Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Februar stattgehabte Sitzung der Repräsentanten eröffnete der Vorsitzende Herr Hermann Landsberger mit der Verlesung eines von Herrn Justizrath Meyer eingegangenen Schreibens, in welchem Herr Meyer der Körperschaft seinen Dank für die ihm anläßlich seines Jubiläums erwiesene Ehrung ausspricht und daran die Mittheilung knüpft, daß er in dankbarer Erinnerung an den Tag eine Kanzeldecke und einen Vorhang gestiftet habe. — Ein ebenfalls dem Gottesdienst geweihtes Geschenk ist z von Herrn Julius Rosenbamn gemacht worden, der der Synagoge! Lindenstraße vier Thoramäntel, einen Vorhang, zwei Tischdecken und j eine Kanzeldecke überwiesen hat — Des Weiteren theilt der Vorsitzende! eine Zuschrift vom Vorstand des Krankenhauses mit, laut der Herr Louis Sachs dem letzteren sein Grundstück Auguststraße 17 geschenkt hat. Das Haus soll als Domizil dem „Schwesterheim" dienen, dem! neu geschaffenen Institut zur Ausbildung junger jüdischer Mädchen als Krankenpflegerinnen. Aus den an diese hochherzige Schenkung geknüpften Bestimmungen sei die eine hervorgehoben, nach welcher besagtes Grundstück nur dann veräußert werden darf, wenn das Krankenhaus verlegt werden sollte. In diesem Fall ist ein anderes nach der Straße zu belegenes Grundstück von gleichem Areal in der Nähe des neuen Hospitals zu erstehet!. Für die von Herrn Moritz Mannheimer und seiner Frau zur Errichtung eines Siechenhauses gespendeten 500,000 M. ist die allerhöchste Genehmigung eingegangen. — Frau Johanna Levy, geb. Salomon, hat der Armenkommission für die von ihr int Jahre 1881 begründete Stiftung behufs Entsendung armer Kranker ins Bad die Summe von 10,000 M. zugewendet. Durch verschiedene frühere Spenden der Frau Levy verfügte die mit 3000 M. begründete Stiftung bereits über 11,000 M., so daß ihr Fonds sich nunmehr auf 21,000 M. beläuft. Gleichzeitig hat die Dame als „Siegfried Magnus Levy-Stiftung" dem Erziehungshaus in Pankow 20,000 M. überwiesen. Die Zinsen sollen zur weiteren Ausbildung der jungen Handwerker bez. als Beisteuer bei einer event Etablierung Verwendung finden. Die von Herrn Landsberger^ beantragte Dringlichkeit zur formellen Erledigung der Angelegenheit wird abgelehnt, da die Versammlung noch über einige den Ursprung der Stiftung betreffende Punkte formeller Art genauer unterrichtet zu sein wünscht. — Nachdem an Stelle des Herrn Maurermeisters Fränkel Herr Martin Simon in das Kuratorium der Dr. Ephraim-Stiftung gewählt worden ist, erstattet Namens der Petitionskommission Herr Geheimrath Kirstein Bericht über das Gesuch der in NW. w ahnenden Gemeindemitglieder um den Bau einer! Synagoge und die Errichtung einer Religionsschule. Die ' Kommission erklärt es für empfehlenswerth, angesichts des feststehenden j Planes, eine neue Synagoge im Westen zu bauen, die Wünsche der | Petenten in soweit zu berücksichtigen, als das neue Gotteshaus an der! Grenze von W. und NW., also etwa in der Gegend des Lützow-Platzes,! errichtet werden tnöge. Sodann empfiehlt die Kommission die Schaffung einer Religionsschule für den NW.-Bezirk. Es entspinnt sich eine längere Debatte, in welcher alle Redner die Berechtigung des Wunsches anerkennen, andererseits jedoch den Gedanken perhorresziren, durch einen einzigen Bau gleichzeitig dem Westen und dem Nordwesten genüge thun zu wollen. Für den gleichzeitigen Lau zweier Synagogen fehle es aber an Mitteln Herr Justizrath Meyer weist u. A. darauf hin, daß, da Berlin W. demnächst eine Synagoge erhalten solle, diese auch im Centrum des Westens, d. h. Potsdamerstraße bez. Schöneberger Ufer, jedenfalls in der Nähe der Potsdamer Brücke, erbaut werden müsse. Direktor Herrmann warnt davor, durch derartige Vorschläge den Vorstand an die Wahl eines bestimmten Platzes binden zu wollen. Herr Ruß erklärt sich gegen den Gedanken einer Verschmelzung von W. und NW. in j dieser Bedürfnißfrage und nur Herr Louis Sachs tritt für die Wünsche! der Petenten ein. Da kein bestimmter Antrag vorliegt, sondern allein der Bericht der Kommission, so nirmnt die Versammlung auch nur von diesem Kenntniß. Nach der Wahl eines zweiten stellvertretenden Vorsitzenden für die Armeu-Kommissiou in der Person des Herrn Albert Leoin stimmt die Versammlung einer Erweiterung der Instruktion der Kassenbeamten zu, die vornehmlich in der Bestimmung gipfelt, daß bei Erhebungen vott Summen zwischen 6000 bis 30,000 Mark nicht Kassenboten, sondern ein Kassenbeainter und bei Suutmen von inehr als 30,000 Mark zwei Kassenbeamte in Funktion zu treten haben. Von den übrigen Punkten der Tagesordnung beansprucht ein allgemeines Interesse die Abrechnung über die gottesdienstlichen Veranstaltungen des vergangenen Jahres. Aus dem von Herrn Ruß erstatteten Bericht ergiebt sich, daß einer Gesammteinuahme von 29,080 Mark eine Gesammtausgabe von 46,270 Mark gegenübersteht. Von den zur Verfügung gestellt gewesenen 24,000 Mark sind 7,480 Mark übrig geblieben. An die Thatsache, daß mit: Friedrichshain und Philharmonie einen Ueberschuß erhoben haben, knüpft Direktor Herrmann die Bemerkung, daß man in diesen beiden Lokalen einer Unregelmäßigkeit sich schuldig gemacht habe, da das Reguläre für die Gemeinde, welche für das religiöse Be' dürfniß ihrer Mitglieder zu sorget! verpflichtet sei, der Zuschuß bleiben müsse. Geheimrath Kirstein legt der betreffenden Kommission an das Herz, schon jetzt dem Gedanken von Jugendgottesdiensten an den hohen Festtagen näher zu treten. Für die im letzten Jahre an den Gemeinde-Grundstücken auszusührenden Reparaturen waren 19,550 Mark in Anschlag gebracht worden. Die Arbeiten haben jedoch 28,225 Mark erfordert. Mit der Nachbewilligung der 2775 Mark, um welche der Anschlag überschritten worden, und der Bewilligung von 1900 Mark zur Nückerwerbung zweier Stände in der neuen Synagoge, die 2400 Mark gekostet, schließt die öffentliche Sitzung. Berlin, 12. Februar. Die vierte der Montags-Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums hielt gestern Herr Rektor Dr. Adler über „die Judenverfolgungen in Deutschland zur Zeit des ersten Kreuzzuges". Nachdem der Redner zunächst die Quellen einer sachlichen Prüfung unterzogen, schilderte er sodann die verhältnißmäßig günstige Lage der Juden in der ersten Hälfte des Mittelalters in sehr anschaulicher Weise. Sodann ging er zu der Geschichte des ersten Krenzzuges über und schilderte in sehr spannender Entwickelung die Leiden und Drangsale sowie das heldenhafte Martyrium der Juden in allen süddeutschen Gemeinden von Mainz bis Regensburg, das Eingreifen des Kaisers und der einzelnen Bischöfe zu Gunsten der Juden, um dann mit einer historisch treuen Darstellung der traurigen Folgen zu schließen, welche diese erste Judenverfolgung in Deutschland nach sich zog. Der ganze Bortrag machte sichrlich einen liefen Eindruck und fand seitens des zahlreich versatnmelten Publikums lebhaften Beifall. — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur findet am 14. d. M. im Caffel's Hotel ein Diskussionsabend statt. Herr Albert Katz wird über „die Juden in China" sprechen. Gäste sind willkommen. * Berlin, 8. Februar. Gestern ist hier nach kurzem Leiden der praktische Arzt Dr. Albert Witkowski im 35. Lebensjahre gestorben. Er war der Sohn des Stadtverordneten Hermann Witkowski Eine Zeit laug war er an der innern Abtheilung des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain. Von hier aus veröffentlichte er 1887 im „Archiv f. Psychiatrie" ein Studie über multiple Alkoholneuritus. Mehrere Jahre lang war Witkowski Spezialarzt für Nervenleiden in der städtischen Armenkrankenpflege und beim Gewerkskrankenverein. Außer mit seinem Fachstudium beschäftigte sich Witkowski viel und eingehend mit der Musik. Er war auch auf diesem Gebiete schriftstellerisch thätig. Sehr geschätzt waren Witkowskis Musikkritiken. 8 Berlin, 10. Februar. Bei der Berliner Universität habilitirte sich am letzten Mittwoch der Sanskritforscher Professor Dr. Gustav Oppert, der schon eine vieljährige Lehrthätigkeit hinter sich hat. Gustav