Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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verbeugten ist R., ich >9. Jahrgang. Nr. 12. Der Gemerndebote. Geriin, 22. Mär; t89n. HZeikage zur „Allgemeinen Weitung des IuöentKurns". ts störend it? Seid Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. )lz darauf, n Indenlldschmidt. kasoch im t glauben, Klaubens- : Dialektik »erstorbene en Fehler nüth, wie ungeeignet des deux Gast bei ent Tische t großem idischkeit" >n hierbei ) r t und stung vor en lassen, rase und mit ihm Zeweguug gen noch gentliches ldenseelen er später tsache ist, er Höhe" n Schildauch mit findenden Fühlung semitische i Schriftarm mit mte, der n seinem , erhielt othjchild, r Leipzig at dieser Krankheit rfahrung l ehesten ge seiner ael" und Sacherenn das te, längst berg. 8 Berlin, 15. März. In der von dem Central-V er ei n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am 11. d. Mts j »eranstalteten Versarnmlung hatten sich in dem Saale der Tonhalle etwa •>00 Personen eingefunden, welche dem interessanten Vortrage von Karl Emil Franzos über „Die Inden in Rußland, nach christlichen Zeugnissen" gespannte Aufmerksamkeit widmeten. Der Redner erklärte, lediglich einen Beitrag zur Ethnographie und Kulturgeschichte geben zu -vollen, und sprach dann über die von ihm auf 0 Millionen veranschlagte Zahl der Juden in Rußland, über die geographische Verbreitung, die rechtliche und nationale Stellung derselben im russischen Reiche. Dort lebe es eine „Judenfrage", die gelöst werden müsse, aber nicht durch Ans Wanderung gelöst werden könne, sondern nur dadurch, daß die Juden manzipirt und russische Staatsbürger jüdischen Glaubens würden. Die russischen Juden müßten zu diesem Zwecke die frühen Heirathen, die Karre Abkehr von weltlichem Wissen, die nationalen Träume abthun, :>te von den deutschen Juden vollzogenen Wandlungen an sich selbst vollstehen. Daß die Gleichstellung der Juden dem russischen Reiche nur wrtheilhaft sein werde, daß Staatsraison und Menschlichkeit gleichmäßig ür dieselbe sprechen, dafür führte der Vortragende aus einer erst von oer russischen Censurbehörde genehmigten, dann aber von der Polizeibehörde beschlagnahmten bedeutsamen Schrift zahlreiche Zeugnisse russischer Staatsmänner, Nationalökonomen und Dichter (u. A. Korolenko) an. Die Behauptung, daß religiöse Gründe in Rußland gegen die -Emanzipation sprächen, widerlegte er unter Hinweis auf viele bemerkens- '.verthe Aeußerungen berühmter russischer Erzbischöfe. Die Tüchtigkeit m russischen Juden im Heeresdienst bewies er durch Zeugnisse russischer Generale und des Militärblattes „Invalid". Nach Anführung bedeutsamer Kundgebungen Michael Katkoffs und Turgenieffs schloß der Vortragende mit dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß das, was gerecht und vernünftig sei, nach harten Kämpfen schließlich doch geschehen werde. Die Anwesenden belohnten den Redner durch reichen Beifall und ehrten ihn dann noch, einer Aufforderung des Vorsitzenden, Herrn Rechtsj mwalts Dr. M. Horwitz, folgend, durch Erheben von den Sitzen. Nach i urzer Pause theilte Herr Dr Horwitz Verschiedenes über das Wachs-! chum und die Organisation des Central-Vereins, sowie über die neuerj üche Thätigkeit der Rechtsschutzkommission mit. Er berichtete dabei, daß! "»er Verbreiter eines antisemitischen Flugblatts in Köln, der in erster i Instanz nur wegen Preßvergehens verurtheilt worden, in zweiter Instanz > auch wegen groben Unfugs verurtheilt worden sei. Der Redner besprach! odann das Verfahren des sächsischen Justizministeriums bei dem Straf- > mtrag contra Huhle in Dresden, verwies auf die Besprechung dieses! Falls durch Justizrath Munckel in der „Nation" und stellte in Aussicht, mß Letzterer diese Sache auch im Reichstag zur Sprache bringen werde. Trotz vielfacher Anregungen, gegen den Antrag des Grafen von Noon Front zu machen, habe der Vorstand des Centralvereins beschlossen, diesen Antrag von Unbetheiligten begraben zu lassen. Kleineren jüdi-; schen Gemeinden empfahl Redner, das gemeinsame Vorgehen der Juden ]\x Hof in Baiern gegen einen Verleumder zum Vorbild zu nehmen.! Ebenso wurde das Vorgehen der jüdischen Gemeinde in Braunschweig,! welche die dortige Handelskammer ersuchte, gegen die antisemitischen - Flugblätter und Geschästswegweiser Stellung zu nehmen, als vorbildlich j bezeichnet. In der Diskussion geißelte Journalist Wo hl berg unter j lebhaftem Beifall die Unsitte einzelner jüdischen Firmen, antisemitische! Blätter durch Inserate zu unterstützen, und ermahnte schließlich zum j Anschluß an die Sache der Selbstvertheidigung. Der Vorsitzende schloß i sich bezüglich der Inserate der jüdischen Firmen den Ausführungen des j Vorredners vollständig an und theilte noch mit, daß auf ein Schreiben > an den Reichstagsabgeordneten Dr. Lieber, in welchem er auf die Miti arbeiterschaft von Leuß an der von Dr. Lieber irrthümlich der jüdischen Feder zugeschriebenen Monatsschrift „Zukunft" hingewiesen, eine verbindliche Antwort erfolgt sei, in welcher der Führer des Centrums der „hervorragend friedefördernden" Thätigkeit des Centralvereius Erfolg wünscht. Herr Dr. H. Hildesheimer hob die Wichtigkeit des Lieberschen Wortes hervor: „Wir sind für kein Ausnahmegesetz zu haben!" ermahnte dann zur Dankbarkeit gegen Männer vom Schlage des Al> geordneten Rickert und berührte zuletzt die Frage der jüdischen Inserenten in antisemitischen Blättern, die durch Veröffentlichung einer Liste an den Pranger gestellt werden sollten. Herr Dr. Koehne widerrieth den vielfach von Juden aus Neugierde bewerkstelligten Kauf antisemitischer Schriften. Dann erfolgte der Schluß der Versammlung. z. Berlin, 20. März. Am 19. d. M. sprach Herr Karl Emil Franzos im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur über eine Vorstellung des „Kaufmann von Venedig". Die zahlreich erschienenen Zuhörer spendeten dem Vortragenden für seine hochinteressanten, fesselnden Ausführungen wohlverdienten Beifall. * Berlin, 17. März. Wie sich die antisemitischen Gesellen vergnügen, wie sie mit der Wahrheit umgehen und mit dem Gesetz Spott treiben, dafür lieferte ein gestern vor der 141. Abtheilung des Amtsgerichts I. verhandelter Prozeß typische Beispiele. Der Schneider Soult besitzt Schützenstraße 18 19 eine Werkstatt, in der mehrere „Platzgesellen", d. h. Leute, die selbstständig arbeiten, thätig sind. Diese Anhänger Ahlwardt's pflegen zu ihrer Ausbildung durch irgend einen jungen Menschen einen jüdischen Handelsmann in die Werkstatt holen zu lassen, der dann auch in der Hoffnung auf ein Geschäft nicht lange auf sich warten läßt. Zunächst beginnt dann nach allen Regeln der Kunst das Feilschen um alte Kleider. Seitens der Schneider wird der Handelsmann endlich dazu gedrängt, drei Mark anzuzahlen. Nun schlägt die Stimmung um, die Gesellen werden sich ihrer antisemitischen Gesinnung bewußt, und nachdem der Handelsmann mit einer Fluth von Kosenamen nach dem Herzen der Führer im Kampfe überschüttet worden, wird er gewaltsam vor die Thür gesetzt. Damit ist die Sache aber keineswegs erledigt, sondern nun erfolgt erst die Hauptsache, denn der tüchtige Herr Soult erstattet dann noch gegen den Hinausgeworfenen Anzeige, weil dieser, ohne hierzu ausgefordert zu sein, seine Werkstätte betreten habe, um nach alten Kleidern zu fragen. Ein solches Opfer des tapferen Soult und seiner Heerschaar hatte sich in der Person des Handelsmanns Moses Bäcker gestern gegen die Anklage der Gewerbe-Uebertretung zu verantworten. Er versicherte, daß er nicht ungerufen gekommen sei. Er habe vielmehr die direkte Weisung erhalten und befolgt, wozu er auch berechtigt sei. Die drei Mark, die er augezahlt, habe er noch nicht zurückerstattet erhalten. Tie letztere Behauptung wurde von Soult bestätigt und mit — Naivität dadurch erklärt, daß die „Polizei das Geld nicht habe annehmen wollen". Erst im Gerichtssaal wurde dem Moses Bäcker sein Geld ausgehändigt. Der Fall Moses Bäcker ist bereits der dritte derartige Prozeß, in dem Herr Soult als „Zeuge" zu erscheinen hatte. Moses Bäcker wurde unter den obwaltenden Umständen natürlich freigesprochen. Hoffentlich hat die Sache noch ihr Nachspiel. X Bromberg, 15. März. Ter israelitische Armen-Unterstützung s-Verein zu Bromberg hielt am Dienstag Abend im Hotel Adler seine diesjährige Generalversammlung ab. Die zahlreich besuchte Versammlung wurde vom Vorsitzenden mit einer Ansprache eröffnet, in welcher er zunächst der im vergangenen Jahre verstorbenen Mitglieder gedachte. Sodann wies der Vorsitzende aus die Thätigkeit des Vereins hin; dieser zählte am 1. Januar v. I. 169 Mitglieder und hat sich im Laufe des Jahres bis auf 172 vermehrt. Die Einnahme betrug -1830.81 M.; verausgabt wurden 4538.59 M., so daß ein Ueberschuß von 292.30 M. verblieb. Das Gesammtvermögen des Vereins beträgt 5277.98 M. Bei der Ergünzungswahl des Vorstandes wurden die alten Vorstandsmitglieder wiedergewühlt; ausgeschieden ist Herr Hirschberg, und neugewählt ist Herr Max Aronsohn — Zu der in Rawitsch