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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-03-08 · Heft 10 (8.3.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 10 (8.3.1895)
Date
1895-03-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 diesem Zwecke hergekommen war, einen längeren Vortrag über die Bedeutung der jüdischen Geschichte und Litteratur und über die Zwecke eines solchen Vereins. Nach diesem Vortrag forderte Herr Dr Lewinski die Versammlung auf, den Verein alsbald zu begründen. Es meldeten sich sofort über 50 Mitglieder, und der Vorsitzende des Vereins konnte somit die endgiltige Konstituirung des Vereins proklamiren. Es herrscht hier lebhafte Theilnahme für diese Angelegenheit, und so darf man wohl auf eine segensreiche Thätigkeit des neuen Vereins hoffen. K. Hannover, im März. Am 21. Februar (27. Sch'wat) war der erste Jahrzeitstag für den Geheimen Kommerzienrath Louis E. Meyer, dessen Hinscheiden noch heute in weiteren Kreisen tief beklagt wird. Die vier Söhne des Verstorbenen haben bald nach seinem Tode eine Stiftung von 100 000 M. zum ewigen Gedächtniß ihres Vaters gemacht; obgleich über die Verwendung der Zinsen noch keine endgiltige Verfügung getroffen ist, so gelangten dieselben dennoch an dem diesjährigen Jahrzeitstage zur Vertheilung. Außer Stipendien und reichen Zuwendungen an Private erhielt der Vorstand der hiesigen Gemeinde 1200 M für verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten, 201 M. wurden der Unterstützungskasse für jüdische Lehrer, 150 M dem Alterversorgungshause, 2OO Mdem Seminaristenverein und 300 M. dem Komitee für Ferienkolonien, das unterschiedslos auch jüdische Kinder berücksichtigt, überwiesen. Am 2. Februar hatten bereits die Herren Emil und Siegmund L. Meyer unabhängig von dieser Stiftung dem Magistrate der Stadt 1200 M. und dem der Nachbarstadt Linden 200 M zur Vertheilung an Arme an diesem Tage, an welchem im vorigen Jahre der 27 Sch'wat fiel, übersandt. Zu einer Gedüchtnißfeier im Hause des Verstorbenen hatten sich alle Verwandte und einige nähere Freunde eingefunden. Der ergreifende Vortrag der bei der Todtenfeier üblichen hebräischen Gebete durch Herrn Oberkantor Linhardt und einiger von einem Männerchor und dem Chor der Seminaristen vorgetragenen deutschen Gesänge, sowie die gehaltenen Reden, in denen die Verdienste des Verstorbenen, sowie die Liebe und Verehrung, die er genoß, zum vollen Ausdruck kamen, verliehen der Feier einen ernsten, würdigen Charakter. Mehr als Worte ehrt ihn jedoch die Thatsache, daß fast alle von ihm bekleideten Verwaltungs- und Ehrenämter auf seine beiden Söhne, die bereits genannten Herren Emil und Siegmund L. Meyer, übergegangen sind. I). Eisenach, 1. März. Unsere Vereinigung für jüdische Geschichte und Litteratur entwickelt sich sehr gut. Nachdem am 0. v. M. Herr Hadra in scharfsinniger, wohldurchdachter Rede „Allgemeine Gedanken des Gerechtigkeitsgefühls bei den Inden" im Anschluß an Lessings Lustspiel „Die Juden" entwickelte, hat auch unser Vorsitzender Herr Heilbronn am 20. v. M. uns wieder mit einem interessanten Vortrag: „Vom Handwerk im alten Israel" erfreut. Nachdem er ausführlich über das Schmiede- und Zimmerhandwerk gesprochen hatte, verweilte er noch bei dm Maurern, Töpfern und Webern der alten Hebräer und zeigte endlich durch einige Talmudcitate, in welch' hoher Ehre das Handwerk im alten Israel stand. Beiden genannten Rednern wurde in den Vereinsabenden lebhafter Beifall gespendet. -b — Frankfurt a. M., 2. März. Zum bevorstehenden Purimfeste möchten wir uns gestatren, die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen auf ein Wohlrhätigkeits-Justitut zu lenken, daß die Unterstützung aller deutschen Juden verdient. Es ist das „Kinderheim" zu Diez, das bereits seit acht Jahren segensreich wirkt und von Jahr zu Jahr seine Wirksamkeit auszudehnen versucht. Hier finden Waisenkinder und solche Knaben, für welche zu Hause eine Erziehung unmöglich sein würde, aus allen Theilen Deutschlands Aufnahme. Es ist also kein gewöhnliches Waisenhaus, das nur in Wirklichkeit Kinder aufnimmt, die den Vater durch den Tod verloren haben, sondern in dem auch Kindern Erziehung und Pflege zu Theil wird, deren traurige Familienverhältnisse, sei es durch die moralische Gesunkenheit der Eltern oder durch bittere Armuth hervorgerufen, die Erziehung des Kindes im Hause gefährden könnten. So füllt dieses Kinderheim eine fühlbare Lücke im Organismus der jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten aus, — Grund genug, wohlthätige Herzen für dieses zu erwärmen. Vor zwei Jahren wurde nun ein schöner Bau auf lustiger Anhöhe in der Nähe des Waldes bei Diez als Heim für die Kinder errichtet, der bei aller Einfachheit doch große Kosten verursachte, die aber nicht vermieden werden konnten, wenn den Ansprüchen der Zeit an hygienischen Einrichtungen entsprochen werden sollte; darum aber ist dieses Kinderheim, das augenblicklich 25 Knaben erzieht, auf die Wohlthat unserer Brüder angewiesen. Diese Zeilen möchten nun die Glaubensgenossen, insbesondere die Berlins veranlassen, an der „Purimspende", welche der hauptsächlichste Erhalter dieses Instituts ist, sich reichlich zu betheiligen. Dem Einzelnen wird hier kein großes Geldopfer auferlegt, mit kleinen Gaben kann hier viel geeleistet werden, und bisher hat Berlin sich nicht sehr betheiligt, und gewiß nur aus dem Grunde, weil die Anregung gefehlt hat Dieses Jahr haben es einige Wohlthäter in Berlin in liebenswürdiger Weise übernommen, kleine Sammler und Sammlerinnen für dort zu gewinnen, hoffentlich finden diese kleinen Damen und Herren recht freundliches Entgegenkommen in den Familien, in welchen sie am Purimfeste um eine Gabe für ihre bedaueruswerthen armen Altersgenossen bitten. n. Sulzbürg (Baiern), 4. März. Am 27. v. M. wurde der 82jährige Distriktsrabbiner, Dr. Mayer Löwenmayer, der 57 Jahre lang im hiesigen Orte als Rabbiner segensreich und rühmlich wirkte, zu Grabe getragen. Sein Begräbniß gestaltete sich zu einer in unserer durch den Antisemitismus leider so vergifteten Zeit erhebenden und trostspendenden Kundgabe Nicht nur die ganze israelitische Bevölkerung Sulzbürgs und der benachbarten Stadt Neumarkt, welche nebst Thalmüsstng zum Nabbinatsbezirke des Entschlafenen gehörten, sowie Vertreter der israelitischen Gemeinde Regensburg, die Jahrzehnte lang ebenfalls von dem Verewigten als Rabbiner geleitet wurde, fanden sich zu den Trauerfeierlichkeiten ein, sondern auch die christliche Bevölkerung mit der katholischen und protestantischen Geistlichkeit des Ortes und der Umgebung, der königliche Bezirksamtmann, Herr Negierungsrath Roder von Neumarkt, Beamte, Aerzte. Lehrer, Vereine ia corpore, Freunde und Verehrer des Verblichenen aus Nah und Fern. In der Synagoge, wohin der Sarg verbracht wurde, hielten die Herren Rabbiner Dr. Mayer, Regensburg, und Dr. Deutsch, bisher in Burgpreppach, nunmehr Direktor des israelitischen Waisenhauses in Fürth, sowie die Herren Lehrer Kahn- Neumarkt und Oppenheimer-Sulzbürg sowie ein Vorstandsmitglied der Muttergemeinde Sulzbürg, Herrn Regensburger, ergreifende und den Heimgegangenen ehrende Ansprachen. — Den edlen Verblichenen betrauern seine drei Töchter und deren Familien. — Dr. Löwenmayer ward geboren in Sulzbürg, dem Orte seiner langjährigen Wirksamkeit. Sein Vater, Groß- und Urgroßvater waren dort angesehene Männer von eminentem talmudischen Wissen und legten den Grund zu seiner bedeutenden rabbinischen Gelehrsamkeit, die er alsdann auf der Talmudschule in Fürth unter R. Wolf Hamburger vervollständigte. Er absolvirte hierauf mit Auszeichnung das Gymnasium in Erlangen, bezog die Universitäten in München und Erlangen und promovirte an letzterer zum Dr. phil. Bald darauf wurde er Adjunkt des Rabbiners Weil in Sulzbürg und Lehrer der dortigen öffentlichen israelitischen Volksschule; später erhielt er das Rabbinat selbstständig, dem er bis zu seinem Tode mit seltener Pflichttreue unermüdlich Vorstand. Ein erleuchteter Geist, ein hochgebildeter Theologe, ein vorzüglicher Kenner und Verehrer der alten Klassiker, ein edler Priester, der wahre und tiefe Religiosität mit Beachtung der gebieterischen Anforderungen der Neuzeit verband, ein tüchtiger Pädagoge, ein Wohlthäter der Armen und insbesondere ein werkthätiger Menschenfreund ist mit Dr. Löwenmayer dahingegaugen. Sein einfacher Sinn und seine Bescheidenheit, sowie seine Anhänglichkeit an seinen romantisch gelegenen Geburtsort gaben es niemals zu, daß er dem an ihn mehrfach ergangenen Rufe zu einer größeren Wirksamkeit auswärts Folge leistete. Vor ungefähr zwei Jahren, an seinem 80. Geburtstage und bei seiner 50jährigen Jubiläumsfeier als definitiver! Rabbiner wurde er von dem baierischen Prinzregenten mit dem Ver-! dienstkreuze des Michaelordens geschmückt. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 5. März. Die Hilfsaktion für die galizischen Juden hat bereits begonnen. Wie ich Ihnen s. Z. schrieb, bildete sich während der diesjährigen Landtagssession in Lemberg ein Komitee aus j den Abgeordneten Dr. Emil Byk, Dr. Philipp Fruchtmann, Dr. Bern- I hard Goldmann, Dr. Arnold Rapoport v. Porada und Dr. Moritz! Rosenstock unter dem Namen „Hilfskomitee für die jüdische Bevölkerung! Galiziens". Das Komitee wählte den Abgeordneten v. Rapoport zum Obmann und berief zum Sekretär den Ingenieur Hermann Feldstein, dessen genaue Kenntniß der jüdischen Verhältnisse in Galizien die Gewähr

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