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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-19 · Heft 16 (19.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 16 (19.4.1895)
Date
1895-04-19
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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59. Jahrgang. Ar. 16. Pjj j8erHn’ ld-AM 1895. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 6. Berlin. 17. April. In der Sitzung der Repräsentantenversammlung vom 14. April eröffnet der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, die Sitzung kurz nach 11 Uhr. Die Berathung bezüglich der Abänderung der Gebetsordnung für den Jugendgottesdienst wurde auf Antrag des Herrn Heilmann der geheimen Sitzung überwiesen. Als nachträgliche Bewilligung für den Anschluß des Friedhofs in Weißensee an die Kanalisation wurden nach kurzer Befürwortung seitens des Herrn Maurermeisters I. Fränkel 1888.35 M. ausgeworfen. Herr Leonhard Sachs erstattete alsdann Bericht über die Verlängerung bezw. den Neuabschluß von Miethsverträgen zum Zwecke gottesdienstlicher Veranstaltungen an den hohen Feiertagen. Gemäß den Vorschlägen des Referenten werden die Miethsverträge mit dem Direktorium der Gesellschaft der Freunde und den Inhabern der Philharmonie auf weitere fünf Jahre verlängert, in der ausgesprochenen Erwartung, daß jedoch in Zukunft kein Garderobegeld mehr erhoben wird. Neu gemiethet werden die Keller'schen Festsäle in der K oppen - firaße für einen jährlichen Miethspreis von 1500 M. zunächst aus ein Jahr mit dem Vorbehalt auf weitere vier Jahre. Auf Grund eines dringlichen Antrages werden für die Synagogengemeinde zu Charlottenburg, wie alljährlich, 7000 M. als Subvention bewilligt. Der letzte Punkt der Tagesordnung: „AbänderungdesGemeindestatuts" wird vorläufig vertagt, da die Kommission mit der Vorbereitung noch nicht zu Ende gelangt ist. Wie der Vorsitzende mittheilt, sind verschiedene Bestimmungen des im Vorjahr neugeschaffeneu Gemeindestatuts vom Polizeipräsidium beanstandet worden. Um falschen Gerüchten vorzubeugen, bemerken wir hier gleich, daß nur sehr unwesentliche Punkte des Statuts bemängelt wurden, mit deren Abänderung nach den Regierungs-Vorschlägen der Vorstand sich bereits einverstanden erklärt hat. Die erheblichsten beiden Punkte betreffen die Wahl der Stellvertreter zu den Gemeindebehörden und das Wahlrecht der keine Steuern zahlenden Gemeindemitglieder. Doch wird auch hier zweifellos eine Verständigung leicht zu erzielen sein. 22 Berlin, 14. April. Der Großrabbiner von Frankreich, Zadoc Kahn, hat vor dem Passahfeste ein Rundschreibeu an sämmtliche französischen Rabbiner gerichtet, in dem er in warmen und begeisterten Worten dieselben zur Begründung von jüdischen Litteraturvereinen auffordert. In der Anerkennung, die Zadoc Kahn der Idee und dem Werke selbst zollt, liegt für uns eine hohe Genugthuung und zugleich der Ansporn, auf dem einmal betretenen Wege unbeirrt fortzuschreiten. Es heißt in dem Rundschreiben, von dem wir wünschten, daß es nicht blos alle französischen Rabbiner beherzigen möchten, unter Anderem: „Seit einer Reihe von Jahren verfolgen wir mit sympathischem Interesse eine sehr interessante Bewegung, welche in mehreren fremden Ländern sich entwickelt. Ich könnte eine größere Zahl von großen und kleinen Gemeinden nennen, in denen Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur entstanden sind, die den Zweck verfolgen, die Kenntniß unserer Vergangenheit, unserer Gegenwart, unserer Schriftsteller und Denker, unserer Geschichtsforscher und ihrer Arbeiten, unserer religiösen Institutionen, unserer moralischen und philosophischen Lehren zu verbreiten. Diese Vereine gedeihen und blühen und stiften sehr viel Gutes. Es dünkt mir nicht unmöglich, daß wir in Frankreich diesem Beispiel folgen, das von außen kommt, und es erscheint mir sehr wichtig, daß wir dies thun. Ich wüßte kein besseres Mittel, um unseren höheren Interessen zu dienen, um die Anerkennung, die uns gebührt, in der öffentlichen Meinung für uns zu gewinnen, und um die Freundschaft und Solidarität, die zu sehr unter den verschiedenen Mitgliedern unserer Gemeinden gelockert ist, wieder zu befestigen. Niemand, meine verehrten Herren Kollegen, wäre mehr dazu berufen, die Initiative bei dieser Schöpfung zu übernehmen, als Sie. Wenn Sie Ihre Treuen; einladen werden, sich um Sie zu sammeln, um einen Vortrag, eine Auseinandersetzung oder Vorlesung, die als Thema eine der großen Fragen, die die Vergangenheit, die Gegenwart oder Zukunft des Judenthums betreffen, zu halten, wird Ihnen ein Auditorium nie fehlen. Und es j wird Ihnen um so weniger fehlen, als Sie ja die volle Freiheit haben, j den Tag, die Stunde und das Lokal zu wählen, die Ihren Gemeinden! am Besten passen." z. Berlin, 17. April. Die neu ausgegebenen Progranune der! hiesigen höheren Schulen bringen interessante Daten über den! Antheil der Juden an dem Unterricht in denselben. In vielen derselben; ist die Zahl der jüdischen Schüler gewachsen, was sich aber ganz natur-! gemäß durch die stete Zunahme der Berliner Gemeinde von auswärts erklärt. Die folgende Tabelle giebt eine Uebersicht der bisher vorhandenen! Ziffern. Es befanden sich auf Schüler dciv.Ludcii - Schüler bau. ^uboii Leibniz-Gymnasium 571 100 , Friedrichs-Aealgym. 620 77 Augusta- „ 396 18 Andreas- „ 749 86 Lessing- 596 27 Falk- 859 218 Askanische „ 760 120 Königstädtische „ 769 199 Louisenstädt. „ 707 177 Louisenstädt. „ <>r»s 154 Louisen- 373 67 „ Oberrealschule 704 47 Französische „ 410 184 8. Realschule 334 45 Friedrichs- „ 659 259 11. 244 13 Königstädtische „ 586 207 Kgl. Elisabethschule 624 127 Humboldt- „ 512 42 Louisenschule 852 276 Friedr.-Wilh.- „ 756 121 Viktoriaschule 835 264 Kgl.Realgymnasium 533 46 Margarethenschule 779 352 Dorotheenstädt „ 602 111! Diese Ziffern umfassen noch nicht alle höheren Berliner Schulen, so daß ein Vergleich mit den früheren Jahren noch nicht ein abschließendes Resultat liefern kann. k. Berlin, 12. April. Wie alljährlich hielt auch in diesem Jahre Herr Hermann Abraham, der Begründer der Jsr. Volks-Speisej Anstalt (Klosterstraße 99), in den Räumen dieses Instituts am Pessach-! feste die ceremoniellen Seder-Abende ab und ermöglichte es Vielen, für beit I geringen Preis von 50 Pf., dem alten jüdischen Gebrauch zufolge, das I religiöse Osterfestessen mit den ungesäuerten Broden, dem Bitterkraute j und den Weinbechern abzuhalten. Die Zahl derer, die sich an den nach! jüdischem Osterritual zubereiteten Mahlzeiten betheiligten, betrug 230. j Die Majorität der Theilnehmer wurde auf Kosten der Anstalt gespeist, i Man mag über derartige Veranstaltungen und Freispeisungen denken j wie man wolle, immerhin bleiben sie ein wohlverdientes Werk der Wohl- ' thätigkeit, die es Vielen, die freudig an dem Ritual festhalten, ermöglichen,! nach demselben zu leben. Wir bemerken noch, daß auch an den Mittagen; zu ganz geringen Preisen — und last not len st — unentgeltlich österliche | Speisen verabreicht wurden.! X Bromberg, im April. Die jüdische Gemeinde in G oll autsch j hat am 1. März als ihren Beamten den Kantor Bornstein aus Lubasch j angestellt. — Das Schöffengericht in Posen verhandelte gegen den Redakteur des „Dziennik Poznanski" Vinzent Bolewski wegen Beleidigung des Lehrers Leopold Jaroczynski aus Kurnik. Jaroczynski veröffentlichte einen Bericht über ein Sommerfest, das er mit seinen Schülern am 27. August v. I. im Rauhutschen Wäldchen gefeiert hatte. Auf dem j Rückmarsch nach der Stadt hatten die Polen während des Singens des > Preußenliedes ein polnisches Nationallied gesungen. Dann hatten die i Leute Steine gegen die Musik, die Kinder und die dem Zuge folgenden j Angehörigen geworfen. Den Höhepunkt hatte der Skandal erreicht, als; der Zug vor dem Hause des Stadtraths Serwatkiewicz vorbeimarschirte.! Dort sei plötzlich die Schulfahne mit Schmutz und Sand beworfen worden. Mit Bezug auf diesen Artikel brachte der Dziennik in seiner Nr. 201 eine Korrespondenz aus Kurnik, die von Beleidigungen gegen den Lehrer Jaroczynski strotzte. Jaroczynski strengte gegen den verantwortlichen

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