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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-02-15 · Heft 7 (15.2.1895) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 Zur Erinnerung an Bernhard Hoppfer. (Etwas für die Antisemiten.) Bon Professor H. Wichmann in Rom. or beinahe einer Generation wurde im Königs. Opernhause die Oper Frithjof, Text von Emil Hoppfer, Musik von Bernhard Hoppfer, zur Ausführung gebracht. Sie hatte allerdings keinen durchschlagenden Erfolg, doch wurde sowohl von Musikern, als auch von gebildeten Laien das unzweifelhafte Talent des jungen Komponisten anerkannt. Das Werk erlebte wohl nur darum 8 bis 10 Vorstellungen, weil die Bearbeitung der Dichtung zu einem Libretto, wie solche der Bruder Bernhards für die Bühne eingerichtet, mißglückt war, wodurch natürlich auch der Effekt der Musik beeinträchtigt tvurde. Rührend war es, wie Bernhard, ein seltener Mensa) in jeder Beziehung, nicht allein den Bruder, mit dem er so zu sagen verwachsen war, über diesen nun auch von ihm selbst als begründet erkannten Mißerfolg zu trösten suchte, indem er seiner Komposition die Schuld beizumessen sich den Anschein gab, sondern sogar Emil aufforderte, sofort muthig einen neuen Text (Sakuntala) in Angriff zu nehmen, mit dem sie Beide abermals gemeinsam in die Schranken treten könnten. Hermann Grimm tvarnte damals vor der Bearbeitung des Dramas, man gab ihm indeffeu kein Gehör. Auch diese Oper, obgleich, was die Musik betraf, noch reifer als der Frithjof, scheiterte wieder nur am Sujet und wurde, trotz ihrer musikalischen Schönheiten, der Worte wegen von der Ausschlag gebende» Kapellmeister-Kommission für die Juscenirung abgelehnt. Bei dem beklagenswerthen Gesundheitszustand Bernhards drückte dieser neue Mißerfolg doppelt aus ihn; er wurde sehr leidend, und der damals den gänzlich Mittellosen gratis behandelnde, wohlthätige Sanitütsrath Dr. Klaatsch eröfsnete mir im Geheimen, daß er das Leiden meines geliebten Freundes für recht bedenklich hielte und nicht nur eine gänzliche Ausspannung von der Arbeit auf längere Zeit als nothwendig, sondern auch eine Reise nach dem Süden oder mindestens nach einem die Brust stärkenden Ort für höchst wünschenswerth erachte. Die Frage war nur, woher das Geld dazu nehmen? Bernhard unterstützte in aufreibender Thätigkeit sowohl seine Mutter, als auch seinen, wenigstens nach meiner Meinung ihm in vieler Hinsicht durchs,is incht charakter-ebenbürtigen Bruder. Die kleine Einnahme vom Frithjof her war längst verzehrt, seine sonstigen Kompositionen brachten ihm überaus wenig ein, da war guter Rath theuer. Dazu kam, daß bei so wenig glücklichen Umstände» die Liebe zu seiner Kunst eine ungeschwächte in ihm geblieben und er in seinen Mußestunden allerlei Kammermusik komponirte, die dann in den paar kleinen Zimmern des dritten Stocks einer Hofwohnung der Schönebergerstraße, welche die Familie gemeinsam bewohnte, unter Freunden Abends zu Gehör gebracht wurde. Schon erschöpft von der Tagesarbeit, wurde Bernhard dann durch diese Exekutionen, in welchen er regelmäßig das Violoncell übernahm, noch mehr angegriffen, als er schon war, wie ich persönlich mich zu überzeugen stets Gelegenheit hatte, und hohe Zeit schien es mir, daß solchen Uebelständen auf irgend eine Weise abgeholfen würde. Selbst nicht in der Lage, meinen Freund allein mit einer größeren Summe unter die Arme zu greife», faßte ich den kühnen Entschluß, zu versuchen, ob ich ihm nicht durch eine flotte Sammlung zu einer Reise nach dem Süden behilslich sein könnte. Schnell setzte ich ei» Exposö auf, kopirte e§ so und so oft, versendete es an Gönner und wohlwollende Musikliebhaber — siehe da, Luis eoionat opus, das Resultat war ein über Erwarten günstiges. Ich glaube, keine Indiskretion zu begehen, wenn ich nach so langer Zeit hier gelegentlich von den Mitunterzeichuern dieser Kollekte einige mir noch im Gcdächtniß gebliebene Namen angebe. Dabei liegt es mir natürlich fern, ettva zwischen arischer und semitischer Wohlthätigkeit unterscheiden zu wollen. Humanität ist eine internationale Eigenschaft, und diese Wahrheit kann ja nur vom Pietismus oder Antisemitismus, Krankheiten, pestartiger als der schwarze Tod, mit gewohnter Bornirtheit in Abrede gestellt iverden. I» Hopser floß kein Tropfen jüdischen Bluts, daher wurde ihm von seinen orientalischen Mitbürgern in folgender „empörender" Weise mitgespielt: Es zeichneten größere Summen die Israeliten Paul Mendelssohn, Frau Alexander Mendelssohn, Robert Warschauer, Frau Iva Beckergeborene Naumann, Bankier Fritz Meyer, Jüterbock, Maler, Jüterbock, Banker, Schiff, Bankier, Sußmann Hellborn, Goldschmidt, Frau Meyerbeer, Magnus und Andere, die ich vergessen habe. Durch diese Sammlung wurde Bernhard in den Stand gesetzt, ins Ausland zu reisen. Wünschenswerth wäre es allerdings gewesen, wenn seine Abwesenheit von der kalten Heimath sich auf viele Jahre hätte ausdehnen lassen; hierzu jedoch wären noch fernere Beiträge nothwendig gewesen. Das Glück lächelte abermals; man höre: Wegen steter Krankheit blieb ich ein für allemal Abends zu Hause. Dies wußten Freunde und Bekannte. Da wurde eines Tages um 11 Uhr noch, als ich mich eben zum Schlafengehen anschickte, leise geklingelt. So spät erscheint doch sonst Niemand, wer kann das noch sein? Das die mit einer Kette versehene Thür öffnende Dienstmädchen meldete Herrn Levi, der mich zu sprechen wünsche. „Levi? Levi? Ich kenne solchen Menschen nicht." Ich supponire eine unheimliche Bettelei bei so später Stunde. „Fragen Sie, in welcher Angelegenheit der Herr mich zu sprechen wünscht!" „In der Hopferschen Angelegenheit!" berichtete der zurückkehrende dienende Geist. „Der Herr hätte nicht mehr zu stören gewagt, es sei ihm aber bei seiner abgemessenen Zeit unmöglich gewesen, früher zu erscheinen." Neugierig ob dieses Kuriosums, ließ ich Herrn Levi bitten, einzutreten, und der Mann des „Gistbaums" hielt mir nachstehende Ansprache: „Hochgeehrter Herr! Einige meiner Freunde und ich haben von einer Saunnlung gehört, die Sie für den Komponisten Bernhard Hopser entrirt haben. Seine Persönlichkeit ist uns frenid, wohl aber haben wir uns an seinem Frithjof erfreut. Es ist uns nun gesagt worden, daß noch eine namhafte Summe an dieser Kollekte fehlte, um dem Patienten durch einen längeren Aufenthalt im Süden gänzliche Genesung zu verschaffen. Und so haben >vir uns heute Morgen auf der Börse zusammengetha», diesen Rest zu ergänzen, und übergeben Ihnen hiermit gleichfalls unser Scherflein." Hierbei zog er aus seiner Brieftasche eine beträchliche Summe hervor und legte sie auf den Tisch. „Nur eins," fuhr er fort, „müssen wir zur Bedingung in der Sache machen. Niemand darf erfahren, daß ich Ihnen dieses Geld übergab, vor Allem Hopser selbst nicht; er soll Keinem von uns Dank schuldig sein, unsere kleine Freude wäre sonst illusorisch." Noch zwei Worte der Konvenieuz zwischen ihm und mir -- und bis heute habe ich weder von diesem Levi gehört, noch je ihn wieder gesehen. Berlin ist wegen seiner Wohlthätigkeit bekannt; Christen und Juden wetteifern darin; sie sind eben beide Berliner mit gleichen

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