Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1895)
- Date
- 1895-01-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 mehrere Häuser vernichtete und der auch unser Gotteshaus zum Opfer! siel. Unsere Gemeinde gerieth dadurch, trotzdem die Synagoge versichert j war, in eine große Verlegenheit, da wir im Winter mit dem Bau einer! neuen Synagoge nicht beginnen konnten, und es an einem geeigneten j Lokale mangelte, wo die Gemeinde ihre Andacht an Sabbath- und Fest-! tagen abhalten sollte. Der Winter war vorüber und mit dem an-! gebrochenen Frühling ging unser Vorstand ernstlich an das schwere § Werk, uni den Grund zu einem neuen Gotteshause zu legen. Dank der Energie und dem ausdauernden Pflichteifer unseres Vorstandes unter dem Vorsitze des Herrn Bütoiv, gelang es, in einer kurzen Zeit ein würdiges Gotteshaus zu errichten. Die Feier ging in erhebender! Weise von statten. Der Kantor Herr Taub hielt zunächst eine Ansprache! an die Gemeinde, bei der er Gott pries für den freudigen Tag, den er! uns erleben ließ, und dem Vorstande dankte für das fromme Werk, welches er vom Anfang bis zum Ende mit der größten Sorgfalt be- ^rieben hat. Hierauf folgte die Festpredigt des Rabbiner Dr. Munk, der in beredten Worten die Opferwilligkeit der Gemeinde lobte. Sie schloß mit der Ermahnung, daß die Gemeinde das neuerbaute Gotteshaus durch steten Besuch und fromme Andacht ehren möge. Die Feier fiel zu allgemeiner Zufriedenheit aus. Um 5 Uhr Abends fand im Hotel Masovia ein Festessen statt. 3E Danzig, 18. Januar. Ter hiesige Allgemeine Bildungsverein feierte jüngst sein 24 jähriges Bestehen. Herr Rabbiner Dr. Werner hielt die Festrede über das Thema „Bildung versöhnt", in welcher er in schwungvollen Ausführungen als die Hauptwirkung der Bolksbildungsbestrebungen die Versöhnung im stampf und wahren Frieden nach dem Streite, als das Ausgleichsmittel gegenüber dem Fanatismus und Radikalismus darlegte. Der Vortrag wurde mit! rauschendem Beifall ausgenommen. Ter Vorsitzende schloß den Festakt! mit einer feierlichen Ansprache an Herrn Tr. Werner, in welcher er dessen Ernennung zum Ehrenmitglied verkündigte und das darüber kunstvoll ausgefertigte Diplom überreichte. Der Text desselben lautet: „Der Allgemeine Bildungsverein zu Danzig, begründet und berufen zur Wirksamkeit für Hebung der Volksbildung, Förderung der Duldsamkeit, der guten Sitten und der Menschenliebe, hat in diesem Streben seit anderthalb Jahrzehnten keinen treueren, freudigeren Mitarbeiter und Genossen I gehabt als Herrn Dr. E. Werner. Sein begeisterndes Wort als lehrender Redner des Vereins, die Tiefe und überzeugende Kraft seiner Gedanken, sein stets auf das Ideale gerichteter und auf das Ideale weisender Sinn, die Reinheit und Selbstlosigkeit seines Wollens und Wirkens haben unserm Vereinsleben, dessen Sorgen nnb Freuden Herr Dr. Werner aufs Innigste mit uns theilte, stets neuen Impuls gegeben, und wie sie dem Verein zur Ehre, den Mitgliedern zur Erhebung und zu edlem Antriebe gereichten, so wird ihre Frucht ein segensreiches Nachwirken in der That wie in der Erinnerung sein. — Durch sein Scheiden von! Danzig wird Herr Dr. Werner uns und seiner schönen Wirksamkeit in unserer Mitte entzogen. Werden wir aber auch räumlich von einander getrennt, unzertrennbar soll das Band unserer geistigen Gemeinschaft, unverlöschbar in der lebenden Generation des Vereins das Andenken an! sein Lehren und Wirken bleiben. Zum Zeichen dessen, als Zoll der j Liebe, Verehrung und Dankbarkeit, welche unsere Herzen erfüllen, hat! der Allgemeine Bildungsverein durch eiumüthigen Beschluß seiner bej rufenen Organe Herrn Dr. C. Werner zum dauernden Ehrenmitglied! ernannt und solches durch dieses Diplom Jedermann beurkundet." Ein | donnerndes Hoch der Versammlung begrüßte das neue Ehrenmitglied,! das dann in einem herzlichen Abschiedswort seinen Dank an den Verein j und zugleich an die Stadt Danzig und deren duldsame Bürgerschaft j aussprach. F. (solberg, 20. Januar. Der uns vorliegende Jahresbericht des jüdischen Kurhospitals hebt hervor, daß das hiesige Hospital dem Alter nach die dritte derjenigen Anstalten ist, welche als Heilstätte für Kinder seit 1861 über Tentschland errichtet worden sind. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, wurde die Colberger Anstalt im Juli 1874 zum ersten Male dem Betrieb übergeben, 484 kranke, skrophulose Kinder haben bis zum Schluffe 1893 hier Pflege erhalten und in der Soolguelle des Hospitals zum größten Theile Heilung gefunden. Die Segnungen des hiesigen israelitischen Kurhauses werden ganz ohne jedes Entgelt auch an erwachsene Kranke gespendet. Abgesehen von einer hochherzigen Stiftung, welche Frau Kommerzien-Rath Minna, Herr Hermann und Herr Bert hold Israel als Erben des verst. Jacob Israel s. A. für drei Kurbetten an kranke Kinder mit einem Kapita von 10,000 Mark gestiftet haben, sind die ordentlichen Einnahmen, die auf dem Grunde freier Wohlthätigkeit ruhen, gegen das Vorjahr nicht unbedeutend zurückgeblieben. Die Einnahmen des letzten Rechnungsjahres betrugen 25,317 Mark (fast 2000 Mark weniger als im Vorjahre), dagegen ist Dank der unermüdlichen Thätigkeit des Herrn Rabbiners Dr. Goldschmidt die Liste der Jahresbeiträge gewachsen, und zwar die Zahl der Mitglieder von 770 auf 851 Personen und die Beitragshöhe von 6570 Mark auf 7241 Mark, also um 661 Mark. — Herr Professor Dr Pinner in Berlin hat in uneigennützigster Art eine wissenschaftliche Analyse der festen Bestandtheile unserer Soolguelle durchgesührt; dieselbe ist im Berliner Laboratorium des Herrn Prof. P. vorgenommen und sind die Ergebnisse dem Jahresbericht beigefügt. Im vergangenen Sommer sind von 648 Bittstellern 139 arme aber würdige kranke Personen im hiesigen Hospital behandelt worden, 87 Patienten konnten vom Arzt als „geheilt", 52 als „gebessert" entlassen werden. Würdige Personen aller Berufsarten, namentlich aber auch aus gebildeten Streifen, haben in unserem Kurhause schon Heilung gefunden. Mit dem Hospital ist eine kleine Synagoge verbunden, in der täglich Andacht abgehalten wird. Mit Sorge beschließen wir die Arbeit eines Jahres, heißt es zum Schluß, immer mehr Hände strecken sich nach Hilfe aus, die Zahl der Geber vermindert die Roth der Zeit. X Bromberg, im Januar. Herr Bankier Aronsohn in Bromberg ist zum stellvertretenden Vorsitzenden der Handelskammer gewählt worden. — Der Verein „Freundebund" in Jnowrazlaw veranstaltete eine Chanukabescheerung. — Fabrikbesitzer Levy in Jnowrazlaw ist als Kreisdeputirter gewählt worden. — Apotheker Dr. Kohn in Kulm ist als chemischer Sachverständiger ernannt worden. — Die Gemeinde in Gollantsch wählte jüngst als Kultusbeamten einen Herrn Leisero witsch; derselbe hat von dem Minister des Innern die Erlaubniß erhalten, sich in ganz Deutschland aufhalten zu dürfen, die Königliche Regierung in Bromberg hat jedoch die Bestätigung versagt. Leiserowitsch ist zwar Ausländer, hat aber bereits über 30 Jahre als Kullusbeamter funktionirt, er war zuletzt 8 Jahre in Sandberg als Beamter thätig. — In Rakel ist Herr S. Bärwald zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. Kp. Ans der Provinz Posen, im Januar. In der am 11. Dezember stattgefundenen gemeinschaftlichen Sitzung von Vorstand und Repräsentanten des jüdischen Wohlthätigkeitsvereins in Buk wurde, wie alljährlich, ein größerer Geldbetrag zur Beschaffung von Brennmaterialien für bedürftige Mitglieder der dortigen Synagogengemeinde bewilligt. Mit Rücksicht darauf, daß in diesem Jahr 75 Jahre seit der Gründung des Vereins verflossen sind, wurde in derselben Sitzung der einstimmige Beschluß gefaßt, an einem noch festzusetzenden Tag ein Festessen zu veranstalten. — Unser Glaubensgenosse, der Beigeordnete Krause in Wöllstein, welcher zwei Jahre hindurch die Bürgermeisterstelle daselbst verwaltet, erhielt als Anerkennung den Kronenordeu vierter Klasse. Derselbe wurde ihm dieser Tage durch den Landrath Graf von Westarp im Beisein der Magistratsmitglieder und der Stadtverordneten in feierlicher Weise mit einer Ansprache überreicht. Stadtverordnetenvorsteher Ziehe sprach darauf den herzlichsten Dank und Glückwunsch der Stadtverordneten aus, und Herr Krause dankte mit dem Versprechen, daß er, um sich der ihm erwiesenen Ehre würdig zu erzeigen, auch ferner seine ganze Kraft in den Dienst der Allgemeinheit und des Vaterlandes stellen und dem König treu und gehorsam dienen wolle. Xp. Aus der Provinz Posen, im Januar. Der Ertrag der jüngst in Kos chm in veranstalteten Wohlthätigkeitsvorstellung gelangte in der Weise zur Vertheilung, daß an Herrn Landrath v. Pelken daselbst für das Marthastift (Diakonissenhaus-Baufond), an den Herrn Rabbiner Dr. Heppner für den israelitischen Jungfrauenverein, an den Dekan Olynski für das katholische Diakonissenhaus und Frau Ernestine Rosenbaum für den israelitischen Frauenverein je ein Theil abgeführt wurde. — Der Prediger und Kantor Hase an der jüdischen Gemeinde in Birnbaum ist in gleicher Eigenschaft nach Rosenberg in Oberschlesien berufen worden. Sein Scheiden wird daselbst sehr bedauert, da er durch Toleranz und Liebenswürdigkeit sich die Liebe und Achtung Aller erworben hat. — Der jüngst in Glogau verstorbene Millionär Hirschel hat der dortigen Synagogengemeinde 3000 Mark, dem israelitischen