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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-19 · Heft 16 (19.4.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 16 (19.4.1895)
Date
1895-04-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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z Sohrau N. L und verfaßte 1868 eine Abhandlung „lieber die Wahn- und Blödsinnigkeitserklärung nach dem preußischen Landrecht". 1872 bis Sommer 1874 wirkte er in Rosenberg, Westpreußen, und wurde dann in gleicher Eigenschaft nach Gleiwitz versetzt Besonders ist sein hiesiges Wirken als Armen-, Bahn- und Gefängnißarzt, sowie als Mitglied des städtischen Gesundheitsausschusses hervorzuheben. Acht Jahre lang war er im Vorstande der Synagogengemeinde, und hervorragend ist seine Langjährige Wirksamkeit als Schriftführer des vaterländischen Frauenvereins des Kreises Tost-Gleiwitz. Unermüdlich war seine Thätigkeit während des oberschlesischen Nothstandes 1879 80. Vor 9 Jahren wurde H. zum Sanitätsrath ernannt. Seine roiffenf^aftUdDen Leistungen sind in weiten Kreisen anerkannt, und verehrte man ihn im hiesigen Kreise als liebenswürdigen, allezeit mildthätigen und für Noch und Elend zugänglichen Menschen und berufstreuen Arzt. Gestern Nachmittag fand unter zahlreicher Betheiligung der Bürgerschaft die Beerdigung Hauptmanns statt. Sämmtliche Civilbehörden waren in dem Trauergefolge vertreten, der Aerzteverein^ in eorxore, die Loge „Z. s. W.", der Vaterländische Frauenverein u. A. Dem Zuge voran trugen jüngere Kollegen des Verstorbenen prachtvolle Palmenarrangements mit Widmungsschleifen, gestiftet vom Aerzte-Verein, Vaterländischen Frauenverein, Tost-Gleiwitzer Kreise und der Stadtgemeinde. In beredten Worten hob Rabbiner Dr. Münz die Tugenden hervor, die den leider zu früh Entschlafenen zierten. JE Jauer, 12 April. Eine jüdische Strafgefangene, welche im hiesigen Zuchthaus internirt ist, sollte am 9. April, als am ersten Peßachtage, vor der Strafkammer zu Breslau behufs Vernehmung vorgeführt werden. In Anbetracht des Festtages wurde unser Kultusbeamter Herr Kantor Feibel, der gleichzeitig Seelsorger der jüdischen Insassen ist, durch die Direktion bei der Strafkammer vorstellig, um eine Verlegung des Termins zu erwirken, wurde aber ohne Weiteres mit seinem Anträge abgewiesen. Darauf wandte sich, wenige Tage vor dem Fest, Herr Feibel unter Angabe derselben Gründe direkt an den Justizminister und bat um Verlegung des Termins, und am 8. traf Abends eine Depesche von der Staatsanwaltschaft zu Breslau bei der hiesigen Direktion ein, des Inhalts, daß der Termin aufgehoben sei. Die Direktion gab sofort Herrn Feibel davon Kenntniß. g. Frankfurt a. M., 14. April. Gestern fand die öffentliche Prüfung in unserer von Herrn Rabbiner Dr. H. Horowitz geleiteten Religionsschule ihren Abschluß. Die Einladungsschrift enthält eine Abhandlung über den Nutzen der öffentlichen Prüfungen, an die sich der Verwaltungsbericht anschließt. In dem Berichtsjahre waren in der Schule am Hermesweg 141 Schüler und 107 Schülerinnen, an der Unterlindau 43 Schüler, am Kaiser Friedrichs-Gymnasium 32, am städtischen Gymnasium 48 und an der Adlerflychtschule 63 Schüler, dazu kommen in der Vorbereitungsschule für den rabbinischen Beruf 10 Schüler, insgesammt 444 Zöglinge. Die Vorbereitungsschule für den rabbinischen Beruf besitzt zur Zeit ein Stiftungskapital vvn 12,050 Mark. Die neue Synagoge an der Unterlindau erhielt Zuwendungen von Herrn Baron H. von Königswarter, Konsul Adolf Baer-Goldschmidt u. A. — Das Lehrerkollegium der Religionsschule besteht außer dem Direktor aus den Herren Dr. Grünbaum, Schwab, Unna, Fromm, Stamm, Feilchenfeld und Kellermann, und den Damen Fräulein Schüler und Fräulein Fontheim. r. Stuttgart, im April. Die K. Israel. Oberkirchenbehörde hat in sehr anerkennenswerther Weise einem schon längst gehegten Wunsche der jüngeren Lehrer bezw. Vorsänger des Landes in zuvorkommendster Weise entsprochen. Auf das Gesuch einiger Vorsänger wurde ein Fortbildungskurs für Kantoren eingerichtet. Leiter des Kurses ist der in Stuttgart auch als tüchtiger^Gesanglehrer hochgeschätzte Herr Kantor Tennenbaum. Die Kosten des Unterrichts werden von der K. I. Oberkirchenbehörde aus den Mitteln der Centralkirchenkasse bestritten Außerdem wurde jedem der Kantoren, die am Unterricht theilnehmen, ein namhafter Beitrag zu den Reisekosten aus derselben Kasse genehmigt. Der Unterricht findet während der Dauer eines Jahres an den Sonntag-Nachmittagen statt. Durch diese Einrichtung hat diese höchste kirchliche Behörde des Landes wiederum bewiesen, daß es ihr ernst ist, in jeder Weise das.religiöse Leben unter den Israeliten des Landes zu fördern, indem sie besonders keine^Kosten scheut, den Gottesdienst in den Synagogen des Landes auf eine würdige Weise zu gestatten. Die Israeliten des Landes und nicht zum Mindesten die Vorsänger werden der Behörde dafür Dank wissen und auch dem Herrn Kirchenrath Dr. Kroner, der das Gesuch aufs Wärmste befürwortete, dankbar dafür sein. — In jüngster Zeit hat sich hier, auf Anregung des Herrn Kirchenraths Dr. Kroner, ein Verein „Talmud Thora" gebildet. Der Verein hat sich zur Aufgabe gestellt, das Studium der jüdischen Quellenschriften und hauptsächlich dadurch auch die Förderung des jüdischen Lebens unter feinen Mitgliedern zu bewirken. Gekerreich - Ungarn. Q Wien, 14. April. In dem nahen Preßburg erregten die Fastenpredigten eines Jesuitenpaters Find enik, welche stets Agitationen und heftige Angriffe gegen hervorragende politische Persönlichkeiten und die liberale Presse Ungarns enthielten, große Bewegung. Ein hiesiges Blatt, welches sich mit diesen Predigten befaßte, erhielt heute ein Schreiben des Wiener Jesuiten-Provinzials Widmann folgenden Inhalts: „Löbliche Redaktion! Der ergebenst unterfertigte Provinzial der österreichisch-ungarischen Provinz der Gesellschaft Jesu ersucht, diesen Zeilen in Ihrem Blatte Raum zu geben: Da ich mit Bedauern in Erfahrung brachte, daß ein Priester unserer Gesellschaft in seinen Predigten in der Spitalkirche zu Preßburg in unkluger Weise das politische Gebiet berührende Aeußerungen sich erlaubte: so entfernte ich einerseits den Betreffenden von seinem Amte und sehe mich andererseits verpflichtet, mein Vorgehen öffentlich kund zu geben, um der irrigen Meinung vorzubeugen, als hätte eine solche Predigtweise die Gutheißung der Oberen der Gesellschaft Jesu gefunden, da sie im Gegentheile deren entschiedene Mißbilligung erfährt. Hochachtungsvoll Franz X. Widmann 8. J. Wien " „Ich mißbillige es," sagt Pater Widmann u. A., „wenn ein Christ irgendwem gegenüber, sei es ein Israelit, ein Heide rc., den Raffenstandpunkteinnimmt; das ist ganz unchristlich. Ein wahrer Christ kann das nicht thun; er achtet auch Jedermanns Ueberzeugung in Glaubenssachen, und die Frage ist nur, wer von den Menschen den wahren Glauben hat. Der Mensch irrt, und wir sehen, wie beispielsweise Philosophen gleich dem von einem Rande zum andern oscillirenden Pendel von einem Extrem in das andere fallen; da — das eine Extrem — steht der Pantheist, am andern der Materialist, Atheist. Das Schwierige ist nun, wie bei dem beständig oscillirenden Pendel, die! Mitte, die Wahrheit — Gott zu finden. Der Seelsorger, der Christ! soll aber helfen, diese Wahrheit für diejenigen, welche sie suchen, aus-! findig zu machen; allein handelt mau unchristlich, wenn man den Andersj gläubigen wegen seiner Ueberzeugung kränkt, angreift, stört. Demnach! können auch Christen und Israeliten, welch' letztere ja auch arr einen I außerweltlichen Gott glauben, ganz gut beisammenleben. . . In der That, ein weißer Rabe! — Dagegen fehlt noch immer ein sicherer Anhaltspunkt dafür, in welcher Weise der Papst zu der christlichsozialen Bewegung in Oesterreich Stellung genommen hat oder nehmen wird. Die bisherigen Meldungen der Blätter über päpstliche Kundgebungen betreffs dieses Gegenstandes haben sich zum Theil als freie Erfindung erwiesen, zum Theil mindestens noch nicht bestätigt. Heute liegt eine neue Mittheilung vor, die wir wiedergeben, ohne uns! aber für ihre Richtigkeit verbürgen zu können. Nämlich das „N. Wiener j Tageblatt" meldet aus Rom: Der Papst sandte an den Wiener i Nuntius Weisungen bezüglich der christlich-sozialen Vereine in j Oesterreich, wonach die Leiter dieser Vereine sich schriftlich zu ver- > pflichten haben, sich den Bischöfen vollständig zu unter-! werfen, sich jedes Angriffs auf die Katholiken zu eilthalten, die nicht ihre sozialen Ansichten theilen, die Regierung nicht anzugreifen, ihre ehrliche Ergebenheit für Kaiser und Herrscherhaus unzweifelhaft darzuthun und in der Agitation gegen die Juden jede Ausschreitung und Gewaltthätigkeit zu vermeiden. — Am Sonntag den 7. April fand nun die feierliche Enthüllung des Ludwig August Frankl- Denkmals im Beisein der Familienmitglieder, der Gattin des Verewigten Frau Paula von Hochwart, der beiden Söhne Bruno von Hochwart und Dr. Lothar von Hochwart, der Schwiegertochter, des Schöpfers des Denkmals Herrn Professor Benk u. A. statt. Nachdem Oberkantor Singer das übliche Menucha nechonah rezitirt, sprach Frau Paula von Hochwart unter tiefer Rührung leise ein deutsches Gebet und Herr Öberkantor Singer das Kadisch, worauf das Monument seiner Bestimmung übergeben wurde. — Der als Gelehrter in hohem Ansehen stehende Rabbiner Dr. phil. Heinrich P i s k o ist am 8. d. M

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