Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Katz entledigte sich seiner Aufgabe in vortrefflicher Weise Er wußte j die Zuhörer durch seinen inhalts- und geistreichen Vortrag zu fesseln, wofür ihm am Schluffe reicher und lebhafter Beifall seitens aller Anwesenden gezollt wurde. Nach kurzer Diskussion über Zweck und Ziel > eines litterarischen Vereins hierorts wurde beschlossen, ein provisorisches Komitee zu wählen, das die vorbereitenden Schritte zur Bildung eines Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur, unabhängig von dem bereits bestehenden Vereine „Kasino", kräftig in die Hand nehme. In den folgenden Tagen sprach Herr Katz auch in Brakel, wo ein Litteraturverein bereits besteht, über „die Juden in China", ferner in Marsberg, wo ein Verein jetzt begründet wird, über „die Ethik des Talmuds", und endlich in Marburg, wo ein Litteraturverein j gleichfalls durch seinen Bortrag zn Stande kam. Alle diese Vereine , haben sich den: Verbände sofort angeschlossen.! 0 Mainz, 24. Februar. Dr. Aron Mayer, einst ein hier viel-! beschäftigter Arzt und scharfsinniger Philosoph, ist im 82. Lebensjahre gestorben. Er zählte auch Schopenhauer zu seinen Freunden. In der „Lehre von der Erkenntniß. Vom physiologischen Standpunkt allgemein verständlich dargestellt", erwähnt Mayer wiederholt seinen berühmten Freund. Daß der Dahingeschiedene auch auf medizinischem Gebiete eine Autorität war, beweist seine Schrift „Die Lehre von der Spinalirritation", womit er, wie ein Fachmann meinte, eine Irrlehre beseitigte, die damals viel Unheil anrichtete. Für Mayer kennzeichnend ist folgender Abschnitt aus seinem Testament: „Wenn ich erliege zur Zeit, wo ich noch kurz vorher praktizirt habe, so will ich nicht, daß meinen Klienten Rechnungen; nach meinen hinterlassenen Notizen zugestellt werden, sondern eine Anzeige! in einem verbreiteten Blatte soll bekannt machen, daß Reichere so viel! den Armen spenden mögen, als sie mir schuldig zu sein glauben. Den | weniger Bemittelten soll es freistehen, sich selbst zu den Armen zu rechnen. Das Schuldbuch und alle darauf sich beziehenden Bemerkungen und Papiere sollen einer gänzlichen Vernichtung durch Feuer preisgegeben werden." Da Mayer durchaus freigeistig war, hat sein Begräbniß ohne religiöse Ceremonien stattgefunden. §. Karlsruhe, 26. Februar. Bei der am 22. d. M. stattgehabten Wahl der weltlichen Abgeordneten zur israelitischen Landessynode wurden als solche gewählt in den Wahlbezirken: I. E. Rothschild, Vorsteher und Bezirksältester in Konstanz, II. B. Harburger, desgl. in Gailingen, III. S. Bloch, degl. in Sulzburg, IV. B. Dukas, desgl. in Freiburg, V. H. Epstein, desgl. in Eichstetten, VI. D. Dreifuß, desgl. in Offenburg, VII. D. M. Wertheimer, desgl. in Bühl, VIII. Leop. Ettlinger und Fritz Hamburger, Mitglieder des Synagogenrathes in Karlsruhe, IX. Louis Marx, desgl. in Bruchsal, X. Dr. M. Friedberg, Rechtsanwalt in Karlsruhe, XI. S. Netter, Vorsteher und Bezirksältester in Heidelberg, XII. H. Halle, Vorsteher in Hockenheim, XIII. D. Kahn, Rechtsanwalt Dr. Hachenburg, Jul. Ettling er, Mitglieder des Synagogenrathes in Mannheim und Dr. N. Stein, Großh. Landgerichtsrath in Karlsruhe, XIV. B. Herzberger, Vorsteher in Breiten, XV. G. Oppenheimer, Vorsteher in Neckärbischofsheim, XVI. E. Spiegel, Rechtsanwalt in Tauberbischofsheim. Von den Genannten dürften Harburger, Wertheimer und Jul. Ettlinger als Anhänger der orthodoxen Richtung, Dr. Friedberg als wild, alle Uebrigen als liberal zu bezeichnen sein. Das Ergebniß der Wahl der fünf geistlichen Abgeordneten wird erst am 26. d. Mts. bekannt. Die Synode selbst wird am 18. März eröffnet. Wir begrüßen diesen Ausfall der Wahl mit aufrichtiger Genugthuung. Me Anrien in eranlaßt, >en wird n fallen, r Schuljüdischen verhütet n. Fürth, 24. Februar. Der älteste Mann hiesiger Stadt und der Nestor der bayerrischen Aerzte, Herr Dr. Moritz Weichselbaum, ist im Alter von 63 Jahren am 13. d. M. gestorben. Am 23. Januar 1802 in Pretzfeld geboren, eröffnete er am 5. Februar 1829 die ärztliche Praxis hier und übte sie bis vor wenigen Jahren ununterbrochen in hiesiger Stadt aus. Er war 54 Jahre Armenarzt und bis an sein Lebensende körperlich und geistig frisch. Einige Tage vor seinem Tode theilte er seiner Familie und der Chewra mit, daß er sein Ende fühle, erbat sich den zeitweise:: Besuch der letzteren und starb in deren Anwesenheit. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 25. Februar. Endlich, endlich ist auch Wien erwacht! Am 17. d. M. fand eine von Herrn Dr. Alfred Stern einberufene Versammlung zu dem Zweck statt, einen Rechisschutzverein gegen das Treiben der Antisemiten zu gründen. Der Plan fand in der zahlreich besuchten Versammlung allgemeinen Anklang. Zugleich wurde aber, die Mittheilung gemacht, daß im Schooße der österr.-isr. „Union" eine gleiche Aktion in Vorbereitung sei. Hierauf wurde der Beschluß gefaßt, daß das Komitee dieser Versammlung und ein von der Union zu wählendes Komitee mit der gemeinsamen Vorberathung über diesen Gegenstand betraut werde. Hoffentlich wird nun bald etwas Positives zu Stande kommen. — Aus Anlaß des Ablebens des Erzherzogs Al brecht hielt am 22. d. M. im israelitischen Tempel M^der Seitenstettengasse Oberrabbiner Dr. Güdemann vor einem sehr zahlreichen Publikum eine tief empfundene Trauerrede. — Der ehemalige Pfarrer von^ Schrick, Dr. Scherzer, der in Folge der tristen Geldaffairen, die zu dem bekannten Prozeß Anlaß gaben, seinen Pfarrsprengel in so Aufsehen erregender Weise verließ, hat wohl mit Rücksicht darauf, daß er in den: Prozeß freigesprochen wurde, neuerdings eine seelsorgliche Funktion erhalten. Er ist nunmehr Kooperator in Klausen-Leopoldsdorf bei Baden. Dr. Scherzer, der bis zu jener 'Affaire selbstständiger Pfarrer war, ist jetzt somit auf einen beschränkteren und vor 'Allem auf einen unselbstständigen Posten gesetzt worden. — 'Am Samstag feierte der evangelische Militär-Superintendent Dr. Johann Seberiny seinen 70. Geburtstag, aus welche::: 'Anlaß dem allverehrten Jubilar von vielen Seiten herzlichste Glückwünsche zugingen. Gegenüber einer Deputation sprach Pfarrer Seberiny unter 'Anderem die folgenden schöne:: Worte: „Nun muß ich von der mir so theueren akademischen Thätigkeit scheiden und das geht nicht ohne Wehmuth ab; aber es fällt auch der Lichtstrahl der Freude in dieses schmerzliche Gefühl, daß ich mir bis zur Stunde den warmen Herzschlag für alles Hohe und Ideale, den Respekt vor der Wissenschaft und dein freien Gedanken, und eine unsagbare Liebe zu allen Menschen ohne Unterschied der Religion und Rasse bewahrt habe. Mögen Sie, meine jungen Freunde, wenn Sie eine freundliche Natur das 70. Lebensjahr erreichen läßt, mit demselben Bekenntuiß von Ihrer Wirksamkeit scheiden." — Am 22. d. M. verschied hier der bekannte Wechselstubenbesitzer Herr Anton Schey jun. im 52. Lebensjahre. Der Verblichene bekleidete zahlreiche Ehrenstellen, darunter die eines Vorstandsmitgliedes der israelitischen Kultusgemeinde, eines Gremialrathes der Wiener Kaufmannschaft, eines Vorstandsmitgliedes des Wiener Wechslervereins und eines beeideten Schätzungskommissärs beim Landesgerichte. Schey gehörte auch zahlreichen Humanitären Vereinen an. •— Wie verlautet, beabsichtigt die Familie Königswarter, gegen BaronHerrmann, den Universalerben des Vermögens, der kürzlich zum katholischen Glauben übergetreten ist, einen Prozeß anzustrengen, weil er durch den Uebertritt dem Sinn des Erblassers zuwider gehandelt, der einen solchen Fall bei einen: seiner Söhne gar nie vorausgesetzt hätte. Im Falle der Prozeß zu Gunsten der Familie entschieden würde, beabsichtigt die Baronin und ihre Kinder, den größten Theil des 15 Millionen betragenden Nachlasses wohlthätigen Anstalten zuzuführen. — Die Lemberger israelitische Kultnsgemeinde beschloß in der letzten Plenarsitzung auf Antrag ihres Vizepräsidenten, des Reichsrathsabgeordneten Dr. Byk, einstimuüg, anläßlich des 50 jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers ein neues, den gegenwärtigen Zeitanforderungen entsprechendes jüdisches Spital in Lemberg zu errichten. d. Budapests 27. Februar. Selten ist ein Fest so stimnunungsvoll verlaufen, wie die Feier anläßlich des 80. Geburtstages des Sennnarrektors Rabbiner Moses Bloch, dem dieser Tag vielerlei Ehren und Ueberraschungen brachte. Zur Beglückwünschung erschienen bei den: Jubilar Präsident Martin Schweiger, der ihm ein Begrüßungs- und Anerkennungsschreiben des Kultus- und Unterrichtsministers Wlassitsch überreichte; Rabbiner Dr. Samuel Kohn, Prof. Dr. David Kaufmann, Rabbiner Dr. M. Kayserling u. v A. Auch viele andere Glückwünsche kamen aus den: In-und Auslande. — Das hiesige Rabbinerseminar verließen seit seinem Bestände 50 Rabbiner, von denen fünf an höheren jüdischen Lehranstalten als Professoren, sechs als Rabbiner au ansländische:: und einunddreißig in inländischen Gemeinden wirken. — Dr. Franz Wittman wurde zum ordentlichen Professor der technischen