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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-26 · Heft 17 (26.4.1895) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
Seite 200 (sequence 10)
Language
German
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200 rcichischer General der Kavallerie auf den Kriegsschauplätzen Oberitaliens. Der Entsatz von Turin am 7. September 1706, der sein Lebensglück dauernd an die Fahne Oesterreichs zu knüpfen geeignet schien, ward für den ruhelosen Abenteurer vielmehr der Ausgangspunkt neuer Verwicklungen. Während nämlich sein Antheil an dem Siege von Turin, über den wir heute durch die Forschungen des österreichischen Generalstabs°) im Klaren sind, nicht größer war, als der jedes anderen Führers, den Prinz Eugen in seinem Berichte an Kaiser Josef 1. hervorhohO), schrieb er das ganze Verdienst sich allein zu und sprach von der Waffenthat von Turin als von seinem ausschließlichen Werke, wodurch er den mächtigsten Mann Oesterreichs, den Prinzen Eugen, gegen sich einnahin ^). Trotzdem hielt er es bis zum Winter des Jahres 1709 bei der Armee aus, von der er, der Behandlung Eugens müde, zum Heere nach dem Kriegsschauplätze nach Flandern überzugehen wünschte. Eine Vorstellung beim Kaiser in Wien belehrte ihn darüber, daß er am österreichischen Hofe, wie früher anr französischen, sich mißliebig und unmöglich gemacht hatte. So wandte er sich denn, eine rechte Nachblüthe der alten Condottieri, 1710 nach Dresden, um im Heere Kurfürst Augusts, der den vorlorenen polnischen Thron wiederzngewinnen trachtete, von Neuem sein Wafsenglück zu versuchen. August nahm ihn auf, ohne für den Augenblick Verwendung für ihn zu haben. In diesem Zeitprmkte sehen wir zum ersten Male jüdische Beziehungen in seinem Leben zu Tage treten. Hatte er am Hofe von Dresden, wo der polnische Resident Berend Lehmann aus Halberstadt 8), der Finanzier Augusts des Starken von Sachsen, von mächtigem Einflüsse war, oder vorher schon diese Beziehung angeknüpft, Langallerie hatte in Stettin einen jüdischen Freund und opferwilligen Gönner, der sicherlich durch einen Lesefehler in seiner Handschrift vielleicht statt Lehmann in seinen Memoiren den Namen Legena °) führt. Dieser Freund nahm ihn bis zu dem Zeitpunkte, da er zu den Waffen berufen wurde, in sein gastfreies Haus auf, wo er auch in einer Freundin der Haustochter seine zumnftige zweite Gattin kennen lernte. Auf die Nachricht vom Tode Kaiser Josefs I. machte er sich, durch die Mittel seines Freundes unterstützt, nach Wien auf, um die Zahlung von angeblich einer halben Million Gulden, die man ihm dort seit Jahren schuldete, beim Hofe zu betreiben. Aber da stand sein alter Feind Prinz Eugen an der Spitze des Hofkriegsrathes. Sein Zorn hatte sich in all den Jahren nicht gemildert, Langalleries Forderungen prallten an ihm wie an einem Felsen zurück. Verzweiflnngsvoll faßte er den Entschluß, seinen allmächtigen Gegner meuchlings zu tödten, >") besann sich aber eines Besseren und wandte sich nach Dresden, wo ihm August der Starke 1712 ein Kommando bei der Belagerung von Stade übertrug. Aber die neue Herrlichkeit war 5) Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen, I. Serie Bd. Vill: Spanischer Successionskrieg. Feldzug 1706, p. 281—270. B ib. 269. 7) Memoires du Marquis de Langallerie p. 360: Cette victoire, que je puis sans faqon nommer 1, mienne. Bergt, p. 376 — 377 und p. 416, wo Osman Aga von ihm eine Darstellung der Schlacht von Turin verlangt und Langallerie hinzufügt: Cette circonstance me fit entendre, qui on Favait in forme que javoir eie, le principal Acteur de cette Tragödie, unique dans son espeee. s) Bergl. Kaufmann, Samson Wertheimer p.85 n.l. 9) Memoires p. 381: Un Juif de Stetin en Pomeranie, que j’ose qualifier de mon hon Ami ... me repondit sans delai, que je lui ferois un sensible plaisir d'aller passer chez lui le temps de mon attente. P. 382: Lezana, c’est le nom de mon ami. P. 388: Mon Ami Lezana, sur qui j'avois toujours compte avec raison, me preta sa bourse. 10) P. 381): je me resolus de le tuer, de quelque maniere qu’il lut possible. *. i. : k ' , nur von kurzer Dauer. Wohl hatte ihm August, nunmehr wieder zum König von Polen erhoben, das Kommando über seine Regimenter in Litthauen übergeben, aber Langallerie sah, daß im Frieden für ihn da keine Verwendung war, und nahm seinen Abschied. Nachdem er nacheinander drei Vaterländer gewechselt hatte, verfiel er, schiffbrüchig wie er war, auf den Gedanken, es mit dem Wechsel seiner Religion zu versuchen und sich in den Dienst eines protestantischen Fürsten zu stellen.") Seine Frau, eine Reformirte aus einer der ältesten Adelsfamilieu unter den Refngies, trlig das Ihre dazu bei, ihn durch Vermittelung des berühmten Berliner Pastors und Predigers Isaak Beausobre^) zur Annahme des reformirte» Bekenntnisses") zu bewegen. Als ein Versuch, in preußische Dienste zu treten, scheiterte, wandte sich Langallerie an den Hof von Hessen-Cassel, von wo ans er mit den hessischen Truppen, wie es dort üblich war, in den Sold eines fremden Potentaten vermiethet zu werden hoffen durfte. Vom Fürsten freundlich ausgenommen, stand er schon nach drei Wochen vor neuer Verzweiflung. Das Kommando, auf das er bereits beeidigt worden war, hatte er ihm noch nicht gegeben, dafür aber die Ehre seiner Frau geraubt, die sich nicht bedachte, ihren Mann und ihre zwei Söhne mit Schande zu bedecken.") Die abschüssige Bahn des Abenteurers, die Langallerie betreten hatte, fing an, ihn dem Abgründe zuzuführen. Vielleicht waren es die theologischen Gespräche mit Beansobrc, der ihm sicherlich über die offenbarsten Schwächen und Angriffspunkte des Katholizismus die Augen geöffnet haben mochte, die den einstigen Schlachtenführer auf religiöse Gedanken und Stoffe führten, genug, aus dem Soldaten war wieder der Geistliche seiner Jugend geworden, aus dem Eondottiere ein Religionsstifter. Denn nichts Geringeres hatte Langallerie sich in den Kopf gesetzt, als ein neues Glaubenssystem in die Welt zu bringen, eine Staatsverfassung, in der Nichts Geltung haben sollte, als das einfache Wort Gottes, der Wortlaut der Offenbarungsurkunden, alle Kommentare und Auslegungen, mit einem Worte, alle Menschensatzungen dagegen Werth und Bedeutung verlieren sollen, also auch Priester und Advokaten einfach aufhören'Z. Diesem Nebel, von dem man kaum die Umrisse zu ahnen vermag, gab er den hochtönenden Titel der Theocralie du Verbe Divin. Vorläufig war er der einzige Unterthan, aber auch der Herrscher des neue» Staates, der einzige Gläubige, aber auch, was für seinen unbefriedigten Ehrgeiz genug war, das geistliche Oberhaupt der neuen Religion. Sicherlich war es mehr die Sorge um die Finanzirung des neuen Unternehmens, als das Gelüste des Bekehrers, was ihn sein Augenmerk auf die jüdischen Kreise richten ließ. Er hatte schon vor seiner traurigen Reise an den Hof von Hessen-Cassel mit den Juden in Frankfurt am Main angeknüpft, die ihn, nach seiner Veröchernng, mit offenen Armen aufgenommen haben sollen. Hier will er im Hause eines der reichsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde mit seiner Familie die herzlichste Gastfreundschaft genossen »nd die Besuche der angesehensten Juden empfangen ") Id. p. 398. 12) Allgemeine Deutsche Biographie II, 195. 1S) Marcilly a. a. O. p. 17 giebt Sonntag den 19. Juli 1711 als Datum der Bekehrung Larrgalleries an, die in Frankfurt an der Oder stattgefunden haben soll. Das Datum 1714 in den Memoires p. 403 ist sicher falsch. ") P. 409. 1B) p. 410: Je pretendois, qu’il n’y eüt dans ma nouvelle Republique d’autre Regle et d’autre Loi, que la seule Parole de Dieu prise ä Ja Lettre: desorte que je proscrivois Prötres, Juges, Avocats, Commentaires, Glosses, Interpretation et toutes les Loix des Hommes. iiabeu, Stettin ivine Bi Beweis aufgeuo Ehre be wieder Mann .geschickt verinutt Langall jaden, > ictbc, t;uch A inreden -cs In Brief d iner d zuden und Li Peitsch« freund ührlick Ueligie iuifs H Uetin, m’avoi Ktablis i!e Fra ivoir < orrivec Maison i'tois < «•eder - e re<;i •lu’ils o.nlreU moi-m i'our \spera U Aller 17 'Uns 1 i Lat* i loi um Philip; l'roph Lonfn u le c IS Epita des bi

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