Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 bestehenden Stillmann-Stiftuug ist Allerhöchst die Genehmigung ertheilt worden. Das Stistungsvermögen beträgt jetzt 30,000 M. Sie wurde im Jahre 1871, anläßlich der glorreichen Beendigung des Feldzuges, mit einem Kapital von 12,000 M. begründet und im Jahr 1878, nach Genesung Kaiser Wilhelms I., um 8000 M. erhöht. Bisher wurden von den Zinsen vertheilt zwei Raten h 150 M. am Geburtstag Kaiser Wilhelms I, zwei Raten ü 150 M. am Geburtstag Kaiser Friedrichs 111, zwei Raten ä 150 M. am Geburtstag der Kaiserin Augusta und eine Rate von 150 M. am Geburtstag der Kaiserin Friedrich; außerdem in kleineren Raten 100 M. am Geburtstag Kaiser Wilhelms 1. Die Vertheilung erfolgt nur an Personen, die in Rawitsch ansässig sind und Krieger von 1870 71 sind, oder an deren Wittwen. Neben dieser Stiftung hat der Verstorbene noch zahlreiche Legate zu wohlthätigen Zwecken hinterlassen. o. Aus Westprerrßen, im März. In Danzig ist Herr Rabbiner Dr. Werner vor seiner Uebersiedelung nach München außer vom Bildungsverein auch vom Kaufmännischen Verein von 1870, der Chewra Kadischa und der israelitischen Sterbekasse zum Ehrenmitglied eruannt worden — Als erfreuliches Zeichen der Zeit ist es zu betrachten, daß Herr Gerichtsassessor S. Bo hm, welcher eine lange Reihe von Jahren auf die Anstellung als Richter gewartet, zum Landrichter in Könitz ernannt wurde. — In Kulm wird Herr Saling Lazarus, Vorsteher der Gemeinde, eine Leichenhalle auf eigene Kosten bauen lassen. Kp. Ans der Provinz Posen, im März. 8(111 13 v M hielt der jüdische Frauenverein in Samt er eine Versammlung ab, die die neue Vorsitzende, Frau Heinrich Gorzelanczyk, eröffnet hatte. Herr Rabbiner Tr. Wreschner hob hervor, daß die wichtigste Aufgabe des Vereins neben der Unterstützung der Armen besonders die Krankenpflege und die Todtenbestattung sei Zur Leitung und Beaufsichtigung der hierdurch bedingten nöthigen Verrichtungen wurden besondere Ehrendamen, und zwar Frau Pauline Lißner, Frau Lehrer Borchardt, Frau Berg und Frau Wolf Gorzelanczyk gewählt. — Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Wongrowitz veranstaltete jüngst eine Wohlthätigkeitsvorstellung, die einen Reingewinn von 160 Mark erzielte. — Am 22. v. M. wurden in Posen sämmtliche Mitglieder des Vorstandes, deren Wahlperiode abgelaufen war, auf weitere sechs Jahre wiedergewählt. Vorsitzender des Vorstandes ist Herr Samuel Schönlank, stellvertretender Vorsitzender Herr Rechtsanwalt Salz. Zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung wurde Herr Dr. med. Ludwig Friedländer gewählt. — Wie anderwärts, so legen auch in Wollstein die antisemitischen Heißsporne bei jeder Gelegenheit ein provokatorisches Benehmen an den Tag, um ihre politischen Gegner zu ärgern. Recht übel ist dies einem dortigen Einwohner, welcher Vorstandsmitglied des antisemitischen Vereins ist, bekommen. Bei Gelegenheit der kürzlich stattgefundenen Generalversammlung des dortigen Kriegervereins, dessen Mitglied auch jener Antisemit ist, soll dieser den Protektor des Vereins Justizrath Högg, öffentlich beleidigt haben. In Folge dessen hat Herr Iustizrath Högg die Niederlegung Des Protektorats und seinen Austritt angedroht, wenn ihm nicht durch sofortige Ausschließung des Betreffenden aus dem Vereine Genugthuung verschafft wird. Auch sämmtliche anderen dem Vereine ungehörigen Offiziere haben ihren Austritt aus demselben erklärt. Ter Vorstand des Kriegeroereins hat nunmehr einstimmig beschlossen, den Antisemiten aus dem Verein auszustoßen, worauf die ausgeschiedenen Offiziere wieder beigetreten sind. — Der israelitische Leichen-Bestattungsverein in Wre scheu hielt jüngst eine ordentliche Generalversammlung ab. Dieser Tag war auch durch Abhaltung eines Gottesdienstes gefeiert worden, nach welchem die aktiven Mitglieder des wichtigen Vereins bis zum Abend fasteten und auf dem Friedhofe Gebete verrichteten. Bei der Generalversammlung zeigte es sich, daß die Vereinskasse e ne Jahreseinnahme von 132.50 Mark, eine Spendenliste von 133 45 Mark aujzuweisen hatte. Die Ausgaben betrugen nur 15.50 Mark. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Ziegel, Miloslawer und Pollak durch Zuruf wiedergewählt. Im verflossenen Jahre wurden durch die Beerdigungskommission 20 Verstorbene beerdigt. — Kürzlich starb in Fordon eine jüdische Frau im Alter von 112 Jahren. Sie war bis kurz vor ihrem Ableben ganz rüstig und erzählte gern von den vielen Franzosen, die sie dort und in Danzig zur Zeit der Freiheitskriege gesehen hat. Sie wurde von Verwandten, die nach Amerika gezogen waren, unterhalten. 0a. Aus Schlesien, 14. März. An Stelle des bisherigen Ren danten vom israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsverein zu Myslowitz, Kaufmann Jofef Hausdorff, welcher infolge seines hohen Alters dieses Ehrenamt, das derselbe seit dem Bestehen des Vereins zu voller Zufriedenheit verwaltete, uiedergelegt hat, ist Kaufmann Bruno Silberberg gewählt worden. Der genannte Verein feierte am 3. März sein Stiftungsfest durch ein Festessen im Grunewald'scheu Saale. — Im dortigen freiwilligen Feuerwehrverein wurde vor Beginn des jüngsten Faschingsvergnügens vom Vereinsvorsitzenden Bürgermeister Odersky dem Uhrmacher Karl Gaßmann, welcher durch 25 Jahre dem Verein als aktives Mitglied und seit einer Reihe von Jahren als Ab theilungssührer angehört, nach erfolgter Ansprache, in welcher der Vorsitzende insbesondere der regen Thätigkeit des Jubilars gedachte, eine silberne Medaille mit eingravirter Widmung überreicht. — Die Einbrecher, welche jüngst in die Synagoge des unserer Grenze anliegenden österreichischen Oswiencim einbrachen und die dort befindliche, für wohll thätige Zwecke bestimmte Kasse des Inhalts beraubten, sind dieser Tage dingfest gemacht worden. — Zu Ehren des Rentier Koglowitz, welcher am 1. März Neisse verlassen hat, fand kurz vorher ein von dem Vorstande und dem Repräsentanten-Kollegium der Synagogengemeinde veranstaltetes Abschiedsessen statt, an welchem sich einige 50 Herren betheiligten. Dem Scheidenden wurde vom Vorstande und dem Repräsentanten-Kollegium eine Dankadresse überreicht, in welcher die Verdienste des Gefeierten um die Synagogengemeinde gebührend hervorgehoben wurden. Das Fest nahm den besten Verlauf. — Kaufmann Bernhard Prager in Kreuz bürg beging am 14. v. Mts. im Alter von 78 Jahren sein 50jähriges Bürgerjubiläum, nachdem er schon früher die goldene Hochzeit und das fünfzigjährige Bestehen seines Geschäftes hatte feiern können. Eine Deputation, bestehend aus den Herren Bürgermeister Steinke, Rathsherrn Uber und dem Vorstande der Stadtverordneten - Versammlung, Major a. D. Wallmann, Gymnasialdirektor Dr. Jaenicke und Kaufmann C. Heintze, überbrachte dem Jubilar den Jubiläums- Bürgerbrief und Glückwünsche. — Auf dem israelitischen Friedhofe zu Ratibor wurde am 14. v. Mts. der Denkstein am Grabe der vor Jahresfrist verstorbenen Frau Rabbiner Dr. Blumenthal enthüllt. Die Vertretungskörperschasten der Gemeinde, sowie die Vorstände der Frauenvereine waren zu dem Akte erschienen. Dr. Blumenthal hielt seiner Gattin die Denkrede. Mit Gesang und Gebet schloß die Feier. - Sanitätsrath Dr. Färber in Kattowitz, welcher daselbst auch als Kreisphysikus fungirt, wurde zum Geheimen Sanitätsrath ernannt. — Zum 80. Geburtstage des Rentiers Siegfried Cassirer, eines alten Oberglogauers, jetzt in Berlin wohnhaft, früher Brauereipächter des Reichsgrafen von Oppersdorff auf Schloß Oberglogau, sandten die Angehörigen des Geburtstagskindes am 21. v. M. 900 Mk. zur Vertheilung an ältere verschämte Arme ohne Unterschied der Konfession, an den Magistrat zu Oberglogau. Da die Stadt früher bereits Zuwendungen von mehreren tausend Mark zu Wohlthätigkeitszwecken von dem Jubilar erhalten hat, sandle dos Magiftratskollegium ein Dank- und Glückwunschschreiben und das Stadtverordneten-Koüegium ein Glückwunschtelegramm an Herrn S. Cassirer nach Berlin mit dem Wunsche, daß der edle Wohlthäter sich noch eines langen Lebens erfreuen möge. x. Zabrze, 19. März. In glänzender Feier beging am letzten Mittwoch die hiesige Synagogengemeinde ein dreifaches Jubiläum: das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der Chewra Kadischa, des israelitischen Frauenvereins und des Gemeindevorstehers Herrn Heinrich Pollak. Im Mittelpunkte der Feier stand ein synagogaler Akt, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor auf Einladung der Gemeinde die Festpredigt hielt. Am Vormittag hatte bereits eine ernste Feier auf dem Friedhofe stattgefunden. Abends vereinigten sich die Festtheilnehmer, unter denen auch Abordnungen der Nachbargemeinden erschienen waren, zu einem Mahle von 200 Gedecken in Schillers Hotel. Rechtsanwalt Möller-Zabrze brachte den Kaisertoast aus, Rabbiner Dr. Blumenthal toastete auf die Zabrzer Synagogengemeinde und Amtsgerichtsrath Lewy aus Benthen gedachte der Wohlthätigkeitsvereinigungen. Rabbiner Dr. Ros ent hal aus Breslau, der eigens zu der Feier Nachmittags noch erschienen war, übergab an der Tafel namens der Gemeindekörperschaften in längerer Ansprache, wie der Oberschlesische Anzeiger berichtet, Herrn Pollak eine kostbar ausgestattete Adresse nebst den photographischen Bildnissen der alten und der neuen Synagoge, sowie der Gemeindekollegien. Um den glänzenden