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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-03-08 · Heft 10 (8.3.1895) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 10 (8.3.1895)
Date
1895-03-08
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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Sprechsaal. - 1 ü<> Fitterarische Mittheilungen. ~ Predigten ans dem Nachlaß von Dr. M. Jo,-l, Rabbiner der isr. Gemeinde zu Breslau. Herausgegeben von Nabb. Dr. A. Eckstein und Rabb. Dr. B.Ziemlich. Band Jl.: Fest- und Gelegenheits- Predigten. (Breslau, Schlesische Buchdruckcrei, Kunst- und Verlags-Anstalt v. S. Schottlaender). Der zweite Band der „Predigten aus dem Nachlaß von Dr. M. Joi'l" enthält: „Biernudzwanzig Festpredigten und zwanzig Gelegeuheitsreden". Die klassischen Leistungen des Heimgegangenen Meisters der Kanzelberedsamkeit bedürfen feinet Wortes der Empfehlung.! Die Tiefe und die Fülle der Gedanken und Anschauungen, die in diesen Reden niedergelegt sind, sowie die meisterhafte und geistvolle Darstellung jüdischer Lehre und jüdischen Leberts, die sie enthalten, weisen dieser Sammlung ohnehin einen der ersten Plätze in der jüdischen Erbauungslitteratur an. Wir konnnen auf diese Publikation noch ausführlich zurück. 12 00jä hriger Parallel-Kalender der jüdischen und christlichen Zeitrechnung 45(il — 5 757 800 — 199<; nebst F o rmeln zur vollständigen Berechnung des jüdischen Kalenders. Für wissenschaftliche und rituelle Zwecke bearbeitet von Dr. Mar Simon, Seminarlehrer in Berlin. Berlin 1895. Poppelauers Buchhandlung. Dieses „dem unermüdlichen Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur, Herrn Prof. Dr. Steinschneider" gewidmete Büchlein vervollständigt in dankenswerther Weise eine Reihe von Werken des rühmlichst bekannten Verfassers, die sich mit demselben Gegenstände beschäftigen. Es ist gerade in den letzten Jahren ans dem Gebiete des jüdischen Kalenderwesens in wissenschaftlichen und populären Schriften Vorzügliches geleistet worden. Es seien hier nur genannt: Zuckermann-Braun, L. Cohen in Rees a. Rh. und — wenn auch zuletzt, doch nicht als Letzter — der Verfasser obigen Werkes. In seinen im Jahre 1891 erschienenen „Grundzügen des jüdischen Kalenders" hatte Verfasser es jedem Gebildeten ermöglicht, sich mit den einschlägigen Gesetzen vertrant zu machen. Der Sod Haibbur (Geheimniß der Kalenderberechnung) war von da ab kein Sod (Geheimniß) mehr, und wir konnten das Büchlein s. Z. mit gutem Rechte Predigern, Lehrern re. nicht nur zur Anschaffung, sondern auch zum Gebrauch beim Unterrichte erwachsener Schüler angelegentlichst empfehlen. Das nun erschienene Buch enthält zunächst Tabellen zum Nachschlagen und augenblicklichen Umwandeln des jüdischen in das christliche Datum und umgekehrt, ohne an die rechnerische Thätigkeit große Anforderungen zu stellen. Jedes Datum des angegebenen Zeitraums von 1200 Jahren ist in wenigen Augenblicken festzustellen und nmzuwandeln. s1hi einzelnen Beispielen ist jede dieser Rechnungsarten klar gemacht. Beim Durchlesen des Merkchens merken wir, daß wir cs hier mit einem Autor zu thun haben, der nicht nur als Gelehrter den Stofs vollständig beherrscht, sondern auch als bewährter Pädagoge die Kunst der popnlarisirenden Darstellung in seltenem Maße besitzt. Er hat es verstanden, das Interesse für den Gegenstand in weiten Kreisen rege zu machen. Wir wollen noch hervorheben, daß er sowohl den Julianischen, als den Gregorianischen christlichen Kalender berücksichtigt hat. Dem Mathematiker wird es besonders interessant sein, zu sehen, wie Verfasser die Gaußffche Osterformel benutzt und es verstanden hat, auch diese ins allgemein Verständliche zu übertragen Wen:: auch der Zeitraum von 1200 Jahren im Allgemeinen für den wissenschaftlichen Gebrauch (Umrechnung geschichtlicher Daten) ausreichen dürfte, so ist durch Abschnitt IV. dafür gesorgt, daß auch Jedermann sich die Tabellen beliebig rückwärts oder vorwärts erweitern kann Besonders anzuerkennen ist, daß es dem Verfasser gelungen, die vielen einschlägigen Regeln und Formeln auf einige wenige zurückzuführen, wie auch den Gebrauch der Tabellen so zu erleichtern, daß eigentlich nur eine einzige zu benutzen ist. Je kürzer und einfacher ein solches Buch ist, desto besser ist es, und hierin hat sich ganz besonders das pädagogische Geschick des Verfassers bewährt Wir können also diesen 1200jährigen Parallel-Kalender Jedermann zur Anschaffung empfehlen; es ist ein Buch, das jedem gebildeten Juden, auch wenn er bereits die sonst vorzüglichen Tabellen von L. Cohen und Znckermann-Brann besitzt, unentbehrlich werden dürfte. 4. 1.. Hochgeehrte Redaktion! d.n letzter Zeit hat die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" wieder-! holt Berichte gebracht, ans denen hervorging, daß Rabbiner aus kleinen Städten nach Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M. u. A. berufen worden sind, in dortigen Vereinen Vorträge zu halten. Das Streben der Litteratnrvereine ist in stetem Aufblühen begriffen, auch in kleinen Städten ist ein guter Kern des freudigsten Interesses für die Geschichte und die Litteratur des Judenthums vorhanden. Dieser gute Kern verlangt gar sehr nach dem befruchtenden Thau des Wissens, um zur schönsten Frnchtentfaltung zu gelangen. Wäre es da nicht angebracht, wenn Männer der Wissenschaft, hervorragende Gelehrte und Rabbiner, an denen doch Städte, wie Berlin, Hamburg und Frankfurt a. M. durchaus keinen Mangel haben, nach kleinen Städten reisen wollten, uni daselbst Vorträge über jüdische Litteratur und Geschichte zu halten? Welch ein Segen den Lilteraturvereinen kleiner Städte daraus erblühen würde, ist kaum zu ermessen. Und warum sollten auch die! Männer der Wissenschaft in ihrem Eifer und in ihrem thätigen Interesse hinter den Rabbinern kleiner Städte zurückstehen, die neben der Fülle ihrer Amtsgeschäfte, ihrer Thätigkeit als Seelsorger der Gemeinde und als Religionslehrer doch stets Zeit zu finden wissen, wenn es gilt, die! Interessen des Judenthums zu vertreten, die die Anstrengungen der! Reise und selbst materielle Opfer nicht scheuen, um den Littcraturvereinen belebenden Stoff und neue Anregung zu geben? Rogasen, im Februar. Hermann Cohn, Hauptlehrer. Geehrter Herr Redakteur! ^l n 9h\ 5 Ihres geschützten Blattes findet sich unter den Miscellen eine Erklärung des Ausdruckes „Krethi und Plethi", die einer entschiedenen Berichtigung bedarf. Schon der alte Heyse erklärt in seinem Fremdwörterbuche (12. Ausgabe von 1859) „Krethi von karatli, schneiden, abhauen, Scharfrichter; Plethi von palath, fliehen königlicher Eilbote, Läufer, die Leibwache Davids." Professor I. Fürst: Hebr. und chald. Handwörterbuch, giebt folgende Erklärung: n. p. der Insel Kreta. Davon gent. m. pl., ErrHID Kretenser. Ein Theil der Philistäer waren Eingewanderte aus Kreta, daher auch von Kretern in Philistäa gesprochen wird 1. Sam. 30,14. Aus den Kretensern in Philistäa, wie aus den Philistäern selbst wählte David seine kriegerische, heldenmüthige im Bogenschießen und Schleudern kundige Leibwache oder Garde, die in der Schrift ■’rHlD ('fiSs Gleichklangs wegen mit statt •»ntP’Sfi) aufgeführt werden, wie er auch 600 Philistäer aus in seinem Elitekorps hatte. Sie als eine Trabantenschaar zu fassen, welchen den Liktorendienst versah, wie die ö'pQE bei heidnischen Königen, dazu konnte nur die falsche Ableitung von die nicht einmal sprachlich gut zu vertheidigen ist, verleiten." L. Philippson endlich hält die Etymologie der Namen für dunkel und meint, daß Abarbanel der Wahrheit sehr nahe gekommen sei, der sie für Aom. gentil. zweier Familien in Israel erklärt, die den König beständig begleiteten, Alle übrigen Deutungen verwirft er als nicht stichhaltig. — Wo ist nun die Wahrheit? Vielleicht veranlassen diese Zeilen einen unserer Sprachforscher, der Sache etwas näher zu treten. Mülheim a. d. Ruhr, 18. Februar. O. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Banchwitz in Berlin.

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