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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-02-15 · Heft 7 (15.2.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Salomon Oppert, ein jüngerer Bruder des Orientalisten Julius Oppert in Paris, wurde 1836 zu Hamburg geboren. Leine Fachstudien machte er unter der Leitung seines Bruders, Nach seiner Promotion arbeitete er längere Zeit in den Bibliotheken zu Oxford und Windsor. 1872 folgte er einen: Rufe als Professor für Sanskrit an die Hochschule zu Madras. Nebenbei übernahm er noch das Amt eines Bibliothekars. Erst im vorigen Jahre kehrte Oppert aus Madras nach Deutschland zurück. Der lange Aufenthalt in der Hauptstadt des indobritischen Reiches unb besonders die bevorzugte Stelle, die Oppert dort in der gelehrten Welt einnahm, gaben ihm ausgiebige Gelegenheit zur wissenschaftlichen Arbeit. Oppert legte auf ganz verschiedenen Gebieten der indischen Forschung Hand an. Man verdankt ihm Ausgaben indischer Handschriften, Verzeichnisse wichtiger und zugänglicher Bücher, aber auch geschichtliche und ganz besonders kulturgeschichtliche Forschungen zur Kenntniß des alten und neuen Indiens. Mit Vorliebe bemühte sich Oppert darum, die Beziehungen zwischen dem alten und neuen Indien auszukunden und darzulegen. £2 Berlin, 13. Februar. Wir erhalten soeben den ersten Jahresbericht des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" zu Berlin. Derselbe macht emen durchaus erfreulichen Eindruck, denn die bisherige Wirksamkeit des Vereins war von bestem Erfolge begleitet. Der schöne Zweck des Vereins, jüdische Mädchen und Frauen unter gewissen durch Regulativ festgesetzten Voraussetzungen zu tüchtigen Pflegerinnen für Kranke aller Konfessionen heranzubilden, stieß wohl auf Hindernisse und Vorurtheile. 'Aber die meisten Bedenken, die sich dagegen erhoben, sind schon jetzt geschwunden. Die Anmeldungen liefen so zahlreich ein, daß kamn die Hälfte berücksichtigt werden konnte. Bis zum Schluß des Jahres sind 16 Personen ausgenommen, von welchen bereits drei als Schwestern völlig für die Außenpflege ausgebildet, ihren: Beruf mit besten Erfolge obliegen. Die Ausbildung geschieht durch die dirigirenden Aerzte in der Weise, daß die Schülerinnen das erste Halbjahr auf der inneru und das zweite Halbjahr auf der äußeren (chirurgischen) Station, in den Frauen- und Männerabtheilungen, sowie auch in den Jnfektionsbaracken thätig sind, auch längere Zeit auf den: Operationssaal arbeiten, um schließlich selbstständig die Stationspflege auszuüben. Während des praktischen Lehrjahres empfangen die Schülerinnen einen durch die dirigirenden Aerzte, Prof. Dr. Israel und San.-Rath. Dr. Lazarus geleiteten theoretischen Unterricht, müssen auch die schriftlichen Arbeiten machen und sich schließlich noch einer Prüfung unterziehen. Hierauf machen sie noch einen in oer Regel 6 Wochen dauernden Pflegedienst auf der Entbindungsabtheilung der Königl. Charitö zur Erlernung der Wöchnerinnen- und Säuglingspflege durch, so daß ihre Ausbildung wohl als eine sorgsame und vorzügliche bezeichnet werden kann. Durch die Munifizenz des Herrn L. E. Sachs wird der Verein demnächst i uch sein eigenes Heim beziehen. Das neben dem jüdischen >iranken- und Siechenhaus gelegene Grundstück, Auguststr. 17, ist bereits durch notariellen Akt dem Verein als SchwesternhAm geschenkt, das direkt durch einen Garten mit dem Krankenhaus verbunden werden soll. In demselben werden zunächst für 25 Schwestern Wohn-, Schlaf- und Wirthschaftsräume geschaffen werden; dasselbe soll schon im nächsten Sommer eingeweiht werden. Als Oberin ist Fräulein Rose Blau einstimmig gewählt worden, welche zum l. April ihr Amt antritt. — Der Rechnungsabschluß des Vereins pro 1864 weist an Einnahmen M. 15,604, an Ausgaben M. 10,675 auf Den Vorstand des Vereins bilden gegenwärtig folgende Herren und Damen: Alb. Ph. Meyer, Vorsitzender, Frau Julie Gerson-Liebermann, stellv. Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Eugen Apolant, Schriftführer, Frau Tr. Frankl, stellv. Schriftführerin, M. Metzenberg, Schatzmeister, Frau Herrnine Rathenau, Sanitätsrath Dr. Blumenthal, Frau Mathilde Weigert, geb. Meyer, Geh. Sanitätsrath Dr. Kirstein, Geh. Med.-R. Prof. Tr. Senator, Stadverordneter L. Sachs. Die Bitte, die Bestrebungen des Vereins, der bereits über 600 Mitglieder zählt, zu fördern, wird wohl sicher in den weitesten Kreisen allgemeine Theilnahme finden. •gg Berlin, 10. Februar. Das Komitee für Chanuka-Bescheerung sendet uns seinen Bericht, dem wir die folgenden Sätze entnehmen: Die Hochherzigkeit von 1300 Gebern bat es uns in diesem Jahre auch wieder ermöglicht, die bedürftigen Kinder der Kommunalschulen zu Ehanuka ausreichend mit Kleidungsstücken und Lehrmitteln zu versehen. Außer einer großen Menge von Bekleidungsstoffen, fertigen Sachen, Büchern rc. ist uns die ansehnliche Summe von 16,138 Mk.; 5 Pf. zugegangen Die Zahl der an uns herangetretenen Gesuche har j die Höhe von 576 mit 1142 Kindern erreicht, von denen 1120 Kinderl! i berücksichtigt worden sind, während 22 als nicht bedürftig oder nid): würdig abgewiesen werden mußten. Wie die Herren Revisoren Alber! Levin und Moritz Manheimer nach Prüfung der Abrechnung und Be läge festzustellen die Güte hatten, sind insgesammt baar eingegangen wü oben 16,138 M. 5 Pf., dagegen verausgabt 16,026 Mk. 96 Pf., so daß ein Kassenbestand verblieb von 111 M. 6 Pf. Infolge der Zunahme der bedürftigen Killder gegen 1863 135 mehr, konnten wir zu unseren'. Bedauern nicht, wie in den Vorjahren, den Reservefonds verstärken. e. Tilsit, im Januar. Am letzten Sabbath fand in unserer Synagoge eine erhebende Feier statt. Unser verehrter Rabbiner, Herr Dr. Ehrlich, wurde in sein neues Amt eingeführt. In der Synagoge wurde er von dem Vorstande und allen Repräsentanten empfangen. Herr Rechtsanwalt Cohn als Vertreter des Vorstandes hielt an den neuen Seelsorger eine Begrüßungsrede, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Hierauf ergriff Herr Dr. Ehrlich das Wort und gelobte, in meisterhafter Ausführung, die Grundsäulen des Judenthums mit ganzer Kraft zu hegen und zu pflegen. Beim folgenden Vorrnittagsgottesdienst hielt Herr Dr. Ehrlich eine ergreifende Predigt, in der er die Aufgaben eines Seelsorgers unter Hinweis auf die bekannten Worte des Propheten Maleachi erörterte, j Kp. Aus der Provinz Posen, im Februar. Der jüdische Wohl-! thätigkeitsverein in Buk feierte jüngst das Fest seines 75jährigen Be ■ stehens. Bei Beginn der Feier beleuchtete Herr Lehrer Spieldoch als erster Vorsitzender die Geschichte des Vereins seit dessen Begründung durch den damaligen Rabbiner Horwitz s. A. Der Redner kennzeichnete unter Anderem die verschiedenen Tendenzen, denen vor Alleln die Nächstenliebe zu Grunde liegt, und gedachte im Laufe der Rede der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder, worauf der Rabbiner Gutwirth Gebete für das Seelenheil der Dahingeschiedenen citirte. An die gewisser - maßell gottesdienstliche Feier schloß sich ein Festessen. Vor Kurzem hielt der Verein eine Generalversammlung, in welcher der Jahresbericht er- * stattet wurde. Nach demselben betrugen die Einnahmen 1176.74 M., die Ausgaben 941.80 M.; außerdem hat der Verein ein Vermögen von 2200 Mark an Werthpapieren. — An Stelle des Kaufmanns Wolff Jaffe in Wreschen, der sein Amt als Vorsitzender des Gemeindevorstalldes der jüdischen Gemeinde niedergelegt hat, ist durch die Repräsentantenversammlung Kaufmann und Stadtverordneter Miodowski zum Vorsitzenden des Synagogenvorstandes einstilnmig gewählt worden. Die Repräsentanten und Gemeindevorsteher daselbst haben gemeinsam beschlossell, noch im Laufe dieses Jahres einen Rabbiner anzustellen. Das Gehalt für denselben soll 3000 Mark p. a. betrageil. — An Stelle des in Lions pensionirten Lehrers Thilo ist der Lehrer Goldberg aus Gollub i. Westpr. an die dortige jüdische Elementarschule von der Kgl. Negierung gn Posen berufen worden. OO Aus Schlesien, 8. Februar. Der „V. Z." wird geschrieben: Einen recht verdrießlichen Schluß nahm die Feier des Geburtstages des Kaisers in einem durch seinen guten Ungarwein bekannten oberschlesischen Städtchen. Der Bürgermeister, der seiner Zeit den Staatsdienst quittirt hat und Reservelieutenant ist, er erschien zum Festessen an Kaisers Geburtstag in Osfiziersuniform. An dem von den Spitzen und höheren Kreisen der Bürgerschaft besuchten Essen nahmen auch der Ltadtverordnetenvorsteher und ein Referendar des dortigen Amtsgerichts Theil, die beide jüdischen Glaubens sind. Im Laufe der Festfeier, die liach Aufhebung der Tafel in einem anderen Lokale fortgesetzt wurde, gerieth der Bürgermeister nach und nach in eine Stimmung, die der Volksmund mit dem Namen „Weinlaune" zutreffend bezeichnet, und so kam es, daß der Magistratsdirigent den Stadtverordnetenvorsteher, einen ehrwürdigen hochangesehenen Mann von 60 Jahren, und den bezeichneten Referendar mit allerlei antisenritischen Redensarten belästigte. Auf die Mahllung, nach Hause zu gehen und seinen Rausch auszuschlafen, hatte der Bürgermeister nur die Antwort, der Stadtverordnetenvorsteher sei ein „dummer Judenjunge". Der so lange gehänselte alte Herr trat in Folge dieser Beleidigung auf den Bürgermeister zil und versetzte ihnt ein paar schallende Ohrfeigen. Der Bürgermeister zog seinen Degen und wollte damit auf den Stadtverordnetenvorsteher eindringen, wurde jedoch daran gehindert und zur Ruhe gebracht. Dieser Vorfall hat begreiflicherweise peinliches Aufsehen hervorgerufen und wird noch die

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