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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-03-15 · Heft 11 (15.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der Lehrer an der Mädchenschule, Herr Gustav Jacobsohn, dessen dichterische Gaben schon häufig unsere Leser erfreut haben, hatte für die Feier einen Prolog und ein Festspiel verfaßt, das von den Schülerinnen der oberen Massen in vorzüglicher Weise vorgeführt wurde. Der Prolog, den die?rste Schülerin der ersten Klasse vortrug, schildert die Entstehung und oen reichen Segen, der von der Mädchenschule ausgegangen ist, in sehr anziehender Weise. Leider fehlt es uns an Raum, um beit Prolog publiziren nt können; wir bringen ihn vielleicht gelegentlich an anderer Stelle. In dem nun folgenden Festspiel führten die Schülerinnen Bilder aus oem Heldenkampf der Makkabäer vor; in die Vorstellung waren drei kunstvoll zusammengestellte Neigen geflochten, die von der Turnlehrerin >er Anstalt, Frl. Schönlank, kompouirt und eingeübt waren und die Ehöre der Schnitter, Mägde und der heimkehrenden Krieger darstellten. Jitut Schluß erinnerte der Leiter der Anstalt, Herr Rektor Dr. Adler, üe Schülerinnen an den reichen Segen, den mit ihnen mehr als 4000 mdische Mädchen innerhalb der 60 Jahre durch die Schule empfangen haben, und mahnte sie an die Pflicht der Dankbarkeit für alle diese Wohlthaten zunächst gegen den Allmächtigen, sodann gegen die Gemeindebehörden, die die Anstalt als werthvolle Institution der Gemeinde geschützt und gepflegt hätten, gegen die Ehrendamen der Schule und gegen alle die Lehrerinnen und Lehrer, die an der Schule gewirkt Hütten und noch wirkten. Unter Bezugnahme auf den Purimtag, den Tag der ungetrübten Freude, gab der Leiter der besonderen Freude des Lehrerkollegiums Ausdruck, an diesem Tage den besten Schülerinnen durch Prämien die Anerkennung des Lehrerkollegiums kundzuthun, und schloß mit dem Wunsch, daß Gott auch ferner die Anstalt in seinen Schutz nehmen möge. g. Berlin, 10. Mürz. Eine sehr zahlreich besuchte Versammlung nes neugegründeten „Vereins israelitischer Lehrer Berlins" fand am 5. d. im Hotel „Münchener Hof", Spandauer Str. 11-13, statt. Im Namen des geschäftsführenden Ausschusses legte Herr Rektor Dr. Adler den Entwurf der Statuten vor, die zum großen Theil nach angeregter Debatte durchberathen wurden. Wegen der vorgerückten Zeit vertagte schließlich diese Versammlung um Mitternacht die Schlußberathung auf die nächste Zusammenkunft. Dieselbe findet D onnersta g den 14. d. Mts. Abends 8% Uhr im Vereinslokal „Münchener Hof", Spandauer Straße 11—13 statt; in ihr soll zunächst die Statutenberathung zu Ende geführt und alsdann die Vorstandswahl vorgenommen werden. Die außerordentlich große Betheiligung sowie die vielfachen Sympathiebezeugungen in Briefen und Telegrammen, die dem jungen Verein aus Berlin und der Provinz zugingen, lassen ein recht kräftiges Blühen und Gedeihen desselben erhoffen. Alle diejenigen, die den Zielen des Vereins sympathisch gegenüberstehen, sind zur nächsten Versammlung freundlichst eingeladen. z. Berlin, 10. März. Gestern Abend fand in den Räumen des Hotel Cassel die von dem Agitations-Komitee des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" veranstaltete Purim fei er statt, an der eine stattliche Anzahl von Mitgliedern und auch viele Gäste theilnahmen. Herr Gustav Lazarus, dessen musikalischen Vorträgen die Vereinsmitglieder schon im vorigen Jahre reichen Beifall zollten, leitete mit einer Brahmsschen Rhapsodie op. 69 Nr. 2 die Feier ein, worauf Gesangsvorträge von Frl. Hedwig Joel und die Vorlesung einer jüdischen Erzählung von Ferdinand Runkel folgten. Frl. Lucie Jacobson trug auf der Violine eine Mazurka von Wieniawski und „Die Biene" von Schubert vor, und I chloß dadamit s offizielle Programm, das im Ganzen als gelungen bezeichnet zu werden verdient. Ein darauf folgendes Festmahl, das durch Deklamationen der Herren Prof. Breslaur und Jacobson und geistreiche Toaste der Herren Benas Levy, Dr. Karpeles und Dr. Kaftan gewürzt waren, hielt die fröhliche Gesellschaft bis gegen 1 Uhr Morgens zusammen. K. Berlin, 11. März. Dem Lissaer Hilfsverein zu Berlin sind durch landesherrliche Bestätigung die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. Demzufolge fand in der am 5. März d. I. abgehaltenen 27. ordentlichen General-Versammlung die Konstituirimg des Vorstandes auf Grund des neuen Statuts statt. Zum Vorsitzenden wurde gewählt Herr Herm. A. Seegall, Siegmundshof 16, zum Schatzmeister Herr I. Metz, Gr Präsidentenstr. 8, zum Schriftführer Herr Max Kann, -Poststr. 5. Nach dem Bericht des Vorsitzenden gab der Verein im verflossenen Jahre Mark 5789 für Unterstützungen aus und zwar: schenkungsweise Mark 3609 an 30 Personen, Kranke, Wittwen, Altersschwache, sowie zur Verheirathung armer Mädchen, und gewährte außerdem Mark 2180 zinsfreie Darlehen zur Aushilfe im Gewerbe und an Studirende; ferner wurden aus der Theodor Bernhardt-Stiftung sowie aus der Auguste Cohngeb. Mendel-Stiftung die Zinsen nach Maßgabe der Stiftungsvorschriften vertheilt. Der eiserne Fonds des Vereins beträgt Mark 33,000, der Stiftungsfonds Mark 1700. Die Zinsen dieser Fonds und die Beiträge der Mitglieder reichten zu den Werken der Liebe, wie sie hier beziffert sind, nicht aus, und hat der Verein es wesentlich den außerordentlichen Zuwendungen zu danken, wenn er in diesem Jahre auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit mehr leisten konnte als in den früheren Jahren. Wir invchten den aus Lissa stammenden Mitbürgern im Interesse der guten Sache auf's Wärmste empfehlen, sich dieser Vereinigung von Wohlthütern anzuschließen und sich auch bei freudigen und anderen Veranlassungen ihrer in Berlin darbenden Landsleute zu erinnern, indem sie bei festlichen Gelegenheiten dem Verein auch ferner Zuwendungen machen. Anmeldungen zum Beitritt find an den Vorsitzenden, Herrn Herm. A. Seegall, Siegmundshof 16, Berlin, zu richten, der jährliche Mindestbeitrag beträgt 10 Mark. kl. Memel, 8. März. Am 2. d. M (Sabbath-) Abend hat im Beth-Hamidrasch eine Festesfeier ihren Anfang genommen, die in Deutschland wenig oder vielleicht gar nicht mehr gekannt ist. Der sehr zahlreiche Verein „Ghewro - Gernoro“ begann die Feier des „Sijum Hagodol," nachdem der Verein wieder einmal das Studium des ganzen babylonischen Talmuds mit seinen Kommentaren beendet hatte. Es ist das die vierte Feier dieser Art, welche seit 27 Jahren begangen wurde. Der Verein wurde hier seiner Zeit von einem berühmten Talmudgelehrten, Rabbi Jisro<>l Lipkin (Salanter), gegründet und feierte im Jahre 1868 seinen ersten 8ijum. Memel ist eine gutdeutsche Stadt, demgemäß nahm denn auch die Feier, was die äußere Ordnng und Einrichtung betrifft, einen Verlauf nach deutscher Manier. Ein vielgewandtes und vielgeschäftiges Festkomitee hatte ein Progranim, aus etwa 10 Nummern bestehend, ausgearbeitet, natürlich Alles in hebräischer Sprache, das strenge innegehalten wurde. Der einleitende Vortrag war dem Rabbiner Dr. Nülf zugewiesen. In den glänzend illuminirten Räumen des Beth-Hamidrasch, einer Halle mit 10 großen Kirchenfenstern, hatten sich etwa 500 Personen eingefunden, darunter auch einige Rabbiner aus den russischen Nachbargemeinden, denen allesammt der Willkommengruß zu 'Anfang des Vortrages galt. Sonntag früh nach Beendigung des Gottesdienstes erfolgte der eigentliche 8ijam. Nachdem der Maggid, das ist derjenige, welcher den täglichen Schiur vorträgt, das letzte Pensum beendet hatte, folgte der „Hadran“ von drei Rabbinern Feinberg-Memel, Lipkiri- (Neffe des Gründers der „Ghewroh“) Erottingen und Rabbinowitz-Garsden. So ein „Hadran“ ist ein eigenthümlicher Vortrag. Er nimmt den Schluß zum Gegenstände der Betrachtung und Erörterung, holt sich die Materien zur Deutung und Beantwortung all' der aufgeworfenen Fragen aus dem ganzen Talmud, um schließlich beim Anfang des Talmuds zu endigen. So wird das fröhliche Ende an den fröhlichen Anfang wieder angeknüpft. Bei der umfassenden Talmudgelehrsamkeit dieser

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