Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1895)
- Date
- 1895-03-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Männer und ihrer Gewandtheit, grundverschiedene Dinge in Verbindung und Beziehung zu bringen, ist an einen raschen Verlauf eines solchen talmudischen Vortrags nicht zu denken. Jedem Redner waren nur 20 Minuten zugebilligt in der weisen Voraussicht, daß er sich alsdann mit 40 Minuten begnügen werde; hätte man ihn aber gewähren lassen, so wäre er sicher in einem halben Tage nicht fertig geworden. Allein um V*21 Uhr sollte schon das Mincha-Gebet und um 1 Uhr das Festmahl stattfinden, da mußte gekürzt werden, und manch schönes „Pschatel“ mußte ungesagt bleiben Das Festmahl dauerte bis tief in die Nacht hinein. Es wurde gut gegessen und getrunken, viel gesungen und gesagt. Die hochlebliche deutsche Tischrede ist gegen das vielartige und vielseitige talmudische „Tischwörtchen" nur die reine Taubstummenberedtsamkeit. Auch ein russisch-jüdischer Musiklehrer aus Tauroggen war zum Feste bestellt, war aber nicht erschienen. Ob er im Schnee stecken geblieben? wer kann's wissen. Der Schnee liegt in hiesigen Gegenden schon wieder hoch, und es schneit noch alle Tage frisch dazu. X Lublinitz, 9. März. Am 4. d. Mts. hielt Herr Rabbiner Dr. Friedmann im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur einen interessanten Vortrag über „Die Frau nach der Bibel". Das zahlreich versammelte Publikum folgte dem einstündigen Vorrrag mit großer Aufmerksamkeit. Von dem Inhalt desselben, welcher die Frau im Hause, die Gattin und Mutter, und die Frau im öffentlichen Leben, auf dem Throne und als Königin auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit behandelte, können wir leider keinen Auszug geben. r. Natibor, 1. März. Da Professor Dr. Ludwig Geiger seinen angekündigten Vortrag „Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert" wegen plötzlicher Erkrankung bis Mitte März verschieben mußte, so übernahm Herr Tr. Arnstein für denselben Abend einen Vortrag im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur". Das Thema lautete: „Jüdische Aerzte im Mittelalter". In einstüudigem Vortrag zeichnete der Vortragende ein kulturhistorisches Bild von der Stellung und Wirksamkeit der jüdischen Aerzte im Mittelalter. Die Zuhörerschaft spendete dem Vortragenden reichen Beifall. r. Neisse, 8 März. Am 4. d. M. hielt hier im jüdisch-litterarischen Verein Herr Rabbiner Dr. Rippner aus Glogau einen Vortrag über Salomon Maimon, den jüdischen Philosophen des 18. Jahrhunderts. Nach dem Vortrage des Redners, der von unserem Vorsitzenden, Landgerichtsrath Dr. Borchert, auf's Freundlichste begrüßt worden war, gaben den Beifall aller Anwesenden sowie die Dankesworte des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Prediger Ellguther, zu erkennen, wie wirkungsvoll der Vortrag war und welchen tiefen Eindruck er auf Alle gemacht hatte. — Aus unserer Gemeinde selbst ist zu melden, daß der Vorsitzende derselben, Herr Rentier M. Koplowitz, zum großen Bedauern aller Bewohner unserer Stadt, ohne Unterschied des Bekenntnisses, seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hat. Für seine hervorragenden Verdienste um das Wohl der Gemeinde, für die vielen Werke, die unter seiner Aegide geschaffen und vervollkommnet wurden, hat ihm dieselbe große Ehrungen bereitet, indem die Gemeindevertretung in einer künstlerisch ausgestatteten Adresse ihren Dank zu erkennen gab, den der Vorstand und die Repräsentanten in corpore bei der feierlichen Ueberreichung dieser Adresse abstatteten, während die ganze Gemeinde es sich nichl nehmen ließ, dem geliebten Scheidenden bei einem Abschiedsessen, das ihm zu Ehren am 24. Februar stattfand, ihre Sympathie kund zu geben. Dieser Aufgabe entledigte sich der Rabbiner unserer Gemeinde, Herr Prediger Ellguther, in einer längeren Rede während des Festmahles, die in einem Hoch auf den Gefeierten ausklang Herr Koplowitz ist besonders durch seine hervorragende Menschenfreundlichkeit bekannt, die er bei jeder Gelegenheit bewies und die er auch bei seinem Abschiede in der schönsten Form bethätigt hat. Die meisten Vereine in unserer Genleinde und in unserer Stadt sind durch namhafte Geschenke des Scheidenden erfreut worden. Möge es Herrn Koplowitz und seiner Gattin in ihrem neuen Wirkungskreise Wohlergehen. a. Pyritz, IO. März. Am 4. d. M. gab die jüdische Gemeinde ihren: am 1. April nach Königsberg i. Pr. übersiedelnden Rabbiner Dr. Pick ein solennes Abschiedsfest. Der größte Theil der Gemeindemitglieder hatte sich mit ihren Damen eingesunden. Ein Freudenfest war es für die Gemeinde insofern, als sie ihren seit 22 Jahren hier in Ehren wirkenden Rabbiner in eine bessere Stellung kommen sieht, während sie selbst in Folge veränderter Verhältnisse fortan ohne Rabbiner | fortleben muß. Die Feier bestand in einem Souper und Ball, zu welch letzterem sich nach Beendigung des ersteren die junge Welt zahlreich ein-1 fand. Die Reihe der Tischreden eröffnete Dr. Hahn mit emem Hoch^ auf den Kaiser Nachdem das stehend gesungene „Heil Dir im Sieger kranz" verklungen, nahm der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, ger:| Max Schwarz, das Wort, um dem verehrten Rabbiner und seiner Familie die Glückwünsche der ganzen Gemeinde mit auf den Weg zu geben. Es | klang wie traurige Resignation, als der Herr Vorsitzende betonte, wie die Gemeinde nun sozusagen verwaist zurückbleibe Im Namen de'. Repräsentanten sprach Herr Julius Hahn bewegte Worte des Abschieds. Im Namen des jüdischen Wohlthätigkeitsvereins überreichte Herr S Lebbin | dem Ehrenmitglied Herrn Dr. Pick einen Stock mit Widmung. Aucl Herr Kantor Jacoby widmete dem Herrn Rabbiner anerkennende uni bewegte Worte. Herr Dr. Pick dankte Jedem einzeln mit herzlicher liebenswürdigen Ausführungen. Herr Dr. Pick durfte die Ueberzeugurw gewinnen, daß er sich in seiner bisherigen Gemeinde durch sein fried fertiges Wirken Freunde und Sympathien allseitig erworben hat. Möge ihm auch in seiner neuen Heimath der Stern des Glückes leuchten! a. Ans der Provinz Hannover, im März. Der hannoversche Provinz iallandtag hat in seiner Sitzung vom 2. Februar die veranschlagte Summe von 16,500 Mark für das jüdische Schul- und Synagogenwesen einstimmig bewilligt. — Der Rechtsanwalt und Notar Dr. Emil Behrend in Hannover ist zum Justizrath ernannt worden. — Die Welfenpartei veranstaltete vor Kurzem zu Nörten eine Versammlung und wandte sich um Ueberlassung des Saales an den Wirth des „Kruges". :a die In a*, b jifntcn e scmiten hn Hi ft err % hott 69 ^iusscht Dorsch, | mitgtie eopi j räumet En e l nachte s änum (ieschic rer ein K. Hannover, 8. März. Der Vorstand der hiesigen israelitische: Gemeinde hatte sich im September vor. Jahres an den Magistrat mil dem Ersuchen gewandt, den Religionsunterricht für die israeli tischen Schüler und Schülerinnen in den Lehrplan der höheren Knaben- und Mädchenschulen einfügen zu wollen. Auf dieses Ersuchen ist dieser Tage ein abschlägiger Bescheid erfolgt, in dessen Begründung ausgeführt wird, daß die Schuldirektoren, die vom Magistrat zur Begutachtung aufgefordert wurden, mit Ausnahme eines einzigen, sich dagegen erklärt hätten. Zunächst seien sie aus „schultechnischen Gründen", die aber nicht weiter angegeben werden, zu dieser Ablehnung bestimmt, dann aus dem Gesichtspunkte, weil eine von den Direktoren angestellte Anfrage ergeben habe, daß ein nicht erheblicher Prozentsatz der Schüler und Schülerinnen unter vierzehn Jahren keinen Religionsunterricht erhalte. Besonders aber sei der Umstand in Erwägung gezogen, daß der jüdische Religionsunterricht nicht zu den lehrplanmäßigen Unterrichtsgegenständen der betreffenden Schulen gehöre. Ohne in eine Kritik des Magistratsbeschlusses einzugehen, können wir es nicht unterlassen, unser Befremden darüber auszusprechen, daß für jüdische Schüler über vierzehn Jahre kein Religionsunterricht mehr erforderlich sei, während für christliche Schüler derselbe die ganze Schulzeit hindurch ertheilt wird. Wenn in der Schulordnung für jüdische Schulen von 1854 bestimmt wird, daß bis zum 14. Lebensjahr jedes Kind Religionsunterricht erhalten muß, so darf nicht außer Acht gelassen werden, daß die Schulordnung auf Volksschulen Rücksicht nimmt, die ihre Schüler selten über dieses Lebensalter hinaus behält So wenig wie für die christlichen Schüler mir der Konfirmation der Religionsunterricht in den höheren Schulen abschließt, ebenso wenig sollte für die jüdischen das 14. Lebensjahr, das in religiöser Beziehung von keiner Bedeutung ist, den Abschluß bilden. Eine Anfrage, wie viele jüdische Schüler nach diesem Alter noch Religionsunterricht genießen, würde ein ganz anderes Resultat ergeben. Es ist geradezu ein Mangel, daß bei jüdischen Kindern der Religionsunterricht so früh abgeschlossen wird, dem durch Einfügung in den Lehrplan abgeholfen werden sollte. Die Begründung, daß der jüdische Religionsunterricht nicht zu den lehrplanmäßigen Unterrichtsgegenständen gehöre, kann unmöglich den Sinn haben, derselbe gehöre überhaupt nicht in den Kreis der höheren Lehranstalten, weil mit dieser Anschauung eine Umfrage bei den Direktoren überflüssig gewesen wäre, und wir von dem als tolerant bekannten Magistrat kein leeres Spieltreiben in einer so ernsten, wichtigen Frage annehmen können Das Entgegenkommen, auf Wunsch in regelmäßigen Zwischenräumen durch die Direktoren eruiren zu lassen, welche Schüler und Schülerinnen unter 14 Jahren keinen Religionsunterricht haben, kann dem abschläglichen Bescheid nichts von seiner Schärfe benehmen.!ervor oZalizü Zchildi werdet Das s: wird L udgil wurde Metten Zezirl Mväl ^ewä! 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