Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Würdigung seiner geschichtlichen und apologetischen Schriften ein Preis von 320 Mark zuerkannt worden. Die in Frage stehenden Schriften sind folgende: „Juden in Freiburg" (1891); „Das Judenthum und die Nichtjuden. Eine Darstellung der Entwickelung und des Lehrinhaltes des Judenthums in seiner universellen Bedeutung" (1891); „Der ewige Jude. Von Alwin Dolfe" (1. und 2. Ausl., 1891); „Geschichte, Geographie und Reiselitteratur" (in Winter und Wünsche's Jüd. Litteratur seit Abschluß des Kanons, 1893). Snmmtlich im Verlag von Sigmund Mayer in j Trier erschienen und zum Theil s. Z. in der A. Z. d. I. besprochen. l Oesterreich - thmarn, i □ Wien, 11. Februar. Im niederösterreichischen Landtag j wurde ein neuer Paragraph, betreffend eine schärfere Ordnung gegen die antisemitische Hetze, eingebracht, da diese in ihren Angriffen auf die Ehre von außerhalb des Landtages stehenden Personen oft zügellos werden; vielleicht wird dann weniger Skandal gemacht — dann würde sich solch ein Paragraph auch für den Gemeinderath empfehlen, wo in einer der jüngsten Sitzungen wieder maßlos gelärmt und geschimpft wurde. Der Bürgermeister berichtete über die Einberufung des Städtetages. Als Dr. Fried jung zur Sache das Wort nahm, wiederholten die Antisemiten dasselbe Spiel, welches sie jüngst dem Gemeinderath Lang gegenüber in Szene gesetzt haben. Sie wollten Dr. Friedjung mit Gewalt am Sprechen verhindern und machten zu diesem Zwecke einen Heidenlärm. Als Dr. Friedjung sich die Terrorisirung nicht gefallen ließ und das Benehmen der Opposition in der schärfsten Weise qualifizirte, kam es zu Skandalen, in deren Verlauf ein Moment eintrat, in dem der Ausbruch von Thätlichkeiten nur durch die Intervention des Präsidialvorstands Rath Pohl und mehrerer Gemeinderäthe verhindert wurde. Wie arg es wurde, kann man aus einer Aeußerung des Gemeinderaths Herrdegen entnehmen, der den Antisemiten zurief: „Ich bin überzeugt, Siew er den nachHausegehenundsichder heutigen Szene schämen." — Am 5. d. M. fand das Leichenbegängniß des unglücklichen Advokaten Dr. R othziegel statt, der von seinem Sollizitor Gustav Eichinger in so bestialischer Weise ermordet wurde. Nachdem Oberkantor Singer mit einem Chor einen Trauerpfalm exekutirt hatte, ergriff Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann das Wort zu folgendem Nachruf: „Dr. Isidor Hermann Rothziegel liegt, von ruchloser Mörderhand dahingestreckt, auf der Bahre! Obwohl er nicht mein Glaubensbruder war — zwar hat er seinem Bruder die Absicht ausgesprochen, wieder in den Schooß des Judenthums zurückzukehren — so bin ich doch hierher geeilt, um Trost zu spenden den Hinterbliebenen und das Andenken an einen edlen, vornehmen Charakter zu ehren. Auf die erschütternde Nachricht hin sahen wir uns in jenen Urzustand versetzt, wo der Bruder den Bruder erschlägt, wo die nackte, rohe Gewalt die Herrschaft geführt; lähmender Schrecken bemächtigte sich Aller, als sich die Kunde von der Schreckensthat verbreitete. So groß der Schrecken auch war, der Alle erfaßte, so groß gestaltete sich auch die Theilnahme für die Hinterbliebenen des Opfers. In dem Heimgegangenen betrauern wir einen ehrenhaften und rechtschaffenen Charakter. Die Kollegen betrauern in ihm einen treuen und hingebungsvollen Freund, die Armen und Bedürftigen einen edlen und großmüthigen Wohlthäter. Gewissenhaft hat er das Recht vertreten und pflichttreu hat er es ausgeübt und gereichte dem Stande zur Ehre. Ein liebevolles, inniges Band umschloß ihn mit seinen Geschwistern, denen er ein aufopfernder und hingebender Bruder war. So wird denn sein Andenken bei Allen, die ihm näher standen, bei Allen, die ihn gekannt, ein ehrenvolles bleiben. Dr. Rothziegel ruhe in Frieden!" Vor dem offenen Grabe hielt der Kompagnon des Verblichenen, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Samuel Theimer, mit von Thränen erstickter Stimme einen kurzen Nachruf, in welchem er die vornehme Gesinnung des Verstorbenen pries, welcher die größte Freude an allem Schönen und Guten empfand. Die Kollegen, denen er stets ein treuer Freund gewesen war, werden ihm eine Erinnerung bewahren, die niemals erlöschen wird. — Ein schlimmes Geschick hat den ehemaligen Rabbiner von S-Vasony, Namens Langfelder, betroffen. Durch Kränklichkeit gezwungen, seinen Posten aufzugeben, verdiente er mit Unterricht im Hebräischen mit Mühe und Noth 15 fl. monatlich, also kaum genug, um nur nolhdürftig sein Leben zu fristen. yiim wurden dem armen 70jährigen Greis aber auch noch, als er zu Bette lag, sein einziger Anzug und seine Schuhe gestohlen. Außer Staude, sich neue Kleider zu beschaffen, mußte er sich solche ausborgeu, um das Bett verlassen und die Anzeige von dem Diebstahl mache:! zu können. Jetzt soll er aber die ausgeliehenen Kleider zurückgeben, weiß sich aber keinen Rath, Ersatz zu schaffen, um wieder seinem armseligen Verdienst nachgehen zu können. — Die Freiherren Albert und NatHantel von Rothschild haben zusammen 5900 fl. zum Zwecke von Bettstiftungen für das Karoliuen-Spital im Bezirk 'Alsergrund gespendet. S- Budapest, 4 Februar. Die ungarische Akademie der Wissenschaften hielt heute eine Sitzung, welche mit Vorträgen, von Juden gehalten, ganz ausgefüllt ist. Das jüngst gewühlte Mitglied Ignatz Kunos hält seinen Antrittsvortrag über „Kleinasiens Volk und Sprache", Bernhard Munkacsi, der seit mehreren Jahren Mitglied der Akademie und zugleich Inspektor der Religionsschulen der hiesigen israelitischen Gemeinde ist, beantwortet in seinem Vortrage die Frage: „Ist die ungarische Nation türkischen Ursprungs? und zum Schluß wird das Mitglied Sigmund Simonyi über die „Sprachdenkmäler aus dem XV. und XVI. Jahrhundert" lesen. Frankreich. -Qjg- Paris, 11. Februar. Eugene Benjamin Fichel, ein bekannter französischer Genremaler, ist am 7. d. M. hier gestorben. Geboren am 30. August 1820 zu Paris, hat der Künstler ein Alter von 68 Jahren erreicht. Seine Lehrer waren Paul Delaroche und Michel Martin Drölling, der einst in Davids Atelier gearbeitet hatte. Nachdem Fichel der großen Geschichtsmalerei einige Opfer gebracht, wandte er sich der Kleinmaterei in der "Art Meissoniers zu. Er führte diese Bildchen, die meist Genreszeneu und Interieurs behandeln, mit großem Geschick, rühmenswerther Sorgfalt und seiner Charakteristik der Figuren aus. Die geschichtliche Tracht spielte in ihnen eine wichtige Rolle. Eine seiner besten Leistungen: „Die "Ankunft im Wirthshause", befindet sich seit dem Anfänge der sechziger Jahre im Museum des Luxembourg. Andere Bilder sind „Die Münzkenner", „Der Violoneellspieler", „Der Herzog von Chouiseul beim Abbe Barthelemy", „Bonaparte übergiebt seinem Stiefsohn Eugen Beauharuais den Degen seines Vaters", „Ein Fest im Jahre 1776", „Daubenton in seinem Laboratorium", „Lacepede, die Geschichte der Fische schreibend", „Der Schuhflicker uud der Bankier", „Die schöne Krämerin". Seine „dramatische Nachmittagsvorstellung" und seine „Schachspieler" wurden mit einer Medaille dritter Klaffe ausgezeichnet. Für seine Bilder „9lach der Einnahme" und „Der Bericht an den General" erhielt er auf der Ausstellung von 1889 eine silberne Medaille. Bereits im Jahre 1870 hatte der Künstler das Kreuz der Ehrenlegion erhalten. Fichel gehörte zu den wenigen französischen Künstlern, die auch nach dem deutsch-französischen Kriege hin und wider deutsche Ausstellungen beschickten. Großbritannien. z. London, 5. Februar. Am Sonnabend wurde Lionel Rothschild, der älteste Sohn des Baron Leopold Rothschild durnüzunii. In rühmlichem Gegensätze zu den meisten Reichen unter den deutschen Juden hielt der Vater des Knaben an allen altjüdischen Gebräuchen fest, und Lionel wurde in der Central-Synagoge Larmizwaii — Tie hier bestehende jüdische Dienstb oten-Aus b ildungsanstatt veröffentlicht ihren ersten Jahresbericht, aus dem sich ergiebt, daß diese Bestrebungen, aus den Mädchen der niederen jüdischen Stände Dienstboten auszubilden, Anklang und Verständniß gefunden haben. Bereits haben 17 Mädchen diese Schule durchgemacht. — Auf dem ruonatlichen Meeting der Anglo- Jewisli Association wurden Berichte verlesen von den englischen Konsuln über die Schulen in Bagdad, Balsora, Fez, die sämmtlich sehr günstig lauten. Ein Gesuch, in Bonsa bei Kutais in Rußland eine Schute zu gründen, mußte abgewiesen werden, weil die Association prinzipiell keine Schulgründung in Rußland unternimmt. Dr. Grünwald, der Oberrabbiner von Bulgarien, theilte in einem Briefe mit, daß in den dortigen Gymnasien und Lyceen jüdische Schüler häufig zum Schreiben am Sabbath gezwungen würden. Die Association spricht hierüber ihr Bedauern ans.