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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-03-01 · Heft 9 (1.3.1895) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 9 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
Seite 104 (sequence 10)
Language
German
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104 Oppenheim, Jda: Epheuranken. (Thorn 1889.) Kraszewski, I.: Der Jude. (Berlin.) Orszeszko, E.: Meyer Ezofowicz. (Dresden 1888.) -Mirtala. (Stuttgart 1890.) P hilipp son, Ludwig: Gesammelte Schriften. 4 Bde. (Breslau 1891.) Philippson, PH.: Der unbekannte Rabbi. (Leipzig 1865.) Philipp son, Gustav: Schoschanim. (Berlin 1872.) Rahel: In Banden frei. (Leipzig 1865.) Francolm: Juden und Kreuzfahrer. (Leipzig 1861.) Nossi, G.: Novellen. (Berlin 1889.) Rott, Fr.: Gerettet. (Frankfurt 1865.) Sacher-Mas och: Jüdisches Leben in Wort und Bild. (Mannheim 1890.) -Erzählungen. 5 Bde. Sammler, A.: Der Rabbi von Liegnitz. (Berlin 1866.) Berg, C.: Erzählungen. (Berlin 1892.) Samuely, N.: Zwischen Licht und Finsterniß. (Leipzig 1892.) -Kulturbilder. (Ebenda.) Schumacher: Berenice. (Berlin 1891.) Pascheles, W.: Sippurim. (Prag 1888.) Spindler, Carl: Der Jude. (Leipzig 1893.) Stein, Leop.: Der Freitag Abend. Familienbuch. (Frankfurt 1859.) -Stufengesänge. (Ebenda.) Steinitz, Clara: Im Priesterhause. (Berlin 1890.) Tauber, I. S.: Die letzten Juden. (Leipzig 1860.) 2 Bde. Tendlau, A.: Sprichwörter und Redensarten. (Frankfurt.) -Das Buch der Sagen und Legenden. (Ebendort.) Boß, Rich.: Dahiel der Konvertit. (Stuttgart 1883.) Wassermann, M.: Judah Touro. (Stuttgart 1878.) -Die Mädchen von Chaibar. (Stuttgart 1857.) Wolfs, L.: Humoresken. (Rostock 1882.) Brachvogel, A. E.: Simon Spira und sein Sohn. (Berlin 1876.) Feldmann, W.: Die schöne Jüdin. (Amsterdam 1993.) Herzberg, I.: Auf falschen Pfaden. (Frankfurt a. M. 1893.) Schalith-Meisels, Agathe: Aus dem Osten. (Wien 1893.) Scherbel, M.: Humoresken. (Gumbinnen 1683.) Schiff, Hermann: Das verkaufte Skelett. (Hamburg 1866.) — — Tausend und ein Sabbath. (Ebenda.) -Das koschere Haus. Die wilde Rebbezin. (Ebenda.) Wildenradt, I. v.: Joseph Nässt. (Leipzig 1881.) Placzek, B.: Im Grub. Gedichte. (Brünn 1869.) Stein heim: Gesänge Obadjah's. (Hamburg 1842.) Unser Gottesdienst. Von Dr. I. Babad, Bibliothekar in Greifswald. (T^’roeifeüoS sind die gottesdienstlichen Fragen für das religiöse >4^0 Leben der Juden von weittragender Bedeutung; und ich bin überzeugt, daß sie schon längst wären gestellt worden, wenn nicht die gebildeten Juden alle ihre Kräfte hätten anspannen müssen zur Abwehr der leidigen Modekrankheit, des Antisemitismus, der freilich das eine Gute wenigstens zur Folge hatte, daß der religiöse Jndifferentismus bei unseren Glaubensgenosse» allmählich schwindet und Fragen aufgeworfen werden, die für die Erhaltung des Judenthums von nicht geringerer Wichtigkeit sind, als etwa die der religiösen Erziehung der jüdischen Jugend. Man muß wirklich staunen, wenn man sieht, daß nicht blos orthodoxe, sondern auch selbst liberale jüdische Theologen sich sträuben, statt der hebräischen Gebete, die doch den allermeisten, mitteleuropäischen Juden längst unverständlich geworden sind, de utsch e in den Gottesdienst einzuführen. Diese Ablehnung landessprachlicher Gebete hat allenfalls noch einen Sinn bei unseren Glaubensgenossen in den slavischen Ländern, wo die einzige, geistige Beschäftigung jener fast ausschließlich im Studium der biblischen und nachbiblischen Litteratur besteht, und wo das religiöse Leben in Familie und Haus eine weit größere Rolle spielt als bei uns in Deutschland z. B. Hier ist es doch, wie mir Jeder zngeben wird, thatsächlich der Fall, daß Leute, sobald sie die Schule verkästen haben, im Lause der Jahre das Hebräische so vergessen, daß sie kaum noch im Stande sind, es richtig zu lesen, geschweige denn, es zu verstehen. Man begreift unter diesen Umständen in der That nicht das starre Festhalten an den hebräischen Gebeten in der Synagoge, wenn man dazu noch in Erwägung zieht, daß unsere Altvorder», die doch sicher weit orthodoxer waren als wir, hierin eine wahrhaft musterhafte Nachgiebigkeit an den Tag legten. So wissen wir, daß in Alexandrien und in einigen Städten Palästinas von überwiegend griechischer Bevölkerung auch griechisch gebetet wurde, ohne daß seitens des Synhedrions in Jerusalem Protest dagegen erhoben worden wäre. Im jerusalemischen Talmud (Tr. Sota 7, 1) wird erzählt, daß ein Schüler Rabbis, d. i. des Patriarchen R. Juda I., R. Levi bar Chaitha, einst nach Cäsarea kam, wo er in der Synagoge das Schemagebet („Höre Israel") in griechischer Sprache verrichten hörte, wogegen er nach der Vorschrift seines Lehrers, der es nur hebräisch gesprochen wissen wollte, protestirte. Als aber sein Zeitgenosse R. Jose dies erfuhr, war er über sein Vorhaben sehr erzürnt. fuhr ihn an und sprach: „Sagte ich etwa, daß, wenn man das Hebräische nicht zu lesen verstünde, es besser wäre, daß man dies Gebet überhaupt nicht spreche? In der That kann diese gottesdienstliche Pflicht in jeder Sprache, die man versteht, erfüllt werden." Diese Ansicht hat auch später die Majorität erhalten. Bei Maimonides im Jad ha-Chasakah (Hilchoth keriath Schema 2, 10) heißt es: „Man lese das Schema in der Sprache, die es uns verständlich macht. Wer in einer fremden Sprache das Schemagebet verrichtet, hüte sich vor Sprachfehlern und spreche die Worte mit grammatikalischer Genamgkeit aus, wie er dies beim Lesen desselben in der hebräischen Sprache zu thun verpflichtet ist." In gleichem Sinne äußert sich der am 12. Jahrh. in Regensburg gestorbene Jude ben Samuel mit dem Beinamen „Chassid" (der Fromme). „Fragt dich," heißt es im „Buche der Frommen" (Nr. 588 und 788), „ein des Hebräischen Unkundiger oder eine Frau, wie sie beten sollen, so eröffne ihnen, daß sie es in der ihnen verständlichen Sprache thun mögen; denn das Gebet hat nur Werth, wenn das Gemüth es erfaßt, welchen Nutzen hat ein solches, von dem das Herz nicht weiß, was der Mund spricht?" „Wie über das Schema." sagt Hamburger (Real-Encyklopädie für Bibel und Talmud, Strelitz 1883, II., S. 254), „so lautet das Gesetz über das Gebet im Allgemeinen: Man darf in jeder beliebigen Sprache beten." Und in der That sollen, nach einer allerdings nicht ganz verbürgten Nachricht, die Juden in Rußland zu der Zeit, als ihre Muttersprache noch das Russische war, und als sie »och keine Berührung mit denen aus Deutschland zu ihnen sich flüchtenden Glaubensgenossen gehabt hatten, ihre Gebete in slavischen Sprache verrichtet haben. (Vergl. Harkavy: Die Juden und die slavischen Sprachen, Wilna 1867 (hebräisch), S. 11 ff.). Und haben nicht etwa selbst die Lehrer der Mischna und der Gemara fremdsprachliche, d. h. nicht hebräische Gebete dem Gebetbuch einverleibt: Nicht blos die beiden Jekum purkan, den Berich scheine, die allerdings die meisten in Deutschland gebrauchten Gebetbücher nicht mehr ausgenommen haben, sonderir auch den eine Hauptrolle im jüdischen Gottesdienst spielenden Kaddisch, den als Leidtragende Leute zu beten haben, die kaum noch ein Wort Hebräisch verstehen, alle diese, sage ich, sind aramäischen Ursprungs und nicht der „heiligen Sprache" entnommen, was zweifellos deshalb erfolgte, weil damals, als die genannten Gebete verfaßt wurden, man Rücksicht nehmen mußte auf

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