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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-02-08 · Heft 6 (8.2.1895) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 6 (8.2.1895)
Date
1895-02-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Ter Korrespondent der „W. A. Z." hat den Bericht furchtbar aufgebauscht. Völlig erfunden ist das Märchen von der „Schlägerei im Gotteshause". Zur Steuer der Wahrheit stellen wir den Vorgang richtig, weil wir glauben, daß es nicht gut ist, derartige Vorfälle, die au und für sich schon peinlich berühren müssen, ins Maßlose zu übertreiben. In Beantwortung einer Interpellation über dieses Vorgehen der Fiiianz- Kommission erklärte der Landespräsident: Zahlreiche Anzeichen wiesen seit Langeln auf Sadagora hin als den Mittelpunkt eines weitverzweigten Schmuggels in Rauch- und Schnupftabak aus Rußland. Die Durchsuchungen, welche sich auch aus einen Betsaal erstreckten, der zugleich als Unterrichtsraum einer Privatschule diente, führten zur Verhaftung der Schinngglerbaude. Die Verhaftungen erfolgten aber nicht in dem Bctsaal und nicht während des Gottesdienstes, sondern erst nach Vorladung der Schuldigen lind ohne Aufsehen. Uebrigens wäre auch ein minder rücksichtsvolles Vorgehen begründet gewe'en, da es sich bei dem Schmuggel um eine empfindliche Schädigung des Diskus handelte. Ltrrhlweihenburg, 1. Februar. Im 70. Lebensjahre verschied hier nach langem Leiden der Gerichts- und Gefängnißarzt Dr. Joseph Ligeti. Der Verblichene erfreute sich hier allgemeiner Achtung. Als . Präsident des XI. israelitischen Gemeindedistritts in Ungarn, als Direk-; lions- und Ausschußmitglied mehrerer Institute war er eine geachtete - Gestalt des öffentlichen Lebens. Sein Tod wird in weiteren Kreisen,! selbst über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus aufrichtige Theilnahme erwecken. Dr. Joseph Ligeti war am Papaer Collegium Mitschüler von | M or i tz Iotai u. a ln. berühmt gewordener Männer. An der Be- - wegung der Jugend im Jahre 1848 nahm er regen Antheil. Er studirte dann hi Wien Medizin und war gleichzeitig der Erzieher der Söhne des; „größten Ungars", der Grafen Bela und Edmund Sz^chenyi. Jll den fünfziger Jahren ließ er sich als Arzt hier nieder und wurde seitdem ein wichtiger Faktor dieser Stadt. Jahrelang war er Vizepräsident der; hiesigen ffidischen Gemeinde. Auf dem jüdischen Kongreß ragte er durch! seine Beredtsamkeit hervor. Möge ihm die Erde leicht sein. Amerika.!>. New '))ork, 1<>. Januar. Die aus dem während der Weltausstellung in Chicago tagenden Religions-Kongreß hervorgegangene Verj ei nigung jüdischer Frauen zur Hebung und Pflege jüdischen Religionsbewußtseins entwickelt eine lebhafte Agitation in allen größeren Städten des Landes. Fräulein Sadie American von Chicago, welche! als Vräsidentin des National-Ausschusses großen Enthusiasmus und! reiches Verständniß für die heilige Aufgabe, die sich die Frauen gestellt,! gezeigt hat, wird am nächsten Donnerstag Nachmittag in den * Räumen des Tempels Emanu-El eine Ansprache vor einer von dem hiesigen Zweigverein veranstalteten Frauenversammlung halten. — Svelnu ist Hierselbst ein Komitee zusammengetreten, um für die Begründung : eines jüdischen Kinder-Asnls zu wirken. Tie Gemeinde Scheerith Israel, die älteste Gemeinde unserer Stadt — unseres Glaubensbekenntnisses —; wird noch im Laufe dieses Jahres ein neues Gebethaus aus einem soeben erworbenen Grundstück errichten lassen. kg. Washington, im Januar. Die „Amcrikanisch-Jüdischhistorische Gesellschaft" hielt den 26. und 27. Dezember v. I in Washington ihre dritte Generalversammlung unter zahlreicher Betheiligrrng ihrer Mitglieder ab. Das Interesse für die Gesellschaft ist in stetem Wachsen, und auf die Publikationen derselben haben mehrere historische Vereine Amerikas und unter anderen auch der Orden B'nai Brith in Bombay im verflossenen Jahre subskribirt. Mehrere historische Arbeiten über die Juden in Texas, Richmond, Surinam, Louisiana, Jamaica, New-Pork, Georgia und Südamerika, über mehrere jüdische Familien in 1 Newport und New-Port, über die frühesten Rabbiner in Amerika u. A. j gelangten zur Verlesung. Prof R. Gottheit sprach über ein medizinisches 1 Werk von Zacuto Lusitano, das von Isaak de Matati Aboard, einem der Führer der ersten jüdischen Kolonie nach Brasilien, zum Truck befördert wurde. Zacuto Lusitano starb den 1. Januar 1642 in Amster- , dam, nicht aber, wie Prof. Gottheit behauptet, in Brasilien. Nicht; Isaak de Matatia Aboab, sondern Isaak Aboab de Fonseca ging in Begleitung der spanisch-portugiesischen Juden Amsterdams nach Brasilien. Doch die Arbeit des Herrn Prof. Gottheil wird bald gedruckt vorliegen. Das längst erwartete Werk Simon Wolfs über die jüdischen Soldaten j in Amerika wird demnächst die Presse verlassen. i Kon Pah und Fern. ~ Am 1. d. M. ist hier nach langem und schwerem Leiden der Geheime Sanitätsrath Dr. med. Adolf Ritter gestorben. Die Beerdigung fand aut 4. Februar von der Leichenhalle in Weißensee aus statt. — Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Königsberg i. Pr. hielt der Professor der Theologie an der Universität, Dr. Cornill am 0. cr. vor einem überaus zahlreichen Auditorium einen Vortrag über „das alte Testament und die Humanität". — Ein antisemitisches Blatt hatte sich aus Birnbaum berichten lassen, daß dort zwei jüdische Kaufleute dem Probst eine Summe zur Weihnachtsbescheerung für arme polnische Kinder unter der ausdrücklichen Bedingung gegeben hätten, daß ihnen dafür öffentlich im Birnbaumer Wochenblatt gedankt werde Der Probst von Birnbaum erklärt nun jedoch öffentlich, daß diese ganze Geschichte erlogen ist. — Erklärliches Aufsehen erregte in Wollstein die Ausstoßung des Antisemitensührers H. Hecker «Strohhändler) aus dem Kriegerverein. — Der Redakteur Johannes Wilberg ist von der Strafkammer in Krefeld wegen Beleidigung des jüdischen Kaufmanns Hirschland zu 80 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden. — Die Strafkammer des Landgerichts Altona verurtheilte den bekannten Radauantisemiten, Versicherungsdirektor Karl Wolfs, wegen zahlreicher Kautionsschwindeleien zu vier Jahren Zuchthaus. — In einflußreichen Kreisen der niederländischen Israeliten wird — angeregt vor 20 und 25 Jahren vom Rotterdamer Kantor Snitzler und anderen Persönlichkeiten, die Idee für die Juden in Ost-Indien eine jüdische Gemeinde zu begründen, - ventilirt. Hoffentlich mit dem gewünschten Erfolg. - In London ist die mehr als seltsame Idee aufgetaucht, die hundertjährige Jubelfeier des Gaon Elia von Wilna dadurch zu begehen, daß in Jerusalem der Grundstein zu einer hebräischen Universität an diesem Festtage gelegt wird!! Hierbei sott nicht unerwähnt bleiben, daß auch bei der Alliance Jsraelite Universelle zu einer solchen Gründung beträchtliche Summen von einem Herrn aus Rußland deponirt nwrdeu sind. Auch der Verein „Ahabat Zion" in Heidelberg soll sein Vermögen für diesen Zweck bestimmt haben. — In Bedford starb am 10. v. M. Morris Lissack, ein hervorragender Glaubensgenosse, im 81. Lebensjahre. Derselbe war 1814 zu Schwerin a W. geboren, kam aber schon 1885 nach England und lebte seit 1839 in Bedford als einer der angesehensten Bürger dieser Stadt. L. ist der Verfasser des bekannten Buches: ,,46wiüll?6r'ü6rv6rane^''. Er kämpfte in Wort und Schrift für die Emanzipation der Juden und betheiligte sich mit besonderem Eifer an allen Wohlthätigkeitsbestrebungen. — Generalgouverneur Schuwalow empfing die Deputation der Juden in Warschau, welche zu seiner Begrüßung erschienen war, sehr freundlich und bemerkte derselben, daß er von der Loyalität der Juden überzeugt sei und daß dieselben jederzeit auf ein gerechtes Vorgehen rechnen könnten.— Nach einer Meldung der Politischen Korrespondenz aus Petersburg empfing das russische Kaiserpaar 129 Deputationen, darunter solche von jüdischen Gerneinden aus verschiedenen Theilen des Reiches. Zum ersten Male sind bei dieser Gelegenheit Israeliten und Mohamedaner gleichzeitig mit Orthodoxen vor dem Monarchen erschienen. — Herr Elie Scheid in P aris, der General-Administrator der Kolonien des Barons Edmund von Rothschild in Palästina, hat während seines letzten Aufenthalts in Konstantinopel von der Pforte die Erlaubniß erhalten, 1000 jüdische Familien nach Syrien transportiren zu dürfen, um die von Baron Rothschild angekauften Landstrecken bei Gulan in Baschan und in der Nähe von Damaskus zu kolonisiren. - Der zu Ende des vorigen Jahres in San Franzisko verstorbene „Bonanza-König" Senator James G. Fair hat 500,000 L. den katholischen, ebenso mel den evangelischen und 25,000 L. den jüdischen Waisenhäusern seiner Vaterstadt vermacht. — Das Central-Komitee der „A. I. 11" hat sich an den neuen französischen Vertreter in Tanger, Mr. de Monbel, gewendet, um sein Wohlwollen zu Gunsten der traurigen Lage der Israeliten in Marokko zu erbitten. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redcckflon: Max Bauchwitz in Berlin.

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