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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-01-25 · Heft 4 (25.1.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Frauen verein daselbst 600 Mark, dem deutsch-israelitischen Gemeindebund 500 Mark und der Alliance Jsraelite 400 Mark vermacht. — Nachdem vor Kurzem die jüdische Schule in Kosten aufgelöst und mit der evangelischen Schule daselbst einverleibt morden ist, hat die Schulgemeinde- I ausgenommenen Vortrag: „Ein Talmudprozeß im 13. Jahrhundert". Redner suchte die Vorgeschichte der Pariser Talmudverbrennung im Jahre 1243, die von N. Meir von Rothenburg in dem bekannten Trauergesange verewigt ist, in der klarsten und verständlichsten Weise zu entrollen; kam dabei auf den Scholastiker Wilhelm von Auvergne, den Apostaten Nicolaus Douin und deu Rabbiner Jechiel von Paris zu Vertretung beschlossen, zur Bestreitung der Kosten für den jüdischen Religionsunterricht einschließlich des Unterrichts im Hebräischen ein Pauschquantum von 500 Mark jährlich zu bewilligen, welcher Betrag dem von der Synagogengemeinde demnächst anzustellenden Kultnsbeamten, der die Befähigung zur Ertheilung dieses Unterrichts Nachweisen soll, aus der Schulkasse der evangelischen Schulgemeinde gezahlt werden wird. Zur Zeit erhalten die jüdischen Schüler den jüdischen Religionsunterricht von dem jüdischen Lehrer in Czempin, welcher zu diesem Zweck wöchentlich zweimal nach Kosten fährt. H. Lissa, 18. Januar. Den Mitgliedern des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen theilt Herr Lehrer Herbst in Verfolg der Beschlüsse in der Versammlung vom 21. November v. I. nachstehendes von Herrn Geheimrath Dr. Kristeller ihm zugegangene Schreiben zur gefälligeu Kenntnißnahme mit. „Der Ausschuß des D.-J. Gemeiudebundes hat mit Befriedigung von Ihrem gefälligen Bericht über die jüngste Jahresversammlung Ihres Vereines Kenntniß genommen. Der Beschluß, für das Bibelleseu einen geeigneten Auszug in deutscher Sprache zu empfehlen, hat die volle Zustimmung unsrer Abtheilung für Lehrwesen gefunden. Ist der Ausschuß doch bereits seit Jahren bemüht, die Auerbachffche Bibel zu einem billigen Preise zu beschaffen. Bedauerlicher Weise haben wir nicht das nöthige Entgegenkommen seitens des Brockhaus'schen Verlages gefunden. Ihr Gesuch an uns, unter Zuziehung von Volksschullehrern einen geeigneten Bibelauszug für Volksschulen zu billigem Preise herzustellen, wird von unserer Abtheilung für Lehrwesen in wohlwollende Erwägung gezogen, wennschon wir die großen Schwierigkeiten des Unternehmens nicht verkennen. Schließlich theilen wir Ihnen noch mit, daß die Vorbereitungsarbeiten für die Konstituirung eines Verbandes der jüdischen Lehrervereine diesseits mit Nachdruck betrieben werden." Nachdem der D.-J. Gemeindebund schon vielfach unserm Vereine sein Wohlwollen bethätigt hat, wird uns durch vorstehendes Schreiben ein neuer Beweis seiner Sympathie für unsere Bestrebungen entgegengebracht. Das Können des Bundes wird aber seinem Wollen noch mehr entsprechen, wenn ihm größere Mittel, sei es von Gemeinden oder Einzelpersonen zufließen Sorge darum Jeder von uns in seinem Kreise, daß dies reichlich geschehe! H. Lissa, 18. Januar. Sie bringen in Ihrer letzten Nummer die Nachricht von der Feier der goldenen Hochzeit unseres emeritirten Kantors Bischofswerder. Dies veranlaßt mich, auch einer anderen Feier hier zu erwähnen, welche ein anderer emeritirter Beamte unserer Genwinde, nämlich Herr Hauptlehrer Sieg mann, am 6. d. M. zu begehen so glücklich war. Herrn Siegmann war es nämlich vergönnt, Anfangs dieser Woche seinen 60. Geburtstag in frischer, geistiger und körperlicher Rüstigkeit im Kreise seiner Familie in Berlin zu feiern. Die hiesige jüdische Schule, in welcher Siegmann länger als 40 Jahre gewirkt hat, konnte sich's nicht versagen, dem verehrten Jubelgreis am vorigen Sonntag ihren herzlichen Glückwunsch telegraphisch zu übermitteln. Auch von den Kollegen und seinen Freunden ist dem Geburtstage S.'s volle Aufmerksamkeit gewidmet worden. X. Lublinitz, 18. Januar. Am letzten Chanukafest hat Herr Rabbiner Dr. Friedmann eine Wohlthätigkeitsvorstellung zum Zweck für Wohlthätigkeitsvereine veranstaltet, welche durchaus als geluugen anzusehen ist. Bereits sämmtliche Mitglieder der hiesigen Gemeinde, als auch auswärtige Gäste wohnten der Vorstellung bei. - Am 6. d. Mts hat die Wahl bei der Ghewra Kadischa stattgefunden, wobei die Herren L. Roth, I. Rosenthal und I. Pick als Vorsteher gewählt wurden. — Am 13. d. M. hat die Wahl der jüdischen Frauenvereins-Vorsteherinnen stattgefunden, und sind die bewährten Vorsteherinnen Frau Jeuny Orzegow, Frau Ernestine Königsberger und Frau Emilie Riesenfeld und Frau Clara Heilbronn als Stellvertreterin mit sämmtlichen Stimmen gewählt worden. Die Generalversammlung war sehr besucht und wurden die Verdienste der Frau Orzegow, die seit 20 Jahren sich dem Verein widmete, von allen Seiten anerkannt. e. Neiße, 15. Januar. Am 8. Jauuar hielt hier im Jüdischlitterarischen Vereine Herr Rabbiner Dr. Guttmann aus Breslau einen mit großem Beifall von der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft sprechen; verflocht in den Vortrag eine äußerst präcise und leicht verständliche Definition des Begriffes „Talmud", warf einige Seitenblicke auf die Erfahrungen der Gegenwart, genug, er wußte in seinem IV4 ftünbinen Vortrage die Zuhörer in einem seltenen Grade zu fesseln, so daß der Verein dem hochverehrten Gaste äußerst dankbar sein kann. Diesem Danke gab Herr Landgerichtsrath Dr. Borchert, der allbeliebte j und hervorragend rührige Vorsitzende unseres Vereins,in seinen Begrüßungsworten, und Herr Prediger Ellguther, der stellvertretende Vorsitzende und Schriftführer, in seinen an die Theilnahme der Mitglieder appellirenden Dankesworten am Schluffe des Vortrages beredten Ausdruck. An den Vortrag schloß sich ein gemüthliches Zusammensein aller Anwesenden, bei welchem Herr Dr. Borchert auf den verehrten Gast, dieser auf die Präsiden des Vereins, Herr Prediger Ellguther endlich auf das Gedeihen des Vereins selbst Trinksprüche ausbrachten. Der Abend gehört zu den schönsten, auf die der Verein seit seinem Bestehen zurückblicken kann; mögen ihm gleich glänzende folgen. Oesterreich- Nrmarru □ Wien, 23. Januar. Welch verderbliche Saat der Antisemitismus in das Herz des Volkes streut, zeigt folgender krasser Vorfall: Am 18. d. M. wurde hier eine gewisse Ka thi Schwab verhaftet. Diese erschien in dem GeschäftZlokal des in der Brigittenau, Othmargasfe 12, etablirten Gemischwaarenhündlers Nathan Neumann und bot ihm, nachdem sie zuvor dringend um Verschwiegenheit gebeten hatte, ihr Kind um den Preis von 300 fl. zur — Abschlachtung an! Als Neumann darauf einen Wachmann rief, um ihm die Wahnwitzige zu übergeben, rief diese lachend: „Ich habe gar kein Kind, ich habe nur probiren wollen, ob Sie auf meinen Antrag eingehen werden, und daun hätte ich Sie bei der Polizei angezeigt." . . . Als der Wachmann sie fragte, ob sie sich denn der Tragweite dessen, was sie versuchte, gar nicht bewußt sei, erwiederte sie: „Es wär' halt ein Spaß worden!" Die offenbar ebenso alberne, als durch bekannte Einflüsse verrückt gemachte Person wurde zur Polizei gestellt. Am nächsten Tag bereits waren die polizeilichen Erhebungen beendigt und die Akten sind dem kompetenten Gerichte abgetreten worden. — Solche Früchte zeitigt der Antisemitismus, dem das! „Vaterland" gelegentlich einer Polemik „das Recht bestreitet, sich eine j christliche Partei" zu nennen, indem es den fundamentalen Satz ausspricht: „...Es ist eine feststehende Thatsache, daß das Ehristenthum unvereinbar mit dem Rassenantisemitismus ist." Die Absage an die Antisemiten kann nicht entschiedener, energischer, unzweideutiger sein, als sie in dem Satze zum Ausdruck gelaugt. — Unter den neuernannten Mitgliedern des Herrenhauses finden wir auch zu unserer Geuugthuung Freiherrn von Oppenheimer, welcher einer hervorragenden jüdischen Familie entstammt, deren Ahnherr schon vor Jahrhunderten dem Kaiserhaus und dem Staate hervorragende und unvergessene Dienste geleistet hat. Ludwig Freiherr von Oppenheimer wurde im Jahre 1843 in Leipzig geboren, wo er auch an der Universirät national-ökonomische Studien betrieb. In der Folge wendete er sich landwirthschaftlichen Studien Zu und praktizirte auf den Gütern des Herzogs von Braunschweig. Im Herbst 1806, fast gleichzeitig mit dem Freiherrn v. Beust, mit dem er in innigen, freundschaftlichen Beziehungen stand, kam Herr v. Oppenheimer nach Oesterreich; hier erwarb er die Staatsbürgerschaft und übernahm die Herrschaft Klein-Skal in Böhmen. Seit dem Jahre 1873 gehört Herr v. Oppenheimer dem böhmischen Landtag ununterbrochen und dem Abgeordnetenhaus als Verj tretet des Großgrundbesitzes an. In beiden Körperschaften war er ein . verläßlicher Genosse der liberalen Partei. Durch sein konziliantes Wesen! und seine guten Umgangsformen verstand es iudeß Herr v. Oppenheimer, sich bei allen Parteien Beliebtheit und Ansehen zu erwerben. So ging er auch seit dem Jahre 1885 aus dem Wahlkreis Reichenberg des böhmischen Großgrundbesitzes immer als Kompromiß-Kandidat beider Parteien hervor. Wiederholt nahm Herr von Oppenheimer auch an den Verhandlungen der Delegation Theil, und hier wurde von ihm insbesonder

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