Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1895)
- Date
- 1895-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Januar erwiedert, daß er den Antrag ines hannoversdien Schulvorstandes auf Einschulung der Juden ür begründet erachte, da hierdurch der christliche Charakter der Zchule nicht berührt wird, im Uebrigen den Betheiligten, falls sie eine olche Maßregel mit den Gesetzen nicht vereinbar halten, der Weg des Üerwaltungsstreitverfahrens offen bleibe. Berlin, 7. April. Den letzten der öffentlichen Vorträge im ,Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt am 4. d. M in der Aula des Friedrich-Werderschen Gymnasiums Herr Professor Dr. Hernann Cohen aus Marburg über das Thema: „Die Messiasidee" vor ünem zahlreichen und erlesenen Auditorium, das den feinsinnigen und geistvollen Betrachtungen des rühmlichst bekannten philosophischen Forschers über die merkwürdige Entwickelung der Messiasidee in drei Perioden (persönliäier Messias aus dem Hause Davids, Knecht Gottes ind Erlöser der Menschen, Idee des Völkerfriedens und der sozialen ^-reihen) mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte. Wir hoffen, die zanze Arbeit unfern Lesern bald in extenso vorführen zu können ind ersparen uns deshalb heute eine kurze Inhaltsangabe des ausgezeichneten Vortrags, mit dem der Verein für jüdische Geschichte und sttteratur seine Vorträge in diesem Winter in würdigster Weise abgeschlossen hat. tz. Berlin, 1. April Zur Prüfung der Klangwirkung eines gelöschten Chores in der neuen Synagoge fand am 29. v. M. dort 'in Abendgottesdienst statt, bei welchem der gemischte Chor aus der Zynagoge Lindenstraße die Gesänge ausführte. Der Versuch muß als zut gelungen bezeidznet werden. Wir sind der Ueberzeugung, daß in neser Synagoge der Gesang eines gemischten Chores noch besser zur Geltung kommen wird als in der Synagoge Lindenstraße. 'Allerdings uüßten dem Chor mehr Damen einverleibt werden, denn der Knabenchor wachte seine Leistung weit kräftiger zum Ausdruck als die Damen, deren Stimmen sich — nicht nur nach der.unmaßgebenden Ansicht des leider wllig unmusikalischen Schreibers dieser Zeilen, sondern auch nach dem lrtheil von Fachmännern, — für den großen Raum zu schwach erwiesen Dod) sind wir überzeugt, daß bei einiger Verstärkung, welä)e ja diesem Hebel Abhilfe schaffen würde, die Andacht sich noch feierlicher gestalten vird, als sie es bisher immer gewesen. Berlin, 8. April. Herr Rabbiner Dr. Ungerleider ist wr wenigen Tagen vom Hilfsverein der Rawitscher einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt worden. Diese Ernennung sollte bereits für den Ehrentag seines Jubiläums publizirt werden, aber nach den Statuten mußte die Generalversammlung vom Beschluß des Vorstands in Kenntniß gesetzt werden. Jetzt, am Tage der Generalversammlung, konnte erst das Vorhaben des Vorstands die befriedigende Lösung finden. In Rücksicht auf große Verdienste des Herrn Dr. Ungerleider und auf die weue Art, wie er, fern von Rawitsch, sein Wohlwollen der Gemeinde daselbst erhalten und die Beziehungen der hier lebenden Landsleute unterhält, ist er zum Ehrenmitglied ernannt worden. LL Berlin, 5. April. Der „Ungarische Israelit", ein in Budapest erscheinendes Wochenblatt, hat sich von einem Berliner furchtbar dupiren lassen, denn in Rr. 10 d. Bl. finden wir die folgende fette Ente: „In Berlin starb am 23. d. At. der Geheime Kommerzienrath A. M. Schwabackzer und hinterließ der dortigen Kultus-Gemeinde den Betrag von rund zehn Millionen Mark zur ausschließlichen Verwendung für jüdisdze Spitalsbauten und zweier Waisenhäuser. Eine Million und rund 600,000 Mark händigte der Kommerzienrath Schwabacher persönlid) dem Rabbiner Dr. Hildesheimer ein, mit der Bestimmung, einen Talmud-Thora im großen Stile zu begründen." So lautet wörtlich die Notiz. Nun sind hier in Berlin zwei Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die diesen Namen führen: der Geh. Kommerzienrath Jul. Leopold Schwabad), Chef des Hauses Bleichröder, und der Bankier Adolf M. Schwabacher. Beide sind bekannte und wohlthätige Männer; Beide leben — Gott sei Dank — und erfreuen sich der besten Gesundheit; der Erstere ist Mitglied der Reformgemeinde, der Andere gehört der Hauptgemeinde an. Also die Nachricht ist, wie man sieht, nid)t einmal gut erfunden, mit der man aus unerklärlichen Gründen den „Ungarischen Israelit" hat hineinfallen lassen 2/I Berlin, 7. April. Aus den Religionsschulprogrammen, die uns zugegangen sind, ersehen wir, daß am Sonntag den 31. Mürz in den meisten Religionssd)ulen die öfsentlid)en Prüfungen stattgefunden haben. Aus der Synagogengemeinde Königsberg i. Pr. ist der 29. Bericht über die dortige Religionsschule erschienen, dem, wie alljährlich, eine Abhandlung des Dirigenten der Schule, Rabbiner Dr. Bamberger, beigefügt ist, welä)e den Zweck der vorjährigen Publikation „zur Säzaffung eines Gesammtbildes des jüdisä)en Religionsunterrichts in Deutschland anzuregen" nod) in einigen Punkten erläutert und hauptsächlich auf die dortigen, durch das Entgegenkommen des Königsberger Magistrats in mancher Beziehung muflergiltigen Verhältnisse eingeht. Der Standpunkt der Königsberger Religionsschute ist der vermittelnde, der auch zugleich der geschichtlick) begründete ist. Dr. Bamberger appellirt an das Pflichjtgefühl seiner Gemeinde, „da wir dem Religionsunterricht gegenüber ein für alle mal Polizeimaßregeln anzu-' rufen unter unserer Würde halten." Die Religionsschule der Gemeinde Königsberg tritt in das dreißigste Schuljahr. Die seither von Herrn Dr. Wolffberg, der nach Stolp i. P. übergesiedelt ist, bekleidete stelle eines ersten Religionslehrers und Predigers ist Herrn Dr. Pick, seither Rabbiner in Pyritz, übertragen worden. Die interimistische Verwaltung der Stelle im letzten Wintersemester versah mit Gewissenhaftigkeit Herr Dr W. Dienstfertig. Die Schule wird zur Zeit von 1*37 Knaben und 142 Mädchen besucht. — Der Einladungsschrist der Religionsschule der Gemeinde Adaß-Jsroel in Berlin geht eine Abhandlung über das deutsche Bibellesen an der jüdischen Religionsschule von M. Zuckermann vorher. Der Verfasser spricht gegen die Einführung einer „Schulbibel" und hat sowohl an der Auerbach'scheu. Schul- und Hausbibel wie an der Zunz'schen Bibel Einiges auszusetzen. Letztere „hat nicht zu verkennende Härten und Mängel im Ausdruck." — Die Schule wurde im Berichtsjahr von 302 Knaben und 142 Mädchen besucht. In das Lehrerkollegium neu eingetreten ist Herr Warszawski. Das Sd)ulgeld beträgt 6 Mark pro Quartal und ist pränumerando zu entrichten. — Aus Köln ist uns der dritte Jahresbericht der von Dr. F. Lazarus geleiteten Religionsschule zugegangen. Diese Schule wird gegenwärtig von 103 Knaben und 81 Mädchen besucht. Die Schulbibliothek umfaßt jetzt gegen 50O Bände und wird überaus stark benutzt. Sie besitzt einen großen Theil der für die jüdische Schuljugend sid) eignenden Jugendschristen, sowie eine große Anzahl populär-wissenschaftlicher Bücher. Der im Laufe des Schuljahres verstorbene Herr Nathan Leubsdorf hatte diese Bibliothek begründet. „Eine solche Stiftung ist in unserer Zeit unendlich wichtig, wo im jüdischen Hause ein jüdisches Buch oft vergebens gesucht wird." X Bromberg, im April. Ein Akt von roher Gewaltthätigkeit ist in Osterode an einigen jüdischen Kaufleuten und Händlern verübt worden. Dieselben weilten an dem genannten Ort zu dem am 7. v. M. stattgefundenen Vieh- und Pserdemarkt, und zwar waren es die Kaufleute und Händler Lewin-Samotschin, Herzstein - Schönlanke, Hammerstein- Filehne, Salinger - Laskownica und Rosentreter und Levy - Gollanlsd). Als dieselben zwischen 9 bis 10 Uhr des Abends, nichts Böses ahnend, aus dem Steinberg'schen Lokale den Weg nach dem Bahnhof einschlugen, wurden dieselben von Personen, die auf einem Schlitten saßen, welcher vor dem Schwarzeschen Gasthofe stand, mit den höhnischen Reven, „da gehen die Juden! Juden raus!" verfolgt. Plötzlich kam eine der