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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-05 · Heft 14 (5.4.1895) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 vertreten waren. Unter den Vorlagen befand sich folgender Voranschlag des mährisch-jüdischen Landesmassa-Fonds für das Jahr 1895: 4. Einnahmen: Zinsen von Staats-Obligationen fl. 22,795.50, Zinsen von Privat-Obligationen fl. 22 500, Konto-Korrent-Zinsen der Anglobank fl. 200, Fonds-Erträgniß-Konto vom Jahre 1894 fl. 4972.13, zusammen fl. 50,467.63. B. Ausgaben : Gemeindeschul - Subventionen fl. 14,100, Gemeinde-Unterstützungen fl. 12,500, Personal-Unterstützungen fl. 10,600, Stipendien fl. 600, Landesrabbinat fl. 600, Bildungs- und Humanitäts-Anstalten fl. 4000, Gehalte fl. 2340, Kanzlei-Zins fl. 243, Spesen- und Kanzlei - Erfordernisse fl. 200, Drucksorten und Bücher fl. 150, Anwaltschaft fl. 100, Kuratoren - Reisekosten fl. 120, Steuern fl. 1940.26, Reservefond 5 Perzent des reinen Einkommens fl. 2600, zusammen fl. 50,093.26. t. Prerau, 31. März. An dem Festabende den die Jsraelitengemeinde zu Ehren des 60jährigen Doktor-Jubiläums des Stadtphysikus Armenarztes Dr. med. Marcus Rokotnitz, Bürgermeisters zu Prerau, veranstaltete, betheiligten sich alle Behörden, Aemter und Vereine. Herr Dr. Rokotnitz, ein selbstloser für das allgemeine Wohl höchst human denkender religiöser Mann, Ehrenmitglied der Chewra kadischa, hat niemals eine Rechnung geschickt oder ein Honorar verlangt für seine unermüdliche ärztliche Thätigkeit. Im Kriegsjahre 1866 behandelte er mit gleicher Sorgfalt und Hingabe die österreichischen wie die deutschen verwundeten Krieger. Dafür wie auch für die Aufopferung, die er in den Zeiten der Epidemien an den Tag legte, erhielt er das goldene Verdienstkreuz und die Kriegsmedaille, wie auch zahllose Auszeichnungen seitens der Regierung. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Jakob Tauber. Zahllose Glückwünsche und Telegramme liefen ein. Möge dem verdienten, bescheidenen Manne ein langer Lebensabend gegönnt sein. Italien. B. Von der Riviera, im März Es dürfte kaum ein zweites Land sein, welches seine großen, verdienstvollen Männer im Leben und nach dem Tode derselben, ohne Rücksicht auf die Religion, der sie angehören, so ehrt und auszeichnet, wie Italien. Dies zeigte sich neuerdings bei dem Leichenbegängnisse, welches in Mailand am 22. d. M. stattfand. Es galt, die letzte Ehre dem Senator Salvatore Ottolenghi zu erweisen, der in seiner weitverzweigten Thätigkeit für die Interessen des Vaterlandes, der Stadt, der Gemeinde, zahlreicher Vereine und Institutionen einen unsterblichen Namen sich geschaffen hat Zahlreich waren alle die Vertreter dieser Gesammtheiten erschienen, viele mit ihren Bannern und Abzeichen, voran ein Bataillon des 9. Infanterie- Regiments nnt Musik und Fahnen, während der Leichenkondukt selbst vom Präsidenten des Appellationshofes, vom Syndikus, von einem Vertreter des Perfekts, des Parlaments, des Senats, der Handelskammer geführt wurde. Tann folgte der Rabbiner da Fano, hinter ihm eine große Zahl von Senatoren, Deputirteu, Stadträthen und andern Nobilitäten. Auf dem Friedhofe sprachen der General Nevol für den Senat, Professor Lanzilotti für das Sanitär-Kollegium, ferner Vertreter für die Gesellschaft des Friedens und ein Student namens der wissenschaftlichen Vereine. Ministerpräsident Crispi sandte ein Beileids- Telegramm an die Wittwe des Verstorbenen. Ursprünglich dem. Advokatenstande angehörig, hat Ottolenghi, aus altberühmter Familie stammend, seine ganze Kraft dem Wohle des Allgemeinen gewidmet. Der König zeichnete ihn durch die Ernennung zum Kommendatore und die Berufung in den Senat aus, wie derselbe bereits früher einem andern Gliede der Familie Ottolenghi sein höchstes Vertrauen geschenkt, dem kürzlich nach Turin versetzten Obergeneral Ottolenghi, von dem bereits in diesen Blättern die Rede war. Non Nah und Fern. An der technischen Hochschule hat sich der Rechtsanwalt Dr. Paul Alexander-Katz als Privatdozent für Gewerberecht und Baurecht habilitirt. — An Stelle des Justizraths Munckel, welcher sein Amt niedergelegt hat, ist am Mittwoch von der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung zum Vorsteher der bisherige stellvertretende Vorsteher Dr. Jaffö mit 30 von 42 Stimmen gewählt worden. — Der ehemalige Landwirth Friedrich August Krause, Verfasser der Broschüren „Der Wucher und seine Geldleute" und „Hintermänner des Wuchers", wurde in Berlin vom Landgerichte I. wegen Betrugs und Erpressung zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefangniß verurtheilt. Der Gerichtshof bezeichnete das Gebahren dieses antisemitischen Sittenrichters als „höchst niederträchtig". — Ahlw ardt hat wieder einmal Unglück gehabt. Die Wahrheit will sich eben mit seinen scharfsinnigen Entdeckungen nicht vertragen. In der letzten Reichstagssitzung bei der Berathung des Etats des Bankwesens ergriff Herr v. Kardorff das Wort, um die Wahrheitsliebe des großen Aktenmannes vor der größten Oeffentlichkeit des deutschen Volkes zu kennzeichnen und zu sagen: „Ich wünsche nur, daß die Arier, von denen nach Herrn Ahlwardts Wünschen Deutschland allein bevölkert sein soll, ihm möglichst wenig ähnlich sehen" (Heiterkeit). — Der Beschluß der Stadtverordneten in M a s s o w, der dem Bäckermeister Walter die Ausübung der bürgerlichen Rechte auf drei Jahre aberkannte, weil er sich nicht von dem jüdischen Stadtverordneten-Vorsteher hatte einführen lassen wollen ist von dem obersten Gerichtshof aufgehoben worden. Juridisch war die Stadtverordnetenversammlung zu dem Beschluß allerdings nicht berechtigt. Aber ihr Urtheil ist sehr bezeichnend. — Ein Sägemühlenbesitzer in einem Orte W. an einer Bahnlinie unweit Hannover hatte wegen allzu eifriger Agitation für den Antisemitismus sein Geschäft vernachlässigt und stand vor dem Konkurse, der ihn und seine Familie dem Elend überliefert hätte. Die Gläubiger drängten auf Konkurseröffnung, nur einer, ein Jude, der Mitleid mit der Familie des Antisemiten hatte, suchte und fand Mittel, um den Konkurs und damit das Unglück von dem Sägemühlenbesitzer fernzuhalten! Mit dieser „jüdischen" Handlungsweise vergleiche man die des antisemitischen Verlegers der „Hann. Post". — Der neugewählte Reichstagsabgeordnete für Eschwege-Schmalkalden, Pastor I skr aut, ist vom Schöffengericht in Oeynhausen wegen Beleidigung des Redakteurs Schüler zu 150 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. Dem Beleidigten wurde Publikationsbesugniß zugesprochen. — Den letzten der diesjährigen öffentlichen Vorträge im Litteraturverein zu Köln hat Professor Martin Philippsohn gehalten. Das Thema war ein sehr interessantes: „Ein jüdischer Leibarzt der Königin Elisabeth von England und Shakespeares Shylock." — Bor dem Hamburger Landgericht stand kürzlich der Redakteur Golle von der „Deutschen nationalen Warte" unter der Anklage, in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zu Gewaltthätigkeiten gegen die jüdische Bevölkerung aufgereizt zu haben. In der beanstandeten Stelle hieß es, „die deutsche Jugend solle Wotan's Schwert ziehen und die Juden zerschmettern." Von Seiten der Verteidigung wurde geltend gemacht, daß die Juden als eine Bevölkerungsklaffe des deutschen Reiches im Sinne des 8 180 des Strafgesetzbuches nicht anzusehen seien. Dieser Auffassung schloff sich der Gerichtshof Micht an, erkannte aber dennoch auf Freisprechung,, weil eine Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten nicht festzustellen sei. — Der Kaiser von Oest/rreich hat dem Obersten des Landwehr-Jnfanterie- Regimentes in Brünn, Alexander Ritter v. Eiß, den Leopold-Orden verliehen. — In der Plenarversammlung der österr. israel. Union zu Wien hielt Rabbiner Dr. Jakob Tauber aus Prerau einen geistreichen, mit vielem Beifalle aufgenommenen Vortrag über „Ezekia ein jüdischer Nationalheld." — Auch bei dem diesmaligen Avancement im französischen Heere sind wieder einige Juden befördert worden. Kapitän M. S ch w a r tz wurde Bataillonschef bei den 29. Chasseurs, Kapitän Salmon Jules Levy vom Genie ebenfalls Bataillonschef und Kommandant des Genie in Cempiegne. — In Nancy wurde dieser Tage ein jüdischer Offizier, der Zuavenhauptmann Jacob, unter allgemeiner Betheiliigung der Armee und Bevölkerung mit den höchsten militärischen Ehren zur Ruhe bestattet. - Durch eine Aether-Explosion find kürzlich auf dem Bahnhof in Warschau 17 Personen verletzt worden. Es stellte sich heraus, daß die Explosion beabsichtigt war, um einen jüdischen Kaufmann, der zur Hochzeit seiner Tochter nach Mlawa reiste und 15,000 Rubel bei sich führte, berauben zu können. Die Thäter sind zwei junge Kaufleute, die lebensgefährlich verletzt wurden, während der Kaufmann mit unbedeutenden Brandwunden davonkam. — Slatin Bey, der aus der Gefangenschaft heimgekehrt, soll ein Jude sein. Der jetzige egyptisch-mohammedanische Flüchtling ist der Sohn eines ungarischen Juden, der das Gewerbe eines „Bierversilberers" betrieb und außer Rudolf noch zwei Söhne besaß, von denen der Eine heute Hofrath im Oberststallmeisteramte, der Andere Advokat ist. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.

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