Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1895)
- Date
- 1895-01-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 nächste Etat die Gewährung eines Beitrages für das Mädchenhaus in Pankow aufweisen, es erfolgte die Gewährung bezw. Fortwährung von Beiträgen an den Religionsverein in Charlottenburg, an die hiesigen Vereine Ahabath Reim, Ahabat Schalom, Beth Zion, Bne Brith, Ohel Jizchak, Beth-Jakob, sowie die Lipvmann Tauß-Synagoge. Ferner an die David Herzog'sche Freitischstiftung, hauptsächlich für die Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, sowie an die israel. Kurhospitäter zu Ems, Franzensbad, Karlsbad, Kissingeu, Königsdorff Kolberg, Marienbad, Soden, Teplitz und Warmbrunn. Die Einrichtung jüdischen Religionsunterrichts in dein Erziehungshause am Urban ist beschlossen. Die Gemeindeverwaltung beschloß die Errichtung einer zweiten Assistenzarztstelle für die innere Station des Krankenhauses und genehmigte die Berufung des Herrn Georg Bloch zum Chorleiter der alten Synagoge an Stelle des verstorbenen Musikdirektors Isidor Rosenfeld. S£2 Berlin, 15. Januar. Der Assistenzarzt Dr. A. Fink elfte in war, wie unseren Lesern erinnerlich sein wird, vor einigen Monaten ein Opfer seines Berufs geworden, indem er sich bei einer ärztlichen Behandlung im Krankenhaus Moabit eine tödtlich verlaufende Blutvergiftung zuzog. Die Angehörigen desselben in Leipzig haben, um das Andenken dieses talentvollen, braven Arztes zu ehren, dem Magistrat ein Kapital von 3000 Mark als eine Stiftung beim Krankenhaus Moabit angeboten. Die Zinsen sollen kranken Kindern, die daselbst als Patienten verpflegt werden, zufallen. Der Magistrat beschloß, das edelmüthige 'Anerbieten der Finkelsteinschen Angehörigen dankend anzunehmen. 8. Schivelbein, 2. Januar. Von dem hiesigen jüdischen Litteraturverein ist in diesem Winter bisher nur sehr wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen, obgleich derselbe bereits wieder eine recht rege Thätigkeit entfaltet hat. An dem ersten und dritten Sonntage jedes Monats findet ein Lese- und Diskutirabend statt. Am 9. v. M. hielt Herr Rabbiner Dr. Hoffmann aus Neustettin einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Entwickelung des Familienwesens bei den Juden. Besonders interessant war der Vergleich zwischen den mosaischen Gesetzen über die den einzelnen Gliedern der Familie zustehenden Rechte einerseits, und den diesbezüglichen Bestimmungen des römischen Gesetzes andererseits. — Am 26. v. sJft, Abends 5 Uhr, veranstaltete der Verein für die gesammte hiesige jüdische Schuljugend eine herrliche Chanukafeier. Br. Milos law, 13 Januar. Der israelitische Frauen verein Hierselbst, der schon seit 1890 besteht, hat in diesem Winter seine Thätigkeit wieder ausgenommen. Er hat jetzt neben seiner Hauptaufgabe, „kranke und nothleidende Glaubensgenossen zu unterstützen", noch den Zweck, die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur zu verbreiten. Die Theilnahme an den Vortragsabenden, die deshalb eingerichtet wurden, ist eine sehr rege und zeigt, daß auch in den kleineren Städten, in denen kein Litteraturverein gegründet werden kann, etwas zur Erreichung dieses wichtigen Zieles beigetragen werden kann. In den Chanukatagen fand im Anschluß an eine Berloosung zu wohlthätigen Zwecken auch eine Chanukafeier statt. Die beträchtlichen Einnahmen hiervon sind unter bedürftige Glaubensgenossen vertheitt worden. l>\ Posen, 13. Januar. Die hiesige israelitische Waisen- Knaben-Anstalt hat ihren Jahresbericht über die letztvergangenen beiden Berichtsjahre erscheinen lassen. Mit der im vorigen Jahresbericht geschilderten Erweiterung der Räume der Anstalt hat die Erhöhung der Zahl der Zöglinge nicht in der gewünschten Weise erfolgen können, weil die vorhandenen Mittel durch den Bau stark in Anspruch genommen wurden. Aus den Provinzen Posen und Westpreußen tragen die (Gemeinden Filehne, Grätz, Jnowrazlaw, Labischin, Lissa, Murowana- Goslin, Neustadt bei Pinne, Pleschen, Rogasen, Samotschin, Schneidemühl, Schönlanke, Schrimm, Schwersenz, Strelno und Wreschen zur Unterstützung der Anstalt bei. Jndeß tragen von den Gemeinden der Provinz Posen, zu deren Gunsten die Erweiterung des Waisenhauses bestimmt ist, nicht alle mit regelmäßigen Beiträgen bei; die meisten ziehen sich von jeglicher Beihilfe zurück und wundern sich, wenn sie mit ihren Waisenkindern in einen Nothstand gerathen, daß die Anstalt nicht helfend eingreift. Der Etat für das Jahr 1893 hat leider mit einem Fehlbetrag von 1393 Mark 81 Pf. abgeschlossen, die Verwaltung der Anstalt hofft, daß die Mildthätigkeit edler Herzen den Fehlbetrag aus den Jahresrechnungen schwinden machen wird. Die Anstalt beklagt das Hinscheiden des Kommerzienraths Siegmund Wolfs, der 8 Jahre lang für das Gedeihen der Anstalt thätig war. Herr Kommerzierrrath Moritz Milch wurde an seiner Stelle in die Direktion kooptirt. Wiedergewählt wurden in die Leitung der Anstalt auf 4 Jahre: die Herren Rabbiner Dr. Bloch, Louis Kronthat, A. Malachowski, Justizrath Orgler, Moritz Viktor. — Die Anstalt hat im vorigen Jahre 26 Zöglinge verpflegt, vier von der Anstalt subventionirte Lehrlinge traten während des Jahres aus der Lehre. Unter den von den Lehrlingen gewählten Berufsarten befinden sich Maschinenbauer, Kunsttischler, Kunstgärtner und Schuhmacher. 0a. Aus Schlesien, 7. Januar. Am 25. Dezember predigte in der St. Matthiaskirche zu Breslau Pater Mortara von der Fremdenmission in Rom. — Der im Jahre 1891 92 ausgeführte Umbau der Synagoge in Re iss e, zu welchem nach dem Kostenanschläge bei der Provinzial-Hilfskasse für Schlesien ein Darlehen von 36,000 Mark ausgenommen worden war, hat aus mehrfachen Gründen einen höheren Kostenaufwand erfordert, und zwar beziffert sich der Mehrbedarf auf etwa 10,000 Mark. Nachdem der Vorstand und die Repräsentanten-Versammlung den Beschluß gefaßt hat, diesen Fehlbetrag durch Aufnahme einer mit 4 Prozent verzinslichen und mit 2 Prozent zu amortisirenden Anleihe unter den Mitgliedern des Synagogenbezirks Neisse aufzubringen, hat der Regierungs- Präsident diesen Beschluß genehmigt. — Am vergangenen Sonnabend, am letzten vorjährigen Chnnukaabend, feierten die Schüler der israelitischen Schule zu Neisse ein Fest, das ihnen von einem eigens zu diesem Zwecke zusammengetretenen Komitee veranstaltet worden war. Dem eigentlichen Feste, bestehend in frohen Spielen, Gesang und in einer Bewirthung der Kinder, ging eine auf die Bedeutung des Tages hinweisende Schulfeier voran, bei welcher die Angehörigen der Kinder, sowie der Vorstand der Gemeinde erschienen waren. Chorgesang, Deklamationen einiger Schüler, sowie Ansprachen des Herrn Prediger Ellguther und Dr. med. Brieger, des derzeitigen Schuldezernenten, verschönten die Feier. Das Festkomitee hat auch einigen Schülern durch eine reiche Einbescheerung große Freude bereitet. — Ein imposanter Leichenzug durchzog am 28. Dezember Nachmittags unter den Klängen eines Trauermarsches die Stadt Beuthen (Oberschlesien) nach dem jüdischen Friedhofe zu. Der am 25. Dezember einem Herzschlage erlegene, über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Zahnarzt Dr. Adolf Gerstel wurde beerdigt. An der Spitze des Zuges marschirte die Stadlkapelle, hinterdrein Zöglinge des Waisenhauses „Kaiser Wilhelmstift", dann mit umflorten Fahnen der dortige Kriegerverein, die Schützengilde, die beiden Königshütter und die beiden Beuthener Turnvereine, der Zweigverein Beutheu mit Deputationen der Kattowitzer und Königshütter Privatbeamten-Zweigvereine, die Beuthener Mamreh-Loge und Vertreter der Bruderlogen aus benachbarten Städten und ein sehr zahlreiches Trauergefolge erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre. Die Vereine und verschiedene Private hatten prächtige Kränze mit Widmungsschleifen gestiftet. Mit Recht durfte Herr Rabbiner Dr. Kopfstein in seiner formvollendeten Trauerrede die Mildthätigkeit rühmen, und die Anwesenheit so zahlreicher Männer anderer Konfessionen, nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus den Nachbarstädten, war Beweis dafür genug. Vor Allem hat die Jugend, besonders die arme und bedürftige, in dem Heimgegangenen einen warmen Freund verloren. r. Kattowitz, 8. Januar. Ein alter Kattowitzer Bürger hat am 28. Dezember nach längerem Leiden das Zeitliche gesegnet. Herr Maurermeister Ignatz Grünfeld ist im Alter von 69 Jahren aus dem Leben geschieden, und mit ihm hat die Kommune Kattowitz einen Mann verloren, welcher sich seit ihrer Begründung in uneigennützigster Weise in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat. Herr Grünfeld gehörte dem hiesigen Stadtverordneten-Kollegium von dem Anfänge seines Bestehens bis zu dem Tage, da er aus dem Leben abberufen wurde, ununterbrochen an und ist einer der Wenigen, denen es vor nunmehr 3 Jahren vergönnt war, das 25jährige Jubiläum der Stadt mitzubegehen. Aber nicht nur auf der Ehrentafel von Kattowitz, welches dem Verstorbenen vieles dankt, wird sein Name unauslöschlich bleiben, auch die Geschicke unserer Glaubensgemeinde sind mit dem Namen des Verblichenen eng verknüpft. Nachdem Herr Grünfeld eine Zeit lang hindurch dem Repräseutanten- Kollegium der Synagogengemeinde angehört hatte, wurde er vor einigen Jahren in den Vorstand berufen, wo es ihm noch an seinem Lebensabend vergönnt war, in fruchtbringender Thätigkeit weiter zu walten. — Die am 30. Dezember stattgehabte Beerdigung legte Zeugniß ab