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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-29 · Heft 52 (29.12.1893) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 52 (29.12.1893)
Date
1893-12-29
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 »entsprechendes Kostgeld untergebracht, wobei für jedes Kind ein Pfleger »bestellt wird, der um das leibliche und geistige Wohlergehen seines Pflegekbefohlenen sich speziell zu fünimeri: hat Den Schulunterricht erhalten «die Kinder in den allgemeinen Volksschulen, und zwar — Dank der «Minisizenz unseres Magistrats — ganz kostenlos. Durch diese Methode Weiser Sparsamkeit ist es dem Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens »gelungen, mit kleinen Mitteln große Erfolge zu erzielen. Es Iwar ihm möglich geworden, nicht allein 21 Kinder dem Elend zu entreißen und sie einer gesicherten, wenn auch keiner glanzenden Zukunft entgegen »zu führen, sondern noch ein Baarkapital von 10,000 M. zu sammeln. «Die Mittel des Vereins fließen aus den regelmäßigen Beiträgen der «Mitglieder, aus den einmaligen Beiträgen und aus alljährlich veranstalteten LWohlthätigkeitskonzerten. Im verflossenen Jahre brachten die Mitglieds- Beiträge 4585 M., Geschenke, Zuschüsse und Zinsen 4008, und das Konzert »900 M. ein. Auch in diesem Jahre wurde ein solches Konzert Veranstaltet, das stark besucht wurde und einen Reinertrag von 3000 M. keingebracht haben soll. Nächst dem Wohlthätigkeitssinn der hiesigen Juden «hat der Verein dieses günstige pekuniäre Resultat dem Umstand zu «verdanken, daß fast alle musikalischen Berühmtheiten, dieBreslau aufzuweisen «hat, sich zusammengethan haben, um das Wohlthätigkeitsfest zu verherrlichen. fDer große pekuniäre und moralische Erfolg des Konzerts beweist, dvie der Verein von den Sympathien aller Breslauer Juden getragen swird. Diese Sympathien verdankt er offenbar seiner weisen Sparsamkeit, ßwelche es ihm ermöglicht, mit 4000 M. 21 Waisen zu erziehen. Wir »gönnen den armen Waisen das fast komfortabel zu nennende Leben, k welches sie in manchen Waisenhäusern Deutschlands führen, gewiß aus vollem Herzen. Was soll aber aus solchen Zöglingen, deren Erziehung [800 M. jährlich 07 M. monatlich pro Kopf erfordert, werden, wenn I fie die Anstalt verlassen müssen und nun völlig mittellos in die unbarmherzige kalte Welt gestoßen werden! Namentlich thun uns die armen Mädchen leid, die eine ganze Reihe von Jahren in einein palastähnlichen kHause gewohnt und da ein Leben geführt hatten, wie es nur vom besseren «Mittelstand gekannt wird. Muß da nicht das verwöhnte, nun auf sich 'selbst und seine geringen Kräfte angewiesene Mädchen sich nicht höchst unglücklich fühlen? Muß es nicht da durchaus auf den Doktor, den Rechtsanwalt, den Kaufmann warten, der sie, wie der Prinz in den Märchen, aus der bitteren Armuth in ein schönes glänzendes Heim führen soll? Die herrschaftliche Erziehung bringt den Zöglingen keinen Segen, dagegen ist sie insofern schädlich, als sie viel Geld verschlingt, mit dem man die dreifache Zahl von Waisen hätte erziehen können, die nur aus Mangel an Mitteln in den Anstalten keine Aufnahme finden und rettungslos draußen in der Welt verkommen und verderben müssen. Aus diesem Grunde können wir das Vorgehen des Vereins, welcher 1892 für die Erziehung und Ernährung von 21 Waisen nur 4000 M. 190 pro Kopf jährlich ausgegeben hat, nur billigen. Die Kinder würden da gleich in Kreise gebracht, aus denen sie hervorgegangen sind und welchen sie vermöge der sozialen Stellung ihrer verstorbenen Eltern später nothwendig werden angehören müssen. Den Rest seiner Einnahmen in der Höhe von nahezu 5000 M. legt der Verein zum eisernen Fond. Die Noth wendigkeit eines solchen Fonds folgt aus dem Umstande, daß ein Verein, welcher sich gegen seine Pfleglinge auf Jahre hinaus verpflichtet, nicht auf die schwankenden Einnahmen aus Jahresbeiträgen allein angewiesen sein kann. Nichts desto weniger will uns die zurückgelegte Summe im Betrage von 5000 M. ein wenig zu hoch scheinen. Der Verein sollte den Sympathien der DJfcrn D^£rH etwas mehr vertrauen und dafür von den eingegangeuen 15 Gesuchen um Aufnahme etwas weniger als 11 zurückweisen. Sein eiserner Fond würde selbst im Falle, daß sämmtliche 15 Gesuche berücksichtigt worden wären, statt 10,000 nur 8000 M. betragen. Dafür hätte der Verein der ganzen Noth abgeholfen und bei weiteren 11 Kindern Vater- und Mutterstelle vertreten. Ems, 17. November. Dem soeben zur Ausgabe gelangten „Sechsten Bericht der Emser Heilquelle (nmjve twjeseliuoll) des Unterstützungs- Vereins für arme jüdische Kurbedürftige für das Jahr 1893" entnehmen wir folgende Zahlen über die Thätigkeit des genannten Vereins. 20 arme jüdische Kurgäste wurden im Jahre 1893 theils mit Unterstützung, theils mit freier Pension bedacht. Die Gesammtausgaben für diese Zwecke beliefen sich auf M. 1322 41. Außerdem erhielten fremde und hiesige Nichtkranke zusammen M. 272.40 Rechnet man noch sonstige Ausgaben. Portos, Couverte und Drucksachen M. 95.81, so ergiebt sich j eine Gesammtausgabe von M. 1090.02, welcher eine Einnahme von j M. 2205.15 gegenübersteht. Im 2. Jahre seines Bestehens konnte der Verein 15, im dritten 23, im fünften Jahre 20 arme Kurbedürftige (im letzteren nüt einer Gesammtausgabe von M. 2127.78) unterstützen. Der Verein ist in diesem Jahre also zurückgegangen. Die Verwaltung begründet diesen Rückschritt durch einen im letzten Jahre nicht unerheblichen j Rückgang an Einnahmen. Viele der Reichbegüterten hätten auf direkte j Aufforderung des Vereins entweder ablehnend oder gar nicht geantwortet! Diese äußerst schlechten Auspizien, unter denen das Jahr begonnen, hätten i den Vorstand veranlaßt, 1. nur eine dreiwöchentliche Kur aus Vereins-! Mitteln zu gewähren, und 2. für eine billigere Pension und Unterbringung ' der Kranken zu sorgen. Herr Horsch, Nottingham, spendete in dem Bei richtsjahr der „Emser Heilquelle" 2OO Mark, ja, er versprach sogar, in j absehbarer Zeit dem Verein „majne hajeschuoh“ ein Krankenhaus errichten j zu wollen. j Oesterreich - Ungarn.! □ Wien, 24. Dezember. Das Testament des Freiherrn Moriz j von Köuigswarter bestimmt 250,000 fl. für humanitäre und öffentliche! Institute. Von seiner: „geringfügigen Schmuckgegenständen und sonstigen j oft gebrauchten Objekten" bestinnnte er Artikel XVII für nachbenannte Persönlichkeiten: „Meine Schwäger Wilhelm und Alfred'von Wertheimstein, j meinem hochverehrten Freund Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, den: j hochwürdigsten Superintendenten Dr. Theodor Haase" zum Andenken.! Wie bekannt, hat Baron Königswarter dem ältesten männlichen Nachkommen i seines Zweitältesten Sohnes, des Baron Heinrich Königswarter, als Legat j eine große Herrschaft in Ungarn im Werthe von mehreren Millionen i Gulden und eine Jahresrente von 20,000 fl. vermacht. Dieses Vermächtnis;! war jedoch an die Bedingung geknüpft, daß weder der Legatar selbst, j noch sein Rechtsnachfolger vom jüdischen Glauben ab fallen und! eine Ehe nur mit einer Jüdin eingehen dürfen, widrigenfalls sie den Betrag von einer Million Gulden an verschiedene im Testamente bezeichnete jüdische Stiftungen herauszubezahlen hätten. Die Rechts- , giltigkeit der eben erwähnten Beschränkungen bildete nun im Zuge der Verlassenschaftsabhandlung den Gegenstand einer Berathung des Handelsgerichtes Wien, welches als Verlassenschaftsbehörde fungirt, und wie wir; erfahren, hat dasselbe nach eingehender mehrstündiger Berathung in einem sogenannten großen, das heißt aus sieben Mitgliedern bestehenden Senate nüt 4 gegen 3 Stimmen sich für die Rechtsgiltigkeit der obigen : Bedingungen ausgesprochen. — Der Tod des kaum 33 Jahre alten , Professors der mathematischen Physik an der Wiener Universität Dr. Gottlieb Adler erregt in weiteren Kreisen schmerzliches Aufsehen. Professor Adler hatte durch fünf Jahre als Privatdozent für Mathematik ' und Physik gewirkt. Im letzten Herbste erst erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor für mathematische Physik. Allein der zu Beginn seiner Lehrthätigkeit einst so hoffnungssrohe, nun durch herbe Enttäuschungen und Zurücksetzungen auch seelisch hart getroffene Mann! war bereits ein Sterbender. Im Oktober schleppte er sich noch in den Lehrsaal, um seine Antrittsvorlesung zu halten; den Rückweg konnte er nicht mehr zu Fuß zurücklegen und seither hat er die Wohnung nicht verlassen. Unter solcher: Unfftünden berührte ihn die Verleihung der Professur sowohl wie seine inzwischen erfolgte Ernennung zun: Vizepräsidenten der mathematischen Gesellschaft in Wien wie eine Ironie des Schicksals. Das Leichenbegängniß fand Sonntag unter großer Betheiligung statt. In: Trauerhause wohnten der Trauercerenwnie viele Professoren, Dozenten und Schüler der philosophischen und anderer Fakultäten, der | Kultnsvorstand, sowie der Vorsteher der Chewra-Kadischa und die ' Hinterbliebenen des jungen Gelehrten bei. Unter Abstngung von Trauer-; gesängen durch Oberkantor Singer wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und zur Beerdigung auf den Centralfriedhof gebracht.! Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt dem Heimgegangenen eine ergreifende Gedenkrede. — Wie die „Wiener Zeitung" meldet, hat der Kaiser den: außerordentlichen Professor des Strafrechtes und Strafprozesses an der Universität in Krakau Dr. Josef Rosenblatt den Titel und Charakter eines ordentlichen Universitäts-Professors verliehen. Türkei. F. Jerusalem, 24. November. In der unter Leitung des Herrn Nissim Behar stehenden Schule wird demnächst für die hebräische Sprache > eine neue Lehrkraft, nachdem dieselbe durch Abgang des Lehrers Jos.

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