Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1895)
- Date
- 1895-01-04
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 ponirt und oingeübt worden war, gab der Direktor der Schule Herr Rabbiner Dr. I. Hildesheimer einen Neberblick über die geschichtliche Entwickelung derselben, in welcher er besonders ans das Vertrauen der Eltern zur Schule hinwies, das sich darin äußerte, daß sie mit 60 Schülern eröffuete und jetzt 450 Zöglinge zählt. In wehmüthigem Schmerze gedachte er seines „theuren, für die Schule unsterblichen verblichenen Freundes" Dr. Nathan Deutschlaender, der die Arbeit getragen, aber das Fest nicht geschaut hatte; zur Ehre seines Andenkes erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. Die Festrede war vom Direktor dem Lehrer Herrn Dr. Josef Wohlgemut h übertragen worden. Er zeigte, wie in der Entwickelung der Religionsschule in ihrer jetzigen Gestalt aus dem alten Cheder das jüdische Leben unseres Jahrhunderts sich wiederspiegele, daß nur eine solche Schule gedeihen könne, die, nach dem Wahrspruche „Wissen ist Macht", nicht nur auf das Gemüth, sondern auch auf den Verstand des Kindes einzuwirken sich bemühe, nnb legte dar, in welcher Weise die Eltern an diesem Streberi der Schule theilzunehmen berufen seien. Ansprachen, Deklamationen und Gesang der Kinder beschlossen die Feier, die trotz ihrer schlichten Einfachheit einen nachhaltigen Eindruck aus die Anwesenden hervorrief. ]\}k Aus der Provinz Posen, im Dezember. Am 24. Dezember feierte Herr Stadlrath Markus Hepner in Krotoschin in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Seitens des hiesigen Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung, der jüdischen Gemeinde, des Vorschußvereins waren Deputationen entsandt worden, um Herrn Hepner ihre Glückwünsche darzubringen. Auch wurde derselbe von den hiesigen städtischen Körperschaften für seine langjährigen Verdienste um die Stadt Krotoschin zum Stadtältesten ernannt. Die vielen Gratulationen, welche von Nah und Fern eingingen, zeugten von der Verehrung, welche derselbe in den weitesten Kreisen genießt. Nachmittag fand eine entsprechende Feier im jüdischen Tempel statt — Das von mehreren jüdischen Hausvätern in Kosten an den König gerichtete Gesuch, die von dem Kultusminister verfügte Auflösung der jüdischen Schule aufzuheben, ist abschlägig beschieden worden und verbleibt es bei der Einschulung in die evangelische Schule. — Der Israel. Frauenverein in Milo slaw hat zum Besten der ^lrmen unter seinen Mitgliedern einen Wohlthätigkeits-Bazar arrangirt, dessen Ergebnis; den Vorstand in den Stand setzt, einer Anzahl armer .Kinder Wintersachen zu schenken. — Zu Ehren des Herrn Dr. F. Falkson in Königsberg, der seit 50 Jahren Arzt des hiesigen israelitischen Vereins für Krankenpflege ist, fand ein Festmahl statt, bei welchem dem Gefeierten eine Adresse und ein prachtvoller silberner Blumenkorb überreicht wurde — Die jüdische Gemeinde in Danzig hat zu ihren Repräsentanten bezw. deren Stellvertretern die Herren Kaufmann Davidsohn, Kaufmann Levy, Rechtsanwalt Bohrend, Rechtsanwalt Silberstein, Kaufmann Hartmann und Hoch gewählt. — Der Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde in Wres chen, Kaufmann Wolfs Jaffe, hat wegen zu umrangreicher Thätigkeit in seinem Geschäft sein Gemeindeamt niedergelegt. * Breslau, Bl. Dezember. Die Schlesische Zeitung meldet: Der Ober-Landesgerichts-Präsident v. Kunowski begab sich heute früh zum Rechtsanwalt und Stadtverordneten-Vorsteher Justiz rat h Freund Hierselbst und übergab in höherem Aufträge das Patent, durch welches demselben vom Kaiser Wilhelm der Charakter als Geheimer Justizrath verliehen wird. Er sprach in kurzen Worten seine Freude darüber aus, daß seiner, des Präsidenten, Bitte entsprechend, die Verdienste des Geheimraths Freund uin die Rechtspflege, insbesondere an der Spitze der Kammer der Anwälte und um die kommunalen Interessen Breslaus an der Spitze der Stadtverordneten-Versanunlung, diese Anerkennung erhalten haben. kl. Eisenach, 31. Dezember. Wie schon in den beiden vorhergehenden Jahren, so hat auch in diesem Jahre wieder unser Lehrer Heidungsseld seinen Schülern und seiner Gemeinde eine schöne Chanukafeier veranstaltet. Sie fand in dem großen Tivolisaale, dem größten Saale hier, statt. Die sämmtlichen Mitglieder der hiesigen Gemeinde waren geladen, so daß der Saal vollständig gefüllt war. Herr Heidungsfeld hielt darauf einen Vortrag über die Bedeutung des Chanukafestes. Nach diesem zündeten die Knaben unter den vorgeschriebenen Lobgebetssprüchen die Chanukalichter an, worauf von der Gesammtheit der Kinderschaar das Maos Zur gesungen wurde. Darauf zog sich das Schülerkorps hinter die Eoulissen zurück, von wo sie einzeln hervortraten, ein Jeder, um die ihm zugewiesene Rolle abzuspielen. Diese bestand in dem Vortrag je eines kleineren oder größeren Gedichts, theils religiösen, theils humoristischen Inhalts. Sie kamen alle einzeln an die Reihe. Man mußte wirklich das Exakte der ganzen Ausführung, die Unbefangenheit und Sicherheit des Auftretens der Kinder und das freudestrahlende Gesicht, mit welchem ein jedes derselben an die Rampe trat, um das ihm zugetheilte Pensum vorzutragen, bewundern. Den Schluß dieses ersten Theiles der Feier bildete, nachdem ein Knabe den Prolog hierzu vorgetragen hatte, ein lebendes Bild, welches den Traum unseres Erzvaters Jakob darstellte. Der zweite Theil der Feier, obgleich anderer Art, war doch ganz dazu angethan, die gute Stimmung aufrecht zu erhalten. Er brachte den Kindern eine Bewirthung mit Chokolade und Bretzeln, welcher ein Kinderball folgte. Die ganze Gemeinde ist begeistert von dem schönen Verlauf dieser Chanukafeier. Es wird diese Feier auch hoffentlich nicht wieder aus dem Chanukafest-Programm der hiesigen Gemeinde schwinden, sondern eine bleibende Stätte in demselben behalten. Sie ist ganz allein aus der Initiative des Herrn Heidungsfeld hervorgegangen, und die ganze Arbeit lag in seiner Hand. Die hiesige Gemeinde hat in Herrn Heidungsfeld einen Kultusbeamten, der mit einer fast unverwüstlichen Arbeitskraft begabt ist, sobald es gilt, der Weckung des religiösen Sinnes innerhalb seiner Gemeinde neuen Sporn und Anlaß zu verschaffen. GD Köln, 31. Dezember. Ein provisorisches Komitee hatte auf den 25. d. M. die rheinischen und westfälischen Rabbiner und Lehrer zu einer Versammlung behufs Gründung eines Verbandes eingeladen. Etwa 30 Herren waren dem Rufe gefolgt. Das Ergebniß der mehrstündigen Berathungen war ein erfreuliches. Fast sämmtliche Theilnehmer traten dem neubegründeten Verein von Rabbinern und jüd. Lehrern in Rheinland und Westfalen bei. Aus der Debatte ging hervor, daß der Verein nicht das bezweckt, was von Einzelnen vielleicht befürchtet worden ist. Er stellt sich vielmehr die Aufgabe, die Unterstützungskaffe israelitischer Lehrer in Rheinland und Westfalen auf alle Weise zu fördern, ihr neue Mitglieder und neue Geldmittel zu gewinnen Eine Konkurrenzkasse zu begründen, liegt durchaus nicht in seiner Absicht, was einer so lange und segensreich wirkenden Kasse gegenüber ein entschiedenes Unrecht sein würde. Das Feld, auf dem die Wirksamkeit des neuen Vereins sich bewegen soll, ist ein so großes, daß es seine Kräfte mehr als genügend in Anspruch nimmt. Namentlich wird er den idealen und litterarischen Interessen der Lehrerwelt seine volle Aufmerksamkeit zuwenden. Beitrittserklärungen werden an den Vorsitzenden des Vereins Herrn Rabbiner Dr. Lazarus, Köln, Königsplatz 33 erbeten. Der Jahresbeitrag ist aus 3 Mark festgesetzt. M. 0. Bochum, 1. Januar. Die Litteraturvereine in Dortmund, Hörde, Witten, Elberfeld und Bochum bilden einen Provinzialverband und haben sich dem Centralverband der Litteraturvereine Deutschlands angeschlossen. Die Vertreter genannter Vereine hielten am 1. Weihnachtstag im Central-Hotel in Elberfeld einen Delegirtentag ab, und geben wir in Folgendem einen Auszug aus den Verhandlungen. Der Verbandsvorsitzende Herr Hühnlein-Bochum eröffnet 4^ Uhr die Versammlung in Anwesenheit von ungefähr 30 Vertretern und Gästen und ertheilt zunächst dem Vorsitzenden des Elberfelder Vereins das Wort, welcher die Erschienenen in kurzer Rede begrüßt. Darauf hält Herr Fleischhacker-Elberfeld einen interessanten Vortrag über den Nutzen der Litteraturvereine. Redner zeigt zuerst an biblischen und nachbiblischen Beispielen, wie allezeit die geistige Macht über die physische Gewalt gesiegt hat, und spricht dann in ausführlicher Weise über Wesen, Zweck und Bedeutung der Litteraturvereine. Der Vortrag war sehr lehrreich und erfreute sich des allgemeinen Beifalls. Herr Rabbiner Dr. Auerbach-Elberfeld begrüßt gleichfalls die Versammlung und wünscht den Verhandlungen einen gedeihlichen Fortgang zum Nutzen und Segen der Vereine. Der Vorsitzende dankt darauf den Herren Vorrednern und tritt alsdann in die Tagesordnung ein, deren erster Punkt lautet: „Berathung über die fernere Zugehörigkeit zum Centralverband der Litteraturvereine Deutschlands." Es liegt ein Brief des Vorsitzenden des Centralverbandes, Herrn Dr. G. Karpeles-Berlin, vor, welcher verlesen wird. In diesem Brief wird über die bisherige und zukünftige Thätigkeit des Verbandes gesprochen und die fernere Zugehörigkeit der Provinzialvereine zum Verband wärmstens empfohlen. Ein Antrag des Herrn Rothschild, als Vertreter des Dortmunder Vereins, „die Zu-