Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228100--51478-3272226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 reifen zu lassen. Eine johlende Straßenmenge verfolgte die in drei Droschken zusammengepferchten Frauen und Kinder, die mit dem Gepäck davonfuhren, um jedenfalls für ein Domizil zu sorgen, während die Männer zu Fuße folgten g. Brakel, 27. Januar. Am 20. ds. hatten wir in unserm Verein zur Pflege der jüdischen Geschichte und Litteratur zum ersten Male das Vergnügen, einen auswärtigen Redner in dem dichtbesetzten Saale des „Hotel Westfälischer Hof" zu hören. In der liebenswürdigsten Weise j war der Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal-Rogasen der Einladung! gefolgt, um über das Thema „Geistesleben der Gemeinde in Alexandria"! zu sprechen. Der Eindruck, hervorgerufen durch die geradezu kunstvolle; Anlage des Vortrags, durch die klare, lebendige Darstellung der Materie,! und schließlich durch die packende und doch schlichte Vortragsweise, war i ein sichtlich tiefer und wird ein nachhaltiger sein. Kp. Ans der Provinz Posen, im Januar. Der israelitische Verein „Frauenhüse" in Posen hat zu Beginn d. I. seine dritte Generalversammlung abgehalten. Aus dem erstatteten Rechenschaftsbericht geht hervor, daß der junge Verein, welcher gegen Ende des! vorigen Jahres bereits 419 Mitglieder zählte, während des letzten! Verwaltungsjahres 213 kranke Frauen, 12 Wöchnerinnen und 23 kranke Kinder verpflegt und für deren Pflege 1462.54 Mark und mit Zurechnung der Verwaltungskosten im Ganzen 1793 Mark verausgabt hat An Stelle der durch frühzeitiges Ableben ausgeschiedenen, sehr verdienstvollen Vorsteherin, Frau PH Rosenberg, ist Frau Helene Cabliner gewühlt worden. — Vom 11. Januar er. ab erscheint in j Bromberg ein allwöchentlich erscheinendes antisemitisches Wochenblatt! als Organ des Vereins für die Provinz Posen. Drucker und Heraus-! geber ist ein gewisser Ballhausen von dort. — Die im vorigen Monat in Ra witsch verstorbene Frau Fanny Leichtentritt hat der dortigen Kleinkinder-Bewahranstalt ein Legat von 300 Mark ausgesetzt. Wo es hieß, wohlzuthun und mitzutheilen, sei es privatim, sei es durch! Wohlthätigkeitsvereine, überall betheiligte sich Frau Leichtentritt in > hervorragender Weise neben ihrer Mutter, der verwittweten Frau | Kommissionsrath Cohn. Letztere giebt der Kleinkinder-Bewahranstalt! ein Hausgrundstück nebst Garten und Spielplatz zur unentgeltlichen! Benutzung. — Der Verein „Freundebund" in Jnowrazlaw feierte! kürzlich im Stadtpark daselbst das Fest der Weihe und der Bekleidung j armer Kinder. An dem Festabend kamen zwei Theaterstücke zur Auf-! führung. Fräulein Herzfeld sprach einen Prolog über das Wesen der j Wohlthätigkeit, und andere gesangliche und deklamatorische Vorträge! religiösen Inhalts folgten demselben. — In Schroda ist zu Ende des j eben abgelaufenen Jahres Herr Aron Baruch im Alter von 75 Jahren I gestorben. Derselbe war eine lange Reihe von Jahren Mitglied der : Repräsentanten-Versammlung und hat als unparteiischer Charakter mit geradem Sinn die Interessen der Gemeinde allezeit in bester Weise wahrgenommen. Sein langjähriges Wirken und ein Vermächtniß, das er j der Gemeinde hinterlasfen, sichern ihm ein bleibendes, ehrendes Ani denken. — Im vergangenen Monat hat der Antisemitenapostel Professor Dr. Förster in allen größeren Städten des Ostens Vorstellung gegeben. N. Breslau, 25 Januar. Es war eine würdige und erhebende Gedenkfeier, welche der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur am Montag dem 21. ds. zu Ehren des Heimgegangenen Dr. Rosjn veranstaltet hatte. Geheimrath Dr. Wollner eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er des Schwanengefanges des edlen Verklärten, des schönen Vortrags zu unsers unvergeßlichen Joel Gedächtniß vom 10. Dezember 1894, gedachte und die Versammlung aufforderte, sich zum Zeichen der Trauer von ihren Plätzen zu erheben, worauf Herr Dr. M. Br ann. Dozent am hiesigen jüdischen theologischen Seminar, die Gedenkrede hielt. Dieselbe war in allen Theilen interessant und eindrucksvoll. Die Sitzung war wohl an diesem Abend besucht, aber im großen Ganzen bringt die jüdische Bevölkerung der zweitgrößten Gemeinde des deutschen Reiches dem Verein leider nur wenig Interesse j entgegen.; R. Lublinitz, 29. Januar. Nachdem bereits am diesjährigen Stiftungsfesttage unserer Beerdigungs - Bruderschaft (CH. kadd.) gelegentlich der Feier in der Synagoge, sowie beim Festessen auf die Wichtigkeit und den Werth eines jüd. Litteraturvereins vielfach hingewiesen wurde, berief unser Rabbiner, Herr Dr. Friedmann, § für gestern Abend eine Versammlung zur definitiven Begründung des! Vereins. Der Ratiborer Vereins-Vorstand, welcher auf erfolgte Einladung bereitwilligst erschien, trug durch seine warme und rege Betheiligung, durch sein lebhaftes Interesse, durch seine verständnißvollen Darlegungen wesentlich zum guten Erfolge bei. So konnte man bereits gestern Abend zur Wahl des Vorstands schreiten; gewählt wurden: Herr Sanitätsrath Dr. Friedländer, Herr Rabbiner Dr. Friedmann, Herr Rechtsanwalt Jnngmann, Herr M. Königsberger, Herr Louis Schlesinger. — Der Verein beginnt sein Werk mit einem voraussichtlich genußreichen Abend, sofern schon an diesem Donnerstag Karl Emil Franzos seine „Jugenderinnerungen" vortragen wird. Wir wünschen dem Verein bestes Gedeihen! a. Aus der Provinz Hannover, im Januar. Die Religionsschnlen und die an ihnen angestellten Lehrer in unserer Provinz sind nach der noch heute gütigen hannoverschen Gesetzgebung gleich den Volksschulen und den Volksschullehrern der Aufsicht der Königl. Regierung unterstellt, wie die in Nr. 52 d. Ztg. vom vorigen Jahre mitgetheilten Verfügungen über den Privatunterricht in der Gemeinde Hannover erweisen. Es mußte daher überraschen, daß in einer Versügnng vom 14. September v. Js. auf das Gesuch des Lehrers G. in Geestemünde, der zwecks des Besuches einer Universität um einen dreijährigen Urlaub nachsuchte, die Königl. Regierung in Stade diese Ansicht nicht theilte und dem Landrabbiner, Herrn Dr. Gronemann, auf seinen Bericht erwiederte, daß die jüdische Schule zu Geestemünde keine öffentliche Bvlkschule, sondern nur eine Religion^schnle der Synagogen-Gemeinde Lehe-Geestemünde sei und deshalb der Lehrer G. eines Urlaubs ihrerseits nicht bedürfe. Der Landrabbiner wurde dagegen, unter Berufung auf die Schulordnung fürjüdische Schulen vom 5. Februar 1354 und in Hinweis auf die prinzipielle Bedentung der Entscheidung für die gesetzliche Stellung der jüdischen Religionsschule vorstellig, und erfreulicher Weise hat die Königl. Regierung in Stade sich seinen 'Ausführungen angeschlossen. In einem Schreiben vom 2. Januar 1895 an den Landrabbiner erklärt sie: „Wir sind mit den Ausführungen Ihrer Vorstellung vom 18. Dezember 1894 einverstanden und haben durch die Verfügung vom!4 September 1894 nicht beabsichtigt, die nach dem Gesetze über die Rechtsverhältnisse der Juden vom 30. September 1842 und nach der Schulordnung für die jüdischen Schulen vom 5. Februar 1854 der Negierung zustehende Oberaufsicht über die jüdischen Religionsschulen aufzugeben. Die Begründung der angezogenen Verfügung mit der Bemerkung, daß die jüdische Schule zu Geestemünde keine öffentliche Volksschule, sondern nur eine Religionsschule der Synagogen-Gemeinde Lehe-Geestemünde sei, ist allerdings nicht zutreffend." Diese Mittheilung wird in den betreffenden Lehrerkreisen gewiß freudig ausgenommen und das Bemühen des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann, die Rechte der Lehrer und ihre gesetzliche Stellung zu schützen, voll und ganz anerkannt werden. 8. K. GD Hannover, 27. Januar. In der am 8. d. M. zu Hannover stattgesundenen Generalversammlung des Prvvin zial- Garte nb au - Vereins für die Provinz Hannover, dessen Vorsitzender der frühere Landesdirektor, jetzige Minister für Landwirthschaft, Freiherr von Hannnerstein war, der auch heute noch dem Verein ein sehr warmes Interesse bewahrt hat, wurde an dessen Stelle zum Vorsitzenden der Landesforstrath Quat-faslem gewählt. Neugewählt wurden in den Vorstand der Baumschulenbesitzer Schiebeler in Celle und der Konsul Simon in Hannover. Der Einspruch des Letzteren, an seiner Stelle im Interesse des Vereins einen erfahrenen Gärtner in den Vorstand zu wählen, wurde zurückgewieseu unter Hinweis auf die, durch Errichtung der mit der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem verbundenen. Gartenbauschule für den Gartenbau im Allgemeinen sich erworbenen Verdienste. Es ist gewiß erfreulich, wenn in diesen jedenfalls maßgebenden Kreisen schon jetzt nach kurzem Bestehen die Bedeutung der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem in dem Maße gewürdigt wird, und es ist nunmehr unsere Pflicht, den Bestand dieses nicht lokalen, sondern für alle deutschen Glaubensgenossen zugänglichen Instituts durch reichliche einmalige und jährliche Beiträge zu sichern. Wie wir vernehmen, wird in der nächsten Zeit ein von den angesehensten Glaubensgenossen Berlins, Frankfurts und anderer Plätze unterschriebener Aufruf mit Aufforderung zu Beiträgen veröffentlicht werden, dem wir besten Erfolg wünschen. 4 Eisenach, 27. Januar. Am 23 ds. fand im Sitzungszimmer der hiesigen Synagoge ein zahlreich besuchter Vortragsabend des neuen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur statt. Zuerst . ' '"-"V v^ ■■V---■ -V