Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1895)
- Date
- 1895-02-22
- Page
- Seite 96 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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96 In mir begann eine Hoffnung zu dämmern. Josi sollte zu uns kommen. Ich wußte, wie beschwichtigend ihr süßes Wesen unrtcii konnte. Hub sie kam. — Es war an einem wundervollen Vorabend des herrlichen Wochenfestes, als wir Drei zusammensaßen. Josi hielt meine Hand, und ich fühlte, wie sie zitterte. Antonia spielte — ums waren das für Töne! (Sin Schluchzen ohne Worte, ohne Thronen so klagt nur hoffnungsloses Weh. Tann, als sie geendigt, und wir kein Wort zu sagen vermochten, hörten wir dieses erschiitternde Weinen Antonias. Ich tonnte es nicht mit ansehen. Ich blickte hinaus in die Dämmerung, und ich sah das letzte schwache Auszucken des dahinseheidemden Tages. Am Himmel leuchtete der Abendstern. Tann hörte ich, wie meine Braut auf Antonia Zuschritt, und ich vernahm, wie die jungen Mädchenlippen in einem langen Mnfe sich fanden. Der Mond erfüllte das Zimmer mit silbernem Licht. Die beiden Mädchen standen noch lange fest umschlungen. Die Mutter war ganz leise eingetreten. Vielleicht ahnte sie, was hier vorging. Fittcrarische Mittheilungen. — Bamberger, Ludwig: Charakteristiken. Berlin 1894. Rosenbaum Hardt. — Als zweiter Band der gesammelten Schriften des bekannten Parlamentariers und Schriftstellers ist eine Sammlung biographischer und kritischer Essays erschienen, die sicher allgemeines Interesse erregen werden. Bamberger ist ein Meister des Essays; er hat viel gesehen und erlebt, er hat ein großes Wissen auf verschiedenen weit auseinanderliegenden Gebieten und eine knappe, kräftige und elegante Darstellungsgabe. Alles, was er schreibt, ist geistvoll, interessant mtb fesselnd. Von besonderem Interesse werden für unsere Leser die Gedenkrede auf Eduard Lasker, die Nachrufe auf Moritz Hartmann und Heinrich Hornberger sein, Nicht weniger die Essays über Ernst Renan und Heinrich u. Treitschke, dessen historische Methode und dessen Judenhaß Bamberger mit wahrhaft vernichtender Ironie geißelt Wir können diese Sammlung allen unseren Lesern als eine genußreiche Lektüre aufrichtig empfehlen. K. Kprechsacrl. Sehr geehrter Herr Redakteur! 3 ist von jeher Usus des jüdischen Stammes gewesen, daß er seinen großen Geistes Helden statt der Monumente von Erz oder Stein geistige Monumente, die weit dauerhafter als erstere sind, setzte, und so geschah es auch innerhalb der jüdischen Gemeinde Berlin beider 150jährigen Feier Moses Mendelssohns, indem man alle seine Werke hat abdrucken lassen. Ich denke, daß zum achtzigsten Geburtstag des hochverehrten und hochverdienten Lektors I. H. Weiß das Judenthum demselben kein besseres Zeichen der Huldigung entgegenbringen könnte, als wenn man seine Werke, besonders das fünfbändige, jedem Forscher auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judenthums unentbehrliche Werk 'plPTHl *"VH 1H oder „Zur Geschichte der jüdischen Tradition", Neudrucken ließe,besonders da dies Werk ganz vergriffen und im Buchhandel vergeblich nachgefragt wird. Ich wüßte kein besseres Mittel, wodurch Israel seinen Geisteshelden besser feiern könnte, als durch eine größtmögliche Verbreitung seiner Werke, wodurch das Indent hum natürlich auch sich selbst feiern würde, indem es hierdurch zeigen würde, daß es seine Großen zu schätzen weiß. Möge Gott Herrn Lektor I. H. Weiß, zu dessen Schülern ich mich zähle, noch recht lange in rüstiger Kraft dem Judenthum erhalten! Jamnitz, im Februar Dr. N. I Weinstein * | p. Lehr geehrter Herr Redakteur!! erkwürdiges Zusammentreffen. In derselben Woche, in der meine Abhandlung, „Die viblisch-rabbinischen Speisegesetze", die Presse! verließ, tritt — rechne ich meine Jahre als Rabbinatskandidat hinzu — während meiner nahezu 50 jährigen rabbinischen Amtirung zürn ersten j Male aus einer hiesigen Familie die Frage an mich heran, ob der j „Fasan" ein reiner (zum Esten erlaubter) Vogel sei. Nun wissen wir! die Halachah Raschi Ghul. 62, 2: j 'men irrrc« ■ncfctr rmoaa ub bsw rpj? ps ■ Indes; möchten wir in wissenschaftlicher Hinsicht folgender Reflexion! Raum geben: Wären wir sicher, daß unter dem talmudischen und! midraschischen jVDE der Vogel „Fasan" zu verstehen sei, so müßte dieser i unbeanstandet als reiner Vogel erklärt werden, da nach Gern. Joma 75 b; zu der den Israeliten vom Himmel zur Fleischnahrung angewiesenen | Vogel-Spezies als eine Gattung inbegriffen war. Außerdem j wäre die so schöne Lehre (Gem. Kid. 31a und Jerus. über Elternliebe); nichtssagend und hinfällig, wenn der piQg ein verbotener Vogel wäre.! Aber sollten wir nicht nach dem Gleichklang im Griechischen und! Lateinischen phasianus bei ^VDE eher an den „Fasan" als I mit Raschi B. Kama 55 a an das „Rebhuhn" (perdix) denken? Da gilt! mir doch als größere Kompetenz und Autorität der Physiologe und j Medikus Mussaphia, der ja auch das Innere der Vögel und Vierfüßler > untersuchte (s. unser Buch S. 309 u. 377 Note 7). Dieser Gelehrte > glossirt zu dem Artikel jVDE im Aruch: | anbn ]r6tr bp nbipi ‘ine syir pia ]vdb | Zu meiner Bemerkung Nr. 5 S. 60 d. gesch. Ztg. gehört die Notiz . über Maimonides und seine Stellung zum Talmud, sein Doppelgesicht als Rabbanit und Aristoteliker, s. i. m. Buche S. 235, 272, 412-414 u. S. 429 Note 8. Außerdem lies in der fraglichen Bemerkung „kopiren"; statt anhören. Oppeln. Dr. Wiener. * Geehrter Herr Redakteur!! Än den „Geistlichen Gedanken" von Wilhelm Roscher, die Ihr j (33 Leitartikel von Nr. 7 auszugsweise mittheilt, ist ein Jrrthum enthalten. Nicht David Kali sch, der Redakteur des „Kladderadatsch", sondern Ludwig Kalisch (1814 1882), gleichfalls ein humoristischer Schriftsteller, hat in seinen „Bildern aus meiner Knabenzeit" (Leipzig | 1876) jenen erwähnten Hymnus auf die Bibel gedichtet. Derselbe war > in Lissa i. P. geboren. David Kalistb, der aus Breslau stammte, hat! überhaupt keine Memoiren geschrieben. z Hochachtungsvollst Tr. Al fr. Berg.! * | Sehr geehrter Herr Redakteur! j CjKie Erklärung in Nr. 5 über Krethi und Plethi ist durchaus nicht! ryi neu; sie befindet sich sogar mit derselben Ableitung von „karath“; unb „palaUi“ schon in Dr. Heyse's Fremdwörterbuch von 1873 S. 512. j Auch in Dr. G. Salomons Bibel, v. 1838. 2. Sam 15, 18 sind Krethi i und Plethi mit „Nachrichter" und „Eilboten" übersetzt worden.! Hannover, 7. Februar. Block. I $ ScherrHofen, 12 Februar. In den Miscellen einer Ihrer! jüngsten Zeitungsnummern haben Sie, geehrter Herr Redakteur, ein Blatt des Milwaukeer Herolds reproduzirt über die Juden von Frankreich. | iUuu ist dieser M. H. sehr schlecht informirt. Er macht Israeliten aus:; 1. Jules Simon, der katholisch ist, 2. Nefzer, der Protestant war,! 3. Jules Claretie der Theaterdirektor, der Christ ist, 4. Anatol, Zeitungs-! schreiber, der, glaube ich, nichts mit dem Judenthum zu thun hat, re. Ist j Blowitz, des berühmte Reporter, Jude? — Bon anderer Seite vergißt! der M. H. sehr eminente Persönlichkeiten: z. B. 1 Manuel, der Dichter, Verfasser des auserlesenen Bühnenstücks „le Ouvriere et du Goesies du loyer et des elwinps^ zudem Mitglied des israelitischen Centralkonsistori-! ums von Paris und Mitbegründer der Allianee, 2. Alexander Weill, elsässischer Schriftsteller, Romanschreiber, der schon 60 Jahre in Paris lebt Druck und Verlag von Rndolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Baucbwitz in Berlin,