Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1895)
- Date
- 1895-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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59. Jahrgang. Nr. 10. (K)? UH? J || 01!*♦ Lerlm. 8. Mär? IM Weiter ge zur „Akkge meinen Zeitung des Juöentkurns". Korrespondenzen und Nachrichten.! Deutschland. ^2 Berlin, 5. Mürz. Einer der ältesten Aerzte Berlins, der! Geh. Sanitätsrath Dr. Ludwig Güter bock, ist am 28. Februar im j 81. Lebensjahre gestorben. Derselbe hat in früheren Jahren eine sehr umfassende Praxis, namentlich auf elektrotherapeutischem Gebiete ausgeübl und gehörte mit zu den Ersten, welche diese Heilmethode hier zur Anwendung brachten. Der Verstorbene war einer der angesehensten Aerzte! Berlins, der seinem Namen auch in der wissenschaftlichen Medizin ein Gedenken gesichert hat. Er war ein geborener Berliner aus einer der ältesten und ersten jüdischen Familien unserer Gemeinde. Die Beerdigung erfolgte am 4. d. unter zahlreicher Betheiligung der ärztlichen Kreise Berlins auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee. Zuvor fand um 1 Uhr Mittags in der Wohnung des Verstorbenen ein feierlicher Trauerakt statt, dem zahlreiche Professoren der Universität beiwohnten. Den : Kranz der medizinischen Fakultät überbrachte Geheimrath v. Bergmann. Die Trauerrede hielt Dr. Weisse. gA Berlin, 3. März. Unter zahlreicher Betheiligung der Bernfsgenossen und Freunde wurde heute Siegmund Haber auf dem Friedhofe in Weißensee zur ewigen Nutze gebracht. In der Halle des Friedhofes hatte sich um die schwergebeugten Angehörigen eine überaus stattliche Trauerversammlung vereint. Mit dem Verleger des „Berliner Tageblatts"! war dessen Redaktionsstab, die artistischen und schriftstellerischen Mitarbeiter des „Ulk" und die Leiter der „Berliner Morgenzeitung" erschienen, ebenso die Herren der Expedition und Druckerei. Frühere Kollegen folgten und mit ihnen die Fülle der dem Verewigten ehrlich zugethaneu Freunde. Die Leichenhalle begrüßte den Todten im ernsten Gepränge schimmernder Kerzen und dunkel grünenden Laubes. Der Feier, mit Chorgesang eingeleitet, gaben die Worte des Predigers Dr. M. Levin tiefinnerste Weihe. Ganz schlicht, und darum völlig im Sinne des Verblichenen, schilderte derselbe unseren Sieginund Haber als Schriftsteller nnd Menschen, wie seines Herzens hellklingender Grundton ein unerschütterliches Wohlwollen gewesen, das nur um der Sache willen zum Kampfe sich verstand und auch im Gegner noch den Mitmenschen achtete. Jenes Ureigenste in Habers litterarischem Charakter, das der Familienitnb Hausvaterhumor genannt werden konnte, berührte sich eng mit den Eigenschaften, die der Prediger weiter in warmen Worten hervorhob. Die menschlichen Tugenden Habers waren es, die ihm an der Seite der treuesten und verständnißvollsten Gattin, umschaart von gedeihenden Kindern, ein zartes und starkes Glück im Leben brachten. Nachdem der letzte Gesang verhallt, wurden die irdischen Ueberreste des Verblichenen 5u Grabe getragen. Sein Andenken aber wird fortleben in dem weiten Kreise seiner Verehrer und Freunde. M. Berlin, 4. März. Die mit der jüdischen Lesehalle (Burgstraße 16) verbundene V olksbibliothek wird am nächsten Montag, 11. März, um 1 Uhr Mittags dem Publikum zur Benutzung eröffnet werden. Wir möchten bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit aller derjenigen, welche ein Interesse dafiir haben, daß die Kenntniß unserer Geschichte und Litteratur in die Volksschichten dringe, diese beiden Institute auf das Wärmste empfehlen. In so vielen jüdischen Häusern findet sich unter Urväter Hausrath oft eine große Masse werthvoller jüdischer Bücher, die dort unbenützt liegen und vermodern, während sie hier andererseits den größten Nutzen bringen. Wir bitten dringend, solche Werke der Lesehalle zuzuwenden. Die Bibliothek derselben besitzt bereits 1200 Bände, aber es ist dringend nothwendig, daß der Besitzstand an Büchern noch erheblich vermehrt werde, wenn das Institut diejenige Bedeutung erlangen soll, welche allein dem hohen Werth der Idee entspricht, aus der es hervorgegangen und der es zu dienen berufen ist. H. Berlin, 5. März. Der Verein der Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums beging am 28. Februar im Saale des Hotels znm König von Portugal sein 7. Stiftungsfest, zu welchem sich zahlreiche Ehrengäste eingefunden hatten. Nach einem feierlichen Salamander auf den deutschen Kaiser und einem von einen: Bereinsmitgliede gedichteten Liede eröffnete der Vorsitzende, Herr Cohen, die Feier mit einer Festrede, in der er einen Ueberblick über die Entwickelung des Vereins und der mit ihm verbundenen Darlehnskasse gab. Auf das Lehrerkollegium toastete Herr Dr. L. Hannes, auf das Kuratorium Herr M. Joseph, auf die übrigen Gäste Herr I. Jalski. Im Namen des Lehrerkollegiums sprach Herr Dr. Jo«"4 Müller, für das Kuratorium Herr Geh. Sanitätsrath Dr. Kirstein, für die Gäste Herr Rechtsanwalt Breslauer. Unter anregenden Ansprachen und Liedern schloß der offizielle Theil. Alsdann hielt eine urgemüthliche Fidelitas die Theilnehmer noch bis in die späte Nachtstunde zusammen. Tie Feier bewies wiederum, daß der Verein und seine Bestrebungen in weiten Kreisen sich eines lebendigen Interesses erfreut. g. Berlin, 3. März. Am 28. Februar fand in den Räumen der Knabenschule eine Feier zum Gedächtniß für die verstorbenen Gründer der Amicitia statt, an der die Schüler dieses Vereins, der Vorstand unb einige besonders geladene Gäste theilnahmen. Herr Dr. Ungerleider sprach zunächst dem Vorstande der jüdischen Gemeinde, der der Anstalt durch einen Jahreszuschuß sein Wohlwollen beweise, und dem Wirth des Hauses, Herrn Dr. Holzmann, für sein freundliches Entgegenkommen seinen Dank und seine Erkenntlichkeit ans. In feinsinniger Weise machte Herr Dr. Ungerleider, von: Wochenabschnitte ausgehend, die Gerät he des Heiligthums zum Gegenstand symbolischer Deutung. Der Tisch mit den Broden versinnbildliche den Tisch der Arbeit und den der Nahrung. Nur ehrliche Arbeit, nur emsiges Schaffen, unverdrossenes Wirken bereiten uns den Tisch, der uns mit Nahrung versorgt, uub die Weihrauchschale daneben, aus der der erquickende und wohlriechende Duft auffteigt, will uns die Süßigkeit der mit eigener Hand erkämpften Nahrung, das frohe Bewußtsein treuer Pflichterfüllung veranschaulichen, welche die Würze jedes Mahls und jeder Speise bilden. Das Brod, so es selbsterworben und selbsterrungen ist, schmeckt süß, die körperliche Anstrengung mit der wir es erkämpfen, macht es um so köstlicher. Genießest du die Mühe deiner Hände, dann wohl und Heil dir! Nach der überaus gedankenreichen Ansprache an die Zöglinge gedachte Herr Dr. Ungerleider der Hingeschiedenen Förderer und Wohlthäter, namentlich des edlen und warmherzigen Gründers, des Herrn Dr. Lnpschüh, der den Zöglingen .stets ein väterlicher, liebevoller Freund gewesen. Der Bericht der nunmehr in ihr 25. Jahr tretenden Amicitia zeigt das segensreiche Wirken des Vereins und die Wohlthaten, die er den Zöglingen besonders durch geistliche Fortbildung derselben spendet. Der Verein hat seine Aufgabe, seine Zöglinge behufs besseren Fortkommens mit den erforderlichen Kenntnissen und nöthigenfalls mit gewerblich erhöhter Tüchtigkeit anszurüsten, auch im verflossenen Jahre redlich erfüllt. Es wurde in einem Falle eine Beihilfe zu leichterer Selbstständigmachung gewährt und in einigen anderen Geldunterstützungen bewilligt. Vor Allem ist das herzliche Verhalten der Vorstandsmitglieder, Männer in hervorragenden Lebensstellungen, zu den Zöglingen hervorzuheben. Alle sind sie unter großein Aufwand au Zeit und manchmal auch an Geld bemüht, das Wohl, das leibliche wie das geistige, in jeder Weise zu fördern und zu festigen Unter den Schülern, deren durchschnittliches Lebensalter 23 Jahre beträgt, sind drei Schneider, ein Kürschner, ein Schäftearbeiter, zwei Cigarrenarbeiter, drei Kaufleute, und ein Musikbeflissener vertreten. Aus der Chronik des Vereins wäre zu erwähnen die wegen seiner großen Verdienste um den Verein erfolgte Ernennung des Herrn Dr. Ungerleider zum Ehrenvorsitzenden und die Ausrückung des Herrn I. Bodenstein zum stellvertretenden Vorsitzenden. Besonderer Dank gebührt auch Herrn Dr. Adler, der selbstlos und hingebungsvoll den Zöglingen ein liebevoller Förderer und in allen Nöthen ein helfender Berather ist. Unermüdlich stellt er sich mit der ihn auszeichnenden Wärme mit stets gleichbleibendem Eifer in den Dienst dieses