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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-12 · Heft 15 (12.4.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 15 (12.4.1895)
Date
1895-04-12
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 schimpfenden Personen an den Viehhändler Lewin aus Samotschin heran und stieß denselben zur Seite; derselbe wehrte sich tapfer und versetzt, seinem Gegner die verdiente Tracht Prügel. Plötzlich kamen nach kurzer Zeit zwei andere Burschen mit Wagenrungen und waren im Begriff dreinzuhauen; doch entkamen alle Herren, mit Ausnahme des Kaufmanns Moritz Rosentreter, derselbe kam zu Falle und wurde daher mit der Wagenrunge mächtig bearbeitet. Die Angelegenheit ist bereits zur Kenntniß der Behörde gebracht und sind die Thäter bereits ermittelt. x. Liffa i. P., 3. April. Am heutigen Tage legte Herr Professor Toeplitz, der älteste Lehrer am hiesigen Königl. Gymnasium, nach 48jähriger Thätigkeit sein Amt nieder. In dieser langen Zeit hat Herr Professor Toeplitz mit unermüdlicher Pflichttreue seines schweren Amtes gewaltet, und eine große Anzahl von Männern, die sich zum Theil in hervorragenden Lebensstellungen befinden, fühlen sich ihm als Schüler zu Dank verpflichtet. In den Abschiedsworten, welche Herr Gymnasialdirektor Dr. Kunze an den scheidenden Amtsgenoffen richtete, sprach er den Wunsch aus, daß dem Jubilar, der auf eine durch manche Prüfungen getrübte Lebenszeit zurückblicke, ein heiterer, von der Freude an Kindern und Kindeskindern verschönter Lebensabend beschieden sei und bat ihn, ihm weiter als Freund und Berather zur Seite zu stehen. Ihrer Verehrung und Dankbarkeit für den scheidenden Lehrer hatten die Schüler der Anstalt bereits am Vorabend durch einen Fackelzug "Ausdruck zu geben versucht. Die Amtsgenoffen überreichten Herrn Prof. Toeplitz ein Album mit den Bildern derjenigen Lehrer, die seit dem Jahre 1848 mit ihm zusammen an der Anstalt gewirkt haben. Vom Kaiser wurde die in langjähriger Thätigkeit bewiesene Pflichttreue des Scheidenden durch Verleihung des Rothen Adlerordens 4. Klasse anerkannt. Von ehemaligen Schülern ist Herrn Prof. Toeplitz die Summe von ca. 4000 Mk. für eine „Toeplitzstiftung" zur Verfügung gestellt worden, deren Zinsen würdigen und bedürftigen Schülern der Anstalt zugewendet werden sollen. Mögen Herrn Prof. Toeplitz, der auch viele Jahre hindurch ein tüchtiges Mitglied des Stadtverordneten- Kollegiums gewesen ist, nach saurer Arbeit Tage süßer Ruhe und ein gesegnetes Alter beschieden sein. — Der Vortrag, den am 24. v. M. Abends Herr Rechtsanwalt Nürnberg in unserem „Verein für jüdische Geschichte" in dem mit dem umkränzten Bilde von Leopold Zunz geschmückten Saale der israelitischen Schule hielt, gestaltete sich zu einer erhebenden nachträglichen Zunz-Feier. Das Thema lautete: „Leopold Zunz, der Begründer der Wissenschaft des Judenthums", und dementsprechend gab der geschätzte Vortragende in lichtvoller Weise ein Bild von dem Lebensgange des großen Gelehrten, beleuchtete seine wissenschaftliche Thätigkeit und legte schließlich die außerordentliche Bedeutung dar, die er für das Judenthum und die jüdische Wissenschaft besessen hat. Reicher Beifall folgte der Rede, welche die Reihe der Vorträge für diesen Winter abgeschlossen hat. ) Breslau, 5. April. Im 57. Lebensjahr ist hier der Rentner Louis Wolf Egers gestorben, der sich schon bei Lebzeiten mit unermüdlichem Eifer zum Anwalt der Armen und Kranken gemacht hatte und nach seinem soeben eröffneten Testament seinen Wohlthäternamen in geradezu großartigem Maßstabe verewigt hat. Alle Vereine, die in der schlesischen Hauptstadt der Caritas dienen, sind mit großen und kleinen Legaten bedacht, und unter den bedeutenderen Stiftungen befinden sich folgende: 180,000 Mark der Stadtgemeinde Breslau zur Verstärkung der bereits früher von ihm mit einem Kapital von 120,000 Mark begründeten Aushilfsstiftung für Arbeiter und kleine Gewerbetreibende, so daß diese Stiftung nunmehr auf 300,000 Mark sich beläuft, 5000 Mark der Stadtgemeinde für die Ferienkolonien, 30,000 dem Zufluchtshaus Fränkelsche Stiftung, 45,000 Mark der hiesigen Synagogengemeinde zur Verwendung für wohlthätige Zwecke, 30,000 Mark der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt zu ebendemselben Zwecke. So hat sich Egers ein Denkmal errichtet. X. Hannover, 5. April. Am 27. v. M. hielt Herr Dr. Kn oller, Direktor der hiesigen Lehrer-Bildungsanstalt, im Verein für jüdisch^ Litteratur und Geschichte einen Vortrag über „Sozialpolitik in der mosaischen Gesetzgebung". Schon die Wahl des Themas muß als eine sehr glückliche bezeichnet werden, denn heute die Bibel, die sehr, sehr Vielen in ihrem tiefen Gehalte ein ebenso unbekanntes Gebiet ist, wie irgend ein Theil der jüdischen Litteratur, dem Verständniß näher zu bringen, ist eine Aufgabe, durch deren Lösung sich die Litteratur-Vereine ein großes Verdienst erwerben. In dem Bortrage, dessen reicher Inhalt nur angedeutet werden kann, führte der Redner in gewählter, leicht verständlicher Sprache und p.ckhosfreier Rede unter Anderm die verschiedenen Bestimmungen über das jüdische Gerichtsverfahren, über Sklaverei, über Ackerbau, über Vorkehrungen gegen Verarmung und über Hilfe bei eingetretener Armuth näher aus, dabei auf die Verhältnisse im griechischen und römischen Alterthum Bezug nehmend und durch Belege aus dem Talmud den ethischen Gehalt der biblischen Gesetzgebung beleuchtend. Lauter Beifall wurde verdientermaßen dem Redner von den zahlreich erschienenen Zuhörern gezollt. Im Anschluß an den Vortrag fand die Generalversammlung statt; der Vorsitzende, Herr Emil L. Meyer, erstattete einen eingehenden Bericht, dem wir das erfreuliche Resultat entnehmen, daß die Mitgliederzahl von 40 auf 200 gestiegen ist und somit in der Reihe der Vereine der unsrige einen achtungsvollen Platz einnimmt. Ein ganz besonderes Verdienst um diese glückliche Entfaltung hat sich der erwähnte Vorsitzende erworben, der es nach keiner Seite hin an Opfern hat fehlen lassen. Die dann vorgenommene Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der jetzigen Vorstandsmitglieder und die Neuwahl des Herrn Seminardirektors Dr. Knoller und des Herrn Banquier Felix Herzfeld. M. Hamburg, 6. April. Die jüdische Gemeinde zu Hamburg hat einen bedeutenden Verlust zu beklagen. Der weit über unsere Vaterstadt hinaus bekannte Wohlthäter und Menschenfreund, Herr Benjamin Luria, langjähriger erster Vorsteher der portugiesisch-israelitischen Gemeinde zu Hamburg, verstarb kürzlich zu Nizza. Benjamin Luria wurde im Jahre 1830 zu Altona geboren und ging Anfangs der fünfziger Jahre nach St. Thomas, wo er eine Tochter des Vorbeters der portugiesisch-jüdischen Gemeinde, Josua Piza, heirathete. Im Jahre 1867 verließ er St. Thomas, um sich in Europa der Erziehung seiner Kinder zu widmen. Der Verstorbene nahm in St. Thomas regen Antheil an den Geschäften der damals sehr zahlreichen Gemeinde, zu deren Vorstand er gehörte. Er ist bis kurz vor seinem Tode in reger Beziehung mit der Gemeinde geblieben, der sowohl er wie seine Kinder als Mitglieder angehörten. Kurz nach seiner Uebersiedelung wurde er zum Vorsteher der portugiesisch-jüdischen Gemeinde zu Hamburg und Altona erwählt und verblieb bei der ersteren fast ununterbrochen als Vorstandsmitglied. Bei den Massenauswanderungen unserer Glaubensgenossen aus Rußland wurde er verschiedentlich von der „Alliance israelite universelle“, der er schon in St. Thomas angehörte, zu den Berliner Konferenzen delegirt. — Im Jahre 1889 gründete er mit seinem ältesten Sohne die Firma B. Luria u. Co., Im- und Export nach Süd-Centralamerika. — Die Beerdigung des Verstorbenen fand am 23. v. M. vom Sterbehause aus nach portugiesisch-jüdischem Ritus statt. Die große Betheiligung legte ein beredtes Zeugniß ab von der Beliebtheit, welcher sich der Verstorbene zu erfreuen hatte Im Sterbehause widmete Herr Dr. M. Piza dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf. Auf dem Friedhof in Ohlsdorf wurden unter Leitung des „Chasan" der portugiesisch-jüdischen Gemeinde Herrn Chomacheiro die nach portugiesischem Ritus vorgeschriebenen sieben Hakafot unter Absingung des 91. Psalms um den Sarg ausgeführt. - Der Verstorbene hinterläßt in der portugiesischjüdischen Gemeinde zu Hamburg eine Lücke, welche schwer auszufüllen sein wird. g. Krefeld, 4. April. Durch Subvention des hiesigen „Vereins zur Förderung und Unterstützung des Schulwesens und des Handwerks unter den Israeliten" ist es den Gemeinden Anrath, Dülken, Schiefbahn, Heinsberg ermöglicht worden, Religionsunterricht ertheilen zu lassen, von denen die Gemeinde Schiefbahn von hier aus 120 M. jährlich und Heinsberg 150 M. erhält. — Von den durch den Verein dem Handwerk zugeführten Knaben erlernen 6 das Schneiderhandwerk, 1 aus kanten erlernt in M. Gladbach das Anstreichgewerbe (Maler), 1 ist Klempnerlehrling daselbst, 3 Lehrlinge stammen aus M. Gladbach, und erlernt einer dortselbst das Schlosser- und zwei das Anstreicherhandwerk; aus Krefeld werden 4 unterstützt, und zwar zwei, die als Musterzeichner sich ausbilden, einer, der das Schlosser- Handwerk, und einer, der das Schreinerhandwerk erlernt. — Dem Bericht sind folgende Ausführungen unseres Herrn Oberrabbiners angefügt, denen die weiteste Verbreitung gebührt: „Mit den durch diese Leistungen veranlaßten Ausgaben stehen leider die Einnahmen in ungünstigem Verhältniß, so daß wir den Anforderungen nur durch Deckung der Ausfälle aus den ein siche unser V bedeutsa die das auch der unseren haben, i Jugend erfüllen Erwerb: Druck d wurde." diesem < insgesar Der Re anleihe 370 M L. am Mo war vo Ferne Vertheil gehende Alshein der an stimmio welcher soll, da hervorz fügen r schen 8 Fürth, Selbsthi und w einnahr die gen kärglich mentari Reserve wurden beträgt. gewachs Konsul Herrn wurde der ver amtlich der Sp reich ui Berwal und de erschien Mitthe I. 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