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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-02-22 · Heft 8 (22.2.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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59. Jahrgang. Nr. 8. Äerlin, 22. Februar 1895. Der Gememdebote. HZeikage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 2/a Berlin, 20. Februar. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat soeben folgenden Aufruf zur Bildung eines Verbandes der isr. Lehrervereine in Deutschland erlassen: „Schon seit geraumer Zeit haben sich die israelitischen Lehrer Deutschlands in verschiedenen örtlich abgegrenzten Vereinen zusammengefunden, um ihre Standesinteressen gemeinschaftlich wahrzunehmen. Auch existiren verschiedene Kassen und Stiftungen, die entweder ausschließlich oder doch vorzugsweise der Versorgung der Kranken, Invaliden und Hinterbliebenen unter den jüdischen Lehrern Deutschlands gewidmet sind. Die meisten dieser Vereine halten Jahresversammlung ab, und der Deutsch- Israelitische Gemeindebund hat zu den Kosten dieser Versammlungen Beiträge geleistet. Die Höhe dieser Beiträge betrug in den Jahren: 1890 1005 Mk., 1891 1100 Mk., 1892 1025 Mk., 1893! 185 Mk. In den letzten Jahren ist nun von mehreren Seiten die Schaffung eines Vereinigungspunktes für alle in den Einzelvereinen gepflegten Zwecke angeregt worden, von dem aus diese Zwecke nach einheitlichen Grundsätzen im gesammten Deutschen Reiche zielbewußter uub wirkungsvoller verfolgt werden können Aber beim Verfolgen dieses wohlberechtigten Strebens, welches seinen Ausdruck in der Begründung eines ganz Deutschland umspannenden Eentralverbandes finden sollte, zeigte sich, daß aus partikularistischen Neigungen die Gefahr entgegentrat, statt eines Centralverbandes mehrere solcher Vereinigungen zu erhalten, in denen sich die Kräfte nicht sammeln, sondern zersplittern. Diese Sachlage veranlaßt den Ausschuß des Gemeindebundes, dem berechtigten Wunsch nach Centralisirung dadurch den sachgemäßen Weg zu öffnen, daß er den betheiligten Kreisen vorschlägt, nicht einen Verein aller jüdischen Lehrer, sondern eine Verbindung aller deutschisraelitischen Lehrer-Vereine, unbeschadet deren bisherigen Selbstständigkeit, zu begründen. Der Ausschuß, insbesondere die ressortmäßig mit dieser Angelegenheit betraute Lehrabtheilnngft, ist der Ansicht, daß, wenn die Geldmittel, die bisher jährlich an die einzelnen Vereine vertheilt wurden, dem zu bildenden Centralverbande zur Verfügung gestellt werden, diese Beträge durch Fachmänner nach den Grundsätzen der Selbstverwaltung verwandt, noch bessere Früchte tragen werden, als dies nach dem bisherigen Verfahren der Fall war. Für die Organisation des zu begründenden Verbandes werden die beifolgenden hiermit veröffentlichten Leitsätze aufgestellt. Die gesammte israelitische Lehrerschaft in Deutschland wird hierdurch nun aufgefordert, sich über diese Leitsätze, als Grundlage eines zukünftigen Statuts, zu berathen. Insbesondere werden die gesch. Vorstände der Lehrervereine ergebenst ersucht, nach Einholung der Vota ihrer Mitglieder ihr Gutachten über die Leitsätze bis spätestens Ende März d. I. dem Bureau des D. I. G B. einzureichen. Jeder Vereinsvorstand wolle, sobald er den Beitritt seines Vereins zum Verbände beschlossen hat, schleunigst nach Punkt 8 der Leitsätze Delegirte wählen und dem Büreau des D. I. G. V. davon Mittheilung machen. Der Ausschuß wird dann, im Falle die Voraussetzung des Punktes 11 erfüllt ist, die gewählten Delegirten nach Berlin berufen, um mit ihnen auf Grund der Leitsätze die Statuten zu berathen und im Falle des Einvernehmens den Verband zu konstituiren. Frg. Berlin, 14. Februar. In: Lokale des Brüder - Vereins findet am 23. d. die diesjährige ordentliche Generalversammlung des „Vorschuß-Vereins für hi lfsbed ürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde" statt. In dieser Versammlung findet die Erft Dieselbe besteht aus folgenden Herren: Dr. S. Kristeller, Vorsitzender. — Dr. Adler, Rektor der Mädchenschule der israelitischen Gemeinde Berlin. - Dr. Blaschke, Oberlehrer. — Marcus, Stadtverordneter. — Dr. Minden, Syndikus. — Dr. Philippson, Professor. Dr. Schaefer, Oberlehrer. gänzungswahl für die nach 8 22 des Statuts in diesen: Jahre ausscheidenden drei Vorstandsmitglieder, sowie zweier Revisoren für das Jahre 1895 statt. Dem uns vorliegenden Bericht über die Wirksamkeit des Vereins entnehmen wir die erfreuliche Thatsache, daß die Zahl der Mitglieder heute 793 im Berichtsjahre gegen 635 im Vorjahre beträgt und die jährlichen Beiträge von Mitgliedern 2931 Mark ausmachen, die einmaligen Beitrüge von immerwährenden und lebenslänglichen Mitgliedern (deren Zahl 218 beträgt) 3110 Mark. Hierzu kommen auf Geschenk-Konto von Herrn Moritz Mannheimer 1880 Mark, Diverse 647 Mark und von der Aachen-Münchener Feuer-Versicherungsgesellschaft 361 Mark, so daß einschließlich des zu Beginn des Berichtsjahres übernommenen Kapitalkontos von 65,504 Mark die Einnahmen pro 18 94 betrugen 74,613 Mark, die Ausgaben ergeben ein Debitoren- Konto von 65,804 Mark, auf Unkosten-Konto an Gerichtsgebühren 488 Mark, an Drucksachen 1634 Mark, an Gehalt 1500 Mark, das Kassen- Konto beträgt 5186 Mark. Dem obengenannten Riskontro-Konto von 65,804 Mark stand am 1. Januar 1895 ein Kapital-Konto von 70,990 Mark gegenüber. Die Wirksamkeit des Vereins ergiebt sich ferner aus folgenden Zahlen: Es wurden Gesuche im Berichtsjahre gestellt 874 gegen 872 im Vorjahre, von denen 694 bewilligt wurden in Gesammthöhe von 156,850 Mark gegen 155,402 Mark im Vorjahr, während im Jahre 1890 nur 108,011 Mark verliehen wurden. Die Darlehen ergaben im Berichtsjahre einen Durchschnitt von 226 Mark. 225 Gesuche beliefen sich auf 300 Mark, 45 Gesuche auf 400 Mark und 17 Gesuche auf 500 Mark. Die Addition des Riskontro-Konto ergiebt seit 1890 ein Steigen um mehr als das Doppelte, da dasselbe im Jahre 1890 betrug 140,882 Mark und im Berichtsjahre bereits die Ziffer 222,654 Mark erreichte, gewiß ein anschauliches Bild von der höchst nothwendigen und segensreichen Wirksamkeit des Vereins. Kr. Thorn, 15. Februar. Am 3. Februar fand die ordentliche Generalversammlung des hiesigen LitteraturVereins statt. Dem von dem ersten Schriftführer Herrn Rechtsanwalt Dr. Stein erstatteten Bericht entnehmen wir: Am 28. Dezember 1893 ist der Verein mit 127 Mitgliedern gegründet worden und hat jetzt 195 Mitglieder. Es fanden 14.Vereinsversammlungen und 20 Vorstandssitzungen statt. Einen schmerzlichen Verlust erlitt der Verein durch den Tod des treuen, unermüdlichen Vorstandsmitgliedes, des Photographen Herrn Alexander Jacobi, dem ein dauerndes Andenken bewahrt werden wird. 11 Vorträge sind gehalten worden und drei besondere Abende waren lediglich der Diskussion über die durch Vermittelung des Fragekastens aufgeworfenen Themen gewidmet. Die Vorträge waren der Reihe nach folgende: 1. Jüdische Aerzte im Mittelalter (Rabbiner Dr. Rosenberg). 2 Gabriel Rießer (Dr. Stein). 3. Thierschutz in Bibel und Talmud (Kaufmann L. Kalischer). 4. Zwei Freunde (Kaufmann L. Loewensohu). 5. Der Prozeß gegen die märkischen Juden 1510 (Rabbiner Dr. Rosenberg). 6. Ueber Dogmenbildung im Judenthum (Derselbe) 7. Der Talmud und seine Ethik (A. Katz aus Berlin). 8. Die Nächstenliebe im alten Testament (Frau Dr N. Remy aus Berlin). 9. Die Bibel der Vernunft (Oberlehrer Dr. Horowih). 10. Die Arbeit in der Bibel (Kaufmann L. Kalischer). 11. Maimonides (Kaufmann Wiener). Die Diskussionsthemen waren u. A. folgende: 1. Enthalten die Worte Lessings: „Wißt Ihr, Nathan, welches Volk zuerst das auserwählte sich nannte V* einen Vorwurf, und ist derselbe berechtigt? 2. Die Solidarität der Juden u. A. Die Opferwilligkeit der Mitglieder hat uns eine ausreichende Vortragsliste verschafft; lebhaften Anklang fand die Aufforderung des Vorstandes, durch Referate über Bücher unserer Bibliothek den Inhalt derselben den Mitgliedern zugänglicher zu machen. Die Bücherei des Vereins, die Herr Lehrer Kramer verwaltet, zählt bis jetzt 170 Bände. Im Vereinslokal liegen auch zu bestimmten Stunden jüdische Zeitschriften zur Benutzung aus. Mit dem Nachbarverein in Culmsee, dessen Gründung von hier aus angeregt wurde, hat reger Verkehr geherrscht Drei Vorträge sind dort von unseren Mitgliedern gehalten worden. Auch mit andern Vereinen gleichen Zweckes wurde brieflicher Verkehr

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