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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-05 · Heft 14 (5.4.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 schaft ausgesprochen hatte, schloß der Herr Vorsitzende die Generalversammlung, deren Verlauf auf alle Betheiligten einen außerordentlich befriedigenden Eindruck gemacht hat. Der bisherige Vorstand wurde mit Einhelligkeit wiedergewählt. B. Tg. Berlin, 31. März. In der am Sonnabend, den 30. März, in den Räumen des Auerbach'schen Waisenhauses stattgehabten Generalversammlung der Mitglieder des Mädchenstifts erstattete der Vorsitzende des jüdischen Mädchenstifts, Herr Direktor Dr. Strelitz, einen ausführlichen Bericht, der die wohlthätige Anstalt in langsamem, aber sicherem Aufschwünge zeigte. Das Ergebniß der fünfjährigen Wirksamkeit des Vereins wurde allgemein mit gerechter Genugthtlung ausgenommen. So zart sich die Pflanzung bei ihrer Entstehung den Augen darbot, so hat sie doch in verhältnißmäßig kurzer Zeit ihre Lebens- und Entwickelungsfähigkeit zur Genüge dargethan Mit sechs Zöglingen wurde das Institut eröffnet, jetzt finden schon zwölf ihre Unterkunft und Ausbildung zum Dienstbotenberuf in demselben. Die Jahresbeiträge sind von 3609 Mark am Schluß des ersten Berichtsjahres auf gegenwärtig 4387 Mark, das Anstaltsvermögen von 12,733 Mark auf 18,212 Mark gestiegen. Selbstverständlich kam jener Antrag, der noch frisch im Gedächtniß der Leser sein dürfte: „Die Gemeindebehörde wolle das Mädchenstift durch Gewährung eines jährlichen Zuschusses in den Stand setzen, die Zahl der Zöglingsstellen zu erhöhen", noch einmal zur Sprache. Obwohl die Nepräsentantenversammlung in gerechter Würdigung der Bestrebungen des Mädchenstifts den Antrag zu dem ihrigen gemacht und mit dankenswerthem Eifer vertreten hatte, wurde dem Ansuchen bei aller Anerkennung des wichtigen Zweckes und des bisher erreichten Erfolges nicht entsprochen. Trotzdem werde man sich, ohne einen Augenblick zu verzagen, an die wohlthätigen Glaubensgenossen wenden, mit dieselben zu gesteigerter Mitwirkung an den gemeinnützigen Bestrebungen des Instituts aufzufordern. Bis jetzt befinden sich zwölf in der Anstalt ausgebildete Mädchen in dienstlichen Stellungen und bewähren sich in denselben ohne Ausnahme zur vollen Zufriedenheit ihrer Herrschaften. Ein Antrag des Herrn Abraham, das Mädchenstist in die neuen Räume der Volksküche zu verlegen, mußte aus Gründen der Zweckmäßigkeit und weiser Sparsamkeit abgelehnt werden. Möge es der trefflichen Anstalt nie an Gönnern fehlen. A. F. Berlin, 2. April. Zu einer schönen Feier gestaltete sich der Jubiläumstag des Kantors Herrn Arnold Marksohn. Zahlreiche Gemeindemitglieder brachten dem Jubilar, an dessen Gesang sie sich jahrelang erbaut haben, die bestell Glückwünsche entgegen. Der Chor der alten Synagoge begrüßte unter der vortrefflichen Leitung seines Dirigenten, Herrn Musikdirektor Georg Bloch, den Jubilar mit einigen Gesängen am frühen Morgen. Herr Kantor Friedmann trug das von seiner Gattin gedichtete und von ihm komponirte Jubiläumslied vor. Auch das Rabbinat beglückwünschte Herrn M. und hob seine Pflichttreue und seinen hingebungsvollen Eifer in dem heiligen Berufe hervor. Die Amtskollegen überreichten nach einer Ansprache des Kantors Friedmann einen silbernen Pokal mit der Inschrift: „Esmcho weelzo hoch, asamro schimcho eljon“. Tie vereinigten Synagogen-Vorstände unter Führung des Gemeinde-Vorsitzenden, Justizrath Meyer, feierten Herrn M. in herzlichen Worten und sprachen den Wunsch aus, ihn noch lange zu ihrein Scheliach Zibbur zu haben. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Herr Justizrath Meyer Herrn M. ein Ehrengeschenk. Die Herren Chordirigenten sprachen gleichfalls die besten Glückwünsche aus Herr M. wußte jedem der Gratulanten freundliche Worte zu erwiedern. In seiner Antwort an die Chordirigenten versetzte er sich in die Zeit, wo er selbst ven Dirigentenstab in der Wilnaer Hauptsynagoge bei Wasserzug führte und bemerkte, daß zum Gelingen des musikalischen Theiles im Gottesdienste ein harmonisches Einvernehmen zwischen Kantor und Chordirigent gehöre Der „Kantorenverein", zu dessen Mitbegründern der Jubilar gehört, deputirte wegen Behinderung des Vorsitzenden, den Rendanten, Herrn Göttinger zur Beglückwünschung. Der „Tonkünstlerverein", dessen langjähriges Mitglied der Jubilar ist, gratulirte auf telegraphischem Wege. Zahlreiche Telegramme gingen während des Tages aus allen Theileu Deutschlands ein. So gestaltete sich der Tag zu einem wahren Jubelfeste. Möge Herr Marksohn noch lange sich der Anerkennung und Zufriedenheit seiner Gemeinde erfreuen! 8. Berlin, 3. April. Am 31. v. M. tagte die Generalversammlung des „Esra", Vereins zur Unterstützung der Ackerbautreibenden Juden in Palästina und Syrien, die von ollen Theilen Deutschlands durch Delegirte zahlreich besucht war. Der Vorsitzende, Herr Dorn, ertheilte den Bericht über das verflossene Jahr und hob hervor, daß trotz des allgemeinen Druckes, der ans den ökonomischen Verhältnissen unserer Glaubensgenossen laste, es doch gelungen sei, die Mitgliederzahl zu vermehren, die jetzt 2124 betrage. Auch die Einnahmen des Vereins sind auf rund 8500 Mark gestiegen, vor Allem aber war derselbe in der Lage, über die aus zweijähriger Thätigkeit angesammelten Gelder eine den Zielen des Vereins entsprechende Verfügung zu treffen. Für die kleine Kolonie Mauza sind 600 Mark, ferner für eine Kolonie, die den Namen „Esra" führen wird und in der Nähe von Rechavoth liegt, .10,000 Frcs. und für eine größere Ansiedelung auf dem Terrain von Kastinieh 7500 Fres. bewilligt Die beiden zuletzt erwähnten Ansiedlungen sind neue gegründete jüdische Dörfer in Palästina, die nur durch das Zusammenarbeiten aller Vereine mit gleicher Tendenz angelegt werden konnten. Der Bericht wurde ohne Debatte genehmigt und ebenso auf Antrag des Revisors dem Kassirer Decharge ertheilt. Bei den statutenmäßigen Wahlen wurden in das Central-Komitee die Herren S. Brilles, I. Gutmann, Dr. M Oppenheimer, I. Friedemann wieder- und die Herren W. Bambus und Dr. Richard Löwe neugewählt. Zur Entlastung des Central-Komitees wurde endlich noch eine Agitationskommission organisirt, deren Aufgabe eine außerordentlich intensive Thätigkeit zur Ausbreitung des Vereins sein soll. Deshalb ist auch die Hoffnung berechtigt, daß das Wachsthum des „Esra" in erhöhtem Maße in Zukunft anhalten werde. <!. Königsberg, 2. April. Herr Prof. Dr. Hermann Minkowski, jüngerer Bruder des Professors für innere Medizin an der Universität Straßburg, Dr. Oskar Minkowsky, ist, nachdem er vor kaum Jahresfrist als außerordentlicher Professor aus Bonn hierher berufen wurde, zum ordentlichen Professor der Mathematik an unserer Universität ernannt worden. Herr Prof. Minkowski, welcher erst 29 Jahre alt ist, gehört einer hiesigen, höchst achtbaren Kaufmannsfamilie an, welche treu zum Judenthum hält. — Ein dritter Bruder — Kaufmann und Fabrikbesitzer am Orte — ist der Vorsitzende des hiesigen, in stetem Aufblühen begriffenen „Vereins für jüdische Geschichte nnd Litteratur". Xr. Thorn, 30. März. Am nächsten Sabbath, dem Sabbath haggodol, würde der weit über den hiesigen Ort bekannte Privatgelehrte Hirsch Kalischer sel. Andenkens seinen hundertjährigen Geburtstag gefeiert haben. Neben seiner stupenden talmudischen Gelehrsamkeit und überaus fruchtbaren hebräischen schriftstellerischen Thätigkeit in Bibel und Talmud war er besonders bahnbrechend für die spätere Kolonisation Palästinas und dies letztere allein dürfte Grund genug sein, dieses Tages zu gedenken. Breslau, 31. März. Am 4. d. M. starb nach langem, schwerem Leiden im 72. Lebensjahre der frühere Rittergutsbesitzer und Stadtverordnete David Kempner, der als Begründer des Bezirksvereins der Schweidnitzer Vorstadt lange Jahre den Vorsitz dieses Vereins führte und nach Niederlegung dieses Amtes zum Ehrenvorsitzenden gewählt wurde. Dem Stadtverordneten-Kollegium gehörte der Verstorbene 18 Jahre an. Auch um humanitäre Vereine innerhalb der jüdischen Gemeinde machte sich Herr Kempner verdient als Mitglied des Unterstützungsvereins Dorsche-Tow und der Gesellschaft der Brüder, der der Verstorbene seit dem 9. Januar 1870 augehörte. Der auch auf litterarischem Gebiete thätige Mann war ein eifriger Anhänger der freisinnigen Partei und stets bereit, für die Grundsätze derselben einzutreten. - Die zum Besten des israelitischen Hilfsvereins zur freier seines 25 jährigen Bestehens am Dienstag, den 12. d. M. veranstaltete Wohlthätigkeitsvorstellung nahm einen allseitig zufriedenstellenden Verlauf. In Anbetracht des Zweckes der Aufführung sei vor Allem des voll besetzten Hauses und des voraussichtlich recht günstigen pekuniären Erfolges Erwähnung gethan. Das reichhaltige und gediegene, mit Geschick geordnete Programm enthielt eine Auslese meist bekannter, stets gern gehörter Kompositionen, deren vortreffliche Wiedergabe durch lebhaften Beifall nach Gebühr anerkannt wurde. Unter den keineswegs ausschließlich jüdischen Künstlern und mit wirkenden Kräften seien nächst dem vorzüglich geschulten Damenchor, Kapellmeister E. Lev y genannt, der den Chor frei aus dem Gedächtniß ohne Notenvorlage dirigirte nnd einige seiner Kompositionen zum Vortrag bringen ließ, Fräulein Plüddemann

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