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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-26 · Heft 17 (26.4.1895) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
Seite 201 (sequence 11)
Language
German
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201 iiobcn, die sich von ihm die neue Lehre, von der sie schon von Stettin aus verständigt worden waren, auseinandersetzen ließen, i'-ine Börse mit etwa 20,000 deutschen Gulden soll sogar den klarsten Beweis geliefert haben, wie sehr hier seine Ideen mit Begeisterung ausgenommen wurden10). Kläglich gescheitert, um sein Weib und seine Ehre betrogen, wie er von Cassel zurnckkehrte, wandte er sich daher wieder vor Allem nach Frankfurt am Main"). Ein angesehener Mann des Frankfurter Ghettos, Joseph Later oder, sicherlich ungeschickt genug erfunden, a Latere mit Namen, vielleicht aber, wie ich verinnthe, nach dem Hanse „Zur Leiter" benanntIS), soll sogar in Langalleries Vornamen Philippe Auge das Augurinm entdeckt gaben, daß er der Engel sei, von dem der Prophet Barnch geweissagt iiibc, daß er das Reich Israel Herstellen werde. Das sollen denn mich Viele geglaubt haben, aber auch Langallerie ließ es sich inreden. (Fortsetzung folgt.) Ans M. Veits Nachlaß. Mittheilungen von Prof. Dr. Ludwig Geiger. IV. f cr folgende Brief zeigt, wie bedauerlich es ist, daß die Korrespondenz nur einseitig überliefert ist. Der Brief Veits vom 9. Marz 1842, auf den Rießer am 20. April antwortet, muß 'cs Interessanten viel enthalten haben. Rießer trug Bedenken, eine» Brief der Rahel zu publiziren oder zu konnneutiren, besonders Wege» iner darin vorkommenden Aenßerung über „die mögliche Rache der guden an einzelnen ihrer Verfolger". Während er sonst Persönliches und Litterarisches nur kurz streiste, z. B. die Besprechung eines im Beitschen Verlag erschienenen Werkes, ging er auf das, was beiden grennden innigst am Herzen lag. ans die jüdischen Verhältnisse, ansuhrlicher mit folgenden Worten ein: i*) p. 405: J’avois fait un Systeme, pour reiinir toutes les Societes Üeligieuses sous un meine Gouvernement; et je ne doutois pas que les Juifs ne fussent les premiers a l'adopter. Mon Ami Lezana, Juif de •detin, a qui je l’avois souvent develope, l’avoit fort approuve, et m'avoit meine aide des ses conseils. Tout m'en faisoit esperer l’heureux Ktablissement. C’est pourquoi je voulois voir les plus considerables Juifs Je Francfort, qui en etoient deja prevenus depuis assez longtems, pour ivoir eu celui de faire leurs Reflexions. Des qu'ils eurent appris mon irrivee en cette Ville, un des plus liebes d'entr’eux vint m’offrir sa Maison et ne voulut. jamais souffrir que je logeasse dans l’Auberge oii etois descendu du chariot de poste avec toute ma Familie. 11 fallut .•eder ä. ses politesses pressantes. Je fus a peine arrive chez lui, que c remis une foule de visites des plus apparens de cette Nation. Quoi qu’ils eussent connoissance de mon projet, ils me prioient de les en ontretenir, comme s’ils eussent pu en etre mieux instruits par moi-meme. Je les satislis avec une comploisance, qui les charma: et pour me mettre en etat de travailler eflicacement a remplir leur ‘.sperance, ils me firent une Bourse d’environ vingt mille Florins d'Allemagne. 1T) p. 410: J’etois fonde sur les Dispositions que j’avois trouvees Jans les Juifs de cette Ville. Un d’entr’eux, nomme Joseph Later, on a Latere, trouva le moien de flater leurs esperances et la mienne. Cet iiomme, fort considere dans sa Nation, aTant appris que je m’appelais Philippe Ange de Langallery, osa avancer que j’etais cet An ge, que le Prophete Baruch avoit dit de voir retablir le Roiaume d'Israel. Ses t Untreres l’espererent, parces qu’ils le souhaitoient: et je commenr*ai i> le croire fermement moi-meme. 18) S. Schudt, Jüdische Merckwürdigkeiten III., 151. Auf dem Epitaph Nr. 560 in Frankfurt a. M. findet sich 1762 Telzche als Tochter des bereits verstorbenen bezeichnet. „Die vielbesprochenen legislativen Regungen bei Ihnen, über die Ihr letzter Brief viel Interessantes enthält, haben mich lebhaft beschäftigt. Ich bin im Begriff, eine Flugschrift von einigen Bogen über den Gegenstand zu vollenden, die hoffentlich in wenigen Wochen erscheinen wird. Zu Zeitungsartikeln habe ich mich nicht entschließen können. Für den ersten Anlauf und um die öffentliche Meinung rege zu machen, schien! mir genug geschehen zu sein. Was noch zu thun übrig, schien mir darin zu bestehen, den ideellen Grund des Beginnens zu zerstören und nachzuweisen, wie alle seine Voraussetzungen platt und falsch und verkehrt sind. Das habe ich denn versucht, und ich habe mich um so lieber auf dieser Seile gehalten, als ich für meinen Theil von Anfang an an die praktische Ausführung des Planes nie habe glauben können und immer den Geist und die Gesinnung, von denen er Zeugniß giebt, für das Wichtigste und Beklagenswertbeste gehalten habe. — Dazu hätte mir aber eine Zeitung keinen Raum gewährt. Uebrigens bin ich bei meiner Arbeit auf einen Punkt gekommen, über den ich, falls ich mich etwa irren sollte, von Ihnen eine Berichtigung wünschte. Um nämlich darzuthun, wie der Staat eine wirkliche, fremde Nationalität nie begünstigen wird und wie in unserem Fall eine solche Gunst nur deshalb möglich erscheint, weil es sich nicht um Nationalität, sondern um einen Schatten davon, mit dem man ungestraft spielen kann, handelt — um das ins gehörige Licht zu setzen, liegt das Beispiel der polnischen Nationalität allzu nahe, um es zu umgehen. Hier bin id) nun davon ansgegangen, daß, wenngleich die jetzige Regierung bekanntlich schonend gegen die polnischen Unterthanen in dieser Hinsicht verfährt, doch Niemand daran denkt, korporative Trennungen zwischen der polnischen und deutschen Bevölkerung des Großherzogthnms, in der Art, wie man sie jetzt zwischen Christen und Juden in der ganzen Monarchie einführen will, zu erschaffen: daß in jenem Verhältnis nichts in der Art existirt und daß man den, der es Vorschläge, für einen Berräther an dem Wohle der Monarchie halten würde. Wenn nun in diesen meinen Voraussetzungen irgend etwas Irriges sein sollte — was immerhin möglich, da ich mir die Zustände des Großherzogthums Posen mehr a priori konstrnire, als ich sie aus der Wirklichkeit kenne - , so würden Sie mich durch eine baldige Belehrung darüber in hohem Grade verbinden." Zum Verständnisse der eben mitgetheilten Worte sei Hingelviesen auf Rießers Schrift „Besorgnisse und Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preußen", 1842. Zur Sache selbst mag daran erinnert werden, daß damals ein neuer Gesetzentwurf venkilirt und in der Presse viel besprochen wurde, der darauf ausging, die Juden als Korporation zu behandeln, abgesondert von ihren Mitbürgern, ferner darauf, ihnen die Militärpflicht zu erlassen. „Unser Briefwechsel hat sehr lange geruht," so begann Rießer sein Schreiben vom 9. Dezember 1842. Freilich, die Pause war nicht größer als sonst; nur die dazwischen liegenden Ereignisse, der Brand von Hamburg, hatten Rießer so erregt, daß er mehr als sonst das Bediirfnisz suhlte, mit Freunden Rücksprache zu nehmen. Erst damals konnte er die Zusendung der im vorigen Briefe erwähnten Schrift in kürzester Frist versprechen, lieber die Sache selbst schrieb er Folgelldes: „Ich sehe in der Sache, und sah darin von Anfang an kein praktisch drohendes Uebel, sondern einen Jdeenkampf, und da mir die Erörterung über das Prinzip noch nicht ganz erschöpft schien, so wollte ich meinen Beitrag nicht zurückhalten. Ist auch die Ausführung des ursprünglichen, phantastischen Planes wohl stillschweigend anfgegeben, so hat sich doch das Prinzip keineswegs als überwunden anerkannt. Was ich aber jetzt praktisch fürchte, ist nicht jener Plan, sondern etwas in w.einen Augen noch Schlimmeres, nämlich einen gänzlichen Stillstand, zu welcher Besorgniß ich namentlich in der neuesten Absicht, die Provinzialstände zu Nathe zu ziehen, einen Grund erblicke, indem ich dieser Institution eine ungeheure, lähmende Kraft zutraue und die früheren Anträge, traurigen Andenkens, wenig Gutes erwarten lassene Unter diesen Umständen halte ich jede Anregung für heilsam, für welche die gegebenen Anknüpfungspunkte mir einerseits immer noch das Projekt das der Erörterung den ersten Impuls gab, andererseits der etwas lebendigere Freiheits-Geist, der sich in Preußen im Volke zu regen

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