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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-12 · Heft 15 (12.4.1895) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 15 (12.4.1895)
Date
1895-04-12
Page
Seite 177 (sequence 11)
Language
German
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freuen, welche Salomo, der Weiseste in Israel der Liebe geweiht hatte, wir sollen, ob wir nun jung oder alt siud, am Herd des Hauses das heilige Feuer pflegen und eifrig darauf achten, datz kein Sturm es verlösche. Das hohe Lied des Salomo ist der göttlichen Gluth gewidmet, welche den Tod überwindet und die das Leben verschönt, erwärmt und erleuchtet. Ans M. Veits Nachlaß. Mittheilungen von Prof. Dr. Ludwig Geiger. II. ^om 19. Februar 1834 ist ein Brief Veits, der vermuthlich in dieser Form nicht abgeschickt umrbe, erhalten, vielleicht eine Antwort auf das oben mitgetheilte Schreiben. Er bedankt sich darin für Rießers „Betrachtungen über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen der preußischen Monarchie", schickt dem Freunde einige ihm von einem Andern übergebene Fragmente und braucht die Worte: „Ja, wohl wollen wir Beide uns unserer Jugend erfreuen, weil sie die Zeit der Hoffnung ist und wir der Hoffnung gar sehr bedürfen. Je mehr wir uns aber für unsere eigne Person aller Ansprüche an den Genuß der Bürgerfreiheit begeben haben, um die wir kämpfen, desto reiner ist unser Kampf und desto mehr, sollte ich denken, müßten wir gehört werden. Ich bin jetzt glücklicher Weise so weit, daß ich nichts mehr vom Staate zu erwarten habe und brauche nicht mehr pro domo zu sprechen. Und Gott weiß, nicht eine erbitterte Resignation, sondern die Liebe zur Sache spricht aus mir." Erst am 29. März 1830 theilte Rießer mit, daß er seinen Wohnsitz nach Bockenheim verlegen werde, und schrieb: „Ich habe in Kassel mit Dr. Pinhas u A. über die Kandidatur des Dr. Sachs zum dortigen Rabbinat gesprochen. Es schien sich aber damals die Wahl schon auf zwei Kandidaten — der eine heißt Frensdorff, der andere, glaub' ich Romann — konzentrirt zu haben Wer von diesen Beiden die Stelle erhalt, ist, soviel ich weiß, noch durchaus nicht entschieden. Räthselhaft ist mir, was diese Wahl, die schon seit vielen Jahren geschehen soll, so lange hingehalten hat. — Ihrem beabsichtigten Unternehmen einer populären Bibelübersetzung für Juden wünsche ich von Herzen das beste Gelingen und hoffe auch, daß es nicht an dem nöthigen zahlreichen Absatz fehlen wird. Vielleicht ist es gut, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, daß Dr Salomou, Prediger Hierselbst, schon seit langer Zeit an einer Bibelübersetzung, die er zu einem ähnlichen Zweck bestimmt, arbeitet. Ich glaube, er hat noch keinen Buchhändler, aber bei seinen Verbindungen wird es ihm leichter als Anderen werden, reiche Gönner des Unternehmens zur Subskription auf eine große Anzahl von Exemplaren zu veranlassen, um sie sehr wohlfeil verkaufen zu können. Es wäre, dünkt mich. Schade, wenn mehrere Arbeiten der Art um dieselbe Zeit ans Licht und dadurch einander in den Weg träten." In diesem Briefe werden zwei Angelegenheiten berührt, die Veit vielfach beschäftigten: die Berufung von Michael Sachs zu einer feiner würdigen Stellung in Deutschland und die Bibelübersetzung. Das Gerücht, das Rießer in Kassel hörte, war wohl falsch; an Frensdorfs, den wackeren Seminardirektor in Hannover, hat man schwerlich je im Ernst gedacht; Dr. Romann wurde in der That zum Landrabbiner von Kassel gewählt. Sachs, der sich nach Kassel meldete, erhielt die dortige Stelle nicht. In Betreff der Bibelübersetzung entsprach Veit Rießers Wunsch nicht. Salomon blieb an dem Unternehmen nnbetheiligt, das vielmehr unter Zunz' Leitung von Arnheim, Fürst, Sachs hergestellt wurde. Auf dieses Unternehmen bezieht sich auch der folgende Brief. Am 16. April 1837 dankte R. für die bei Veit erschienene erste Lieferung der Bibelübersetzung und bemerkte: „Irgend ein Wort darüber öffentlich zu sagen, dürste ich nur nicht erlauben, da ich leider Der orientalischen Philologie gänzlich unkundig bin, das bloße wohlgemeinte Lob der Unwissenheit aber mir unter der Würde eines so tüchtigen wissenschaftlichen Unternehmens zu sein scheint. Mit Freude höre ich, daß das Werk bei Predigern von allen Riten die verdiente Theilnahme findet." Etwa zwei Jahre später (6. Februar 1839) richtete Rießer an den Freund einen Brief, der folgende mittheilenswerthe Stellen enthält: „Ihr lieber Brief vom 22. Oktober v. I. liegt zur Beantwortung vor mir. Der schmerzliche Grundton desselben hat auch in meiner Seele uachgeklungen. Wenn ich auch nicht so glücklich war, mit Ihrem edlen dahingeschiedenen Freunde, gleich Ihnen, in langjähriger, enger Verbindung zu stehen, so hat mich doch eine vorübergehende Bekanntschaft mit ihm seinen hohen Werth ahnen und theilweise kennen gelehrt, und ich bin nicht gleichgiltig bei dem harten Verluste geblieben. Möge das Andenken an den Seligen uns Alle stärken im Guten und im Wahren. Auch für mich würde es ein Trost und eine Erhebung sein, wenn es! Ihnen und den anderen Freunden gelänge, aus seinem Nachlaß ihm ein! Denkmal seines Geistes, auch in größerem Kreise zu gründen. . . .! Von Herrn Emanuel Osmund und dessen Schwiegersohn, dern Rabbiner Aub, habe ich erfahren, daß Sie im Herbst sich kurze Zeit in Baireuth aufgehalten haben. Ich bedaure, daß Sie nicht die Bekanntschaft des alten Osmund gemacht haben; Sie Ijätteu sich und ihm dadurch eine Freude gemacht. Sollten Sie einmal wieder durch Bairemh kommen, so empfehle ich Ihnen, ihn zu besuchen. In Beziehung auf! seinen Briefwechsel mit Jean Paul steht noch immer der Wille bei ihm i fest, denselben seinen Angehörigen handschriftlich zu hinterlassen, j aber es ist sonst noch Manches unter seinen Papieren, was auch littera-! risches Interesse bietet. — Wie ich von einer anderen Seite höre, ist; unter den Kandidaten für das Berliner Rabbinat auch von Aub die Rede gewesen. Sollten Sie auf diese Wahl irgend eimn Einfluß üben können, so kann ich Ihnen denselben in jeder Rücksicht auss 'Angelegentlichste empfehlen." Ueber den Werth der am Schluß stehenden Empfehlung Aubs f. die Bemerkung zu einem der folgenden Briefe. Osmund, Aubs Schwiegervater, der bekannte jüdische Freund Jean Pakkls, lebte in; Bayreuth seit 1797 mit dem Dichter in intimer Freundschaft. Der; Briefwechsel, in dem Osmund häufig über jüdische Quellen Bericht : erstattete, Jean Paul gern seine toleranten Ansichten über Juden und! Judenthum ausspricht, ist zuerst von Ernst Förster in „Jean Pauls! Briefwechsel mit seinen Freunden", München 1865, gedrtlckt worden, l — Der Freund, von dem in dem Briefe die Rede ist, ohne daß - merkwürdiger Weise seilt Name genannt wird, ist Moses Moser, der .! Freund Heines, der 1838 gestorben war. Der schlichte, ästhetisch und! philosophisch lies gebildete Kaufmann war auch beni Veitschen Kreise I anhegetreten. i Unterdessen war Rießer mit der Veitschen Buchhandlung in ge-! schäftliche Verbindmtg getreten. Dort erschienen nämlich seine „Jüdi- 1 scheu Briefe zur Abwehr und Verständigung". Auf den ersten Theil | dieser Briefe bezieht sich das folgende Schreiben vont 24. Dezember 1839,; das sonst noch über die von Rießer veranstaltete Sammlung zrun! Lessing-Denkmal berichtet, ©eine dafür geschriebene Schrift brachte : etwa 600 Thaler ein. Der übrige, sehr wichtige Theil des Briefes i killtet so: | „Ich habe die Beantwortung Ihres lieben Briefes vom 24. November! bis heute verschoben, weil ich eine weitere Nachricht von Ihnen in Be-! treff des erwählten Druckortes ab wartete. Kann nun auch diese jeden! Tag kommen, so sehe ich doch, daß es sich damit länger, als ich vorausj setzte, verzieht, und ich will daher die Erwiederung Ihres Briefes, der des Dankens- und Beachtungswerthen so mancherlei enthielt, nicht länger! hinausschieben. Unsere große Meinungsverschiedenheit über die Censur-! Fähigkeit meiner „Briefe" hat mich lachen machen über meine Uneri fahreuheit und mich von Neuem überzeugt, was die Censur für ein! willkürliches, regelloses, a priori nicht zu ermessendes Ding ist, das man

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