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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-02-15 · Heft 7 (15.2.1895) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
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84 Literarische Mittheilungen. Von der steigenden Werthschätzung der hebräischen Poesie des Mittelalters zeugt die Thatsache, daß vor Kurzem eine englische Uebersetzung der schönsten jüdisch-spanischen Dichtungen erschienen ist. Dieselbe, aus tüchtiger Kenntniß dieser Litteratur hervorgegangen, fordert zur Vergleichung mit der schönsten Uebersetzung, die wir Deutschen von der religiösen Poesie der Juden in Spanien besitzen, geradezu heraus. Es versteht sich, daß damit nur die Uebersetzungen des unvergeßlichen Michael Sachs, zu dessen 35. Todestag (24. Schebat) diese Zeilen eine pietätvolle Erinnerung sein mögen, gemeint sein können. Der treffliche englische Orientalist Th. Cheyne hat eine solche Vergleichung unternommen. und es wird den Lesern dieses Blattes von Interesse sein, was er in der „Academy" vom 22. Dezember 1894 hierüber schreibt: Gesänge aus Zion von hebräischen Sängern des Mittel« alters. Ins Englische übersetzt und in Verse gebracht von Mrs. Henry Lucas. Die Hymnen Salomon Gabirols, Jehuda Halevis und der andern hochbegabten Vertreter jüdischer Sangeskunst sind leider in einem Stil verfaßt, der wegen seines kunstvollen Baues selbst Kennern des Hebräischen Schwierigkeiten bietet. Sachs hat jedoch bewiesen, daß es einem echten Dichter möglich ist, die Originale im wesentlichen treu und überaus eindrucksvoll wiederzugeben, und seine Uebersetzungen spanischer Hymnensänger (Berlin 1845), die er mit historischen und biographischen Anmerkungen versehen hat, verdienen einen Ehrenplatz unter den religiösen Klassikern. T. H Cheyne. — Seit Jahren schon wird der Wunsch gehegt, unseren bisher unbeachtet gebliebenen Werktagsgottesdienst nach altherkömmlicher Weise musikalisch zu fixiren und zum Nutzen wie zur Erhaltung dieser eigenartigen Liturgie herauszugeben. — Der auf diesem Gebiet rühmlichst bekannte Oberkantor M. Rosen Haupt in Nürnberg beabsichtigt nun, diesem thatsächlichen Bedürfniß Rechnung zu tragen durch ein auf vollständig traditionellem Boden fußendes liturgisches Werk aplT UI Werktags-Gottesdienst, traditionelle Melodien und Casualien. Der Druck desselben hat sich nur deshalb verzögert, weil der Anfang noch durch mehrere Piecen bereichert wurde. Der Autor ladet alle Kollegen zur Subskription (M. 4. —) ein, weil nach dem Erscheinen für nicht Vorausbestellende genanntes Werk entschieden theurer werden dürfte. Spvecksfaal. Sehr geehrter Herr Doktor! in Ausspruch Goethe's über die Bibel befindet sich in Eckermanns Gesprächen (Brockhaus 1885) im ersten Band auf Seite 234. Er lautet: „So rütteln sie jetzt an den fünf Büchern Moses, und wenn die vernichtende Kritik irgend schädlich ist, so ist sie es in Religionssachen, denn hierbei beruht Alles auf dein Glauben, zu welchem man nicht zurückkehren kann, wenn man ihn einmal verloren hat." — Von H. v. Sybels Geschichtswerk „Tie Begründung des Deutschen Reiches unter Wilhelm 1" ist kürzlich der 7. Band erschienen. - Auf Seite 365 dieses Bandes kommt der berühmte Historiker auf die Verhandlungen der baierischen Abgeordneten - Kammer vom 19. Juli 1870 über die Frage, ob Baicrn an dem Kriege gegen Frankreich sich betheiligen wird, zu sprechen. Nachdem er hierbei kurz sich über die Ausführungen des Professors Sepp geäußert, und erwähnt hatte, daß die Herrett Fischer und Völk mit feurigem Schwung für die deutsche Sache eingetreten waren, schreibt er wörtlich: „Ter Pfälzer Lev i erklärt: Bei uns sind alle Parteien einig; die Provinz weiß, was ihr zunächst bevorsteht, wir wollen aber deutsch sein und mit den deutschen Brüdern gehen " Daß Herr v. Sybel es für angezeigt hielt, in seinem Werke den Namen des Juden zu nennen, scheint jetzt besonders werthvoll. Bereits am 27. Oktober vor. Jahres brachten die „Mittheilungen a. d. Verein z. Abw. d. Antisemitismus" in Nr. 43 die ausführliche Rede dieses jüdischen Abgeordneten. Sie war eine außerordentlich muthvolle That, wenn inan bedenkt, daß Herr Simon Levi in Landau ein reicher Gutsbesitzer ist und bei einem etwaigen Einbruch der Franzosen er gewiß großen Unannehmlichkeiten, Einquartierungslasten :c. ausgesetzt gewesen wäre. — Man erinnere sich auch, wie damals die Situation war, und daß alle klugen sich nach München richteten, wo die seitherige Kammermajorität für Neutralitätserklärung eintrat. Letztere wurde abgelehm und die Allianz mit Preußen-Deutschland aufrecht erhalten. Herr Lev' war der einzige Pfälzer, der damals das Wort ergriffen hatte. Achtungsvoll Homburg v. d. H., im Februar. Louis Lehmann. * Sehr geehrter Herr Redakteur! (Merrn Dr. Vogelstein erwiedere ich zunächst, daß seine Erwähnung jener Stelle aus dem Moreh nebuchim von keinem Unbefangenen anders aufgefaßt werden konnte, als ich es gethan habe. Meine bescheidene Bemerkung sollte, wie ich das ausdrücklich hervorgehoben habe, eine wissenschaftliche Frage wissenschaftlich beleuchten. Die praktischen Folgen aus derselben zu ziehen, bleibt jedem Urtheilsfähigen überlassen. Was nun die Entgegnung des Herrn Dr. Wiener anbelangt, so bedauere ich lebhaft, daß er meine Darlegung nicht genau gelesen hat. Er hätte dann in derselben eine sehr scharf ausgesprochene Distinktion zwischen dem Inhalt des Moreh und dem des Jad hachasakah sicherlich gefunden, freilich nicht in dem von ihm dargelegten Sinne. Maimonides ist nämlich im Jad hachasakah durchaus nicht, wie Herr Dr. W. meint, ein Echo des Talmud, indem er seine eigene Meinung verschweigt. Davon kann sich jeder Unbefangene überzeugen, der den Text im Original zu lesen versteht. Aus der Einleitung geht übrigens deutlich hervor, daß Maimonides in diesem Werke ben Ausdruck seiner eigensten Anschauung wiedergiebt. Es entspricht ferner nicht der historischen Wahrheit, wenn Herr Dr. Wiener vom Moreh im Gegensatz zum Jad hachasakah behauptet, daß er im gereisten Mer geschrieben worden sei. Thatsächlich hat Maimonides den ersteren im 60., den letzteren aber im 50. Lebensjahre beendet und hier ein Werk geschaffen, in welchem er bei lichtvollster Anordnung eine souveräne Beherrschung der gesummten umfangreichen Litteratur aller vorausgegangenen Zeitperioden dokumentirt, ein Werk, welches auf jeder Seite das Wahrzeichen eines gottbegnadeten Genius darbietet. Ich glaube, daß auch Herr Wiener dem 50jährigen Maimonides das Prädikat „geistig reif" nicht versagen wird. Wer übrigens fünf Dezennien durchlebt hat, ohne bis dahin geistig reif geworden zu sein, der wird's nie. Was schließlich Herr Dr. Wiener mit seiner gelehrten Bemerkung über Maimonides befremdliche Auffassung desJus talionis im Moreh tut Gegensatz zu der im Jad hachasakah gegebenen Darstellung (auf welche übrigens schon Graetz in seiner Geschichte der Juden Bd. VI. Seite 348 hingewiesen hat) bezweckt, ist mir nicht recht klar. Soll hier wieder ein Widerspruch zwischen den beiden Hauptwerken M's festgestellt werdend Ein derartiges Vorkommen habe ich ja nicht bestritten. Diese und andere Widersprüche lassen sich in sehr befriedigender Weise lösen, wenn mau sich Zweck und Ziel der Moreh vergegenwärtigt. Hier will M. das Jus talionis auch losgelöst von seiner traditionellen Erläuterung begreiflich machen. Hochachtungsvoll Hamburg, 6. Februar. Dr. med. Fink. * Sehr geehrter Herr Redakteur! B(u den jüngst in der A. Z. d. I. angeführten Beispielen von Unwiffenheit in judaicis bei sonst gründlich arbeitenden Forschern darf ich vielleicht eins hinzufügen. In dem soeben erschienenen 6. Heft von Brockelmanns sonst fleißig gearbeitetem Lexicon syriacuin liest man p. 400 über syr. (h. daß diese Tafeln seien, auf welchen die 10 Gebote geschrieben waren, welche Tafeln von den Gelehrten und Pharisäern vom Nacken herunterhängend getragen wurden (wörtlich: Talmine, in quibus 10 leges conscriptae erant, a doctoribus et Pharisaeis a cervice suspensae). Für die Leser Ihrer Zeitung ist Kommentar wohl überflüssig. In Hochachtung Kopenhagen, 7. Februar. D. S. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin

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