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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-26 · Heft 17 (26.4.1895) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
Seite 196 (sequence 6)
Language
German
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196 wurde, die sich hier aus den längs der jenseitigen Grenze liegenden russischen Städten und Städtchen zusaminengefnnden mit allem, was nur zu trausportiren möglich war, der konnte schier zu dem Glauben gelangen, daß die Posaune des Messias dort drüben vernommen und diese gewaltige Bewegung nach außen hervorgerufen habe. Jetzt ist es daselbst still geworden. Nur hin und wieder wird man eines jüdischen Angehörigen des Zarenreiches gewahr, dessen Equipirung auf eine Reise nach dem Anslande schließen läßt. Freilich, die sonstige Begegnung mit Glaubensgenossen russisch nationaler Abstammung auf sämmtlicheu Bahnhöfen in hiesiger Gegend wird niemals aufhören, weil sie es sind, die dem Handelsverkehr mit Rußland das eigentliche Leben verleihen. Die Königsberger Kaufmannschaft hat wohl das Richtige getroffen, als sie zur Zeit der Ausweisungen das Gesuch an die königliche Regierung richtete, hier von einem Verfahren abznsehen, das die schwerste Schädigung auf geschäftlichem Gebiete zu erzeugen geeignet war. Um nur einen Begriff von der Größe dieses internationalen Handelsverkehrs zu geben, halten nur es für keine müßige Arbeit, wenn wir hier den Bericht reproduziren, welchen die „Pr. Litth. Zeitung" über die Ein- und Ausfuhr von Wagenladungsgütern von und nach Rußland in der Zeit vom 18. bis 24. Januar giebt. A. von Rußland: Flachs 1,522,420, Hanf 390,000, Hülsenfrüchte 495,300, Kleie 350,000, Hanfkuchen 350,000, Brennholz 45,Ol)", Heede 40,000, Bauholz 302,500, Oelsaat 230,000, Getreide 370,000, Lu nisten 20,000, Felle 16,000, Borsten 18,000, Sammelgut 5800 Kilogramm. II. Nach Rußland: Maschinentheile 257,220, leere Fässer 16,000, Wolle 10,930, Kupfer 80,000, Sammelgut 101,510, Häute 23,720, Heringe 19o,980, Sümerein 5150, chemische Produkte 430, Glaubersalz 10,130, Hopfen 997o, Indigo 3300, Lokomotiven 117,000, Möbel 10,000, Garn 5270, Eisen 25,380, Chlorsäure 10,340, Pech 5270, Draht 5430, Kohlen 75,000, Farbe 12,850 Kilogramm. Alles dies in sechs Tagen. Dieser kolossale Versand wird zum großen, wenn nicht gar größten Theile von Juden besorgt. Kommissionäre mit Agenten von ihnen geben dem Ganzen die Regelmäßigkeit eines gesunden Geschäftsverkehrs, was offenbar für beide Länder vom weittragendsten Nutzen ja vom allernöthigsten Bedürfnisse ist. Bor einigen Wochen verstarb in Berlin im 85. Lebensjahre ein früherer Angehöriger der Gnmbinner jüdischen Gemeinde, Herr Simon Anders, von welchem es nicht ohne Interesse sein wird, Folgendes zu erfahren. Derselbe hat vor ungefähr 40 Jahren, im Verein mit mehrere» christlichen Bürgern, das hiesige Bürgerhospital gegründet und demselben später immer das größtmöglichste Interesse , zugewendet. So oft wir mit dem Verstorbenen zusammen kamen, hatte er immer nur davon zu sprechen, wie und in welcher Art er dieser wohlthütigen Schöpfung in ihrem Gedeihen förderlich sei» könne. Die Hospitaliten waren förmlich seine Pfleglinge, und so oft er ihnen eine Freude bereiten konnte, geschah es mit dem begierigsten Eifer. Am 15. November eines jeden Jahres ivurde der i Gründnngstag des Hospitals gefeiert, und da war es Herr Anders, der sich die hierfür nöthigen Geldmittel in Gestalt von mildthätigen Speichen bei den hiesigeir Bürgern zusammenholte. Zur Zeit und Stunde begab er sich dann zu dem christlichen Geistlichen und er-! suchte ihn, bei dem Feste zu erscheine». Nachdem nun dieser Herr j eine Anrede an die Hospitaliten gehalten, wurden dieselben reichlich mit Speise »iid Trank bewirthet und erhielt jeder Einzelne dann noch ein kleines Geldgeschenk. Noch heute segnen die armen Greise in dem Asyle das Andenken des Mannes, der die Stiftung einst ins Dasein rufen half und in langen Jahren so väterlich für sie gesorgt hatte. Jüngst befanden wir lins auf der Generalpostdirektion de- Regierungsbezirks Gumbinnen,behufsRekognoszirung der unbestellt gebliebenen jüdisch geschriebeiien Briefe. Unter Anderem wurden »»; einige Pastete mit Büchern vorgelegt, welche in Eydtknhnen angegeben, aber nicht an den Adressaten gelangen konnten; sie war „ nach Rußland bestimmt. Als die Siegel gelöst, nahmen wir ei;:e große Anzahl hebräischer Werke wahr, einige sehr werthvolle, neb», ihnen in friedlicher Vereinigung einige Bände von Meyers Konversationslexikon und noch andere Bücher. Auf dem Ganzen lastet, wie uns der Postbeamte niittheilte, ein Portobetrag von zehn Mast. Es war dabei nicht der geringste schriftliche Anhalt gegeben, in wem oder wo der Absender der Pastete zu suchen sein könnte. A» unsere Anfrage, was denn jetzt mit dem Inhalte desselben gescheh» werde, wurde mir geantwortet, daß man versuchen werde, die Bück r zu verkaufen, im Falle jedoch, daß die angegebene Sllmme des Pock geldes nicht heranskäme, sie verbrennen. Das wäre freilich o trauriges Schicksal für diese armen Kinder des Geistes. JudF ivtirde uns die Persicherung gegeben, daß, wenn solches geschehe, wir »och davon in Kenntniß gesetzt werden würden. Vielte»» tragen auch diese Zeilen dazu bei, dem unbekannten Absender Na» richt davon zu verleihen, in wessen Obhut seine Bücher sich befind » und zur Reklamation derselbe» zu veranlassen. Ueberhaupt möchten wir diese Gelegenheit nicht niibeuntzt lassen, unsere Glanbensbrüd r jenseits der Grenze in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam » machen, daß sie sich bei ihrer Korrespondenz, besonders nach de Anslande, einer deutlichen Unterschrift bediene» und auch nie eim n Brief abschisten, ohne die Ortsangabe an die Spitze desselben kl» und leserlich hingesetzt z» haben. Jene Wünsche des Wohlergehe. - bis ins zweite, dritte und vierte Geschlecht, womit man drüben sei. > Briefe einznleiten pflegt, können ruhig fortbleiben und an Stelle de selben eine klare, deutliche Angabe der Adreffe des Vriefschreibe r ihren Platz finden. Es kommt nicht selten vor, daß drei bis vi: Briefe desselben Schreibers, mehr noch der Schreiberin, reto:; kommen, weil sie nicht an den Adressaten gelangen können. B-i allen fehlt dann mit merkwürdiger Pünktlichkeit die Ortsangabe ock, sie tragen eine Unterschrift, die sehr schön und künstlich in ihren L0 zierungen, aber zu ihrer Enträthselung mehr als Hieroglyphenkeim nisse verlangt. Es wäre mehr als wünschenswerth, wenn die 7 Rußland erscheinenden Zeitschriften dieses Mißstandes sich bemäck tigten und den Leuten drüben sagten, daß die Post keineswegs dar; verpflichtet ist, sich auf's Rathen zu legen und unleserliche Unlc. schriften zum Gegenstände ihres Studiums zu machen. Der Nachthci der die Betreffenden bei dem bisherigen Verfahren erreicht, ist nick rechenbar. Denn nicht immer sind es einfache Briefe, die zurim komme», sondern es kommt auch mitunter vor, daß sie Geld od r Wechsel in sich bergen. Brief aus Gngiand. Von Rabbiner Dr. Strauß in Bradford. 4^?ngland ist noch das einzige Land, wo es gläubige Seelo; JOu) giebt, die da ihre Taschen offen haben zur Bekehrung von Inden. Es existirt hier zu Lande eine Gesellschaft zu; Bekehrung der Juden, die jedes Jahr an 35,000 Pfund Sterlin;'. (700,000 Mark) verausgabt, um ein paar arme Juden zur Tan-- zu führen, bei denen jedoch das Taufwasser wenig religiös-sittlich Besserung zur Folge hat. Die Geschichte von einem solchen Täufling fällt mir da ein, die (se non « vero, e molto ben trovato), wenn fk auch Jaden k Pilestine in größt« giebt der leisen, n schreibe; mal, so; Stellung jedem re gehören in Engl« (»re Gal aeatnng ir.rden sr gendei ii! so chc Z ilung Ein m r zwo » in ab« 'Ion die Eva e: einig« ('(ich Bo istlich' ( r Wei .1 »offen f;1C§ Ti »rausfc . ch Gei v lag»» c «e Pi iberit » raus, ii. Land »iissiow v. beiter i; :» me! chtglä (.udenbi >ngge 7 ierlin« ' Viren i »ge d; ober i :i(e ei ».»der 7 heiß c lockte M atmet*! ent $ > vben ' Mb.. 7-httagi 'wirkt«; lang »l er»

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