Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1895)
- Date
- 1895-04-05
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 als Sopran-Solistin, Prof. Dr. Schaffer, dem in Anerkennung seiner großartigen, musikalischen Vorträge ein großer Lorbeerkranz überreicht wurde, Violinist Bandler, Fräulein Ada Blanche vom Stadttheater. Den Schluß der Vorstellung bildete ein Epilog, den das oftbewährte Talent Karl Biberfelds gespendet hatte und der gleichfalls in Fräulein Blanche eine treffliche Interpretin fand — Am Montag, den 18. d. M. hat im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" im Saale der Lessingloge Rechtsanwalt Ollendorf das Thema „Zur Geschichte der Emanzipation der Juden in Deutschland" behandelt. An diesen Vortrag schloß sich eine Diskussion resp. Beantwortung früherer Fragen. Die Familienangehörigen der Vereinsmitglieder haben stets zu den Veranstaltungen des Vereins Zutritt. Gäste dürfen eingeführt werden. S£ Hannover, 29. März. Der auf allen Gebieten der Wohlthätigkeit durch Freigiebigkeit sich auszeichnende Herr Alp ho ns Jacobson in Leipzig bat vor Kurzem der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem einen prachtvollen Araun Hakaudesch geschenkt. Zur Einweihung desselben hatten sich die Mitglieder des Kuratoriums, sowie einige andere Freunde am Vormittage des Purimfestes in der Anstalt eingefunden. Schreiber dieses, der mit einigen andern Herren etwa eine Stunde vor Beginn des eigentlichen Festaktes eintraf, benutzte diese Zeit, um sowohl das Hauptwie auch die Nebengebäude zu besichtigen, und war sehr erfreut über die musterhafte Ordnung und Reinlichkeit, welche überall herrschte. In dem Garten waren die Lehrlinge beschäftigt, die durch den Schnee und das darauf folgende Thauwetter in Unordnung gerathenen Wege zu ebenen. Es war wirklich ein Vergnügen, zu beobachten, wie die in ihrem Arbeitszeug hantirenden Lehrlinge sich bemühten, dem ganzen Grundstücke ein so festtägliches Ansehen zu geben, bevor sie selbst zum Schlafsaal eilten, um das Arbeitszeug mit dem Festtagsanzug zu vertauschen. Punkt 10 r2 Uhr fanden sich sämmtliche Zöglinge sowie die Herren Bachrach und Höxter in den zugleich als Betsaal benutzten Schulräumen der Anstalt ein. Nachdem auch die übrigen Festtheilnehmer eingetroffen waren, begann der Festakt mit einem unter Harmoniumbegleitung des Herrn Höxter von den Schülern ausgeführten Gesang. Hierauf hielt Herr Landrabbiner Dr. Gronemann, welcher, beiläufig gesagt, ein großes Interesse für das Gedeihen der Anstalt bezeugt, eine sehr ergreifende Ansprache. Nach Schluß des Festaktes begaben sich sämmtliche Theilnehmer sammt den Zöglingen in den Speisesaal, wo ein einfaches Hamannsfrühstück auf Tischen mit blendend weißen Tischtüchern bereit stand. Bei dieser Gelegenheit wurden verschiedene Toaste ausgebracht. Unter andern gedachte Herr Dr. Gronemann des Urhebers des heutigen Festaktes, des Herrn Alphons Jacobson, und erwähnte bei dieser Gelegenheit, daß ursprünglich die Lehrlinge beabsichtigt hätten, aus kleinen Beiträgen, welche sie gesammelt hatten, den Araun Hackaudesch zu erwerben, daß aber Herr Jacobson bei der Schenkung des Schrankes den Wunsch ausgesprochen habe, man möge das von den Lehrlingen gesammelte Geld als Grundstock zu einem Fonds zur Unterstützung entlassener Zöglinge benutzen. Bei einer unter den Theilnehmern vorgenommenen Tellersammlung wurde der Erlös diesem Fonds gleichfalls überwiesen. Auf Anregung des Herrn Landrabbiners, andere edle Menschen möchten dem Beispiele des Herrn Alphons Jacobson folgen, erklärte sich sofort der mitanwesende Herr Fabrikant Jacob Salomon bereit, den Schulchan zum Araun Hackaudesch zu schenken. Sehr befriedigt schieden alsdann die Theilnehmer, nachdem seitens der Schüler sowohl wie der Lehrlinge der Dank durch paffende Worte und zahlreiche musikalische Hochs ausgebracht war. g. Frankfurt a. M., 29. März. Unsere Gemeinde hat das Verdienst, mit der Errichtung eines jüdischen Mädchenstifts vorangegangen zu sein. — Am 17 November 1894 hat das Stift den siebzigsten Geburtstag seiner Ehrenpräsidentin Frau Charlotte Speyer festlich begangen, welche die Mittel zur Begründung des Planes geboten hat. Sie übergab dem Vereine das zu diesem Lehufe angekaufte Haus und überwies als Geschenk noch außerdem 30,000 Mark. — Die Zahl der Zöglinge betrug am Schluffe des Berichtsjahres 22. Von den Zöglingen bilden sich drei auf dem Hoch'schen Konservatorium für Klavierunterricht aus, eine besucht das Lehrerinnenseminar der Elisabethenschule, drei sind Komptoiristinnen, vier Verkäuferinnen, vier sind in Konfektionsgeschäften thätig, eine ist Putzmacherin, drei sind Schülerinnen des Frauenbildungsvereins, eine von diesen letzteren bildet sich zur Kinder' Pflegerin, die andern beiden zu Buchhalterinnen aus. Eine ist in der Lehre, um den Verkauf zu erlernen, eine ist Leiterin eines Konfektionsateliers, eine ist Schülerin des Philanthropins. Zumeist werden die Zöglinge unentgeltlich ausgenommen. In Folge des stetigen Rückganges der festen Jahresbeiträge mußte leider in der letzten Zeit hiervon Abstand genonmen werden und entgeht dadurch einer Anzahl Mädchen die Möglichkeit, sich für einen selbstständigen, ehrenhaften Lebenserwerb heranzubilden. Im Berichtsjahre ergaben die festen Mitgliederbeiträge 3390 Mark, die Pflegegelder 6421 Mark, Geschenke 2380 Mark und die Zinsen 3581 Mark. Die Ausgaben betrugen an Verwaltungskosten 22t 0 Mark, an Haushaltungskosten 13,400 Mark. Der Ueberschuß von 162 Mark wurde dem Reservefonds überwiesen. — An Stelle des verstorbenen Vorsitzenden Adolf Teblee wurde Herr Julius Plotke gewählt. o. München, 31. März. Rabbiner Dr. Werner wurde, nachdem er am 22. d M. in sein Amt als Rabbiner eingeführt worden war, heute von Seiner Königl. Hoheit, dem Prinzregenten Luitpold in viertelstündiger Audienz empfangen; Seine Königl. Hoheit haben sich, wie man hört, überaus huldreich über die frühere Stellung des Rabbiners und über die Verhältnisse der hiesigen Gemeinde erkundigt. Es verdient als ein sehr erfreuliches Zeichen der gnädigen Gesinnung des hohen Herrn bezeichnet zu werden, daß bereits in den ersten Tagen der Amtstätigkeit der neue Rabbiner von ihm so huldreich empfangen worden ist. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 1. April. Ich habe Ihnen heute ein recht unerfreuliches Wahlresultat zu berichten: Durch die Lauheit der jüdischen Wähler ist es den Antisemiten gelungen, in der Leopoldstadt (!) ihren Kandidaten durchzubringen, wodurch im Gemeinderath die antisemitische Partei wieder um eine Stimme verstärkt erscheint. — Gelegentlich des kaiserlichen Besuches der Mode-Ausstellung wurde Direktor Steiner von der „Wiener Mode" von Sr. Majestät mit einer längeren Ansprache beehrt. — Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Wien hat einstimmig beschlossen, Herrn Dr. Jonathan Wolf, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde, mit den Rabbinatsfunktionen für die Gemeindebezirke XII und XV zu betrauen. Rabbiner Dr. Wolf wird seine neue Thätigkeit am kommenden Osterfeste beginnen. — Unter den Eingeladenen bei der Soiree des Ministers des Innern, Marquis Baquehem, befand sich auch Oberrabbiner Dr. Güdemann. — Unter überaus zahlreicher Theilnahme fand das Leichenbegängniß des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr Friedrich Bunzl statt. Die Leiche wurde auf den Centralfriedhof überführt, wo Oberrabbiner Dr. Güdemann eine ergreifende Trauerrede hielt. Am offenen Grabe widmete ein Kollege des allseits geschätzten Advokaten demselben einen Nachruf. Dr. Bunzl war seit mehr als einem Vierteljahrhundert ein vielbeschäftigter Anwalt und gehörte über 18 Jahre dem Disziplinarrathe der Advokatenkammer an. Seine fachliche Tüchtigkeit, sowie seine hervorragenden Charaktereigenschaften verhalfen ihm schon in verhältnißmäßig jungen Jahren zur Geltung; er wandte sein Augenmerk insbesondere den wirthschaftlichen Erscheinungen zu und so wurde er Censor der Bodenkreditanstalt, Präsident des Niederösterreichischen Bauvereins, Verwaltungsrath der Mährischen Grenzbahn und der Neuen Wiener Sparkasse. — Am 27. v. Mts. wurde der Journalist I. Naschelsky auf dem Centralfriedhofe bestattet. Er war ein Mann von unbeugsamem Charakter und gehörte zu den kenntnißreichsten und tüchtigsten Leuten seines Standes, allein das Glück und der Erfolg waren ihm in seinem Berufe nicht beschieden. Im Jahre 1860 wurde er als Mitarbeiter eines hier erschienenen Blattes „Ost und West", welches mit Crispi, Garibaldi und andern namhaften politischen Persönlichkeiten in Verbindung stand, zu einer mehrmonatlichen schweren Kerkerstrafe verurtheilt. Naschelsky war dann viele Jahre hindurch als Mitarbeiter verschiedener Blätter thätig und so mancher ausgezeichnete Artikel entstammte seiner Feder. Trotzdem konnte er sich nicht zu Geltung bringen, und er beschloß sein ehrenhaftes Leben im Zeichen der Armuth und Entbehrung. — Am 30. v. M. ist im Rudolfinerhause zu Döbling an den Folgen einer Operation der bekannte Herausgeber der Kurzeitung „Hygiea", Schriftsteller Max Konstantin Herz, im 49. Lebensjahre gestorben. Dr. Herz wurde aus dem Döblinger Friedhofe beerdigt. — In B r ü n n tagte am 25. v. M. die Delegirtenversammlung der L a n d e s m a s s a f o n d s- Berwaltung, bei welcher nahezu sämmtliche Gemeinden Mährens