Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Frau Mathilde Behrend hat der Altersversorgungs-Anstalt ein Legat von 10 000 M. gespendet mit der Bedingung ves Vorschlagsrechtes zu ihren Lebzeiten. Dasselbe wird angenommen. Eine weitere Schenkung von 20 000 M. an das Erziehungshaus in Pankow der Frau Johanna Levy wird auf Antrag des Herrn Justizraths Tiktin wegen einiger an das Legat geknüpfter persönlicher Bedingungen der geheimen Sitzung zur Berathung überwiesen. Nach einer lurzen Befürwortung des Herrn Stadtraths Dr. Weigert erklärt die Versammlung ihr prinzipielles Einverständniß mit dem Neubau des Hospitals in der Oranienburgerstraße 31. Ohne Diskussion wurden 6200 M. bewilligt zur Erweiterung der Baracke für Kranke mit ansteckenden Krankheiten im jüdischen Krankenhause. Alsdann wird der Äemeindehaushalts-Etat für das Jahr 1895 96 vorgelegt. Berichterstatter ist Herr Louis Sachs. Er weist darauf hin, daß derselbe gegen das Vorjahr verhältnißmäßig wenig Aenderungen aufzuweisen habe; der Etat sei klar, übersichtlich und verständlich ausgestellt, die Finanzlage eine durchaus gute. Von einer Generaldiskussion wird Abstand genommen und sogleich in die Spezialoebatte eingetreten. Der erste Titel des Etats, die Einnahmen betreffend, wird debattelos, ohne besondere Abstimmung genehmigt. Bei der Bewilligung der Ausgaben wird ein Theil derselben, soweit derselbe mit Angelegenheiten persönlicher Natur zusammenhängt, der geheimen Sitzung zur Beschlußfassung überwiesen. Der größte Theil der sonstigen Titel wird nach den Vorschlägen des Etatsausschusses, welcher nur unwesentliche Aenderungen an der Vorlage des Vorstandes vorgenommen hat, genehmigt. Eine Meinungsverschiedenheit zwischen der Versammlung und dem Vorstande zeigt sich nur in zwei Punkten, nämlich beim Etat der Armenkommission und beim Etat der Waisenkommission. Für die Armenkommission waren im verflossenen Jahre 54 000 M. ausgeworfen; die Kommission möchte diese Summe auf 64 000 M. erhöht wissen, während der Vorstand ihr nur 59 000 M. gewähren will, der Etatsausschuß jedoch dem Anträge der Armenkommission gemäß die Erhöhung auf 64 000 M. beantragt. Herr Justizrath Meyer tritt für den Antrag des Vorstandes ein, indem er auf die immer mehr sich steigernden Anforderungen hinweist, die es doch unmöglich machen, einem Jeden, der sich um eine llnterstützung bewirbt, zu genügen. Außerdem sei die Gemeinde zu j solchen Ausgaben gesetzlich gar nicht verpflichtet, vielmehr sei das Sache j der Kommunalverwaltung und der privaten Wohlthätigkeit. Herr Simon bittet, die Position um 10 000 M. zu erhöhen in Anbetracht der schweren Erwerbsverhaltnisse und der deshalb wachsenden Verarmung. Viele Mitglieder der Gemeinde, die sich um Synagoge und Schule nicht im Geringsten kümmern, hielten nur darum an der Gemeinde fest, weil sie wüßten, daß ein großer Theil der Gemeindesteuern für Zwecke der Mildthätigkeit bestimmt sind. Die Herren Tiktin, Löwenberg und Leonhard Sachs treten gleichfalls für die Erhöhung der Position ein. Dieselbe wird schließlich mit 11 gegen 3 Stimmen bewilligt. Die Waisenkommission wünscht ebenfalls eine Erhöhung ihres Zuschusses um 10 000 M., von 30 000 auf 40 000 M. — Hier hat jedoch der Etatsausschuß der Vorlage des Vorstandes gemäß eine Erhöhung von nur 5000 M. bewilligt. — Herr Leonhard Sachs beantragt die Erhöhung um 10 000 M., Herr L. B. Bamberger vom Vorstande giebt einige erläuternde Daten, Herr Direktor Herrmann spricht dringend gegen die größere Erhöhung des Zuschusses, während Herr Oppenheim für dieselbe eintritt. Schließlich wird der Antrag Sachs mit Stimmengleichheit abgelehnt und der beantragte Zuschuß von 35 000 M. bewilligt. (\/> Berlin, 27. Februar. Eine Trauerbotschaft, die in weilen Kreisen Theilnahme erwecken wird, kommt uns kurz vor Schluß des Blattes zu: Siegmund Haber, der bekannte humoristische Schriftsteller, der fast 25 Jahre lang den „Ulk" redigirte, ist heute plötzlich im 59. Lebensjahre am Herzschlag gestorben. Indem wir uns eine ausführliche Darlegung seines Lebensgangs Vorbehalten, wollen wir für heute nur bemerken, daß mit Siegmund Haber ein echter Humorist, ein warmherziger Mensch, dahingegangen, der sein Lebenlang mit den Waffen des Humors und der Satire gegen Bosheit und Unrecht gekämpft und seine Glaubensgenossen gegen alle Anfeindungen vertheidigt hat. Noch in den letzten Tagen sprach er gegen uns die Absicht aus, in einer humoristischen Skizze die Angriffe der Antisemiten gegen die Juden in Berlin zurückzuweisen. Nun ist er dahingegangen — und uns bleibt nur die innige Trauer um den trefflichen Mann und die Erinnerung an die sonnigen Stunden, die wir seinem Humor zu danken hatten. Have pia anima! £2 Berlin, 26. Februar. Im 60. Lebensjahre ist in der Nacht zum Sonntag an einem Schlaganfall der Kaufmann Moritz Israel plötzlich gestorben. Er war bis zum 1. Januar d. I. Mitinhaber der Firma N. Israel gewesen und hatte sich erst am genannten Zeitpunkte, nachdem im Vorjahre bekanntlich sein Bruder, der Kommerzienrath Jacob Israel, aus dem Leben geschieden war, vom Geschäft, das nunmehr seinem Neffen und seinem Sohne gehört, zurückgezogen. Der nun Verstorbene wurde u. A. seinerzeit viel genannt als Theilnehmer der Orient-Reisegesellschaft, die vom Räuberhauptmann Athanas gefangen genommen und erst gegen hohes Lösegeld wieder in Freiheit gesetzt wurde. Moritz Israel gerade war Derjenige, den Athanas aus dem Gewahrsam der Räuberhorde entließ, damit er die zur Befreiung seiner Schicksalsgenossen erforderlichen Summen herbeischaffe. g. Berlin, 26. Februar. Im Hotel „Münchener Hof", Spandauerstraße 13, versammelte sich am 19. Februar auf Einladung eines provisorischen Komitees ein großer Theil der Berliner jüdischen Lehrer zur Begründung eines „Vereins israelitischer Lehrer Berlins". Nachdem durch Acclamation Herr Rektor Tr. Adler zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt worden war, wurden die Zwecke, die der zu bildende Verein erstreben soll, eingehend erörtert. Einstimmige Annahme fand schließlich folgende Formulirung: „Der Verein hat zum Zweck: a) die Förderung seiner Mitglieder auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes, b) die Behandlung sonstiger die israelitischen Lehrer betreffender Fragen, c) die Pflege der Kollegialität." Hierauf wurde ein geschäftsführender Ausschuß, bestehend aus den Herren: Rektor Dr. Adler, Lehrer Remack, Lehrer Abraham gewählt, der die Vereinsstatuten entwerfen und dieselben der nächsten Versammlung vorlegen soll. Diese Versammlung, in der auch die Wahl des Vorstandes vorgenommen werden wird, findet Dienstag, den 5. März, pünktlich 9 Uhr Abends im „Münchener Hof", Spandauerstraße 13, statt. Zn derselben sind alle diejenigen Lehrer eiugeladen, die den Bestrebungen des Vereins sympathisch gegenüberstehen. Erwähnt sei noch, daß bereits in der konstituirenden Versammlung die Ausgestaltung des Vereins zu einem Provinzialverein israelitischer Lehrer Brandenburgs in Erwägung gezogen wurde. Wir begrüßen diesen neuen Verein, der in der That einem tiefempfundenen Bedürfniß entspricht mit herzlicher Sympathie! ca Berlin, 24. Februar. Der Stadtverordnete Louis Sachs und seine Gattin sind vom Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, dem sie, wie wir bereits mitgetheilt, ein Grundstück zur Errichtung eines Schwesternheims gespendet, in der Generalversammlung am 17. d. M. zu immerwährenden Ehrenmitgliedern ernannt worden. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wurden einstimmig wiedergewählt. Einige Anträge auf unwesentliche Statutenänderungen wurden gleichfalls einstimmig angenommen.