Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-26 · Heft 17 (26.4.1895) · p. Seite 197

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
Seite 197 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228112--51721-3272481
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

197 •ftioil l; unbesteili iirben u;-| eti aus> sie war ii wir ei ie lle, neb-.n s Konw llastet, wie ^it Ma t i, in wen lte. A> geschehe, lie Bücki e I des Pe leilich e ii . J»d-tl gescheli, I Viellci,: der Na,e i befind n t möchten ensbrüd-r ertsam » nach drei nie eiin n üben kt n ilergehe: - iben seine stelle de 'schreibe -! bis bi; vetov; >en. y:' [Cibe ob-, i hren Be Henkel» > i die -i benstie! egs da n e ,e llntc ■ Itachthei ist und e zur!, eld oder! Seelen ung de n Haft zw Sterling lr Taust s-sittlichc Täufling »), wenn auch nicht wortgetrell wahr, doch sehr gut erfunden ist. Zwei Hilden begegnen sich nämlich am Eingang zur Judeniilission am Palestineplatz im Osten Londons. Sagt da der Eintretende zu dem in größter Hast Herausstürzenden: „Warum eilst Du so?" „Oh," Ojirbt der zur Antwort, „ich habe mich eben da drinnen schmadten lassen, muß aber eilen, um auf Pessach wieder zu Hause zu sein." lchreiber dieses kennt derartige Individuen, die sich nicht nur einmal, sondern zu wiederholten Malen um Geld und Gold und Stellung haben taufen lassen. Bedauernslverthe Seelen, die von jenem rechtlichen, sittlichen Menschen, welcher Religion er auch angihören mag, verachtet werden. Es laufen mehrere solcher Subjekte ja England herum, und wenn sie auch nicht immer die ihnen für iiire Gaunerstreiche gebührende Strafe erreicht, der öffentlichen Vermutung fallen sie doch anheim, und manches Engländers Augen rn rden geöffnet betreffs des Werthes jener Judenmission; das beweist st gender Fall, der in allen Tagesblättern veröffentlicht wurde. Er ii! so charakteristisch, daß er 'gewiß auch den Lesern der „Allgemeinen Z itnng des Jndenthums" von Interesse sein dürfte. Ein gewisser Heimann Goldb..., von Gebllrt Rinnänier, kam m r zwölf Jahren nach England, wo er unter die Ohhut des aus d in abessynischen Kriege bekannten Judenmissionars Stern gerietst. '•!-.nt diesem den leitenden Organen der „Gesellschaft zur Verbreitung .'s Evangeliums unter den Juden" in London empfohlen, wurde kl einige Jahre in eine der dort bestehenden Missionsschulen geschickt, 'd ich Beendigung seiner Lehrjahre wurde er von einem englischen o istlicheu im Nordwesten Londons als Gehilfe angenommen, mit t.t Weisung, daß Christenthum unter seinen vormaligen Glaubensnossen zu verbreiten. Drei Jahre war er in diesem Dienste, als ihm c»cs Tages sein Arbeitgeber ohne viel Federlesen kündigte, da er stcausfand, das; der Jndenprediger, einem zu großen Heißhunger r ich Geld und andern; Unerlaubten fröhnend, sich verschiedene Unterst-lagungen hatte zu schulden kommen lassen. Darauf ging er in r >e Provinzialstadt im Westen von England, wo er bei einem widern Geistlichen Gnade fand; aber auch hier stellte es sich bald l raus, daß er Gelder unterschlug, so daß nun die Missiousgescllschaft ii London, der dies Alles berichtet wurde, ihn von ihrer Liste als . iissionar strich mit der qualifizirenden Bemerkung, das; er „ein gev: bener, abgefeimter und salbungsvoller Betrüger sei". Er trieb sich r in mehrere Jahre in andern Städten Englands umher, wo er > chtgläubige Seelen genug fand, um sich seinen Unterhalt als , lidenbekehrer zu verschaffen. Einein dieser Tölpel, einen; reichen inggesellen, entlockte er eine jährliche Unterstützung von 50 Pfund st ierling für seinen angeblich an der Universität Cambridge r direnden Bruder John Goldb... Er erfreute sich aber nicht i »ge dieser Studentenunterstützung, denn als er im zweiten Jahre i »der um 50 Pfund Sterling einkam, stellte es sich nach mittler-! ile eingezogencr Erkundigung heraus, das; er iiberhaupt keinen -i.»der habe. Da jetzt der Boden im Süden ihn; unter den Füßen st' heiß wlirde, so tauchte er kürzlich hier in; Norden auf. In Leeds - lockte er wiederum inehreren um das Seelenheil der Juden sich l nmernden Engländern Geld aus der Tasche, darunter auch sogar waem Advokaten, der aber, als er heransfaud, daß er betrogen - »den sei, ihn wegen tknterschlagnng in Anklagestand versetzte. ' old... wurde nun gefänglich eingezogen, aber leider wurde er nach i httagiger Hast wieder frei gelassen. Irgend welcher geistliche Einfluß -wirkte seine Befreiung, und so mag er sein unsauberes Handwerk - lange fortsetzeu, bis ihn der Arm der Gerechtigkeit wirklich einal erreicht. Nie Nothwendiglreit einer Neugestaltung der israei.Synagogenverfassmrg in Elsaß-Lothringen. Von Dr. Heinrich Lewy, Gymnasialoberlehrer in Mttlhansen. n den „Straßburger Neuesten Nachrichten", dem gelesensteu Blatte des Reichslaudes, wurde dieser Tage ein Aussatz veröffentlicht über die elsässische Shnagogeilverfassllug, welche thatsächlich in Einzelheiten verbesserungsfähig und verbesserungsbedürftig erscheint, obwohl die ihr zu Grunde liegenden großen Prinzipien vollen Beifall verdienen und von den israelitischen Bürgern Elsaß-Lothringens auch alle Zeit dankbar anerkannt werden. Man vermißt zunächst in Elsaß-Lothringen schmerzlich eine Befugniß, ivelche die israelitischen Gemeinden sonst überall in Deutschland besitzen: die freie Wahl der Laienvertreter. Der Genieindevorstand wird ernannt von dem betreffenden israelitischen Bezirkskousistorium, ohne daß die Stimmung der Gemeinde irgendwie in Frage käme. So kann selbstverständlich ein wahrhaftes, segensreiches Gemeindelcben, wie man cs in Altdelltschland kennt und schützt, garnicht anfkommen: die Vorstände brauchen auf die Gemeinden keine Rücksicht zu nehmen, jedenfalls viel weniger als auf das Konsistoriiun, dem sie ihr Amt verdanken. Wenn innerhalb der israelitischen Gemeinden Elsaß-Lothringens unverkennbar eine weitgehende, aus mehr als einem Gesichtspunkte bedauerliche Gleichgiltigkeit herrscht, so liegt die Ursache zum guten Theil in der Rechtlosigkeit der Einzelgemeinden. Jedes der drei Bezirkskonsistorien besteht gegeulvärtig aus dem betreffenden Oberrabbiner und sechs Laien, von denen nothwendig vier Einwohner des KousistorialhauptortS sind. Demnach können in jedem Konsistorium bestenfalls drei Gemeinden vertreten sein. Aus den zahlreichen übrigen Gemeinden liegen höchstens Aeußerungen des Vorstandes vor, lvclcher sein Amt ja nur dein Wohlwollen des Konsistoriums verdankt. Nun ist es aber doch auch schwer erreichbar, daß ausschließlich die Würdigsten ins Konsistorium gclvählt lverden: denn wie soll Jedermann in dem ganzen großen Bezirke stets gerade vier in der Hauptstadt wohnende Männer als vollbefähigt zur Vertretung der religiösen Gesamintintereffen kennen? Viel eher weiß man weit und breit, wer als der bedeutendste Fabrikant oder Geschäftsmann anznsehen ist. Und wenn die Wähler wirklich einmal merken, daß sie schlecht berathen waren, so müssen sie acht Jahre warten, bis cs ihnen endlich möglich wird, an die Stelle eines ungeeigneten Vertreters einen besseren ins Konsistorium zu entsenden. Ein so zusammengesetztes Konsistoriun; soll n. A. die Form des Gottesdienstes für den ganzen Bezirk regeln, wobei allerdings der Oberrabbiner das Einspruchsrecht hat. Da trifft man bisweilen eigenthümliche Zustände. In einer großen Geineiude wird beim Gottesdienst die Orgel gespielt — denn der vom Konsistorium ernannte Vorstand hat es so gewollt, und der eine Oberrabbincr mochte nicht widersprechen, obwohl der -Ortsrabbiner dagegen war — dabei betete man noch, in übermäßig konservativer Weise, für „unsere Herren und Lehrer, die heiligen Genossenschaften, die im Laude Israel und die in Babylon, die Häupter der Lehrversammlnngen und die Häupter der Exilsgemeinden, die Häupter der Jeschiboth und die Richter detz Thores!" Entsprechend werden im Ritual der Feier-, Buß- und Trauertage allerlei minderwerthige oder unverständliche Dichtungen beibehalten, die in Altdeulschland selbst konservative Gemeinden längst beseitigt haben. Darum bekümmern sich eben jene Laien nicht, und der eine Oberrabbiner liebt kein Eingreifen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.