Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-03-15 · Heft 11 (15.3.1895) · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228106--51602-3272356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

132 Als er in das Zimmer trat, in welchem der Angemeldete ihn erwartete, fand er diesen damit beschäftigt, eine Menge Papiere auf den Tisch auszukramen und sie daselbst zu ordnen. Sie alle waren dazu bestimmt, von dem Vorsteher gelesen zu werden, um daraus ebensowohl die Würdigkeit des Erschienenen zu ersehen, als daraus die Nothwendigkeit zu erkennen, ihn zu unterstützen. Dieses ermaß denn auch Leiserowitz bei seinem Eintreten und schrak vor der Aufgabe zurück, die seiner jetzt harrte. Der Gast war vor ihm aufgestanden, und auf den ersten Mann in der Killah zuschreitend, grüßte er ihn und stellte sich ihm als den Rabbiner von Pankrowo vor. Er erörterte des Weiteren, daß er sich auf der Reise nach Königsberg befinde, wo er einen Professor kousultiren wolle, da er ein schweres Ohrenleiden habe. „Herr, hier im rechten Ohr liegt es, lieber Herr, hier liegt es, ich bitte, Herr Vorsteher, sehen Sie doch einmal hinein, Sie können die Anschwellung i mit eigenen Allgen sehen." Und er brachte sein leidendes Ohr in! beit Gesichtskreis von Leiserowitz.! Dieser wehrte ab und meinte, ans eine Untersuchung des krallten; Ohres verzichten zu könnell. Bei sich aber dachte er: was man nicht; einem Vorsteher Alles bieten tonn — und ein schwerer Seufzer entrang sich der Brllst von Bär Leiserowitz. Zll dem Rabbiller aber sprach er: „Wie komnlt es, daß Ihr Eure Reise durch unferc Stadt nehmt, da doch Königsberg weitab östlich liegt und viel näher an Rußland, von wo Ihr kommt?"! „Das ist gar keine Kasche (Frage), lieber Herr Vorsteher. Im Talmud heißt es —" i „Bleibell Sie mir um Gotteswillen mit dem Talmud fern, ich j kenne ihn nicht unb habe auch feine Lust, seine Bekanntschaft zu lllachell."; „Das ist schade, ich hätte Jhnell gerll einige Wörtchell Thora gesagt —" „Ich habe keine Zeit dazll. Was wollell Sie denn mit allen | diesen Papieren, hm?" j „Diese? Lesen sollen Sie sie, Herr Vorsteher, Alle .solleil Sie; lesen, wie sie hier liegen; Sie sollen nämlich daralls ersehen, wer ich I bin und mit wem Sie es zu thlln haben. Sie lverdeil . . . ."! Jll diefelll Alrgenblick trat Frau Leiserolvitz ein und bemerkte! dem Manne, daß der Inspektor vom Gllte Blaehfeld draußell sei,; der ihn dringend zu sprechell wüllsche. (Schluß folgt.)?! | Litterarische Mitttzeilungen. Der Professor der Pharmakologie und physiologischen Chemie! an der Hallenser Universität D r. Erich Harnack hat zu der Festschrift; zu der Jubelfeier dieser Universität eine sehr interessante Abhandlung? beigesteuert, eine Untersuchung über dieBibelund diealkoholischeu j Getränke. Die Abhandlung, die jetzt als besonderer Abdruck im j Verlage von August Hirschmald hier erschienen ist, geht von dem! Gedanken aus, daß ote Bibel nicht blos eine religiöse Urkunde ist,! sondern auch reiche Schätze für die archäologische, kulturhistorische und; hygienische Forschung birgt Es war dem Verfasser, indem er unter-! suchte, welche Stellung die Verfasser der biblischen Bücher zum Wein j einnahmen, zugleich um den Nachweis zu thun, daß sich die Temperenz-! apostel und die Ritter von der Abstinenz zur Rechtfertigung ihrer Bestrebungen mit Unrecht auf die Bibel berufen. Dieser Nachweis ist dem Verfasser, wie keinem Bibelkenner zweifelhaft sein kann, durchaus gelungen. Der Verfasser weist an zahllosen Beispielen nach, daß der! Wein in Palästina von den ältesten Zeiten an als Nahrungsmittel galt.! Der Weingenuß war unter dem ganzen Volke beiderlei Geschlechts nahezu allgemein verbreitet. An zahlreichen Stellen wird der Wein mit den nothwendigen Nahrungsmitteln, Getreide, Brod, Oel, Fleisch und Milch gemeinsam genannt. Der Verfasser weist ferner darauf hin, daß die biblische Auffassung mit dem, was er selbst für die wissenschaftlich richtige Auffassung der Alkoholwirkungen halte, in einem sehr wesentlichen Punkte übereinstimmte: „Das Eigenartige in den Wirkungen des Alkohole, was ihn so unersetzlich als Genußmittel erscheinen läßt, liegt nicht in dem Nacheinander, sondern in dem Nebeneinander gewisser erregender und lähmender Wirkungen, deren Ausgangspunkt im centralen Nerve!' system zu suchen ist. Bei steigender Intensität der Wirkung überwiegen immer mehr die lähmenden Effekte, um in den höchsten Graden schließlich allein zu herrschen. Aber schon bei den ersten Graden der Gesamml Wirkung machen sich gewisse erregende und lähmende Wirkungen gleiche zeitig geltend, das heißt, der Alkohol vermag namentlich gewisse Gehirn: thätigkeiten anzuregen und zu beleben und dadurch angenehme Vorstellungen zu erwecken, während er zugleich andere Theile des Gehirns lähnu, dadurch lästige oder quälende körperliche und seelische Empfindungen vorübergehend beseitigt und so den Menschen im gewissen Sinne von sich selbst und von störenden Einflüssen der Außenwelt vorübergehen > befreit. .. . Für die richtige Beobachtung dieser Kombination von erregenden und lähmenden Wirkungen in den niederen und mittleren Graden der Alkoholwirkungen finden sich in den alttestamentlicheu Schriften zahlreiche, ungemein bezeichnende Beispiele." Der Verfassen faßt oas gewonnene Ergebniß in die Bibelworte zusammen: „Allezei Wein oder Wasser trinken ist nicht lustig; sondern zuweilen SBetn zuweilen Wasser, das ist lustig." Das ist immerhin eine Lebens vhilosophie, bei der es die Welt Jahrtausende ausgehalten hat und be der es auch wohl weiter allen Müßigkeitsaposteln zum Trotz sei: Bewenden haben wird. Spvertzsaat. ^)?m jedem unliebsamen Mißverständnisse vorzubeugen, erkläre ich, da! uns, anläßlich der Berichterstattung des Reichsrathsabgeorduete! Dr. Victor Ruß in Karlsbad, über den Antisemitismus zu iuterpelliren keineswegs örtliche Verhältnisse bewogen haben. Thatsächlich gehör! Karlsbad zu jenen wenigen Oasen in unserm Vaterlande, derer öffentliches Leben von mwerfälschtem Liberalismus durchdrungen ist und ganz besonders verdient unsere Stadtverwaltung den Dank um di- Anerkennung aller liberal Denkenden. Karlsbad, 7. März. Rabb. Dr. I. Ziegler * Sehr geehrter Herr Redakteur! (^chon wiederholentlich wurde in Ihren! gesch. Blatte auf dir Schwierigkeiten hingewiesen, mit welchen gerade jüdische Gelehrte bei der Drucklegung ihrer Arbeiten zu kämpfen haben. In der Thal dient bislang nur eine einzige Stiftung diesem Zwecke, und daß diese nicht viel zu leisten im Stande ist, wird man nur selbstverständlich finden. Vergleicht man die litt. Unterstützuugsvereine auf anderen Gebieten, so erhält man erst recht ein trauriges Bild von dem Jndifferenlismus unserer Glaubensgenossen in Bezug aus ihre Litteratur denkmäler. Ich hätte nun einen Vorschlag. Am 30. März 1896 feiert Moritz Steinschneider sein 80. Wiegenfest. Wer Steinschneider ist und was er geleistet, braucht nicht erst gesagt zu werden. Es genügt,!venn ich bemerke, daß in den letzten 25 Jahren kein streng wissenschaftliches Werk auf jüdischem Gebiete erschienen ist, in welchem der Name Steinschneider zumindestens einmal nicht zitirt wäre. Wie wäre es nun, wenn jüdische Mäcene sich zusammenfänden, um diesen Tag durch eine größere Stiftung feiern zu wollen. Noch trägt bislang keine Stiftung den Namen Steinschneiders Ganz besonders die Berliner Gemeinde hätte Grund dazu, diesen Tag besonders feierlich zu begehen, da ihr auch Steinschneiders pädagogische Thätigkeit zu Gute gekommen ist. Selbstverständlich müßte es dann die erste Aufgabe der Verwalter der Stiftung sein, dafür zu sorgen, die in verschiedenen Zeitschriften zerstreuten kleineren Arbeiten Steinschneiders in einen Sammelband zu vereinigen Nur wer auf litt. Gebiete selbst thätig ist, weiß, mit welchen Schwierigkeiten diese fast unentbehrlichen Arbeiten zu erlangen sind, und wäre deshalb eine Vereinigung derselben von großenuwissenschaftlichen Interesse. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei,^diesen Ehrentag gehörig zu würdigen. Hochachtungsvoll Berlin, 5. März. Dr. David Herzog. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin. S9. Ic Kc estes v< ne Feit Cehrer ' Gaben Prolog Klassen?rste S, oen reu anziehei nt fönt .Zn den oem He 'unstvo >er An Chöre Zum E ne Sä nidische haben, Wohltl Behörde geschütz gegen < und nc ungetri lollegü Prämil mit de nehme! £• Des ne am 5. 5M Dr. A angere vertag berath den 14 Spant zu En Die er bezeug Berlin Gedeil sympo eingeb z Hotel Geschi stattli Herr schon schen von \ Ferdi eine \ Ichlos

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.