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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-01-11 · Heft 2 (11.1.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Mit Beginn der klinischen Semester siedelte Poppelauer nach Berlin über. Im Sommer 1850 erwarb er mit einer Studie zur Frauenheilkunde (De partu. praematuro artiticiali) den Doktorgrad. Seither hat er hier eine umfangreiche Thätigkeit ausgeübt. Das Begräbniß fand am Sonntag von der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes in der Schönhauser Allee aus statt. 4k Berlin, 8 Januar. Anläßlich der Feier des füllfundzwanzigjährigen Bestehens der Aktiengesellschasl Ludwig Loewe u. Co. wurde heute auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in der Schönhauser Allee am Grabe Ludwig Loewes eine Gedenkfeier abgehalten. Das Grab war mit Blumengewinden reich geschmückt. Ein mächtiger Lorberkranz, der durch einen Strauß Veilchen und weißer Rosen mit einem Palmenwedel verbunden war und auf einer schweren seidenen Schleife in Goldstickerei die Widmung der Beamten und Arbeiter der Fabrik trug, war auf dem Denkmal zu schauen. Auch andere .Kranzspenden zierten das Grabmal. Um das Grab versammelten sich mit Herrn Isidor Loewe die Mitglieder des Aufsichtsraths, des Direktoriunls, zahlreiche Beamte der Fabrik, die Meister, die Vertreter der Arbeiterschaft und viele Freunde des verstorbenen Volksmannes Der Hennebergsche Chor eröffnete die Feier mit dem Choral: „Wie sie so sanft ruhen, die Seligen." Hierauf ergriff der Inspektor der Loeweschen Fabrik, Herr Molkenthin, das Wort und feierte in kurzer Rede mit schlichten, warmempfundenen Worten in einer Ansprache, die er an den Todten richtete, dessen hervorragende Verdienste, die Anwesenden auffordernd, sein Andenken hoch in Ehren zu halten. Ein Choral, vorgetragen von dem Hennebergschen Chor, beschloß die Erinnerungsfeier. Kp. Ostrowo, 81. Dezember. Gestern Abend fand m der hiesigen dreiklassigen jüdischen R elig i on sschul e unter überaus großer Theilnahme vou Gemeindemitgliederu eine recht erhebende, von dem Dirigenten der Anstalt, Herrn Rabbiner Tr. Pleßner, angeregte Feier statt. Eingeleitet wllrde dieselbe mit dem Liede: „Moaus zur" in hebräischem Texte, dem Vorträge von Gedichten verschiedenen Inhaltes sowie ein Vortrag der Makkabäergeschichte von den angehenden Konfirmanden der Schule folgte. Alsdann wurden sämmtliche Klassen von ihren Lehrern tit sümmtlichen Disziplinen geprüft; den Abschluß des 'Abends bildete eine von Religiosität und Patriotismus durchdrungene tiefempfundene Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Pleßner, in welcher er die Jugend als die Zukunft Israels für die göttliche Thora, für König und Thron zu begeistern suchte. Die Feier schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und dem Absingen der Nationalhymne. Tags darauf versammelte sich die ganze Schülerschaar in den Räumen der Volksschule, um sich da zu Ehren des Chanukafestes in hergebrachter Weise bei Spielen gütlich zu thun, zu welchen! Anlässe insbesondere Frau Rabbiner Dr. Pleßner in der wohlwollendsten Weise ihre Zeit und Straft der Jugend widmete und Zahlreiche Geschenke spendete. X Breslau, 7. Januar. Die jüdische Wissenschaft hat einen großen Verlust erlitten. Herr Dr. David Rosin, Dozent am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar, derzeit Vorsitzender des Lehrerkollegiums, verschied am 81. v. M. plötzlich um 3 Uhr Nachmittags, nachdem er noch Vormittags den Seminarrabbiner Herrn Dr. Lewy, anläßlich seiner silbernen Hochzeit in einer längeren glänzenden Ansprache beglückwünscht hat. lieber sein Leben bringen Sie wohl aus berufener Feder einen Nachruf. Seit mehr als 27 Jahren hat der Verstorbene mit mustergiltiger Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit am hiesigen Seminar gewirkt und sich unvergängliche Verdienste um sein Gedeihen und seine Entwickelung erworben. Seiner tiefen und ausgebreiteten Gelehrsamkeit, seinem rastlosen Fleiß, seiner bis ins hohe Greisenalter sich stets gleichbleibenden Schaffensfreudigkeit verdankt die jüdische Wissenschaft eine stattliche Reihe gediegener und verdienstvoller schriftstellerischer Leistungen. Dabei zeichnete ihn eine innige umgeheuchelte Gottesfurcht, eine sittliche Hoheit und Reinheit der Gesinnung, eine liebreiche Milde und Friedfertigkeit und eine opferfreudige Hilfsbereitschaft für Jedermann aus. Ja, wir haben einen guten Mann im edelsten Sinne des Wortes begraben, und es war ungemein wehmüthig und erhebend, sowohl die Trauerfeier im Semiuar als auf dem Fried Hofe. Bei erster sprach Seminar-Rabbiner Dr. Lewy und Seminarist Fränkel, auf dem Friedhofe Dr. Rosent hal, Professor Schwarz aus Wien, und Rabbiner Dr. Guttmann. — Am 10. Dezernber v. I. hielt der Verklärte noch in jugendlicher Frische einen schönen Vortrag zum Gedächniß unseres unvergeßlichen Joöl, mit dem er gemeinsam studirt hatte, und zwar über dessen eben erschienene nachgelassene Predigten. 8. Ratibor, 3. Januar. Der hier neu gegründete „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt am 27. v. Mts. seine erste Mitgliederversammlung ab. Nach der Statutenberathung wurde der Vorstand gewählt und zwar zu Vorsitzenden die Herren Dr. Arnstein und Rabbiner Dr. Blumenthal, zu Schriftführern D. Hamburger und Dr. Eisner, zum Schatzmeister Sigmund Wechselmann, zu Beisitzern Dr. Böhm, Dr. Lindner, Louis Pinczower und Hugo Schuck. Der Verein beginnt seine Wirksamkeit mit 165 Mitgliedern. Den ersten Vortrag hielt bereits am 30. Dezember, vor etwa 500 Personen in Brucks Saal, Rektor Dr. Adler aus Berlin, ein Ratiborer, über „Die Juden in Deutschland zur Zeit der Kreuzzüge". Alt-Berun, 6. Januar. Eine rohe antisemitische Ausschreitung wurde gelegentlich einer jüdischen Hochzeitsseier in Szene gesetzt. Im Saale der Wittwe Frey hatten sich die Hochzeitsgäste um das Brautpaar versammelt und begaben sich von da aus zur Trauung nach der hiesigen Synagoge. Als von dem Rabbiner aus Pleß der Trauungsakt vollzogen werden sollte, drang, wie der Oberschl. Anz. berichtet, ein Pöbelhaufen gewaltsam in die Synagoge, erbrach die Thür zum Frauenchor, warf daselbst die Pulte urn und schlug mit Stöcken auf die Bänke, so daß der Traunngsakt in roher Weise gestört wurde. Auf dem Rückweg von der Synagoge nach dem Hochzeitshause wurden die Hochzeilsgäste mit Koth und Steinen beworfen. Guben, 6. Januar. Ich muß Ihnen heute von einem Trauerfall berichten, der unsere Stadt, noch mehr unsere Gemeinde hart getroffen hat. Am 24. v. Mts. verstarb in einem Alter von 73 Jahren der Dr. med. Kutner. Wir haben an ihm einen eifrigen Förderer alles Guten und Edlen verloren. Er war der Begründer vieler Wohlthätigkeits-Vereine; als jahrelanger Vertreter der Gemeinde ging er stets mit leuchtenden! Beispiel voran. Die Leichenfeier gestaltete sich zu einer allgemeinen Kundgebung. Eine vieltausendköpfige Elite-Versammlung gab ihm die letzte Ehre. Als langjähriger Freund und Geistesgenosse hielt Herr Lehrer Sachs dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf, welcher auf die Anwesenden einen bedeutenden Eindruck gemacht hat. Z. Dessau, 4. Januar. Wie in vielen andern Gemeinden, so wurde auch hier durch die Anregung des Herrn Landesrabbiner Dr. Freudenthal eine Chanukassier veranstaltet, die, vom besten Erfolge belohnt, lange noch herzerhebend auf die Kinder und Eltern wirken dürfte. Am 27. Dezember hatte sich die Schuljugend der Religionsschule und deren Eltern, sowie zahlreiche Gäste im Saale des Kaiserhoss versammelt. Eingeleitet wurde die Feier durch Lewandowski's vierstimmigen Chor: „Wohlan, grüßt den Ewigen". Nach dem Entzünden der Festlichter und dem Gesänge von „Schirm und Schutz" legte der Festredner, Herr Dr. Fr., den Kindern nochmals die Bedeutung von Chanuka ans Herz und ermahnte sie, stets zu bedenken, daß sie Nachkommen jener Glaubenshelden seien, die unter Juda Makkabis Fahnen nicht für irdische Güter, sondern für ihre Religion gekämpft und gesiegt. — Es folgten dann 10 auf das Fest sich beziehende Gedichte, die von 5 Schülern der Unterklassen und 5 aus den Oberklaffen der Religionsschule vorgetragen wurden, die alle lauten Beifall fanden. Der Synagogen-Chorverein erfreute noch die zahlreichen Anwesenden durch zwei Lieder: „Aus der Jugendzeit", von Stern, und Psalm 121, von Lewandowski. — Nach dem ersten Theil wurde die Jugend mit Chokolade und Kuchen bewirthet. Eine E'eschenkvertheilung an die Kleinen beendete die alle Theilnehmer vollauf befriedigende Feier, und die Veranstalter derselben dürsten es von allen Gesichtern abgelesen haben, wie erfreut sie ihre Gäste batten. Ein Festball vereinigte noch den größten Theil der Gemeinde bis in die späte Nacht. - Von dem Wohlwollen unserer Regierung ihren Israeliten gegenüber zeugt die neueste Verfügung derselben betr. den katholischen und jüdischen Religionsunterricht. Die Vorsteher öffentlicher Schulen sind angewiesen, Zeugnisse über den Religionsunterricht, welche ihnen von den zuständigen Religionslehrern rechtzeitig zugestellt werden, für die Feststellung der Gesammturtheile über das Verhalten der Schüler in Erwägung zu ziehen, bezw. zu berücksichtigen und sodann mit dem Vermerk der geschehenen Kenntnißnahme zurückzugeben, auch, falls besondere Beschwerden des Religionslehrers hierzu nach dem Urtheil der Schule begründeten Anlaß bieten sollten.

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