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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-01-25 · Heft 4 (25.1.1895) · p. Seite 48

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
Seite 48 (sequence 12)
Language
German
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48 Vorstehende göttliche Verheißung verkündet durch den erhabensten Propheten der Vorzeit, wiederholt und angewendet von dem in Gott ruhenden Mann Gottes der Jetztzeit — sei, und bleibe uns und unseren Nachfolgern im Amte, ein segensreiches Vermächtniß. Im Juny 1869. Joel Wolfs Meyer. Ich meine, diese wenigen Worte kennzeichnen den Mann und dessen Thätigkeit für unsere Gemeinde. Hochachtungsvoll Ihr ergebener Berlin, 19. Januar. Leonhard Sachs. * Verehrliche Redaktion! Fälle falscher Verdächtigung und Anschuldigung, die man von Zeit zu Zeit gegen die Juden erhob, sind gewiß traurig. Noch trauriger aber ist es, wenn manche Juden die Zahl solcher Vorkommnisse nicht für genügend halten und andere Fälle derart erfinden. In einem Artikel von einer dem westfälischen Gemeindebund abholden Seite werden der Freisinn der westfälischen Juden und die Fälle Rohling und Konsorten als Ursache und Wirkung dargestellt. Den Fall Rohling und Justus-Ekkerd kannte alle Welt. Aber der Artikel meldet ferner von einer Blutlüge in Geseke und wohl Mancher wird den eigenen Kopf und den Anderer Zerbrochen haben über die Frage, was es denn mit dieser Blutlüge von Geseke sei. — Ich, der ich die Geschichte des Bisthums Paderborn und speziell die der Stadt Geseke — letztere, herausgegeben von Pfarrer .^ampschulte, Werl 1868, liegt vor mir — studirt habe, kann Auskunft geben: Mit der Blutlüge von Geseke ist es für diesmal nichts, und so Gott will, auch in alle Zukunft nichts! Mit vorzüglicher Hochachtung Geseke 15. Januar S. Grünwald, Lehrer. * Geehrter Herr Redakteur! ant Schlüsse meines am 26. Januar 1694 in dieser Zeitung veröffentlichten Aufsatzes „Unser Gottesdienst" hatte ich den ausführlich begründeten Wunsch ausgesprochen, es möchten die Litteraturvereine auch den Gottesdienst betreffende Fragen auf die Tagesordnung setzen. Ich hatte dabei in Aussicht gestellt, von dem Arbeitsfeld dieser Vereine „ein andermal" zu sprechen. Gegen den Inhalt dieses Aufsatzes ist damals nichts erhoben worden; er enthielt ja auch nur Unleugbares; aber gegen den Versuch, gottesdienstliche Fragen zu erörtern und geschichtlich zu beleuchten, hat sich, wie rinnerlich, sofort eine einzige, aber doch energische Stimme verwahrt. Inzwischen bin ich wiederholt angefragt worden, warum ich mein Versprechen nicht gehalten habe. Ich sehe mich daher genöthigt, hiermit zu erklären, daß die versprochene Arbeit seit Monaten fertig ist, wie der Herausgeber dieser Zeitung mir bezeugen kann, daß sie aber im Interesse des Friedens zurückgelegt ist. — Indessen, was kommen muß, wird auch ohne mich kommen; in dieser Ueberzeugung wird mir das Schweigen nicht schwer. Frankfurt a M, l4. Januar. Dr. B Kuttner. * Sehr geehrter Herr Redakteur! Kurzem erlaubte ich mir. Ihnen zwei interessante Beispiele mitzutheilen von geringer Kenntniß des Judenthums seitens zweier namhafter christlicher Theologen, von denen der eine, Prof. Smend in Göttingen, Purim für eines der heiligsten jüdischen Feste hält, der andere, noch dazu ein Konvertit, Aug. Neander, das Fest der Gesetzesfreude, Simchath thora, in das Wochenfest, auf Schebuoth, verlegtest) Als drittes nicht minder interessantes Beispiel von Ignoranz des Judenr) Ich glaube jetzt, daß bei Aug. Neander (Sam. Mendel) vielleicht seine dunkle Jugenderiunerung, daß Lcllebuolli das seman mathan thorothenu ist, jenen Schnitzer verursacht hat. thums seitens eines christlichen Theologen, der noch dazu, wie Smend, Alttestamentler von Fach ist, sei noch Folgendes erwähnt: Im Jahre 1888 erschien eine Gießener Doktordissertation von einem jungen Theologen, Namens Fr. Schwally, einem Schüler von Stade, die betitelt war: „Die Reden des Buches Jeremia gegen die Heiden, 25, 46-51, untersucht", die natürlich nur von Einem herrühren kann, der sich mit dem alten Testament beschäftigt hat. In der That ist er jetzt Privatdozent für alttestamentliche Theologie in Straßburg, scheint aber trotzdem selbst das alte Judenthum wenig zu kennen, wie aus folgender Aeußerung zu ersehen ist. Er schrieb nämlich im Jahre 1892 ein Buch mit dem Titel: „Das Leben nach dem Tode nach den Vorstellungen des alten Israel und des Judenthums einschließlich des Volksglaubens im Zeitalter Christi. Eine biblisch-theologische Untersuchung von Friedr. Schwally. Gießen 1892." (Nebenbei bemerkt, ein Werk, das voll der kühnsten und unhaltbarsten Hypothesen ist.) Da handelt ein Abschnitt (§ 13, S. 40) über „Trauerzeit und kultische Zeit", in dem von der siebentägigen Trauerzeit die Rede ist. Da heißt es (a. a O.) wörtlich: „Die Frage, warum man gerade 7 Tage trauerte, ist schwer zu beantworten. Ich vermuthe, daß die siebentägige Trauer mit der siebentägigen Dauer der großen Feste, Passah, Pfingsten und Laubhütten, in Parallele zu stellen ist. Hier wie dort handelt es sich um eine religiöse Feier." Als ich dies las, traute ich kaum meinen Augen: das Pfingst- oder Wochenfest soll bei Juden sieben Tage dauern oder je gedauert haben?! Wie gering müssen doch die jüdischen Kenntnisse dieses Mannes sein, wenn er so etwas schreiben kann! Endlich sei hier noch erwähnt eine eigenthümliche, wenn nicht geradezu falsche Uebersetzung seitens eines christlichen Gelehrten des Wortes Gemara, der, wenn auch kein Theologe, so doch Philosoph ist und jüdische Quellen citirt. In dem vor Kurzem erschienenen höchst gelehrten Buch, nämlich von dem Professor der Philosophie und Pädagogik an der deutschen Universität in Prag, Otto Willmann, über „Die Geschichte des Idealismus", 1. Band, Braunschweig 1894, handelt § 12 über Thora und Kabbala", der, wie gesagt, auf jüdischen Quellen beruhend, d. h. Uebersetzungen und Darstellungen von jüdischen Gelehrten, verständig und richtig abgefaßt ist; umsomehr muß man sich wundern, wenn es a. a. O. S. 178 heißt: „In der Mischna, d. h. Wiederholung, wird der Lehrinhalt in gedrängter Kürze, in lapidarischem und selbst änigmatischem (?) Stil, wie in Sutren, zusammengedrängt, in der Gemara, d. i. Neuerung, dagegen nach Art der Kommentare über die Sutren, ausführlicher dargelegt. „Gemara" hat aber nie die Bedeutung von „Neuerung" gehabt; es bedeutet eigentlich die „Vollendung", „Vervollständigung", vom aramäischen Zeitwort gamar, „vollenden", abgeleitet, im Talmud aber wird es im Sinne von „Gelerntes, Tradition" gebraucht (vgl. Kohut Arueh completum s o). Der Begriff „Neuerung" würde auch, dem Inhalt der Gemara nach, die ja vielfach nur Diskussionen über die Mischna enthält, gar nicht passen. Ich möchte mir noch eine Bemerkung erlauben über den Namen Peter bei Juden, den Herr M. Friedeberg in Pankow in Nr. 47 dieser Zeitung aus dem 14. Jahrhundert anführt. (Nebenbei bemerkt, finde ich in der Korrespondenz aus Petersburg in Nr. 41 bezüglich der Schwierigkeiten, die „zur Zeit der Vorname Peter in Rußland findet", nichts Näheres ) Er kommt aber bei Juden schon zwei Jahrhunderte früher vor. Wie man aus „Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge. Herausgegeben von A. Neubauer und M. Stern, übersetzt von S. Baer. Berlin 1892" (S. 63 und 195) ersehen kann, hieß der im Jahre 1147 in Carenton, einem Städtchen im Departement Manche, erschlagene Rabbiner der Gemeinde R. Peter, der höchst wahrscheinlich identisch ist mit dem in den Tossafoth, den bekannten „Zusätzen", Kommentaren re. französischer Rabbinen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert zum babylonischen Talmud erwähnten R. Peter. (Vgl. meine kleine Schrift: „Etwas über jüdische und christliche Vor- und Zunamen, Wien 1892", S. 11.) Greifswald. Ihr ganz ergebener Dr. Babad. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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