Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1895)
- Date
- 1895-01-18
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 sehr antisemitisch gesinnt ist (Laugenlois), hat ein jüdischer Arzt fid) | solches Vertrauen errungen, daß die Leute sagen: es ist merkwürdig, j wir dachten immer, ein Jude sei so etwas Fürchterliches, und zu diesem j haben wir Alle Vertrauen Der Berichterstatter Noske bemerkte noch:! Es ist nur erfreulich, wenn solche Fälle sich mehren werden, wie ihn i der Abgeordnete Weitlof angeführt hat, daß die Leute durch die praktische! Belhätigung echten Ehristenthums durch Juden, nämlich echter Wohlj thätigkeit, Hingebung an den Beruf und Pflichttreue, eines Bessern be-; lehrt und von den hohlen Phrasen, die dieser Hingebung gegenüberstehen,! befreit werden. — Tee Kaiser hat bei dem neuesten Pairsschub den! bekannten Rittergutsbesitzer und Reichstagsabgeordneten Frei Herrn j v. Opp eu heim er (nebenbei gesagt: einen Schüler des Herrn Prof! Lazarus» zum Mitglied des Herrenhauses ernannt. Jm Lemberger allgemeinen Krankenhau'e haben nach einem vorliegenden Berichte kürzlich - zwei Kranke, welche sich als Antisemiten deklarirten, jüdische Krankenzimmergenossen überfallen und mißhandelt, sowie in ihrer Wuth Ein-; richtungsüücke zertrümmert. Gegen die Excedenten wurde die Strafanzeige! erstattet. j /\ Budapest, 13 Januar. Von der israelitisch -ungarischen ' li tterarischen Gesellschaft in Budapest erhalten wir folgende j Zuschrift: „Laut Beschluß des Ausschusses gelangen seitens der Israeli-! tisch-ungarischen litterarischen Gesellschaft in Budapest folgende Preisfragen zur Ausschreibung: 1 Die gegenwärtige Verfassung (Organisation) der Judenheit in den europäischen Staaten auf geschichtlicher Grundlage dargestellt und gewürdigt Die Preisarbeit kann in ungarischer, deutscher, französischer, englischer oder italienischer Sprache abgefaßt werden. Nichtungarische Arbeiten werden durch die Litterarische Gesellschaft nur ungarisch herausgegeben, doch steht es dem Verfasser frei, sein Werk nach eigeneni Ermessen auch in einer andern Sprache erscheinen zu lassen. Termin 3k. März 1896, Preis 1000 Kronen (500 Gulden). 2. Die Geschichte irgend einer jüdischen Geiueinde Ungarns in quellenmäßiger, volksthümlicher Vorstellung. Die Arbeit soll litterarischen Werth haben und nicht stärker als 10 Druckbogen sein; sie ist bis 31. Dezember 1895 in ungarischer Sprache einzureichen Preis 500 Kronen (250 Gillden). Die von fremder Hand und leserlich geschriebenen mit einem Motto versehenen Arbeiten sind in Begleitung eines den Namen und Wohnort des Verfassers enthaltenden, verschlossenen Brieses an den Präsidenten der Gesellschaft (derzeit Rabbiner Dr. Samuel Kohn, Budapest, VII. holl«', u. 4 sz ) einzusenden. Budapest, im Dezember 1894. Das Präsidium der lsraelitisch-ungarischen litterarischen Gesellschaft. Dr Franz Mezey m. p., Sekretär, Dr. Samuel K ohn m. p., Präsident." Budapest, 3. Januar. Vorgestern verschied in Raab der pensionirte Rabbiner der dortigen Gemeinde, Dr. Salomon Ranschburg, im 79. Lebensjahre. Er hinterläßt, wie „P L " erfährt, eine 400 geschriebene Bogen umfassende talmudisch-rabbinische Encyklopädie — In Also-Kubin wurdeDr.J.Hor ovitz,Rabbiner ausBistritz, und in Sillein Dr. Julius Klein zum Rabbiner gewählt. Letzterer ist Hörer des hiesigen Rabbiner- Seminars und wird mit mehreren Anderen nach abgelegter Prüfung in den nächsten Monaten entlassen. — Rabbiner Moses Bloch, Professor am hiesigen Rabbiner-Seminar, an dem er seit dessen Errichtung Talmud lehrt, begeht am 15 künftigen Monats seinen achtzigsten Geburtstag, zu dessen Feier seine ehemaligen Schüler bereits Vorkehrungen treffen Non Nah und Fern. Die bei dem Kammergericht beglaubigten Rechtsanwälte Dr. Ti kt in und Dr. Moll sind zu Justizräthen ernannt worden. — Herr Emil Jakob, in Firma Jacob V Valentin, ist zum Konnnerzienrath ernannt worden. - Herrn Sauitätsrath Dr. Blurnenthal wurde der russische St. Annenorden 2. Klasse verliehen. ~ Der Bi>dungsverein in Danzig hat bei seinem 24. Stiftungsjest Herrn Rabb Dr. Werner zum Ehrenmitglied ernannt. Ausführlicher Bericht folgt - In Posen ist Justizrath Orgler wiederum einstimmig zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. — Vor Kurzem wurde der Redakteur des polnisch-antisemitischen „Postep" in Posen zu 20 Mark Geldstrafe vernrtheilt, weil er eine Reklame von einem Bäckermeister aus Buk als „jüdischen Schwindel" bezeichnet hat. - Pros. Dr. I akob Gottstein, Spezialist für Hals- und Ohrenleiden, ist am 11. d. M. in Breslau gestorben. Gottstein wurde am 7. November 1*32 in Lissa (Posen) geboren und hat an der Breslauer Universität länger als ein Vierteljahrhundert gelehrt. Sein bedeutendstes Werk ist sein 1883 zum ersten Mal erschienenes, schon in dritter Auflage vorliegendes Handbuch der Krankheiten des Kehlkopfes. — Herr Rabbiner Rafael Kirsch, der eine Reihe von Jahren an der Wallich's Synagoge in Hamburg thätig war und segensreich gewirkt, wurde einstimmig zum Rabbiner in Oborn ik (Bz. Posen) gewählt. - Oberstabsarzt a. D. Dr. Rosen thal in Viag de bürg feiert am 18 d. M. den 70. Geburtstag Schon seit Jahren Stadtverordneter und Repräsentant in der jüdischen Gemeinde ist er ein würdiger und eifriger Verfechter jüdischer Interessen. Dr. R. hat den Krieg von 1870/71 mitgemacht und ist Inhaber des eisernen Kreuzes und des Rothen Adler-Ordens mit Schwertern. — Im Klub „Freundschaft" zu Homburg hielt Rabbiner Dr. Kottek einen Vortrag über Jehuda Halevi, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. — Herr Henryk Glicen stein-B arami in München, der schon im vorigen Jahre den ersten Preis der königlichen Akademie der Künste als Bildhauer erhalten hat, hat auch diesmal wieder einen Preis mit seinen beiden Arbeiten „Büßerin" und „Jagd" errungen. — Die österreichische Regierung vereinbarte mit den koalirten Parteien eine neue Bestimmung für das Sonn tagsruhe ge setz, wonach die Landesbehörden in Galizien und in der Bukowina in einzelnen Orten für jene Gewerbebetriebe, die ausschließlich jüdische Hilfsarbeiter beschäftigen, eine Samstagsruhe feststellen und die Arbeit am Sonntag gestatten können. — Moritz und Rachel ine Goldberger in Wien haben ein Kapital von sechstausend Gulden zur Prämiirung litterarischer Erzeugnisse gestiftet, dessen Zinsen nach je zwei Jahren dem Autor irgend eines hervorragenden wissenschaftlichen oder sonst durch populäre Darstellung die Kenntniß des Judenthums in wirksamer Weise fördernden Schriftwerkes nach dem Ausspruch einer zu diesem Zweck einzusetzenden Jury als Preis bezahlt werden sollen. Die Jury hat aus dem Prediger der Wiener israelitischen Kultusgemeinden, dem Obmann der Unterrichtssektion und dem Kultusvorstand derselben und aus einem von diesen beiden zu erwählenden, in Wien ansässigen theologischen Privatgelehrten zu bestehen. Im Sinne der Stiftung wurde der Reichsrathsabgeordnete Dr. Bloch in die Jury gewählt. — Der gelehrte Oberrabiner Philipp Plaut in G r.-Surany, Ungarn, hat im 77. Lebensjahre, nach 44jähriger Thätigkeit in erwähnter Gemeinde, am 27. Kislew d. I. das Zeitliche gesegnet. -- Laut Geschäftsbericht des „Centralvereins zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" in Prag betrug die Zahl der unter der Leitung des Vereines dem Handwerk zugeführten Lehrlinge im abgelaufenen Verwaltungsjahre 61, und zwar: 10 Handschuhmacher, 10 Schneider, 8 Schlosser, 6 Tapezierer, 6 Goldarbeiter, 2 Gerber, 2 Buchbinder, 2 Posamentierer, 2 Klempner, 2 Fleischer, 2 Lithographen und je 1 Anstreicher, Schriftsetzer, Goldstaffirer, Schuhmacher, Tischler, Fleischer, Gelbgießer, Mechaniker und Stattler. — Der israelitisch-ungarische Land es- S tipendienverein hielt am 19. Dezember seine ordentliche Generalversammlung ab. Der zur Vertheilung gelangte Ausschußbericht enthält eine Zusammenstellung der bisher verausgabten Summen. Es wurden bisher an 428 Studirende 677 Stipendien im Gesauuntbetrage von 62,850 fl. verliehen. Das derzeitige Vermögen des Vereins beträgt 81,088 fl. 14 kr. und wird vom ungarischen Bodenkredit-Institut verwaltet. — Der berühmte hebräische Dichter und Schriftsteller A. B. Gottlober, zur Zeit in Bialystock, feiert am 18. Tebeth d. I. seinen 85. Geburtstag. Gottlober ist einer der ersten Kämpfer für die Aufklärung unter den Juden in Rußland (aus Der sogen. „Berliner Schule"). Seitens seiner zahlreichen Freunde werden große Ehrungen für ihn vorbereitet. — In New-Jork wurde eine „Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Litteratur" gegründet, an der hervorragende Männer betheiligt sind. Die Gesellschaft wird als lhr spezielles Organ eine Monatsschrift „Das Licht des Westens" herausgeben, deren erstes Heft in den nächsten Tagen erscheinen wird. — In Bombay ist diese Woche Lady Han nah Sassoon, eine sehr wohlthätige und allgemein geachtete Dame, die (Gattin des Barons Albert Sassoon, gestorben. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion.- Max Bauchwitz in Berlin.