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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-01-18 · Heft 3 (18.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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59. Jahrgang. Ar. 3. Geriin, 18. Januar 1895. Der Gemeindebote. Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Dentschland. L2 Berlin, 14. Januar. Eine gewaltige Feuersbrunst hat in der Nacht vom 7. bis zum 8. d. M in Strelitz i. M. die große und schöne Bibliothek des. Ober- und Landesrabbiners Dr. I. Hamburger total vernichtet, eine Büchersammlung von mehr als 5000 Bänden, an der derselbe mehr als 40 Jahre lang unermüdlich gesammelt hat. Hierzu kommt, daß die neueste Auflage seiner „Real- Encyclopädie für Bibel und Talmud" Abtheilung I. und II. mit drei Supplementen, jedes tausend Exemplare, die Dr H. jedes auf seine Kosten drucken ließ, und die sich in derselben Stube befanden, mit verbrannt wurden. Der Schaden beträgt inehr als 25,000 Mark. Ferner beklagt Herr Dr. H. den Verlust zahlreicher Manuskripte werthvollen Inhalts. Wir brauchen nicht zu sagen, wie hart der greise Gelehrte durch diesen Verlust betroffen ist. Die Arbeit eines Lebens ist hier ein Raub der Flmnmen geworden, und wir zweifeln nicht daran, daß diese Nachricht nicht nur die allgemeine Sympathie, sondern auch die werkthätige Theilnahme aller Glaubensgenossen Hervorrufen wird Es gilt, dem verdienstvollen Gelehrten den Schaden zu ersetzen, den er erlitten, und ihm die Mittel zu gewähren, die dazu nöthig sind, eine neue Auflage seiner großen und wahrhaft verdienstlichen Real-Eneyclopädie herzustellen. Wir richten daher an alle Diejenigen, welche ein warmes Interesse für die jüdische Wissenschaft und deren Träger bewahrt haben, die herzliche und dringende Bitte, uns in diesem Vorhaben thatkräftig zu unterstützen. Es ist geradezu eine Ehrensache, die Existenz eines Mannes wieder aufzurichten, der sein ganzes Leben lang der Wissenschaft des Judenthums gewidmet hat. Und darum hoffen wir zuversichtlich, daß unser Appell ein Echo finden wird. Die Expedition der A. Z. d I. ist gern bereit, Beiträge zu diesem Zweck entgegen zu nehmen und darüber an dieser Stelle zu quittiren. L2 Berlin, 15. Januar. Im Saale der Gesellschaft der Freunde fand gestern der zweite Vortrag zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums statt. Herr Professor Dr. Steinthal ließ seinen Vortrag: „Ein Religionsphilosoph aus unserm Jahrhundert" durch einen seiner Hörer vorlesen. Da wir den Vortrag in einer der nächsten Nummern zum Abdruck bringen werden, können wir uns heute ein näheres Eingehen auf den Inhalt ersparen. Nur dieses Eine wollen wir schon heute den Lesern verrathen, daß der in dem Vortrag besprochene Religionsphilosoph der bekannte Rabbiner Dr. Samuel Hirsch in Dessau und Luxemburg, später in Philadelphia war, an dessen „Religionsphilosophie der Juden" (Leipzig 1842) Steinthal noch als Student der Philosophie mitgearbeitet hat. Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" findet am nächsten Montag den 21. d. ein Diskussionsabend in Cassels Hotel, Burgstraße 16, statt. Voran geht ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. L. A. Rosenthal aus Rogasen-. Hagada und Geschichtsforschung. Die Diskussionsabende dieses Vereins find von ganz besonderem Interesse und erfreuen sich deshalb auch regen Zuspruchs und eifriger Theilnahme. Gäste haben, wie bei allen Veranstaltungen des Vereins, freien Zutritt. F. Berlin, 14 Januar. Die Mitglieder unserer Gemeinde erhalten alljährlich eine in Großfolio gedruckte „Uebersicht des Haushalts der jüdischen Gemeinde zu Berlin" für den Zeitraum eines Jahres. Dieselbe liegt jetzt vor und balancirt in den Einnahmen und Ausgaben mit 3,630,102 M. 48 Pf. Der Bestand am 80 März 1894 betrug 890,880 M. Die Ueberschüsse (Ersparnisse) der Spezial-Verwaltung, dieses Mal aus obengenannten Gründen für l1/4 Jahr berechnet, betrugen insgesammt l05,975 M. Davon entfielen auf die Alte Synagoge 3896 M, die Neue Synagoge 2444 M., die Synagoge Lindenstraße 5866 M., die Knabenschule 7304 M., die Mädchenschule 2579 M. die Religionsschule IV!419M, Reichenheimsche Waisenhaus 7515 M., das Siechenhaus 9289 M., die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches 3246 M., die Beerdigungsanstalt inet der Ueberschüsse der Friedhof- Verwaltung Schönhauser Allee 61,773 M. Auf den Gesammtposten der Spezialverwaltung sind noch rückständige Zahlungen zu leisten gewesen im Betrage von 18,033 M., an denen das T al m u d - T h o r a - I nst it ut mit 2732 M., die Waisenkommission mit 2598 M., das Erziehungshaus in Pankow mit 1733 M. und das Krankenhaus mit 9651 M Theil nimmt, sodaß das Guthaben bei den Spezial-Verwaltungen 87,9-11 M. betrug. Unter laufende Einnahmen bezifferten sich die Gemeindebeitrüge incl. der Reste aus den Vorjahren auf 1,188,847 M., hierzu kamen 33,306 M. Effektenzinsen, ferner 122,176 M aus (Grundstücken und der Vermiethung von Synagogenständen. Das Kapitel (Stnnafyinen zu bestimmten Zwecken ergab 11. A. an Kapitalien und Zinsen für Stiftungen 835,591 M., an Eingang ans Erbbegräbnissen für den dritten Amortisationsfonds 363,134 M Unter den laufenden Ausgaben betrug der Posten Gehälter an Rabbiner, Vorbeter, Ehordirigenten, Büreanbeamte und Nuntien 160,242 M., an Pensionen und Nennmerationen wurden gezahlt 19,381 M. Die Ausgaben an humanitäre Institutionen und zu litterarhistorischen Zwecken betrugen 34,623 M. Für den Gottesdienst wurden verausgabt: 0) Alte Synagoge 32,116 M., b) Neue Synagoge 65,538 M, c) Synagoge der Kaiserstraße 25,937 AI, 6) Synagoge Lindenstraße 50,075 M., e) Zuschuß zu gottesdienstlichen Veranstaltungen an den hohen Feiertagen 13,676 M. Der Aufwand für die Schulen betrug: a) Knabenschule 73,702 M. I) Mädchenschule 61,047, c) Religionsschule I 7250 M., d) Religionsschule II 7650 M., e> Religiousschule III 1233 AI, f) Talmud Thora Institut 11,250 AI, g) Prüparanderianstalt 6510 AI Die Ausgaben der Armenkonnnifsion betrugen 72,425 M.. der Waisenkommission 37,500 M., es wurden verj ausgabt zu Unterstützungen au durchreisende und kranke Glaubensgenossen 11,912 M., für das Reichenheimffche Waisenhaus 43,425 M., für das Erziehungshaus in Pankow 44,126 M.,für das Krankenhaus 64,446 AI, für das Siechenhaus 31,250 M., für Speisung Armer und Gefangener 1251 M., zu Mazzoth für Arme und Soldaten 7006 M. - Dem Rechnungsabschluß ist eine Chronik über die Beschlüsse der (Gemeindeverwaltungen im letzten Geschäftsjahre beigefügt. Wir entnehmen derselben den Beschluß zur Bildung einer Kommissiou betreffs Fürsorge für entlaffene Strafgefangene jüdischen Glaubens und für die Familien Jnhaftirter. Es wurden ferner j beschlossen und durch geführt die Errichtung eines neuen Coetus in der! Gemeinde-Mädchenschule, die Errichtung einer neuen Religionsschnle im j Westen von Berlin, die Erhöhung der Stellenanzahl im Reichenheimschen | Gemeiudewaisenhause um 2 Knaben- und 2 Mädchenstellen, der Neubau j einer Blumenhalle auf dem Friedhof in Weißensee und die Abänderung! der Bedingungen für die Ueberlassung von Erbbegräbnissen. Unter die! Fürsorge für den Gottesdienst fallen die Beschlüsse betreffs Einrichtung von Gasglühlichtbeleuchtung in der neuen Synagoge, für den Neudruck des Gebetbuches für die neue Synagoge und die Vermehrung der gottesdienstlichen Veranstaltungen an den hohen Festtagen. Bezüglich des Abschlusses der Revision des Gemeindestatuts und der Annahme einer Nachlaßverwaltung, welche die Gemeindeverwaltung zum Beschluß erhoben j hat, schweben noch die Unterhandlungen bezüglich der behördlichen Be-! stätigung. Die Gemeindeverwaltung beschloß den Anbau eines Seiten- ' flügels auf dem Grundstücke der Alter-Versorgungs-Anstalt in der Großen Hamburgerstraße 26 und die Herstellung einer Durchfahrt zur Neuen Synagoge auf dein Grundstücke Oranienburgerstraße 31. Allgemeiner * Theilnahme erfreute sich der in das abgelaufene Geschäftsjahr fallende! Beschluß der Annahme einer Zuwendung der Moritz Mannheimer'schen; Eheleute im Betrage von 500,000 Mk. zur Errichtung eines „Hospitals j für die jüdische Gemeinde" auf dem Grundstücke Oranienburgerstraße 31. ' Es erfolgte ferner die Annahme einiger den Instituten und Zwecken der Gemeinde gewidmerer Schenkungen und Vermächtnisse im Gesammtbetrage von 434,600 M. Der Kommission zur Abwehr des Antisemitismus wurde eine Subvention bewilligt. Zum ersten Male wird der

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