2143 Arme 4843 Mark. Die Centralkaffe Bamberg an 1919 Arme 5570 M. Auch bei diesen beiden Kassen wies der Monat Juli die höchste Frequenz an Durchreisenden auf. Diese sehr organisirten Centralkassen bieten eine Abwehr gegen die Ausnutzung der Privatwohlthätigkeit durch die Wanderbettelei und erfordern verhältnißmäßig geringe Unkosten trotz bedeutender Arbeitslast. Die Centralkaffe Fürth verwandte auf Regie und Besoldung 977 M., die Centralkasse Würzburg 836 M., die Centralkasse Bamberg 657 M. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 23. April. In Folge der durch den Ausfall der letzten Wiener Gemeinderathswahlen geschaffenen politischen Situation hat der nur aus jüdischen Mitgliedern bestehende „Politische Volksverein" (früher „Israelitischer Wählerverein") sich veranlaßt gesehen, seine seit längerer Zeit sistirte Thätigkeit wieder aufzunehmen. Bei der gestern abgehaltenen Generalversammlung wurde Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Hermann Fialla zum Vereinspräsidenten gewählt. Der neugewählte Präsident, auf das Lebhafteste akklamirt, besprach in seiner mit großem Beifall aufgenommenen Programmrede die politische Lage, welche jedem Juden eine erhöhte politische Wachsamkeit und Thätigkeit zur Pflicht mache. Insbesondere habe das Verhalten eines Theiles der jüdischen Wähler in der Leopoldstadt bei den letzten Gemeinderathswahlen die Nothwendigkeit einer regeren aufkläreuden Vereiusthätigkeit dringend dargethau, damit Fehler und Uebereilungen vermieden werden, deren Wiederholung dauernden Schaden stiften könnte. Redner definirte weiter unter einhelliger Zustimmung der zahlreichen Zuhörer, daß die scheinbar konfessionellen Vereinigungen politischer Natur eine an sich auffällige und dem staatsbürgerlichen Standpunkte wohl widerstrebende Erscheinung, allein als Gebilde der Noth und Nothwehr in dem aufgedrungenen Kampfe nicht zu umgehen sind. Redner schließt mit dem Wunsche, daß die Zeit nicht allzu ferne sein möge, in welcher diese derzeit unentbehrlichen Vereinigungen ihre beklageuswerthe Existenzberechtigung verlieren. — Der Minister für Kultus und Unterricht hat den Beschlüssen der betreffenden Professoren-Kollegien auf Zulassung des Dr. Max Herz als Privatoozenten für interne Medizin an der medizinischen Fakultät der Universität in Wien, des Dr. Siegmund Feilbogen als Privatdozenten für Volkswirthschaftslehre an der rechts- und staatswiffenschaftlichen Fakultät der Universität in Wien, die Bestätigung ertheilt. — Die hier verstorbene Gabriele Przibram testirte 50,000 fl. für eine Bettenstistung für kranke Kinder und den gleichen Betrag zur Errichtung eines Asyles für arme, blinde Mädchen, in beiden Anstalten ist die Aufnahme von den: Glaubensbekenntniß unabhängig; ferner vermachte die edle Wohlthäterin, die einer angesehenen jüdischen Familie in Prag entstammt und gleichfalls Israelitin war, 5000 fl. für jüdische und 5000 fl. für christliche humanitäre Anstalten in Wien und Prag. — Die Gattin des verstorbenen Professors Ludwig Maut Huer hat dem Verein zur Pflege kranker Studirenden 200 fl. gespendet — Aus Jglau berichtet man uns über das Hinscheiden des ehemaligen Handelsschuldirektors und Professors au der k. k. Staats- Ober-Reatschule in Jglau, Prof. Samuel Deutsch, der im 67. Lebensjahre verschied. G Krakau, 20. April. Am verflossenen Sabbath würde der rühmlichst bekannte gelehrte Rabbiner Hirsch Kali sch er aus Thorn seinen hundertjährigen Geburtstag gefeiert haben. Zu Ehren dieses Tages hielt der hiesige Litteratur-Verein„Sfas Emes“ eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in der der thatkrüftige Redakteur des „Hamagid", Herr Samuel Fuchs einen interessanten und lehrreichen Vortrag in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.