Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 erklärt sich aber nicht in der Lage zu helfen. Bewilligt wurden 640 M. für die Schule in Bagdad, 800 M. für Philippopel, 3000 M. für Saloniki. In Süd-Afrika bestehen zur Zeit Gemeinden in Johannisburg wo zwei Synagogen sind, Kapstadt, Port Elisabeth, Durban, Kimbuley und Ondtshorn. Die Gemeinde in Kapstadt sucht jetzt in England einen „Minister". - Die jüdische Geschicht s-Gesellschaft von England feierte den Jahrestag der Wiederaufnahme der Juden in England durch eine große Versammlung im Makkabäerr-Klub. Es sprachen an diesem Abend Mr. Israel Abrahams über „das hebräische Drama zur Zeit Manasse ben Israels", Mr. Lucien Wolf über „Antonio Fernandez Carvajal" und Professor John Hales über die „Rückkehr der Juden". Der Verein zählt jetzt 225 Mitglieder und ist in erfreulicher Entwickelung. — Am 17. Dezember fand in Aucklan d auf Neu-Seeland eine glänzende Feier zu Ehren eines Juden statt, der seit 25 Jahren in gemeinnützigen Ehren- Aemtern sich ausgezeichnet hat. Herrn P. A. Philips wurde eine Adresse vom Bürgermeister überreicht, die von den Spitzen der Stadt unterzeichnet war, darunter der protestantische und katholische Bischof von Neu-Seeland. — In der jährlichen Generalversammlung des Russo- Jewish Kommittees wurde die überraschende Thalsache festgestellt, daß die Einwanderung der russischen Juden im Januar erheblich stärker war als im Vorjahr. Sie bewegte sich im ganzen Jahre 1894 in sehr bescheidenen Grenzen. Allgemein rühmte man den erzieherischen Einfluß, den die Abendschulen auf die russisch-jüdischen Einwanderer ausübten. Rußland. Z. St. Petersburg, 8. Februar. Das bekannte Gesetz, welches die Zahl der jüdischen Schüler in den Gymnasien auf 10 Prozent, beschränkt, wird von unsern Glaubensgenossen sehr bitter empfunden. Hier hilft keine Begabung, keine Protektion; selbst Schüler, die ihre Prüfung glänzend bestanden haben, werden mit ihren Aufnahmegesuchen zurückgewiesen, und nur wenigen gelingt es, nach mehrmaliger Zurückweisung in ein Gymnasium ausgenommen zu werden. Der Vater eines jüdischen Knaben in Jelisawetgrad, der sich mehrere Jahre hindurch vergebens bemüht hatte, sein Kind im Gymnasium ünterzubringen, wandte sich kürzlich mit einem diesbezüglichen Gesuch an den Kaiser, und schon nach verhältnißmäßig kurzer Zeit traf die allerhöchste Antwort ein, daß dem Knaben die Aufnahme in das Gymnasium gewährt sei. — Nach dem neuesten statistischen Bericht wohnen im Gouvernement Wilna allein 206,274 Juden und 508 Karäer. Es muß doch mehr als ein bloßer Zufall sein, daß, während die Zahl der rabbinischen Juden trotz aller für sie bestimmten Ausnahmegesetze immer mehr zunimmt, die Seelenzahl der Karäer bei aller Gleichberechtigung immer mehr zurückgeht. Bulgarien. 6. Sofia, 3. Februar. Am 26. v. M. hatte unser Großrabbiner Dr. M. Grünwald eine Audienz beim Fürsten von Bulgarien. Dr. Grünwald sprach in längerer wirkungsvoller Rede den innigsten Dank für das Wohlwollen aus, das der Fürst den bulgarischen Juden stets zu Theil hat werden lassen. Dieselben würden auch fernerhin dem Fürstenhause stets in inniger Treue ergeben bleiben. Zum Schluß erflehte der Großrabbiner den Segen des Himmels für den Fürsten und Bulgarien. Der Fürst sprach in huldreichen Worten seinen Dank aus und versicherte, daß es zu den Traditionen seiner erlauchten Familie gehöre, den Israeliten völlige Gleichberechtigung angedeihen zu lassen. Er betonte auch, daß derselbe den Sefardim wie den Aschkenasim in gleicher Weise gewogen sei und ersuchte Herrn Dr. Grünwald, seine Schriften ihm einsenden zu wollen. Nachdem Fürst Ferdinand sich eingehend über die Verhältnisse der Juden in Bulgarien erkundigt hatte, dankte derselbe dem Großrabbiner ganz besonders für die Gründung des Seminars und entließ denselben huldvoll nach einer mehr als halbstündigen Audienz. Von Nah und Fern. — Der Wollwaarenfabrikant und Handelsrichter Julius Martin Friedländer hat am Geburtstag des Kaisers den Obermeistern der Berliner Weberinnung dreitausend Mark überwiesen, die seitdem an hundert arme Weberfamilien vertheilt worden sind. j — Dr. A. Ackermann, Schüler des Rabbinerseminars in Berlin, ist zum j Rabbiner der Synagogengemeinde in Brandenburg a.H.gewählt worden! - Der antisemitische Verein in Bromberg, dessen Begründer der! jetzt im Zuchthause sitzende frühere Reichstagsabgeordnete Leuß war,! hat wieder einen herben Verlust erlitten, indem der Buchdruckereibesitzer j und Redakteur des seit vier Wochen daselbst erscheinenden antisemitischen! Wochenblatts, Ballhausen, auf Requisition des Staatsanwalts in ' Mannheim, von wo aus er wegen Unterschlagung von Krankenkassengeldern verfolgt wird, verhaftet worden ist. — Der Vorsitzende und Begründer des Reformvereins Dürrröhrsdorf, der erste Buchhalter der! Mühle zu Elbersdorf Fietz, ist mit einer größeren Geldsumme durch-! gebrannt. Auch er spielte sich als den berufensten Vertreter von deutscher - Treue und Recht auf. — Die „Tägl. Rundschau" weiß Folgendes zu! berichten, was sich in Friedrichsruh beim Empfange einer Abordnung! aus Anhalt zugetragen haben soll: „Während der Tafel reichte der j Fürst seiner grauen Ulmer Dogge „Rebecka" Verschiedenes, was das Thier schweifwedelnd annahm, nur gegen Wildschweinskopf zeigte sie sich gänzlich abgeneigt, worauf der Fürst lachend bemerkte: „Es ist doch eigenthümlich, daß auch die Hunde ihre, ich will nicht sagen religiösen, aber doch rituellen Bedenken in der Auswahl ihres Futters haben." I Der frühere Führer der Antisemiten in Düsseldorf, der Redakteur Johannes Wilberg, wurde vom Schöffengericht wegen Beleidigung des Schristgießereibesitzers Huck zu Frankfurt a. M. zu zwei Wochen Gefängniß verurtheilt. Wilberg hatte den H. als „Juden" bezeichnet, trotzdem H Protestant ist. Mit Rücksicht auf die vielen Vorstrafen des Angeklagten Wilberg hielt das Gericht es für angemessen, eine Gefängnißstrafe festzusetzen. - Der bekannte Schriftsteller Dr. Heinrich Freih. v. Wald der g in Wien hat vom König von Rumänien die goldene Medaille erster Klasse für Kunst und Wissenschaft erhalten. — Der Professor an der deutschen Universität zu Prag, Dr. Guido Adler, wurde an Stelle des pensionirten Eduard Hanslick zum Professor der Musikgeschichte an der Wiener Universität ernannt. — In Prag ist der k. und k. Artillerie-Major Moses Götzl im 65. Lebensjahre gestorben.! Die Bestattung fand auf dem israelitischen Friedhof in Bischitz statt. — | Der neuernannte Fürstbischof Puzyna in Krakau empfing u. a. , auch eine Abordnung der israelitischen Gemeinde und sagte zu ihr, er! werde ein Wächter des katholischen Grundsatzes der Nächstenliebe | sein, der sich nicht auf eine Religion, sondern auf alle Menschen! beziehe. — In Rotterdam ist vorige Woche der Lehrer B. Hildes- I heim gestorben. Er hat 25 Jahre lang ein jüdisches Wochenblatt l herausgegeben und ebenso lange war er Hauptlehrer der jüdischen! Kommunalschule. H. galt als einer der tüchtigsten Lehrer Hollands. — | Der bekannte Jurist Fr. Asher in Amsterdam wurde zum Komtur des holländischen Ordens von Oranien-Nassau ernannt. — Der italienische Generalmajor Giuseppe Ott o l enghi ist zum Generallieutenant und zwar als Kommandant des Truppenrayons von Turin ernannt worden. — Dr. Vittorio Boletti, der die Stelle eines medizinischen Delegirten und Direktors im Sanitätsrath zu Port Said bekleidet, ist vom König Humbert zum Kavalier der Krone Italiens ernannt worden. — Doktor M. Bisenstein-Effendi, türkischer Delegirter bei der ägyptischen Sanitätsbehörde, ist im 81. Lebensjahre in Alexandrien gestorben. — Im Laufe von fast zwei Jahren sind ungefähr 3000 Personen aus Rußland nach Argentinien übergesiedelt. Von dem der Gesellschaft gehörenden Areal in Argentinien ist mehr als die Hälfte noch unbewohnt undunbebaut. Die Uebersiedelung der 3000 Personen hat der Gesellschaft j 377,000 Pfund oder 2,700,000 Rbl. gekostet; das heißt, jeder einzelne! Emigrant verursachte eine Ausgabe von annähernd 1000 Rbl. Der! „Wosch." sagt, daß die gemachte Erfahrung zeige, daß „die russischen! Juden zur Landarbeit fähig sind und sich gern mit ihr beschäftigen. —! In Bombay lehren verschiedene Glaubensgenoffen an der Universität, i von denen der Dr. M A. Stein kürzlich Examinator der Zend- und : Pehlewisprache geworden ist. Auch ist an dieser Universität eine junge! Jüdin Mlle. Rachel A. Benjamin von den Beni Israel zum Studium! der Medizin zugelaffen worden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.! Verantwortlich für die Reda^ion: Max Bauchwitz in Berlin.