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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-04-05 · Heft 14 (5.4.1895) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
Seite 165 (sequence 11)
Language
German
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165 wahren Hymnus für die Propheten aus. Wir können uns nicht versagen, dieselbe hierherzusetzen: „Soweit der Einfluß des Christenthums reicht, so weit reichen auch heute noch die Wirkungen der israelitischen Prophetie, und wenn schon der älteste der schriftstellernden Propheten, Ainos, die Prophetie als die herrlichste Gnadengabe bezeichnet, welche Gott Israel, und nur Israel gegeben habe, so hat eine Geschichte von zwei und ein halb Jahrtausenden dies Wort nur bestätigt. Die Geschichte der gesammten Menschheit hat nichts hervorgebracht, was sich auch nur entfernt mit dem israelitischen Prophetisnnis vergleichen ließe: durch seinen Prophetismus ist Israel der Prophet der Menschheit geworden. Möchte das doch niemals übersehen werden: das Köstlichste und Edelste, was die Menschheit besitzt, sie verdankt es Israel und dem israelitischen Prophetismus." * Angesichts solcher Aeußerungen über die Prophetie und über das Judenthum, kann man manche Behauptungen über die jüdische Religion, welche wir für unbegründet halten, mit in den Kauf nehmen, und wir wollen deshalb aus eine Polemik mit Bezug auf diese Punkte verzichten. Jude» und Judenthum werde» in unser» Tagen nicht verwöhnt, da muß sich auch die jüdische Theologie bescheiden. Die Apologie hat das Judenthum wegen der mit ihr leider verbundenen Polemik längst aufgegeben. Hat sich ja in nicht allzu fern liegender Zeit ein wahrer Sturm der Entrüstung erhoben, als ein jüdischer Prediger gelegentlich einer Provokation den Biuth hatte, seiner Religion die Palme zu reichen — in der Synagoge. Auch über manche litterarhistorische Frage ließe sich streiten: diese Probleme sind ja bei der Natur des in Betracht kommenden Schriftthums nicht endgiltig zu lösen. Dieselben werden sicherlich nie zur Ruhe kommen, da doch nicht einmal die Forscher derselben Richtung zu einträchtigen Resultaten gelangen können. Immerhin muß man die Arbeit nichtjüdischer Gelehrten ans diesem Gebiete, sowie auf allen das Judenthum betreffenden Wifsensfeldern dankbar und freudig begrüßen: sie hat schon viele reife und schmackhafte Früchte gebracht. Unter diesen nehmen Prof. Cornill's Einleitung, sowie sein Buch über Ezechiel, um von andern zu schweigen, einen hervorragenden Platz ein. Das Judenthum erblickt in allen Forschern, welche ihren Fleiß und ihren Geist ohne Voreingenommenheit der Aufhellung seiner Litteratur und Geschichte widmen, wohlwollende Freunde, deren Mitarbeiterschaft mit Dank ausgenommen werden muß. Aus M. Veits Nachlaß. Mittheilungen von Prof. Dr. Ludwig Geiger. ie nachfolgenden Mittheilungen bilden eine Einheit dadurch, daß sie ihren Mittelpunkt in Moritz Beit (1808—1864) haben. Es ist bekannt, wie dieser hochgebildete Man», der sein arbeitsreiches Leben in Berlin znbrachte, mehrere Jahrzehnte theils als Vorsteher der Berliner Gemeinde für diese thätig war, theils als Abgeordneter und Schriftsteller in Schrift und Wort für die Emanzipation seiner Glaubensgenossen eintrat. Von diese» seinen vielfachen, oft erfolgreichen Bemühungen soll im Nachstehenden die Rede sein. Dazu sollen seine mannigfachen persönlichen Beziehungen zu solchen Männern gestreift werden, die sich gerade innerhalb des Judenthums ein besonderes Verdienst erwarben. Auf eine Gesanimtdarstellung dagegen der Stellung Veits zum Jndenthnm und speziell der jüdischen Gemeinde Berlins leiste ich Verzicht, da das mir zur Verfügung stehende Material nicht so vollständig ist, um eine derartige Arbeit zu gestatte». Eine solche müßte auch, wenn sie den Gegenstand würdig darstellen oder erschöpfen wollte, eine» größeren Umfang einnehmen, als eine Zeitung gewähren kann. Es sind daher nur einzelne Beiträge, die jedoch, wie ich hoffe, theils wegen der im Mittelpunkt stehendeir Persönlichkeit, theils wegen der in Frage kommenden Männer und Gegenstände, allgemeines Interesse zu erregen im Stande sind. i. Briefe Gabriel Rießers. Als Rießer starb (22. April 1863), erhielt er von Bk. Veit eine» schönen Nachruf (Preuß. Jahrb. Bd. 11, auch besonders abgedruckt 19 S.) Zu einem solche» Nachrufe war Veit der geeignetste Mann, da er dreißig Jahre mit Rießer in persönlichem Verkehr gestanden, derselben politischen Partei angehört und in jüdischen Angelegenheiten die gleichen Ansichten verfochten und dieselben Angriffe abgeivehrt halte. Auf die preußisch-deutsche und auf die jüdische : Wirksamkeit ging Veit daher in seinem Nachrufe in erster Linie ein. j Aber auch die Thätigkeit Rießers für seine Vaterstadt, seine Neigung i zum Wohlthun, sein Freundschaftsbedürfniß, sein Verlangen nach l vielfachem, anregendem Verkehr, seine Menschen- und Rechtsliebe,! die volle Macht seiner Persönlichkeit kam in dem mit wohlthuender Wärme geschriebenen Nachruf zur Darstellung. Daß ein Verkehr : zwischen dem Dahingeschiedeneu und dem Nekrologisten bestanden,! ging ans des Letzteren Worten nur indirekt hervor; Zeugnisse eines solchen Verkehrs bestimmt zu bezeichnen oder gar mitzutheilen, scheute er sich. Die zahlreichen noch vorhandenen Briefe Rießers — ob , wirklich alle erhalten sind, bleibe dahingestellt — sind nicht Zeugnisse j einer ununterbrochene» Korrespondenz. Die Führung einer solchen : war theils durch die übergroße Beschäftigung beider Männer, theils durch Schreibunlust, wohl auch dadurch gehindert, das; sich, bei Rießers : Beweglichkeit, Beide ziemlich häufig sahen. Doch gaben die politischen, persönlichen und jüdischen Angelegenheiten oft genug Veranlassung , zu brieflicher Erörterung. In diesem Zusammenhänge bleiben die j beiden ersteren unerwähnt, soweit nicht etwa die politischen Betrachj tungen sich mit jüdischen eng berühren. Es genüge, darauf hinzuweisen, daß die politischen Briefe nicht von dem Interesse sind, das man bei der Stellung beider Männer in der konstitutionellen (altliberalen) Partei erwarten sollte. So Handel» z. B. mehrere ausführliche Schreiben Rießers (Juli bis Dezember 1859) von seinem! Aufsatze über die Verhandlungen vom 23. März und die darin dargelegten Ansichten des Justizministers und von den Differenzen, s die der Verfasser über Aufnahme bezw. Veränderungen des Aussatzes l mit dem Herausgeber der „Preußischen Jahrbücher" hatte, für die i er geschrieben war. Derartige Briefe verdienen natürlich ebensowenig! eine Veröffentlichung, wie rein persönliche Schreiben. Der Inhalt 1 der letzteren ist außer bloßen Familienangelegenheiten, Antworten; ans Erkundigungen und Aehnliches, enttveder die Bitte für Hilfs-! bedürftige oder die Empfehlung Durchreisender und Studirender.! Unter den Empfohlenen sind Einzelne, die sich später eine sehr de-! deutende Stellung ertvarben, z. B. Henri Weil, jetzt Professor am j College de France in Paris. Von den übrigen Briefen folgt hier! eine Auslese mit den nöthigen Erklärungen.! Doch bevor dies geschieht, sei auf einen Brief Rießers hingewiesen, der ' gleichzeitig mit dem ersten a» Bioritz Veit geschriebenen, der sich erhalten j hat, an dessen Vater gerichtet ist. Philipp Beit (1759—1838) war ein (sehr gebildeter Kaufmann, der, lange bevor durch die Genossen des j Sohnes litterarischer Eifer in sein geselligesHaus zog,initAnfmerksa»ikeit I und Verständniß die geistige Entwicklung der Zeit verfolgte. Mochte

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