Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-02-22 · Heft 8 (22.2.1895) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228103--51542-3272293
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

3 r jüdische.! gung eine. Zrund von Fritsch den Gesetze bo und nenn-.' r von der lerständigen Fakultär daß er all usgabe deamen habe doch sinn rtsanwalt Das Wor hristen be itheistischet rienobe) tatsanwal' en Kultus Schulchan htshof gal dlung nock auf den; )t verlegt der Zollengemeinde Landraths r bis zum eine halkn ten haben Wagen n Amts eter des lst, jederranz o§ hundert Geplauder Dichter in und am ttowitz. er Baugemeinynagogen- 90 Jahren :d hiesiger rstorbenen es Herr h seines Herrn tion der che der lied des Glückeich als ld Entdie, tu 'en des Zeilen wurde, Lebensnnschaft weißen ack zum eutscher unserm ktoria, ausgezeichnet. Außerdem wurde derselbe durch eine goldene Medaille niit'den^Porträts des Kronprinzenpaares geehrt. Lißack, welcher sich s. Z. auch etwas länger in Frankfurt a. O. aufhielt, wurde daselbst eines Tages von einem höheren Offizier zu Pferde auf der Straße in freundlichster Weise angesprochen. Wie erstaunte er aber, als er in dem Offizier unfern allgemein geliebten Kronprinzen Fritz erkannte, der sich vom Pferde herab in huldvollster Weise mit Lißack unterhielt. Nach bereits vollendetem 70. Lebensjahre war derselbe damit beschäftigt, eine Schrift gegen den Antisemitismus in Deutschland zu schreiben und dieselbe unserm hochseligen Kaiser Wilhelm 1. zu übersenden. Ob er es gethan, weiß ich nicht, möglich, daß sein Leiden ihn daran hinderte. mf. Essen, 18. Februar. Der alljährlich im Januar erscheinende Jahresbericht der Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Elementarschulen für Westfalen und die Rheinprovinz theilt in seiner diesmaligen Ausgabe mit, daß die nächste Generalversammlung des Vereins am 2. und 3. Juni d. I. in Hörde stattfinden wird. Die Tagesordnung wird später mitgetheilt werden. Das Vermögen der ftaffe bestand am 1. Januar 1895 aus 80,374 Mark. Die Jahreseinnahme des ganzen Berichtsjahres betrug 7208 Mark. Hiervon kommen an die Unterstützungsbedürftigen, deren Zahl stetig wächst, für das laufende Jahr zwei Drittel, d. h. 4840 Mark zur Vertheilung, wovon auf 21 Familien mit zusammen 101 Unterstützungsantheilen pro Antheil 48 Mark entfallen. — Die Gemeinde Köln hat in Würdigung der Bestrebungen des Vereins bei Gelegenheit der daselbst abgehaltenett Lehrerkonferenzen außer dem Jahresbeiträge von 100 Mark als Geschenk dem Vereine 300 Mark zugewandt. Da die Unterstützungs-Antheile namentlich für Lehrerwittwen mit Kindern trotz aller Bemühungen des Vorstandes immer noch knapp bemessen sind, so ist der Verein besonders dankbar für Zuwendungen, welche zur sofortigen Vertheilung an die Bedürftigsten gespendet werden, und gedenkt hierbei der Gabe der Frau Stadtrath Dr. Weigert in Berlin, der Tochter des um die Förderung unseres Vereins hochverdienten Herrn Elias Meyer. Der Nothruf int Namen der hilfsbedürftigen Lehrer, Lehrerwittwen und Waisen wird immer einen Widerhall finden im jüdischen Herzen! Der gegenwärtige Vorstand des Vereins besteht aus den Herren S. Blumenau in Hameln, M. Blumenfeld in Essen, A. Steiuweg in Rheda, I Goldstein in Grevenbroich, A. Treu in Münster und D. Levi in Neuß. Unter den Ehrenmitgliedern des Vereins finden sich Geh. Negierungsrath Professor Dr. Lazarus und Professor Dr. Lesmann in Heidelberg. F. M -Gladbach, 13. Februar. Zu einer schönen Kundgebung gestaltete sich das Fest, welches unsere Gemeinde am verflossenen Sabbath zu Ehren des 25jährigen Amtsjubiläums ihres Vorstehers Herrn Alexander Cohnen feierte. Getragen von dem Vertrauen seiner Gemeinde, geliebt und geehrt von Jedermann, hat der Jubilar ein Vierteljahrhundert hindurch in selbstlosester Weise die Interessen der Synagogengemeinde des Kreises und der Stadt M.-Gladbach vertreten. Nach den: Festgottesdienst in der Synagoge erschienen die anderen Vorstandsmitglieder und Repräsentanten der Gemeinde, die Vorsteher der Vereine, die Schulvorstände und Lehrer der israelitischen Volks- und Religionsschule in der Wohnung des Jubilars, um zu beglückwünschen und gleichzeitig das Ehrengeschenk der Gemeinde, einen circa 80Centimeter hohen, prachtvollen silbernen Pokal zu überreichen Auch die Vorsteher der früher zunff hiesigen Synagogenbezirk gehörigen Nachbargemeinde Rheydt ehrten ihren Nachbarkollegen durch Ueberreichung eines Photographie- Albums mit künstlerisch ausgeführter Widmung und ihren Bildern. Dann kam die große Schaar der Freunde und Verehrer des Jubilars von hier und auswärts, die ihm ihre Glückwünsche darbrachten - Des Abends fand ein Festbankett statt, an welchem fast alle Gemeindemitglieder mit ihren Damen theilnahmen. Auf die Festrede des Stadraths Herrn I B. Jonas, nächstältestenl Kollegen int Vorstande, erwLederte der Gefeierte mit eitlem interessanten Rückblick auf die Entwickelung unserer Gemeinde. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 18. Februar. Herr Oberrabbiner Dr. Moriz Güdema n n hat sich mit seiner Nichte, Fräulein Kamilla Sachs aus Breslau, verlobt. — Am 16. d. M. ging die Landtagssession zu Ende, nicht ohne daß die radaulustigen Antisemiten noch einen Abschiedslärm inscenirt hätten: Schneider wollte jüdische Gebetbücher vorweisen, mußte sich aber drücken, da ihm vom Landmarschall das Wort entzogen wurde; — der fatale Gregvrig blamirte sich, indem er einen Vers von Scheffel: „Behüt' uns Gott vor Masseuhaß, Und Rassenhaß, Und Klaffenhaß Und derlei Teufelswerken" ganz laut als von Dingelstedt herrührend; bezeichnet^ als ihn Abgeordneter Magg in einer trefflichen Rede an-! führte. Außerdem trat Dr. Lueger auf, dem aber Professor Sueß sehr i wirksam entgegnete; er führte unter Anderem an: „daß, was die Juden j betrifft, die Zahl derselben im letzten Dezennium zugenonmten, daß daj gegen die Zahl der von den Juden begangenen Verbrechen prozentuell i konstant abgeuommen habe. Das spreche deutlicher als alle Worte gegen! die unqualifizirbaren Ausdrücke, welche im Lause der letzten Sitzungen j hier gefallen sind, und auf welche er nicht weiter eingehen will. „Dann i erlaube ich mir zu bemerken, daß die geringste Anzahl von Verbrechen! in einem Lande zu konstatiren ist, in welchem der Antisemitismus nicht! vorhanden ist, das ist in Böhmen." — Der in Paris verstorbene \ Baron Hermann Springer vermachte verschiedenen humanitären! jüdischen Anstalten den Betrag von HOMO fl. — Daß wir nun j endlich auch hier einen Verein für jiidische Geschichte und Litte-;■ r atur haben, wissen Ihre Leser bereits. Der Verein ist auch von der : Statthalterei schon genehmigt und hat schon einen Vorstand gewählt.! Aber daß er auch eine Sitzung einberusen oder einen Vortrag hätte : haltert lassen, das hat bis jetzt Niemand gehört. Und doch ist die; Saison für Vorträge und Vereinsversamrnlungen überhaupt bald zu! Ende. Hoffentlich holt der int klebrigen aus tüchtigen und begeisterten! Männern bestehende Vorstand das Versäurnte bald nach. Desto größeren j Eifer entfalten die Leiter der akademisch-jüdischen Lesehalle.! Doch gehen die Meinungen über die Wichtigkeit und Opportunität einer j derartigen Schöpfung, die allerdings in den hiesigen lokalen Verhältj nissen nur zu sehr begründet ist, noch immer weit auseinander. B. Budapest, 17. Februar. Im Interesse der unter dem Namen 1 „Volkspartei" auferstandenen a ntisem it ischen Partei nehmen die! Agitationen des Curatclerus immer größere Dimensionen an. Pfarrer; und ihre Helfershelfer sind den ganzen Tag auf den Beinen ttiib bereisen die Gemeinden, wo sie dem Bauernvolke an den Leib gehen, um es der Volkspartei zu gewinnen. In Bonyhad, Csaktornya, Duna-Szerdahely, Leutschau, wo jüngst Abgeordnetenwahlen stattfanden, diente der Volkspartei als bestes und sicherstes Kortesmittel der Jude. Wentt die Partei in dem Wahlkampfe — so heißt es — unterliegt, dantt kommen die Juden an die Negierung und die katholische Religion ist verloren und der König muß sich dann zunt Judettthum bekennen. Daß derartige Argumentationen bei den ungebildeten Massen nicht wirkungslos bleiben, ist selbstverständlich. — Im nordöstlichett Theile des Landes, im Mar-! maroser Komitat, wo nahezu 70,000 Juden wohnen, herrscht seit! dem Herbste eine drückende Noth und ein gräßliches Elend, welches! bisher gar keine Beachtung fand. Der größere Theil der Nothleidenden | sind Juden, welche zumeist als Taglöhner ihr Brod verdienen. Notbjahre,! Ueberschwemmungen und die Choleraepidemie hat diese Unglücklichen! sehr hart mitgenommen. Während der Choleraepidemie hatte Ihr! Korrespondent Gelegenheit zu beobachten, welch' schauerliches, jeder Bej schreibung spottendes Dasein diese Jammergestalten fristen. Naheztt! 5000 Familietl hungern im buchstäblichen Sinne des Wortes, nachdern j der schwache Vorrath an Nahrungsmitteln zur Neige ging und sie! durch ihrer Hände Arbeit aus Mangel an Arbeit blutwenig erwerben können. Um die Noth zu lindern, bildet sich ein Komitee, dessen segensreiches Wirken hoffentlich alle Menschenfreunde unterstützen! werden. Italien. Rom, 15. Februar. Wie man französischen Blättern von; hier mittheilt, befinden sich gegenwärtig folgende 15 Israeliten im : italienischen Parlament: Angelo Pavia-Sorosina, Ed. Arbib-Rieti,! G. Barzilai-Rom, E. Franchetti-Perugia, Levi-Reggio, Carpi-Prato,! Cavalieri-Ferrara, Louigi Luzzatti-Albano,Attilio Luzzatto-Monte Varchi, : Riccardo Luzzatto-S Daniele, Jppolito Luzzatti-Vigttale, Romaniu Jaeur-Piove, G. Treves-Venedig, W. Weil-Roh, Wollemberg-Citadella. — : Aus derselben Quelle erfährt man, daß nunmehr auch in Italien ein : antisemitisches Blatt erscheint und zwar in Mailand unter dem Titel - Jempo. Man prophezeit ihm aber keine lange Lebensdauer, die großen! Mailänder Blätter schreiben übereinstimmend, daß der Antisemitismus > eine Waare sei, welche in Italien keine Käufer sittdet. ~ Wir haben I schon in der vorigen Nummer mitgetheilt, daß der Brigade-General

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.